VroniPlag Wiki

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VroniPlag Wiki
vroniplag.wikia.com
Motto VroniPlag – kollaborative Plagiatsdokumentation
Beschreibung Wiki zur kritischen Auseinandersetzung mit Dissertationen unter Plagiatsverdacht
Registrierung optional
Sprachen Deutsch
Urheber angemeldete und nicht angemeldete Autoren
Erschienen 28. März 2011
Mitglieder 147 Benutzer[1]
Artikel 20339[2]
Status aktiv
Beispielhaftes Fragment zur Darstellung von Textübereinstimmungen
Beispiel der Visualisierung von Plagiatsfundstellen im VroniPlag Wiki
Entwicklung der Artikelzahl im VroniPlag Wiki. Im November 2013 sind es über 15.250 Artikel.[3]

VroniPlag Wiki ist ein am 28. März 2011[4] auf der Wikifarm Wikia gegründetes Wiki, das verschiedene Hochschulschriften – hauptsächlich Dissertationen – untersucht, die unter Plagiatsverdacht geraten sind. Die Dokumentationen lösten teilweise Überprüfungen durch die zuständigen Fakultäten mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen aus. In einigen Fällen führten die anonymen Vorwürfe zur Aberkennung des Doktorgrades in anderen Fällen wurden die Plagiatsvorwürfe zurückgewiesen.

VroniPlag Wiki, das aus dem Umfeld des GuttenPlag Wikis entstand,[5] ist nach Edmund Stoibers Tochter Veronica Saß benannt, deren Dissertation als erste untersucht wurde.[6] Bis Mitte Juni 2014 erhöhte sich die Zahl der namentlich genannten untersuchten Arbeiten auf 92 Dissertationen und 3 Habilitationsschriften, darunter nur noch wenige von Politikern.

Entstehung und Vorgehensweise[Bearbeiten]

Am 5. April 2011 veröffentlichte VroniPlag Wiki eine Pressemitteilung zur Dissertation von Matthias Pröfrock, in der die Mitarbeiter „aus dem Umfeld des GuttenPlag-Projektes“[5] programmatisch ausführten:

„Nach der Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg (Jura, Universität Bayreuth) wurden uns zu Dr. Veronica Saß (Jura, Universität Konstanz) und Dr. Matthias Pröfrock konkrete Hinweise von anonymer Seite zugetragen. Die Hinweise erwiesen sich nach entsprechender erster Prüfung als stichhaltig. Ungeachtet der parteipolitischen Ausrichtung, des Promotionsfachs oder der Universität des Promovierten werden wir bei Vorliegen weiterer begründeter Hinweise diese prüfen und öffentlich transparent dokumentieren.“[5]

Am 19. April 2011 folgte ein Bericht zur Dissertation von Silvana Koch-Mehrin,[7] in dem die Mitarbeiter Arbeitsweise und Grundlagen des Projekts dokumentierten und vorläufige Ergebnisse benannten. Die Vorgehensweise zur Dokumentation und Überprüfung der einzelnen Plagiatsfundstücke – „Fragmente“ genannt – beschrieb das Wiki darin folgendermaßen:

„Im ersten Schritt dokumentierten Benutzer vermutete Plagiate. Wie auch in der Wikipedia ist diese Dokumentation anonym möglich. Die Einordnungen und die Quellenangaben wurden auf der Seite Neue Fundstellen dokumentiert. Nach anschließender Verifizierung wurden die betroffenen Stellen der Dissertation in Fragmente unterteilt, welche den direkten Vergleich mit den Originalen ermöglichen. Vor der Visualisierung der Ergebnisse im ‚Barcode‘ wurde eine zusätzliche Plausibilitätsprüfung nach dem ‚Vier-Augen-Prinzip‘ durchgeführt.“[7]

Wie in seiner Online-Form veröffentlichte das Wiki auch in dem Bericht Synopsen einzelner Textpassagen der betroffenen Dissertation mit Auszügen aus anderen Schriften.

Das Wiki visualisiert seine Überprüfungsergebnisse in Form von Grafiken, auf denen abstrakt der Anteil der Seiten einer Hochschulschrift dargestellt wird, auf denen ein oder mehrere Plagiate gefunden wurden. Diese Grafiken werden aufgrund ihres Aussehens als „Barcodes“ bezeichnet.

Zur Quantifizierung und zum Vergleich der Plagiatsfunde gibt das Wiki die Seiten mit gefundenen Plagiaten auch als Prozentsatz an. Dazu wird der Anteil der Seiten mit Plagiatsfunden an den gesamten Textseiten einer Arbeit berechnet.

Das VroniPlag Wiki startete am 28. März 2011 um 12:12 Uhr[8] durch die Initiative von Martin Heidingsfelder (unter dem Pseudonym „Goalgetter“).[9] Wenig später wurde diese Initiative von zahlreichen anderen Freiwilligen aufgegriffen.[8][9] Im VroniPlag Wiki selbst wird nicht zwischen der Startinitiative und den anderen Freiwilligen in der Gründungsphase unterschieden – hier wird von „mehreren Gründern“ gesprochen.[10]

Auswirkungen[Bearbeiten]

Aberkennung[Bearbeiten]

Bisher (Stand 7. November 2013) wurde 16 Personen im Nachgang einer Dokumentation auf VroniPlag Wiki der Doktorgrad von der zuständigen Fakultät aberkannt.[11] Eine Person (die Schweizer Politikerin Doris Fiala) verlor ihren Grad „Master of Advanced Studies“. Unter den ersten betroffenen Verfassern sind folgende bekannte Personen (geordnet nach Datum der Bekanntgabe der Aberkennung):

Weitere Aberkennungen sind auf einer Übersichtsseite im VroniPlag Wiki vermerkt.[11]

Am 19. Juni 2012 zogen der Nomos- und UTB-Verlag eine kurz zuvor erschienene Einführung in juristische Arbeitsmethoden unter Hauptautorschaft von Bernd Holznagel aufgrund von Plagiatsvorwürfen von VroniPlag Wiki zurück.[19][20] Die Promotionsschrift eines weiteren Mitautors des Studienbuches nahm der Nomos Verlag in der Folge im Juni 2012 ebenfalls aus dem Handel.[21] Ab Juli 2012 wurden die Dissertationen beider Mitverfasser von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Münster geprüft,[22] im Mai 2013 erfolgte in beiden Fällen die Aberkennung des Doktorgrads.[23]

Keine Aberkennung, jedoch teils Fehlverhalten nachgewiesen[Bearbeiten]

Bei folgenden sechs Personen (Stand 16. März 2013) beurteilten die Fakultäten die durch VroniPlag Wiki erhobenen Plagiatsvorwürfe als nicht ausreichend für eine nähere Untersuchung der Arbeit oder Aberkennung des akademischen Grades. In vier dieser Fälle wurden jedoch handwerkliche Mängel, Unregelmäßigkeiten oder wissenschaftliches Fehlverhalten festgestellt (geordnet nach Datum der Bekanntgabe der Entscheidung der Fakultät):

Ein Nutzer des VroniPlag Wiki startete den Blog schavanplag[35][36] der den Umfang der Plagiate in der Doktorarbeit von Annette Schavan offenlegt, nachdem man sich im VroniPlag Wiki gegen eine Veröffentlichung der Plagiatsvorwürfe entschieden hatte.[37]

Kritik[Bearbeiten]

Im Fall der Dissertation von Veronica Saß wurde im GuttenPlag Wiki diskutiert, ob ein öffentliches Interesse an der öffentlichen Dokumentation eines Betrugsfalls in einer Dissertation auch dann gegeben ist, wenn die Verfasserin keine Politikerin bzw. „Person von öffentlichem Interesse“ (richtig: Person des öffentlichen Lebens) ist.[38][39] Es wurde darauf hingewiesen, dass über das Wiki vor allem „Urheberrechts- und Regelverletzungen konservativer und liberaler Politiker“ bekannt geworden seien. „Das jedoch wäre“, so der Verfasser weiter, „bei einem offenen Wiki nur schwer von oben herab durchsetzbar.“[40] Dennoch warfen Kritiker VroniPlag Wiki vor, politisch motiviert zu sein, und mutmaßten, „dass sich die Mitglieder dem linken Milieu zugehörig fühlen“.[41] VroniPlag-Beiträger bestritten jedoch eine politische Zielsetzung des Projektes.[41] Mit der Untersuchung der Doktorarbeit eines ehemaligen Juso-Kreisvorsitzenden nahm VroniPlag Anfang Juni 2011 erstmals die Untersuchung der Doktorarbeit eines SPD-Mitgliedes auf.[42]

Zu einem der am häufigsten vorgebrachten Vorwürfe gehört die in verschiedenster Form geäußerte Kritik am anonymen Vorgehen der Beitragenden.[43][44] An VroniPlag Beteiligte rechtfertigen ihre Anonymität damit, dass „es in der Wissenschaft egal sein müsse, wer etwas sage. Es komme nur auf das Gesagte an sich an“.[45] Zudem würden berufliche Nachteile und Einschüchterungen befürchtet, gerade auch unter VroniPlag-Beitragenden, die selbst Wissenschaftler seien.[46] Zu einigen Kritikpunkten hat eine der Aktivistinnen von VroniPlag Wiki, Debora Weber-Wulff, in einem Interview Stellung genommen.[47]

Kritik basiert weiterhin auf der Annahme einer fehlenden Rechtssicherheit gegenüber Plagiatsvorwürfen; es stelle sich die Frage der Verjährungsfristen.[48] Eine mangelnde Rechtssicherheit und entsprechende Verjährungsfristen werden von Gerichten jedoch verneint.[49] Weiter wird propagiert, VroniPlag sehe seine Zitierregeln als die einzig verbindlichen an und ignoriere, dass diese Regeln sich im Laufe der Zeit verändert haben.[48] Die Motivation wird verglichen mit dem „Idealismus von Rentnern, die Falschparker aufschreiben“.[48] Auch hierzu stellen Gerichte jedoch fest, dass es sich nicht um Kavaliersdelikte handelt, sondern um arglistige Täuschungshandlungen, mitunter unter Bruch einer eidesstattlichen Versicherung. Zitierregeln haben sich nicht nachträglich geändert, vielmehr seien „wortwörtliche Übernahmen grundsätzlich als solche kenntlich zu machen“.[50]

Auszeichnung[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Benutzerverzeichnis. In: VroniPlag Wiki. Abgerufen am 17. Januar 2013. 147 Benutzer mit mehr als fünf Bearbeitungen.
  2. Statistik. In: VroniPlag Wiki. Abgerufen am 22. Juni 2014. 20339 Inhaltsseiten.
  3. Entwicklung der Artikelzahl im VroniPlag Wiki bis März 2013
  4. Stefan Weber: VroniPlag Wiki funktioniert – Eine erste kleine Plag-Wiki-Bilanz. Abgerufen am 20. April 2011.
  5. a b c "Bedecke Deinen Himmel, Zeus, / Mit Wolkendunst" - auch gelehrte Zitate bieten keinen Schutz vor Plagiatsenthüllungen. VroniPlag Wiki. Pressemitteilung vom 5. April 2011.
  6. Christiane Hoffmann: Nach „KT“ nun „Silvana“. Plagiatsvorwürfe gegen Koch-Mehrin. faz.net, 16. April 2011, abgerufen am 20. September 2012.
  7. a b Bericht 20110419. Gemeinschaftliche Dokumentation von Plagiaten in der Dissertation „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik“ von Dr. Silvana Koch-Mehrin, veröffentlicht in der Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2001. VroniPlag Wiki. Bericht vom 19. April 2011 (PDF, 422 KB).
  8. a b Versionsgeschichte von de.vroniplag.wikia.com (abgefragt am 26. August 2012)
  9. a b VroniPlag-Gründer. "Ich will das selbst in die Hand nehmen". In: Spiegel Online vom 4. August 2011.
  10. Im VroniPlag Wiki selbst werden „mehrere Gründer“ genannt, von denen aber kein weiterer unter seinem Klarnamen bekannt ist. Vgl. Abschnitt „Wie entstand VroniPlag Wiki?“ in VroniPlag Wiki:FAQ (abgefragt am 26. August 2012).
  11. a b Aberkennung des akademischen Grades, VroniPlag Wiki: Gesamtstatistik.
  12. VroniPlag-Bericht zur Dissertation von Veronica Saß
  13. VroniPlag-Bericht zur Dissertation von Silvana Koch-Mehrin
  14. VroniPlag-Bericht zur Dissertation von Matthias Pröfrock
  15. VroniPlag-Bericht zur Dissertation von Bijan Djir-Sarai
  16. VroniPlag-Bericht zur Dissertation von Georgios Chatzimarkakis
  17. VroniPlag-Bericht zur Dissertation von Prof. Margarita Mathiopoulos
  18. VroniPlag-Bericht zur Dissertation von Siegfried Haller
  19. VroniPlag-Bericht zur Methodenlehre von Prof. Dr. Bernd Holznagel, Dr. Pascal Schumacher und Dr. Torsten Ricke
  20. http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/plagiatsverdacht-gegen-juristische-arbeitstechniken-und-methoden-holznagel-itm-muenster-vroniplag-wiki/
  21. http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/Jura-Institut-geraet-in-Plagiat-Strudel;art993,1697940
  22. http://www.wn.de/Muenster/Fachbuch-und-Dissertationen-im-Visier-Plagiatsvorwuerfe-gegen-Jura-Institut-der-Uni-Muenster
  23. http://www.uni-muenster.de/Rektorat/exec/upm.php?rubrik=Alle&neu=1&monat=201305&nummer=16717
  24. VroniPlag-Bericht zur Dissertation von Dr. Ulf Teichgräber
  25. http://m.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1793479/Plagiatsvorwuerfe-gegen-Radiologen-an-der-Charite.html
  26. VroniPlag-Bericht zur Dissertation von Prof. Dr. Patrick Sensburg
  27. https://www.derwesten.de/region/westfalen/uni-weist-plagiats-vorwuerfe-gegen-cdu-politiker-sensburg-zurueck-id6187160.html
  28. VroniPlag-Bericht zur Dissertation von Dr. Nalan Kayhan
  29. http://www.fr-online.de/mainz/plagiat-vorwuerfe-aerztin-behaelt-doktortitel,11181020,14964138.html
  30. VroniPlag-Bericht zur Dissertation von Dr. Detlev Dähnert
  31. http://www.neues-deutschland.de/artikel/229650.plagiat-mit-kohle.html
  32. http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/2013/januar_2013/medieninformation_nr_92013/
  33. [1]
  34. [2]
  35. http://schavanplag.wordpress.com/
  36. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiat-verdacht-gegen-schavan-schavanplag-autor-im-interview-a-831459.html
  37. [3]
  38. dapd/BMO/cb: VroniPlag-Gründer wehrt sich gegen Vorwürfe. In: Hamburger Morgenpost vom 5. August 2011
  39. Karriere des VroniPlag-Gründers geht langsam zu Ende, Welt Online vom 4. August 2011
  40. Peter Mühlbauer: FDP überholt CDU beim Doktor-Domino. In: Telepolis. 8. Juni 2011, abgerufen am 21. Juni 2011.
  41. a b Felix Disselhoff: Der Wiki-Club, vor dem Doktoren zittern. In: Meedia. 12. Mai 2011, abgerufen am 21. Juni 2011.
  42. Wie aus Schlamperei ein Verdachtsfall wird lto.de, 15. Juli 2011
  43. Michael Spreng: Die Jäger müssen sich stellen, 17. Mai 2011, abgerufen am 17. April 2013
  44. Alexander Alvaro (FDP): Wer steckt hinter VroniPlag?, 17. Mai 2011
  45. Oliver Trenkamp: Anonyme Plagiatsjäger: Der Schwarm bin ich. In: Spiegel Online, 20. April 2011.
  46. Gregor Boldt: Wer die Doktorjäger hinter VroniPlag sind, 11. Mai 2011, abgerufen am 17. April 2013
  47. Die Spitze des Eisbergs? In: Forschung Lehre 7/13 vom 8. August 2012 [4]
  48. a b c Hermann Horstkotte: Wissenschaftsplagiate. Angeschwärzt bei Vroniplag. In: Die Zeit. 29. August 2011, abgerufen am 30. August 2011
  49. Vgl. zuletzt Verwaltungsgericht Köln, 6 K 6097/11 vom 22. März 2012 und Verwaltungsgericht Köln, 6 K 2684/12 vom 6. Dezember 2012.
  50. So Verwaltungsgericht Köln, 6 K 6097/11 vom 22. März 2012 mit Hinweisen auf analoge Entscheidungen weiterer Verwaltungsgerichte.
  51. wissen.dradio.de: Zedler-Preis für Freies Wissen. Michael Gessat berichtet in der Webschau über die Preisverleihung von Wikimedia Deutschland e.V., 2. Juli 2012
    Siehe auch de.wikipedia.org: Wikipedia:Zedler-Preis, Version vom 5. Juli 2012