Vulva
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Vulva (plu. Vulven; lat. Pudendum femininum = „weibliche Scham“) bezeichnet die Gesamtheit der äußeren, primären Geschlechtsorgane weiblicher Säugetiere. Der Venushügel (Mons pubis/Mons veneris) und die großen Schamlippen (Labia majora pudendi) begrenzen als Fettpolster die Vulva.
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Etymologie
Das Wort Vulva geht aus dem mittellateinischen volva, welches wiederum vom lateinischen volvere abstammt und soviel wie „rollen“ bedeutet; [1] im Sanskrit steht die Bezeichnung ulva für Gebärmutter [2].
Oft wird die Vulva fälschlicherweise als Vagina[3] oder Scheide bezeichnet.
Anatomie
Neben den beiden großen Schamlippen gibt es noch die beiden kleinen Schamlippen (Labia minora pudendi), auch Nymphae genannt. Diese umschließen den Scheidenvorhof, in welchen die Harnröhrenöffnung und die Scheide (Vagina) münden. Im unteren Drittel der kleinen Schamlippen sind die beiden Vestibulardrüsen (Bartholinsche Drüsen, Glandulae vestibulares majores) eingebettet. Sie sorgen für die Befeuchtung des Scheidenvorhofes.
Da die Schamlippen an- und übereinander liegen, sieht man vom Scheidenvorhof normalerweise nur einen schmalen Spalt. Zwischen den Schamlippen sondern sich Zellen und Talg ab, welche bei mangelhafter Hygiene mit Resten von Urin das Smegma bilden.
An der vorderen Umschlagfalte der kleinen Schamlippen liegt die Klitoris (der Kitzler), ein kleines, zylinderförmiges, von Schwellkörpergewebe gebildetes Organ, welches stark mit Nervenenden durchsetzt ist und besonders auf Berührungsreize reagiert. Die Klitoris entspricht dem männlichen Penis, ihre Eichel (lat. Glans clitoridis) ist von der Klitorisvorhaut (lat. Preputium clitoridis) umgeben.
Der Übergangsbereich von der Vulva zum Analbereich wird als Perineum oder Damm bezeichnet.
Veränderung der Vulva im sexuellen Reaktionszyklus
- Hauptartikel: Sexueller Reaktionszyklus
Mit dem Einsetzen sexueller Erregung kommt es zu zahlreichen physiologischen Veränderungen der Vulva, die zusammengenommen den weiblichen Genitaltrakt auf den Geschlechtsverkehr vorbereiten. Die Reaktionen werden in verschiedene, zeitlich aufeinander folgende Phasen eingeteilt: Die Erregungsphase, Plateauphase, Orgasmusphase und Rückbildungsphase.
Die Erregungsphase kann sich über mehrere Stunden hinziehen und wird durch mechanische Stimulation oder sexuell erregende Stimuli (auch psychische wie zum Beispiel sexuellen Vorstellungen oder Träumen) ausgelöst. Die Phase zeichnet sich durch eine verstärkte Durchblutung der Strukturen der Vulva aus. Diese wird durch eine Vasokonstriktion der ableitenden, venösen Blutgefäße hervorgerufen. Es kommt zu einem Anschwellen von inneren und äußeren Schamlippen. Die Haut färbt sich dunkler.
Es kommt zum Einsetzen der Lubrikation, das heißt einer zunehmenden Absonderung von Sekret aus der Vagina und den Bartholinschen Drüsen, die sich in der Plateauphase verstärkt. Die Lubrikation dient der Befeuchtung von Vagina und Schamlippen, um die Penetration zu erleichtern sowie das Gleiten des Penis in der Vagina zu ermöglichen.
Die Orgasmusphase ist von Muskelkontraktionen der Beckenbodenmuskulatur begleitet. Unmittelbar vor dem Orgasmus zieht sich die Eichel der Klitoris unter die Klitorisvorhaut zurück. Die Klitoris ist direkt nach dem Orgasmus oft sehr empfindlich, zusätzliche Stimulation mitunter unangenehm. In der dem Orgasmus folgenden Rückbildungsphase kommt es wieder zu einem, durch Vasodilation bedingten, Abfluss des Blutes aus der Region. Die Strukturen schwellen wieder ab, die Feuchtigkeit geht zurück und der Normalzustand stellt sich wieder ein.[4][5]
Entwicklung
Pränatal
Während der ersten acht Wochen der Embryonalentwicklung weisen männliche wie weibliche Embryonen dieselben rudimentären Geschlechtsorgane auf, die Entwicklung wird in dieser Phase primär durch mütterliche Hormone gesteuert. Nach der achten Woche setzt zunehmend die eigene Hormonproduktion des Fötus ein und die Geschlechtsorgane beginnen sich zu differenzieren. Dennoch sind die sichtbaren Unterschiede bis zur zwölften Woche nahezu nicht feststellbar.
In der sechsten Woche entwickelt sich der Genitalhöcker sowie die Anlagen des Harntrakts, im Laufe des dritten Monats entwickelt sich aus dem Genitalhöcker die Klitoris, die Urogenitalfalten bilden sich zu den inneren Schamlippen, der Labioskrotalwulst zu den äußeren Schamlippen aus.
Neo- und Postnatal
Direkt nach der Geburt sind die äußeren sichtbaren Strukturen der Genitalien oftmals geschwollen und weisen eine überproportionale Größe auf. Dies ist auf eine mitunter hohe Exposition von mütterlichen Hormonen zurückzuführen. Die Schwellung geht in der Regel wenige Tage nach der Geburt wieder zurück und die Vulva nimmt die normale Größe ein. Nachfolgend wird sich die Vulva während der gesamten Kindheit bis zum Beginn der Pubertät strukturell kaum verändern, außer dass sie proportional zum gesamten Körper mitwächst.[6]
Pubertäre Entwicklung
In der Pubertät unterliegt die Vulva einer deutlichen Veränderung, da auch das äußere Genitale auf Geschlechtshormone reagiert. Die Hautfarbe verändert sich, und die Strukturen der Vulva werden größer und ausgeprägter. Diese Entwicklung betrifft die Klitoris und die inneren und äußeren Schamlippen, ganz besonders jedoch die hormonsensible Haut der Vagina und deren Vorhof. Im Bereich der Vulva, das heißt auf dem Venushügel und den äußeren Schamlippen, beginnt mit der Pubertät das Wachstum der Schamhaare.
Die Gestalt und Ausprägung der Vulva ist individuell verschieden und kann von den Abbildungen abweichen. So kann zum Beispiel die Klitoris teilweise sichtbar oder ganz verdeckt sein oder es können die inneren Schamlippen größer als die äußeren sein.
Operative Veränderungen der Vulva
In manchen Kulturkreisen, vorwiegend im afrikanischen Raum, wird die Beschneidung weiblicher Genitalien praktiziert. Eine medizinische Notwendigkeit liegt dafür nicht vor, vielmehr spielen religiöse und kulturelle Gründe eine Rolle. Das Ausmaß des Eingriffs variiert von einer Entfernung der Klitorisvorhaut bis hin zur vollständigen Entfernung der äußeren Genitalien und Vernähung der Vagina.
In der westlichen Welt lassen einige Frauen eine sogenannte Schamlippenverkleinerung (auch Labioplastik genannt) vornehmen, wobei die inneren Schamlippen, mitunter auch die Klitorisvorhaut, gekürzt bzw. entfernt werden. Dies geschieht vorwiegend aus ästhetischen, selten auch aus medizinischen Motiven.[7][8]
Weiterhin stellen Intimpiercings eine zunehmend populäre Form der Körpermodifikation dar, wobei verschiedene Strukturen der Vulva mit Schmuck versehen werden können.[9]
Vulva in Kunst und Kultur
Die kulturelle Haltung gegenüber dem weiblichen Genital underscheidet sich zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen. Während in einigen Kulturkreisen die Vulva eher tabuisiert und in der Öffentlichkeit bedeckt wird, zeigten andere Kulturen einen regelrechten Kult um die Vulva. So wurde diese in Festen verehrt und sogar als heilig betrachtet.
In den unterschiedlichsten Kulturen tauchen immer wieder gleiche oder ähnliche Symbole auf, die eine Symbolisierung der Vulva darstellen. Zahlreiche Darstellungen aus der Altsteinzeit zeugen auch in Europa vom Vorhandensein ähnlicher kultisch-verehrender Einstellungen.
Im Mittelalter entstanden sogenannte Sheela-na-Gig, dies sind Steinskulpturen der Vulva, welche diese meist überdimensioniert darstellen.
Im Jahr 1866 sorgte das Bild Der Ursprung der Welt, welches heute im Pariser Musée d’Orsay zu finden ist, für heftige Reaktionen in der Kunstwelt. Das Ölgemälde einer Vulva stellt diese mit voller Schambehaarung dar. Bis dahin wurden nur unbehaarte weibliche Genitalien in weniger expliziter Weise in der abendländischen Kunst dargestellt.
Das weibliche Genital ist nach wie vor ein beliebtes Darstellungsobjekt verschiedener Kunstgattungen und findet sich auch in der zeitgenössischen Kunst in vielen Kontexten. Insbesondere in der Aktfotografie sowie der erotischen Fotografie finden sich in der heutigen Zeit Abbildungen der Vulva, einhergehend mit einer zunehmenden Enttabuisierung der Darstellung.
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Stilisierte steinzeitliche Darstellung der Vulva (in Saint-Germain-en-Laye) - Steinzeit |
Sheela-na-Gig Darstellung an einer Kirche in Herefordshire - (zirka 12. Jahrhundert) |
Aktfotografie: Torso 6 - (2003) |
Aphrodite, von Peter Klashorst - (2007) |
Siehe auch
- Chronische Schmerzzustände im Bereich der Vulva werden als Vulvodynie bezeichnet
- Penis (bzw. Penis des Menschen) und Hodensack stellen die männlichen, äußeren Genitalien dar
- Sexualhygiene
Literatur
- Georges Devereux: Baubo. Die mythische Vulva. Aus dem Französischen übersetzt von Eva Moldenhauer. Syndikat, Frankfurt am Main 1985 ISBN 3-434-46063-2
- Mithu Sanyal: Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts. Wagenbach, Berlin 2009 ISBN 978-3803136299
Einzelnachweise
- ↑ Vulva Online Etymology Dictionary<
- ↑ Marriam Webster: vulva
- ↑ Brigitte Preissler: UNTERM STRICH: BUCH ; Fröhlicher Feminismus. Berliner Zeitung (Berliner Verlag GmbH), 8. Mai, abgerufen am 11. Mai 2009 (Unter Hinweis auf: Mithu M. Sanyal: Vulva: Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts. Berlin 2009.).
- ↑ Frauenärzte im Netz: Sexuelle Lust & der weibliche Orgasmus, Der sexuelle Reaktionszyklus
- ↑ J R Berman: Physiology of female sexual function and dysfunction, International Journal of Impotence Research (2005) 17, S44–S51
- ↑ [www.gynundgeburtshilfe.de Gynäkologie & Geburtshilfe]
- ↑ Schönheitswahn unter der Gürtellinie - Die Lust am Umbau des eigenen Körpers kennt keine Grenzen – auch keine Schamgrenzen. Blick, 20. Juli 2008
- ↑ Intim-OPs: Wie schön ist meine Scham? Schönheits-OPs im Intimbereich - ein Tabu-Thema wird Trend. Was steckt dahinter? Brigitte
- ↑ Kunst am Körper, Leiden für die Leidenschaft Spiegel TV, 15.April 2008