Wächtersbach

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der hessischen Stadt Wächtersbach. Die Keramikmanufaktur Waechtersbach finden Sie unter Waechtersbacher Keramik.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wächtersbach
Wächtersbach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wächtersbach hervorgehoben
50.25759.2922222222222164Koordinaten: 50° 15′ N, 9° 18′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Main-Kinzig-Kreis
Höhe: 164 m ü. NHN
Fläche: 50,79 km²
Einwohner: 12.267 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 242 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63607
Vorwahl: 06053
Kfz-Kennzeichen: MKK, GN, SLÜ
Gemeindeschlüssel: 06 4 35 029
Stadtgliederung: 8 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Main-Kinzig-Str. 31
63607 Wächtersbach
Webpräsenz: www.stadt-waechtersbach.de
Bürgermeister: Andreas Weiher (SPD)
Lage der Stadt Wächtersbach im Main-Kinzig-Kreis
Niederdorfelden Schöneck (Hessen) Nidderau Maintal Hanau Großkrotzenburg Rodenbach (bei Hanau) Erlensee Bruchköbel Hammersbach Neuberg (Hessen) Ronneburg (Hessen) Langenselbold Hasselroth Freigericht (Hessen) Gründau Gelnhausen Linsengericht (Hessen) Biebergemünd Flörsbachtal Jossgrund Bad Orb Wächtersbach Brachttal Schlüchtern Birstein Sinntal Bad Soden-Salmünster Gutsbezirk Spessart Steinau an der Straße Steinau an der Straße Bad Soden-Salmünster Bad Soden-Salmünster Gutsbezirk Spessart Bayern Landkreis Offenbach Offenbach am Main Frankfurt am Main Landkreis Fulda Vogelsbergkreis Landkreis Gießen Wetteraukreis HochtaunuskreisKarte
Über dieses Bild

Wächtersbach ist eine Kleinstadt zwischen Frankfurt am Main und Fulda im Main-Kinzig-Kreis in Hessen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Wächtersbach liegt zwischen Spessart und Vogelsberg im mittleren Kinzigtal am östlichen Rand des Büdinger Waldes, unweit der Städte Gelnhausen, Bad Orb und Bad Soden-Salmünster. Die Stadtteile Wittgenborn, Waldensberg und Leisenwald liegen am Südrand des Vogelsbergs auf der Spielberger Platte.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Wächtersbach grenzt im Norden an die Gemeinden Kefenrod (Wetteraukreis) und Brachttal, im Osten an die Stadt Bad Soden-Salmünster, im Süden an die Stadt Bad Orb und die Gemeinde Biebergemünd, im Südwesten an die Stadt Gelnhausen sowie im Westen an die Gemeinde Gründau und die Stadt Büdingen (Wetteraukreis).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Wächtersbach besteht aus den Stadtteilen Wächtersbach, Aufenau, Neudorf, Weilers, Hesseldorf, Wittgenborn, Waldensberg und Leisenwald.

Panoramabild von Wächtersbach

Geschichte[Bearbeiten]

1236 wurde der Ort als Weichirsbach erstmals urkundlich erwähnt, was soviel heißt wie „Der Bach der die Weiher speist“.

Die Siedlung nahm von einer Wasserburg ihren Anfang – Reste der ehemals sie umgebenden Wasserflächen sind mit den Weihern im Schlosspark noch sichtbar. Diese Veste wurde schon in staufischer Zeit an der Süd-Ost-Ecke des Reichsforstes Büdinger Wald aufgerichtet und diente wie die Burgen in Gelnhausen und Büdingen zu dessen Schutz. Sie war damit Teil der Sicherungsanlagen für das alte Königsland Wetterau. Im Schutze der Burg entwickelte sich eine Siedlung, von der wir erstmals durch eine Urkunde des nahegelegenen Klosters Selbold (vgl. Langenselbold) aus dem Jahre 1236, das hier über Grundstücke und Einnahmen verfügte, erfahren.[2]

Die Herren von Büdingen verwalteten als Lehnsträger des Reichsforstes auch das Wächtersbacher Gebiet. Als sie um 1245 im Mannesstamm ausstarben, teilten sich vier Schwiegersöhne, unter ihnen Albert von Trimberg und ein Neffe, Heinrich von Isenburg, das gesamte Erbe. Zwischen ihnen und ihren Nachfolgern war der Herrschaftsanspruch über Burg und Flecken Wächtersbach lange umstritten.

Konrad von Trimberg stiftete 1354 eine Marienkapelle am Ort. Im Jahre 1404 erhob Johann II. von Isenburg Wächtersbach zur Stadt, deren Verwaltung in dem 1495 errichteten gotischen Fachwerk-Rathaus ihren Sitz hatte. Im Jahre 1458 gelangten Burg und Stadt endgültig in den Besitz der Grafen von Ysenburg.

Im Jahre 1564 wurde die Faulhaberin aus Wächtersbach in Büdingen als Hexe angeklagt und gefoltert.

Ferdinand Maximilian I., der Gründer einer jüngeren Linie des Hauses, machte 1687 Wächtersbach zu seiner Residenz. Die Ysenburger verloren in napoleonischer und endgültig in nachnapoleonischer Zeit ihre Funktion als Landesherren. Wächtersbach wurde 1816 kurhessisch und im Jahre 1866 preußisch.

Durch den Bau der Eisenbahn zwischen Hanau und Bebra in den Jahren 1864 bis 1868 fand die Stadt Anschluss an das Rhein-Main-Gebiet und hat seither, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg, eine rasche Aufwärtsentwicklung erfahren.

Die Wohnquartiere wuchsen aus dem beschränkten, von der Stadtmauer umwehrten Raum und breiteten sich an den umliegenden Hängen und in der Niederung des Kinzigtals aus. Es entstand eine einheimische Industrie. Im tertiären Sektor stellt die Stadt in der Region heute einen gewissen Mittelpunkt dar.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1970 wurden anlässlich der hessischen Gemeindegebietsreform die bis dahin selbständigen Gemeinden Hesseldorf, Neudorf, Weilers und Wittgenborn eingegliedert. Am 1. März 1971 kamen Leisenwald und Waldensberg hinzu. Aufenau folgte am 1. April 1971.[3]

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
Kommunalwahl 2011
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
63,8 %
26,4 %
5,3 %
4,6 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
+7,5 %p
-8,7 %p
+5,3 %p
-4,0 %p
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 63,8 23 56,3 21
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,4 10 35,1 13
DIE LINKE Die Linke 5,3 2
FDP Freie Demokratische Partei 4,6 2 8,6 3
gesamt 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 53,9 54,6

Bürgermeister[Bearbeiten]

Am 22. September 2013 wurde Andreas Weiher (SPD) mit 72,7 % der Wählerstimmen im ersten Wahlgang zum neuen Bürgermeister von Wächtersbach gewählt. Bei der Wahl um die Nachfolge des amtierenden Bürgermeisters Rainer Krätschmer, der sein Amt Ende April 2014 beendet, war der Erste Stadtrat Weiher gegen die Kandidatinnen Saskia Götzl (CDU / 22,8 %) und Gabi Faulhaber (Linke / 4,6 %) erfolgreich. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,5 %.[4]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Das Wappen der Stadt Wächtersbach zeigt in Blau einen links von einer silbernen Wolfsangel begleiteten silbernen Ritter; in dem mit Wellenschnitt begrenzten silbernen Schildfuß zwei schwarze Balken.

Bedeutung: Seit 1982 führt Wächtersbach einen Wächter im Siegel. Er soll zusammen mit dem Wellenschnitt auf den Namen „Wächtersbach“ hinweisen. Die 5 Stadtteile Hesseldorf, Weilers, Wittgenborn, Waldensberg und Leisenwald werden durch die 5 Balken im unteren Teil des Wappens symbolisiert. Sie gehörten zusammen mit der Kernstadt zur Grafschaft Isenburg-Büdingen. Die beiden schwarzen Balken sind Teil des Fürstlichen Wappens der Ysenburger. Die Stadtteile Neudorf und Aufenau werden durch die Wolfsangel symbolisiert. Beide waren bis Ende des 18. Jahrhunderts der reichsunmittelbaren Herrschaft der Forstmeister von Gelnhausen unterstellt.

Die Entstehung des heutigen Wappens geht tatsächlich auf eine Fehlinterpretation zurück. Die Gemeinde Aufenau als späterer Stadtteil von Wächtersbach hatte als ehemaliger Grundbesitz der Forstmeister von Kinzighausen ein wesentlich älteres Wappen, die Stadt Wächtersbach jedoch keines. Anlässlich des Hessentages 1982 wollte Wächtersbach ein ebenfalls ansprechendes Wappen haben und gab daraufhin die Gestaltung des Wappens in Auftrag. Aufgrund der Unkenntnis der tatsächlichen Etymologie des Namens „Wächtersbach“ (Weichirsbach: „Der Bach der die Weiher speist“) wurde „Der Wächter am Bach“ ins Wappen aufgenommen. Der Fehler setzt sich auch heute noch fort. So hat sich der amtierende Bürgermeister Rainer Krätschmer mit einem Brunnen vor dem historischen Rathaus verewigt, in dem er dort einen „Wächter am Bach“ aus Bronze aufstellen ließ.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Bekannt ist die Einzelhandelsmesse „Wächtersbacher Messe“, die jedes Jahr in der Woche um Christi Himmelfahrt für Endkunden durchgeführt wird.

Einzelhandel, elektrotechnische und Kunststoff verarbeitende Industrie beherrschen das Wirtschaftsleben. In den letzten Jahren siedelten sich viele Geschäfte an, sodass viele Leute aus den umliegenden Städten und Gemeinden zum Einkaufen nach Wächtersbach kommen. In Wächtersbach wurde bis 1999 das Bier „Wächtersbacher Fürstenpils“ gebraut, das aktuell unter selbem Namen durch eine Würzburger Brauerei vertrieben wird. Des Weiteren gab es das „Wächtersbacher Hopfenherbe“.

Bekannt sind auch die Keramikbecher aus Wächtersbach, die deutschlandweit vertrieben werden.

Verkehr[Bearbeiten]

Wächtersbach verfügt über einen Bahnhof an der Frankfurt-Bebraer Eisenbahnstrecke. Von dort sichern stündlich Regionalverbindungen (RE, SE) den Anschluss an die Verkehrsknotenpunkte Frankfurt (Main), Frankfurt (Main) Süd und Fulda. Bis 1967 zweigte eine Kleinbahnstrecke, die Vogelsberger Südbahn, in das Tal der Bracht ab, die ursprünglich in Hartmannshain im Vogelsberg auf die Bahnstrecke Gedern--Lauterbach traf. Bis zum 4. März 1995 fuhr ein Zug der Gelnhäuser Kreiswerke nach Bad Orb. Diese Strecke wurde von einem Museumsbahnverein von Normalspur auf 600-mm-Schmalspur umgebaut und wird sonntags saisonal von Ostern bis Ende Oktober als reine Museumsbahn genutzt.

Wächtersbach wird von der Bundesstraße 276 berührt, die als Umgehungsstraße den Vogelsberg mit der Bundesautobahn 66 (Frankfurt–Fulda) „Anschlussstelle Bad Orb/Wächtersbach“ (45) verbindet.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Die evangelische Kirchengemeinde betreibt eine öffentliche Gemeindebücherei.

Schulen[Bearbeiten]

In Wächtersbach befinden sich die beiden Grundschulen Aufenau und Kinderbrücke sowie eine kooperative Gesamtschule, die Friedrich-August-Genth-Schule.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Im Ort steht den Bürgern ein beheiztes Freibad, Tennisplätze sowie Möglichkeiten zum Angeln, Kegeln und Reiten zur Verfügung. Im Gemeindegebiet finden sich 48 km markierte Wanderwege. Außerdem wird im Stadtgebiet ein Fahrradverleih betrieben. Durch das Stadtgebiet verlaufen die folgenden Radwanderwege:

Im Ortsteil Wittgenborn befindet sich eine Freiluft-Kartbahn, der Vogelsbergring. Die Streckenlänge beträgt 1038 m, die Breite durchschnittlich 7 m.

Staatliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) betreibt einen Stützpunkt in Wächtersbach. Dort ist neben dem Technischen Zug (bestehend aus Zugtrupp, 1. und 2. Bergungsgruppe) auch eine Fachgruppe Sprengen (FGrSp) stationiert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Wächtersbacher Heimatmuseum[Bearbeiten]

Dieses war ehemals nur im gotischen Fachwerk-Rathaus von 1495 untergebracht. Im Jahre 2005 wurde zusätzlich die Wächtersbacher Keramikabteilung in neuen Räumlichkeiten im Haus gegenüber eingerichtet. Das Museum wird vom Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach e. V. betreut.

Töpfermuseum Wittgenborn[Bearbeiten]

Der Stadtteil Wittgenborn lebte im 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg maßgeblich von der Töpferei. Zahlreiche Exponate, viele davon handbemalt, sind im Töpfermuseum ausgestellt.

Bauwerke[Bearbeiten]

Evangelische Kirche mit ihrem Wehrturm von 1514

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Messe Wächtersbach[Bearbeiten]

Wächtersbacher Messe 2012

Die Wächtersbacher Messe findet seit 1949 jedes Jahr in der Himmelfahrtswoche statt. Die große Verbraucherschau des Main-Kinzig-Kreises verfügt über eine große Angebotsvielfalt. Rund 440 Aussteller werben in den Bereichen Industrie, Handel, Handwerk, Bauen, Wohnen, Garten und Lifestyle um die Gunst des Konsumenten. Jedes Jahr wird zudem eine Sonderausstellung durchgeführt. 2007 zeigte die Sonderschau die Terrakottaarmee des ersten chinesischen Kaisers.

Weihnachtsmarkt[Bearbeiten]

Der Weihnachtsmarkt findet jährlich am Samstag vor dem 1. Advent statt.

Heiratsmarkt[Bearbeiten]

Der Heiratsmarkt im Wächtersbacher Ortsteil Leisenwald findet jährlich zu Pfingsten statt

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Ackermann: Ein Rundgang durch Alt-Wächtersbach. Wächtersbach 1999.
  • Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach (Hrsg.): Sammlungen zur Geschichte von Wächtersbach. Bde. I–IV, Wächtersbach 1984–2007.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hessler, Carl (Hrsg.): Hessische Landes- und Volkskunde: Das ehemalige Kurhessen und das Hinterland am Ausgange des 19. Jhdts., Band 1, Teil 1, Elwert, Marburg 1907, S. 695
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 362.
  4. Bürgermeisterwahl: so hat Wächtersbach gewählt: Erster Stadtrat Andreas Weiher fährt hervorragendes Ergebnis ein. In: waechtersbach-online.de. Abgerufen am 7. Oktober 2013 (deutsch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wächtersbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien