Vor dem Frost

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Vor dem Frost
Genre Kriminalroman
Originaltitel Innan frosten
Sprache (Originalausgabe) Schwedisch
Seitenanzahl 544 Seiten (gebunden)
520 Seiten (Taschenbuch)
Ersterscheinung Schweden: 2002
Deutschland: 2003
ISBN (gebunden) ISBN 3-552-05219-4
ISBN (gebunden) ISBN 978-3-552-05219-2
ISBN (Taschenbuch) ISBN 3-423-20831-7
ISBN (Taschenbuch) ISBN 978-3-423-20831-4

Vor dem Frost (Originaltitel: Innan frosten) ist der zehnte Teil der elfteiligen Kurt-Wallander-Serie des schwedischen Schriftstellers Henning Mankell. 2002 erschien er erstmals in Schweden, 2003 in Deutschland. Er ist als einziges in der Reihe aus der Perspektive von Linda Wallander, der angehenden Polizistin und Tochter Kurt Wallanders, geschrieben.

Inhalt[Bearbeiten]

Prolog: Jonestown[Bearbeiten]

Den Prolog bildet ein Blick auf die Ereignisse in Jonestown im November 1978, das zu dieser Zeit Schauplatz eines Massenmordes und -selbstmordes wurde. Erik Westin, der aus Schweden geflohen war und sich der messianischen Bewegung von Jim Jones angeschlossen hatte, kann als einziger entkommen.

1. Kapitel: Aaldunkel[Bearbeiten]

Am 21. August 2001 fliegen im schwedischen Schonen brennende Schwäne über den Marebo-See (Marebosjö). Der Mann, der sie angezündet hatte, informiert anschließend die Polizei. Kurt Wallander untersucht den Fall routinemäßig und nimmt dabei seine Tochter Linda mit, kann aber am fraglichen See keine Spuren entdecken. Der Fall wird ad acta gelegt. Linda wohnt in der Wohnung ihres Vaters und bereitet sich auf den Polizeidienst vor, den sie am 10. September in Ystad beginnen soll. Im Laufe des Sommers hatte sie ihre Freundschaften mit Anna Westin und Lill Zeba („Zebra“), zwei Freundinnen aus der Schulzeit, aufgefrischt. Bei einem Treffen mit Linda behauptet Anna, sie habe bei einem Ausflug in Malmö ihren seit 24 Jahren verschwundenen Vater gesehen. Linda bezweifelt dies, ohne Anna direkt zu widersprechen.

Am nächsten Tag, dem 27. August, verschwindet Anna aus ihrer Wohnung. Linda glaubt nicht an eine natürliche Erklärung und dringt in Annas Wohnung ein, kann jedoch keine Hinweise auf den Grund des Verschwindens finden. Zwischenzeitlich wird ein polizeilicher Fall bekannt, der eine Ähnlichkeit mit den brennenden Schwänen aufweist: auf einem Bauernhof wurde ein Kalb angezündet und starb. Linda darf ihren Vater bei den Ermittlungen vor Ort begleiten. Als Täter wird ein Sadist vermutet. Auf ihrer Suche nach dem Verbleib ihrer Freundin hat Linda inzwischen begonnen, Annas Tagebücher zu lesen. Linda entdeckt dort Notizen (Meineide, Vatikan), die sie nicht versteht. Bei einer weiteren Ermittlung, an der Linda an Seite ihres Vaters teilnimmt, findet sie einen Verknüpfungspunkt zu den Tagebüchern: Die Kulturgeographin Birgitta Medberg, die die Geschichte von Wegen und Pfaden erforscht, wird vermisst.

Linda findet in einem von Annas Tagebüchern einen Hinweis auf einen Brief, den Anna von Birgitta Medberg erhalten hat. Sie verschafft sich Zugang zu Medbergs Wohnung und findet dort die Karte eines Gebiets, das Medberg mutmaßlich vor ihrem Verschwinden erkunden wollte. Linda fährt zu dem Waldgebiet bei Rannesholm und findet auf einem Parkplatz das Motorrad von Birgitta Medberg. Sie verständigt ihren Vater, mit dem sie anschließend das Waldgebiet durchsucht. In einer versteckt gelegenen Hütte finden sie schließlich die zerstückelte Leiche von Birgitta Medberg.

2. Kapitel: Die Leere[Bearbeiten]

Birgitta Medbergs abgehackte Hände sind zu einem Gebet gefaltet. In einer Bibel, die in der Hütte lag, sind Anmerkungen enthalten, die den Sinn der Schrift korrigieren wollen. Derweil entdeckte Linda, dass sich ein Fremder Zutritt zu Annas Wohnung verschafft haben muss.

Linda will Anna als vermisst melden, gibt diesen Plan jedoch im letzten Moment auf. Nach dem Fund der Leiche von Birgitta Medberg erfährt Linda, dass diese Schmetterlingssammlerin war. Ein Schmetterlingsbild war aus Annas Wohnung verschwunden, was in Lindas Augen den Zusammenhang zwischen Anna und Birgitta Medberg erhärtet. Auch die Polizei nimmt das Verschwinden von Anna nun ernst. Linda ist auf dem Weg, Annas Mutter zu besuchen, als sie diese mit einem Mann reden hört. Sie kehrt um und tritt auf dem Weg zurück zum Auto in eine Tierfalle. Die Angaben von Annas Mutter über das Aussehen des Mannes gegenüber der Polizei stimmen nicht mit Lindas Erinnerungen überein. Im Briefkasten der Wohngemeinschaft von Anna in Lund, wo diese Medizin studieren soll, findet Linda einen Brief mit einem Hinweis auf ein als Versammlungsstätte dienendes Haus in Lestarp.

Linda fährt dorthin und kann den Eigentümer des Hauses, das einer sektenartig anmutenden Menschengruppe als Treffpunkt dient, ausfindig machen: Den Norweger Torgeir Langaas. Linda will diesen in seiner Wohnung in Kopenhagen aufsuchen, findet diesen nicht auf, wird aber dort bedroht und niedergeschlagen. Ein Mann wird der Tat überführt, gibt aber ein falsches Geständnis über das Tatmotiv ab. In Annas Tagebuch findet Linda den Hinweis auf einen Mann, der im selben Haus wohnt und fährt erneut nach Kopenhagen. Linda findet heraus, dass die Wohnung des verwirrten und dementen Manns einer anderen Person als Unterschlupf dient. Nach Lindas Rückkehr aus Kopenhagen wird in Ystad eine Kleintierhandlung in Brand gesteckt. Ein Mann ruft: Gott hat gefordert. Es ist der dritte Fall, in dem Tiere gezielt ermordet wurden.

3. Kapitel: Das Tau[Bearbeiten]

Plötzlich taucht Anna wieder in ihrer Wohnung auf. Sie gibt an, auf die Suche nach ihrem Vater gegangen zu sein, diesen aber nicht gefunden und endgültig die Hoffnung aufgegeben zu haben, dass er noch lebt. Anna wird von der Polizei zum Verhör eingeladen, das Kurt Wallander führt. Linda und ihr Vater sind der Überzeugung, dass Anna in wesentlichen Punkten lügt. Bevor diese Untersuchung abgeschlossen werden kann, kommt es zu dramatischen Ereignissen: zwei Kirchen in Schonen werden angezündet und brennen nieder. In einer der Kirchen wurde zuvor eine Frau in einem erkennbar rituellen Mord erdrosselt. Sie kann als Amerikanerin identifiziert werden und trägt einen Anhänger in Form einer Sandale. Linda weiß von der Vergangenheit von Annas Vater, Erik Westins, als Sandalenmacher.

Linda, Anna und Zebra treffen sich zusammen in einem Café. Als das Gespräch auf Zebras Kind fällt, bemerkt diese beiläufig, dass sie schon einmal abgetrieben habe. Anna reagiert empört und verlässt die beiden.

4. Kapitel: Der dreizehnte Turm[Bearbeiten]

Linda darf Wallanders Kollegen Stefan Fredman begleiten, als dieser einen Schlosser nach einem Mann befragt, der die Anfertigung von Schlüsseln in Auftrag gegeben hat, mit denen die Täter sich Zugang zu den zwei abgebrannten Kirchen verschafft haben könnten. Dann erfährt Linda von Anna, dass Zebra verschwunden ist und ihren Sohn zurückgelassen hat. Als Linda Details zu einer in Kopenhagen ermordeten Prostituierten bekannt werden, deren Hände zum Gebet gefaltet wurden, kann sie die Fälle miteinander verbinden: Die Prostituierte hatte ebenso wie Zebra und, wie später bekannt wird, auch die in der Kirche ermordete Amerikanerin, Abtreibungen vorgenommen. Eine christliche Erweckungsbewegung wird nunmehr als Urheber der Geschehnisse vermutet.

Torgeir Langaas kann durch Stimmenvergleiche als der Anrufer identifiziert werden, der am Anfang der Gewaltserie die Schwäne über dem Marebo-See in Brand gesetzt hatte und mutmaßlich neben Erik Westin auch an den weiteren Taten beteiligt war. Nach der Kontaktaufnahme mit den norwegischen Behörden erfährt die Polizei, dass Torgeir Langaas neunzehn Jahre zuvor aus seinem Land verschwand und Haupterbe eines vermögenden Reeders war. Zebras Verschwinden wird nun äußerst ernst genommen. Es wird befürchtet, dass Erik Westin und seine Mithelfer sie wegen ihrer Abtreibung ermorden wollen. Auch Anna, die inzwischen erneut verschwunden ist, wird von der Polizei gesucht. Eine Theologin untersucht die im Wald bei Rannesholm gefundene Bibel und stellt fest, dass die Autoren der korrigierten Version dort nach einer „verborgenen Wahrheit“ suchen.

Anna ruft im Polizeipräsidium an und will mit Linda reden. Als beide sich außerhalb des Präsidiums treffen, verhält Anna sich auffällig. Sie gehen im Streit auseinander. Linda folgt Anna, die vor ihrer Wohnung von einem Wagen mitgenommen wird und zu einem in Meeresnähe gelegenen Haus bei Sandhammaren führt. Linda versteckt sich vor dem Haus und erfährt, dass Erik Westin und seine Gefolgsleute planen, am nächsten Tag – dem 8. September – dreizehn Dome in Schweden zu sprengen. Mit dem letzten soll ein „großer Reinigungsprozess“ beginnen. Linda will zurückkehren, doch ist entdeckt worden und wird von Torgeir Langaas eingeholt, im Kofferraum eines Autos in ein unbekanntes Kirchengebäude gefahren und dort gemeinsam mit der bereits gefangenen Zebra in der Sakristei eingesperrt. Anna hilft den beiden, indem sie ihnen ein Handy zur Verfügung stellt. Anhand der Geräusche von Flugzeugen kann die Polizei den Standort der Kirche feststellen.

Zebra soll in der Kirche mit einem Tau erdrosselt werden. Im letzten Moment stürmt die Polizei die Kirche. Bei dem Schusswechsel stirbt Anna, Erik Westin und Torgeir Langaas können entkommen. Die Polizei erreicht die Nachricht, dass ein mit Dynamit beladener Lastwagen in den Dom zu Lund gefahren sei. Die geplanten Angriffe auf die anderen Dome sind jedoch vereitelt worden. Torgeir Langaas begeht mit einem Auto Selbstmord, während Erik Westin noch nicht gefasst werden konnte. Als Linda Wallander mit einem Tag Verspätung am 11. September 2001 ihren Polizeidienst in Ystad aufnimmt, versammeln sich am Nachmittag die Polizisten vor dem Fernseher, um einer Nachrichtensondersendung über die Ereignisse in den USA zu folgen.

Epilog: Das Mädchen auf dem Dach[Bearbeiten]

Der Epilog des Buches spielt am 23. November 2001. Linda, die selbst zweimal ihren Suizid geplant hatte, kann ein sechzehnjähriges Mädchen davon abhalten, vom Dach eines Mietshauses zu springen.

Adaptionen[Bearbeiten]

Am 14. Januar 2005 wurde die Verfilmung des Romans im schwedischen Fernsehen als TV-Krimi erstmals ausgestrahlt. Vor dem Frost bildete den Auftakt zur Serie Mankells Wallander. Die Rolle des Kurt Wallander übernahm erstmals Krister Henriksson, die Hauptrolle der Linda Wallander übernahm Johanna Sällström. Die deutsche Version wurde am 2. Juni 2006 vom Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt. 2003 erschien in Der Hörverlag das deutsche Hörspiel zum Buch. Am 18. Juli 2007 wurde das Stück erstmals unter der Bearbeitung und Regie von Wolfgang Rumpf am Berliner Kriminal Theater aufgeführt.

Weblinks[Bearbeiten]