Voronya-Höhle

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Voronya-Höhle
Lage: Abchasien, Georgien
Höhe: 2250 m
Geographische
Lage:
43° 24′ 35″ N, 40° 21′ 44″ O43.40972222222240.3622222222222250Koordinaten: 43° 24′ 35″ N, 40° 21′ 44″ O
Voronya-Höhle (Georgien)
Voronya-Höhle
Geologie: Kalkstein
Typ: aktive Wasserhöhle, hochalpine Höhle
Entdeckung: 1960 von georgischen Geologen
Gesamtlänge: 16,058 km[1]
Niveaudifferenz: 2191 m[1]
Besonderheiten: tiefste Höhle der Welt

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Die Voronya-Höhle (auch Krubera-Höhle; georgisch კრუბერის გამოქვაბული) ist eine Höhle in Abchasien, Georgien. Die Kalksteinhöhle befindet sich im Arabika-Massiv im westlichen Kaukasus, nächstgelegene Ortschaft ist Tsandripsh an der Küste des Schwarzen Meeres. Mit vermessenen 2191 Metern ist sie die tiefste bekannte Höhle der Welt.

Lage[Bearbeiten]

Die Höhle befindet sich im Arabika-Massiv, einer mächtigen, aus Kalken des Jura und der Kreide aufgebauten Kalksteintafel, die von den tief eingeschnittenen Canyons der Flüsse Sandripsh, Kuturusha, Gega und Bzyb begrenzt wird. Im Süden schließt das Schwarze Meer an, wobei die Kalkformation sich unter der Meeresoberfläche fortsetzt. Im zentralen Teil besitzt das Massiv Hochgebirgscharakter und liegt über der Waldgrenze, die in der Region etwa auf 1.800 bis 1.900 Höhe liegt; die höchsten Erhebungen der Gagra-Kette, der Arabika-Gipfel und die "Spitze der Höhlenforscher" (Peak of Speleologists) erreichen 2.695 und 2.705 Meter Höhe. Das durch niedrige Ketten und Hochtäler gegliederte Hochplateau liegt überwiegend auf 2.000 bis 2.350 Meter Höhe. Der Höhleneingang befindet sich im seicht eingeschnittenen Ortobalagan-Tal, einer glazialen Rinne, auf 2.256 Metern Höhe. Es handelt sich um eine typische Glaziokarst-Region mit einigen Hundert bisher bekannten Höhlen, von denen fünf mehr als 1.000 Meter Tiefe erreichen.[2][3]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Höhle beginnt mit einem etwa einen Meter breiten, vier Meter langen 60 Meter tiefen, senkrechten Schacht, sie ist durchgehend extrem steil und besteht überwiegend aus einer Abfolge senkrechter Schächte, die durch enge, gewunde Passagen verbunden sind. In größerer Tiefe eingeschaltet sind flachere, der Gesteinsschichtung folgende Passagen, die wesentlich älter sind als die übrige Höhle. Im Eingangsschacht nisten zahlreiche Krähen, von denen der zweite Name der Höhle abgeleitet ist (Voronja, von voron). In etwa 95 Meter Tiefe befindet sich eine Engstelle, die die Erforschung der tieferen Abschnitte der Höhle für Jahrzehnte verhinderte. Ungewöhnlich ist die bis in extreme Tiefen reichende ungesättigte (vadose) Zone mit luftgefüllten Hohlräumen. Innerhalb der Kalksteintafel sind wassergesättigte Horizonte in verschiedene Tiefe eingeschaltet, in denen rasch fließende Gewässer über das Kluft- und Höhlensystem direkt ins Schwarze Meer entwässern, teilweise in bis zu 400 Meter Wassertiefe. Die Höhle verzweigt sich in etwa 300 Meter Tiefe in zwei getrennte Schächte, auch der zweite erreicht 1.697 Meter Tiefe.

Die Höhle ist den größten Teil des Jahres überwiegend luftgefüllt mit minimaler Wasserführung im Winter und Maximum während der Schneeschmelze zwischen Ende Mai und Juli. In dieser Zeit sind einige Schächte und zahlreiche Passagen unterhalb von 1.000 Meter Tiefe wassergefüllt (von Höhlenkundlern Siphone genannt). Ein permanenter Höhlenfluss ist ab 340 Meter Tiefe vorhanden, aber nicht überall zugänglich, seine Wasserführung steigt bis zur Endtiefe nicht an. Die Wasser- und Lufttemperatur erreicht ein Minimum von 1,0°C und steigt nach unten hin bis auf 7,2°C in 2.000 Meter Tiefe an; sie ist, wie typisch für Höhlen, ganzjährig mehr oder weniger konstant. Wie typisch für Glaziokarst, ist die Temperatur für die jeweilige Tiefe durch fallend kalte Luftmassen ungewöhnlich niedrig.

Der tiefste erreichbare Punkt im Höhlensystem in 2.191 Meter Tiefe ist nur noch 60 Meter höher als der Wasserspiegel des Schwarzen Meeres. Das gesamte Karstsystem, von dem die Höhle einen Teil darstellt, erreicht von den höchsten Höhen bis zum tiefsten untermeerischen Süßwasseraustritt eine Gesamthöhe von 2.700 Meter.[2]

Chronologie der Erforschung[Bearbeiten]

Die Höhle wurde 1960 von georgischen Geologen entdeckt. Sie wurde benannt nach Alexander Kruber (1871–1941), einen der Pioniere der russischen Karstforschung. Die systematische Erforschung begann 1980 durch den ukrainischen Kyiv Speleological Club mit Alexandar Klimchouk. 1987 waren 340 Meter Tiefe erreicht, dann musste die Erforschung wegen der politischen Instabilität (Abspaltung Abchasiens durch bewaffnete Separatisten, Krieg von 1992 bis 1994) bis 1999 unterbrochen werden. Im Januar 2001 erreichten die Höhlenforscher eine Tiefe von 1710 Metern[4] Mit der Voronya-Höhle galt nun zum ersten Mal in der Geschichte der Höhlenforschung eine Höhle außerhalb des westlichen Europas als die tiefste der Welt. Ein Cave Exploration Team (CAVEX) unter Leitung von Alexander Klimchouk stieg im Juli 2005 zunächst 2040 Meter und im Oktober 2005 bis 2164 Meter tief hinab. Eine im September 2007 beendete Expedition vergrößerte den erforschten Teil der Höhle auf die Tiefe von 2191 Metern. Bis zur Oberfläche des 13 km entfernten Schwarzen Meeres verbleiben damit noch etwa 60 Meter. Die Erforschung der Höhle wird durch internationale Teams weiter fortgesetzt.[5]

Höhlenfauna[Bearbeiten]

Die Höhle besitzt eine reiche Fauna aus spezialisierten wirbellosen Tierarten (der Fachausdruck ist Troglobionte).,[6] sowohl luftatmende wie auch wasserlebende (aquatische) Arten der Höhlengewässer (Besiedler des Karstgrundwassers, Stygobionta). Besiedler wurden dabei bis in mehr als 2.000 Meter Tiefe angetroffen. Insgesamt wurden 16 Arten in der Höhle gefunden, davon 8 stygobionte mit morphologischen Anpassungen wie zum Beispiel Rückbildung der Augen und der Pigmentierung, und verlängerte Gliedmaßen. In dem Siphon in 2.140 Meter Tiefe lebten noch Süßwassergarnelen der Gattungen Troglocaris und Zenkevitchia, der Springschwanz Plutomurus ortobalaganensis kam bis in 1.980 Meter Tiefe vor. Die geflügelte Wintermücke Trichocera maculipennis war in allen Tiefen anzutreffen. Spitzenprädator in der Höhle ist der troglobionte Pseudoskorpion Neobisium birsteini. Eine weitere bemerkenswerte Art, der Nestkäfer Catops cavicis[7] erreicht 600 Meter. Eine Laufkäfer-Art, Duvalius abyssimus wurde aus der Höhle erstbeschrieben und ist bis heute noch nirgends anders gefunden worden.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexandre Klimchouk, Youri Kasjan: A la recherche du moins 2000. Le gouffre Krubera (Voronya). In: Spelunca. Band 82, Paris 2001, S. 15–24.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bob Gulden: Worlds deepest caves. In: GEO2 Committee on long and deep caves. National Speleological Society, 22. April 2011, abgerufen am 21. Juni 2011 (englisch).
  2. a b Alexander B. Klimchouk: Kubera (Voronja) Cave. In: William B. White, David C. Culver: Encyclopedia of Caves. 2. Auflage. Elsevier, 2012, ISBN 978-0-12-383832-2.
  3. A. B. Klimchouk, G. V. Samokhin, Y. M. Kasian: The deepest cave in the world in the Arabika Massif (Western Caucasus ) and its hydrogeological and paleogeographic significance. Proceedings of the 15th International Congress of Speleology. 2009, S. 898–905.
  4.  Alexander Klimchouk: Neuer Welt-Tiefenrekord im Arabika-Massiv (Westkaukasus). In: Verband Österreichischer Höhlenforscher und Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. (Hrsg.): Die Höhle – Zeitschrift für Karst und Höhlenkunde. 52, Nr. 1, Wien 2001 (übersetzt von Hubert Trimmel, Walter Klappacher), S. 15–16 (471 KB PDF, abgerufen am 5. Oktober 2012).
  5. Stephen Macnamara, Tony Furnell: Krubera-Voronja Cave. International Expedition August 2009. unveröff. Bericht für die Speleological Union of Ireland, 2012. PDF
  6. Alberto Sendra, Ana Sofia P. S. Reboleira: The world’s deepest subterranean community - Krubera-Voronja Cave (Western Caucasus). In: International Journal of Speleology. 41(2), 2012, S. 221–230.
  7. Pier Mauro Giachino: Catops cavicis n. sp. from Krubera Cave (Abkhazia, Caucasus), an interesting species of the C. alpinus group (sensu Perrau, 2000) (Coleoptera, Cholevidae). In: Boletín de la Sociedad Entomológica Aragonesa. 39, 2011, S. 87–89.
  8. Ana Sofia P. S. Rebleira, Vicente M. Ortuno: A new species of Duvalius from world’s deepest cave (Coleoptera: Carabidae). In: Zootaxa. 3784 (3), 2014, S. 267–274.