Vordemwald

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Vordemwald
Wappen von Vordemwald
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zofingenw
BFS-Nr.: 4287i1f3f4
Postleitzahl: 4803
Koordinaten: 634910 / 23626847.2763857.900012430Koordinaten: 47° 16′ 35″ N, 7° 54′ 0″ O; CH1903: 634910 / 236268
Höhe: 430 m ü. M.
Fläche: 10.15 km²
Einwohner: 1815 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 179 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 4,6 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.vordemwald.ch
Karte
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Dorfzentrum mit Kirche und Schule

Vordemwald (schweizerdeutsch: ˈfɔrəˌʋɑʊd)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zofingen im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Südwesten des Kantons an der Pfaffneren.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde befindet sich im Tal der Pfaffneren, die von Süden nach Norden fliesst und bei Rothrist in die Aare mündet. Mehr als die Hälfte der Gemeindefläche ist bewaldet. Der Unterwald im Westen und der Boowald im Südwesten sind Teil des grössten zusammenhängenden Waldgebiets des Kantons Aargau. Das Tal und die Anhöhen im Südosten und Norden wurden im Laufe der Jahrhunderte gerodet. Rund um das Dorfzentrum befinden sich einzelne Weiler, Rümlisberg im Norden, Benzligen im Südosten und Chratzeren im Süden.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1015 Hektaren, davon sind 588 Hektaren bewaldet und 73 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich im Boowald auf 550 Metern, der tiefste auf 414 Metern an der Pfaffneren.

Nachbargemeinden sind Rothrist im Norden, Strengelbach im Osten, Brittnau im Südosten und Murgenthal im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Reformierte Kirche

Im 9. und 10. Jahrhundert stieg die Bevölkerung in Zofingen stark und dehnte sich über die Wigger nach Westen in den Urwald aus. Auf den frisch gerodeten Anhöhen entstanden acht Steckhöfe. Die als «Waldviertel» bekannten Steckhöfe wuchsen stetig. Ihre Bewohner lebten weitestgehend autonom und kümmerten sich kaum um den übergeordneten Staat. Die erste urkundliche Erwähnung der Siedlungen «vor dem Walde» erfolge um 1303/08 im Habsburger Urbar.[3]

Im Mittelalter war das Gebiet um Vordemwald Bestandteil des Amtes Aarburg, das im Besitz der Grafen von Frohburg war. Sie verkauften das Amt 1299 an die Habsburger, die damit sowohl die niedere wie auch die hohe Gerichtsbarkeit besassen. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; die Gegend gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem Berner Aargau. 1528 führten die Berner die Reformation ein.

Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Der westlich der Wigger gelegene Teil des Amts Aarburg gehörte zunächst zum Kanton Bern (Distrikt Langenthal) und wurde dann im März 1803 dem Kanton Aargau angefügt. Am 17. August 1803 fand erstmals eine Gemeindeversammlung statt und die Steckhöfe wurden unter dem neuen Namen Vordemwald vereinigt. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb die Gemeinde landwirtschaftlich geprägt, das Bevölkerungswachstum war im Vergleich zum übrigen Bezirk unterdurchschnittlich.

Vordemwald war einer der Spielorte der Faustball-Weltmeisterschaft 1999.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss ausgerissene grüne Tanne, unten belegt mit rotem V.» Die Gemeindesiegel von 1811 und 1872 zeigten eine ausgerissene Tanne mit den Buchstaben G und W für «Gemeinde Wald». Später liess man die Buchstaben weg, da diese oft zu spöttischen Bemerkungen Anlass boten («Grössen-Wahn»). Um Verwechslungen mit ähnlichen Tannenwappen zu vermeiden, wurde 1962 das grosse V für Vordemwald hinzugefügt.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 565 1143 1243 1174 1435 1489 1557 1550 1639 1789 1700

Am 31. Dezember 2013 lebten 1815 Menschen in Vordemwald, der Ausländeranteil betrug 4,6 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 70,2 % reformiert und 18,7 % römisch-katholisch; 1,6 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 96,1 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,4 % Italienisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Zofingen zuständig. Vordemwald gehört zum Friedensrichterkreis Brittnau.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Dorfstrasse im Zentrum von Vordemwald

In Vordemwald gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 540 Arbeitsplätze, davon 11 % in der Landwirtschaft, 33 % in der Industrie und 56 % im Dienstleistungsbereich.[9] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in Zofingen und Umgebung.

Wichtigster Arbeitgeber ist das Pflegeheim Sennhof. Es wurde 1898 als Heim für verwahrloste und verwaiste Knaben gegründet und 1931 in ein Pflegeheim für Langzeit- und Chronischkranke umgewandelt.[10]

Verkehr[Bearbeiten]

Vordemwald liegt an der Hauptstrasse zwischen Zofingen und Langenthal, Nebenstrassen führen nach Rothrist und Pfaffnau. Die Anschlüsse Rothrist und Reiden der Autobahn A2 sind nur wenige Kilometer entfernt. Die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz erfolgt durch eine Buslinie der Gesellschaft SZR zum Bahnhof Zofingen.

Bildung[Bearbeiten]

Schulhaus
Pflegeheim Sennhof

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Vordemwald selber oder in Brittnau besucht werden, die Bezirksschule in Zofingen, Brittnau oder Rothrist. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Zofingen und Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gemeinde Vordemwald (Hrsg.): Vordemwald 200 Jahre beim Kanton Aargau. Verlag Zofinger Tagblatt, Zofingen 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vordemwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 452–454.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1108, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 308.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  10. Pflegeheim Sennhof