Währungsreform

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Währungsreform im Juni 1948, Geldanlieferung in Hamburg

Währungsreform bedeutet eine Änderung relevanter Merkmale der Währungsverfassung. Die Währung wird durch die für die Volkswirtschaft zuständige Legislative in der Währungsverfassung definiert; sie ist das durch Gesetz erlassene Geld eines bestimmten zeitlich und räumlich begrenzten Gebietes, des Währungsgebietes.[1] Durch eine Währungsreform werden unterschiedliche Umrechnungskurse für Bargeld, Bankguthaben und Verbindlichkeiten gesetzlich festgelegt. In der Regel ist mit einer Währungsreform auch eine Änderung des Namens der Währung verbunden.

Sonderfälle einer Währungsreform[Bearbeiten]

Findet lediglich eine einfache Umrechnung aller Preise und Werte zu einem einheitlichen Kurs statt, so spricht man auch von einer Währungsumstellung. Ein Sonderfall einer Währungsreform ist die Abschaffung einer Währung. Dies geschieht durch (freiwillige oder erzwungene) Einführung der Währung eines anderen Landes (Fremdwährung).

In den alten Bundesländern Deutschlands wird der Begriff oft auch als Synonym für die Einführung der Deutschen Mark im Juni 1948 verwendet; dagegen steht er in den neuen Bundesländern eher für die Einführung der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion am 1. Juli 1990.

Vorboten der Währungsreform[Bearbeiten]

Währungsreformen werden aus einer Reihe von Gründen durchgeführt:

Staatsbankrott[Bearbeiten]

Hauptartikel: Staatsbankrott

Hohe Zinszahlungen eines Staates an seine Gläubiger schränken die Leistungen des Staates an die Bürger stark ein.

In Deutschland musste der Staat (Bund, Länder und Gemeinden zusammengenommen) 2010 jeden achten Euro, den er durch Steuern einnahm, für Schuldzinsen ausgeben; der Bund sogar jeden fünften (2010 rund 38,2 Milliarden Euro; Stand 1. April 2010). „Dieses Geld fehlt an anderer Stelle, um die eigentlichen Aufgaben des Staates zu erfüllen. Auch wird dadurch der Spielraum für dringend notwendige Entlastungen auf der Steuer- und Abgabenseite eingeschränkt, und zwar erheblich.“[2] Steigen die Zinsen mittelfristig um nur einen Prozentpunkt, steigen die Zinskosten allein des Bundes um rund 10 Milliarden Euro pro Jahr. Und jede zusätzlich aufgenommene Milliarde Euro an neuen Schulden belastet nachfolgende Haushalte – und damit die Steuerzahler – mit 45 Millionen Euro an fällig werdenden Einnahmen.

Die Zurückführung der Überschuldung des Staates ist nur durch Steuererhöhungen und/oder drastische Ausgabenkürzungen oder durch eine Währungsreform oder durch einen Schuldenschnitt bei den Staatsanleihen möglich. (siehe auch Artikel Staatsbankrott (Abschnitt 'Abwehrmaßnahmen') )

Hauptartikel: Haushaltskonsolidierung

Wettrüsten; Kriegsfinanzierung; verlorene Kriege[Bearbeiten]

Besonders durch das Vorbereiten oder Führen von Kriegen kann eine überhöhte Staatsverschuldung entstehen (sei es durch Kriegsanleihen und/oder durch andere Finanzinstrumente). Insbesondere nach einem verlorenen Krieg kommt es nicht selten zu einer Währungsreform. Beispiele sind die Währungsreform 1923–1925 und die Währungsreform 1948 (Westdeutschland).[3]

Politische Gründe[Bearbeiten]

In selteneren Fällen werden aus politischen Gründen Währungsreformen beschlossen und durchgeführt.

Hyperinflation[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hyperinflation

Länder, die hohe Inflationsraten aufweisen und derer sie nicht Herr werden können (durch Geld- und/oder Währungspolitik), versuchen oft, durch das psychologische Mittel eines Neuanfangs den Vertrauensverlust in die eigene (alte) Währung zu beenden. Die neu eingeführte Währung wird dann häufig mit zusätzlichen, Glaubwürdigkeit schaffenden oder suggerierenden Maßnahmen versehen – beispielsweise einem festen Wechselkurs zu einer preisstabilen Währung, einer unabhängigen Zentralbank, einer Bindung an ein Edelmetall (→ Goldstandard) oder ähnlichem. Beispiele für eine solche Währungsreform sind Argentinien 1991 und Deutschland 1923 (siehe unten).

Länder, die in der Vergangenheit unter dauerhaft hohen Inflationsraten zu leiden hatten, spüren die langfristigen Auswirkungen der Inflation vor allem in Form hoher, intransparenter Preise, das heißt, Einheiten eines geringwertigen Gutes kosten vergleichsweise viele Geldeinheiten. Dies verursacht hohe Transaktionskosten, da die Preisauszeichnungen aufgrund ihres Umfangs für den Anbieter von Gütern aufwändig und für den Nachfrager intransparent werden. Abhilfe schafft hier die Einführung einer neuen Währung, bei der von der alten Währung oft „Nullen entfernt werden“, also ein Tauschkurs von 10n:1 festgesetzt wird. Beispiele für eine derartige Währungsreform sind die Einführung der neuen Türkischen Lira 2004 oder der Nouveau Franc 1958 (100:1). „Ab 1960 entfiel das Wort Nouveau in der offiziellen Währungsbezeichnung“; darum wird oft der 1. Januar 1960 als Datum dieser Währungsumstellung genannt. Die Unterscheidung zwischen alten und neuen Franc war in der Alltagssprache bis in die 1970er Jahre gebräuchlich.

Methoden zur Aufweichung der Stabilität[Bearbeiten]

Die Unabhängigkeit der Notenbank wird außer Kraft gesetzt, wenn sie durch Intervention angewiesen wird, die Stabilitätskriterien zu verletzen. Im Jahr 1914 wurde dies in Deutschland durch Kriegsgesetze veranlasst. Nach 1939 ermöglichten in Deutschland Gesetze die Kriegsfinanzierung.[4] Die Staatsschuldenquote erlaubt es, den Grad der Verschuldung eines Landes festzustellen. Bei der Eurokrise sind die Bemühungen gut erkennbar, die Überschuldung einzelner Staaten der Währungsunion durch eine Schuldenbremse zu begrenzen.

Staatsbankrott als Hauptursache[Bearbeiten]

Wenn die Staatsverschuldung die Höhe des Bruttoinlandsprodukts übersteigt, die Zinslasten für die aufgenommenen Staatsschulden die übrigen Staatsausgaben spürbar einengen, die Leistungsbilanz negativ wird, dann können entweder Wirtschaftswachstum, die Senkung der Staatsausgaben, Steuererhöhungen, Verkauf von Staatsvermögen, der Schuldenschnitt bei den Staatsanleihen oder Inflation Entlastung bringen.[5] Ein historisches Beispiel für die Einengung der Staatsausgaben durch hohe Zinsverpflichtungen ist der französische Staatshaushalt von 1785, in dem der Finanzminister Jacques Necker über ein Drittel der Ausgaben (33,9 %) für Zinszahlungen auf die öffentlichen Schulden einplante.[6] Die Finanzierung der staatlichen Budgetdefizite durch Kredite bei der Zentralbank oder über den Ankauf neuer Staatsanleihen durch die Geschäftsbanken und späteren Weiterverkauf an die Zentralbank wirkt expansiv.[7]

Planung einer Währungsreform[Bearbeiten]

Der Erfolg einer Währungsreform hängt wesentlich davon ab, dass Zeitpunkt und Einzelmaßnahmen geheim gehalten werden; idealerweise fände sie überraschend statt. Sonst drohen Ausweichbewegungen der Informierten bzw. richtig Spekulierenden in andere Länder („Kapitalflucht“), in stabilere Währungen und/oder in Sachwerte. Gleichwohl müssen vor der Währungsreform Gesetze zum Umtausch und zur neuen Währungsverfassung formell beschlossen werden.

Unterschiedliche Umstellungssätze[Bearbeiten]

In den meisten Fällen besteht eine Währungsreform aus einer gesetzlichen Änderung der Währungsverfassung, die einen Umtausch alter Währungseinheiten zu einem staatlich festgelegten Wechselkurs in Einheiten der neuen Währung festlegt. Hauptziel der Währungsreform ist die Reduzierung der Staatsschulden und der Geldmenge. Die Geld- und Anlageformen, Schulden und Gehälter werden bewusst mit unterschiedlichen Umstellungssätzen in die neue Währung umgerechnet. Die Staatsanleihen werden entwertet. Staat, Unternehmen und einzelne Bevölkerungsgruppen werden also ungleich behandelt. Löhne und Gehälter sowie Mieten werden häufig 1:1 umgestellt, um den Neubeginn zu erleichtern.

Bargeld und unbarer Zahlungsverkehr[Bearbeiten]

Die Zeit für Entwurf und Erstellung neuer Münzen und Banknoten wird vom Volkswirt Dirk Meyer in dem Szenario einer Währungsumstellung auf mindestens zwölf Monate geschätzt. Übergangsweise können die alten Banknoten mit magnetischer Tinte fälschungssicher gestempelt und dann weiter verwendet werden. Etwa zwei „Bankfeiertage“ werden gebraucht, um Einlagen, Schulden, Bilanzen und Zahlungsverkehr umzustellen. [8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. O. Pfleiderer: Währungen. In: Staatslexikon. Bd 8. 6. Auflage. Herder, Freiburg 1963, Sp. 406/407.
  2. Zit. nach Bund der Steuerzahler, Verschuldung; abgerufen am 28. Dezember 2011.
  3. Stefan Homburg: Erinnerungen an die deutschen Währungsreformen. In: ifo-Schnelldienst 2011, S. 17 ff.
  4. Stefan Homburg: Der Euro wird zusammenbrechen. In: Hamburger Abendblatt vom 22. Juni 2011, S. 2.
  5. Cordt Schnibben: Die Gewalt der Zinsen. In: Der Spiegel 46/2012, S. 62
  6. Paul C. Martin: Cash – Strategie gegen den Crash. Ullstein, Frankfurt a.M./Berlin 1987, S. 261–263.
  7. Helmut Lipfert: Einführung in die Währungspolitik. C.H. Beck, München 1967, S. 196.
  8. Beate Kranz: „Deutschland soll aus dem Euro austreten“. In: Hamburger Abendblatt vom 5. Dezember 2011, S. 29

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Währungsreform 1948 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Währungsreform – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen