Schweizerisches Idiotikon
Das Schweizerische Idiotikon (auch Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache oder Schweizerdeutsches Wörterbuch genannt) erfasst den schweizerdeutschen Wortschatz (einschliesslich der Walsergebiete Oberitaliens). Die bairische Mundart Samnauns wird im Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich beschrieben. Das Schweizerische Idiotikon erfasst den gesamten deutschschweizerischen Wortschatz seit dem Ende der klassischen mittelhochdeutschen Periode im 13. Jahrhundert und ist damit auch das historische Wörterbuch der Region, darüber hinaus aber auch das detailreichste frühneuhochdeutsche Wörterbuch der deutschen Sprache überhaupt.
Die Publikation begann 1881 und soll 2020 abgeschlossen werden. Das ganze Werk ist, soweit es gedruckt vorliegt, seit September 2010 über die Homepage www.idiotikon.ch kostenlos online abrufbar; dieses Schweizerische Idiotikon digital[1] soll mittel- und längerfristig ausgebaut werden. Überdies ist eine leichter benutzbare populäre Kompaktausgabe geplant.
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[Bearbeiten] Typus und Charakteristik
Von seiner historischen Ausrichtung, seiner Ausführlichkeit und seiner Tiefe wie Breite her steht das Schweizerische Idiotikon ab seinem fünften Band bzw. der Übernahme der Chefredaktion durch Albert Bachmann auf der Stufe der nationalen Wörterbucher, wie etwa auch das Deutsche Wörterbuch, das Österreichische Wörterbuch, das Woordenboek der Nederlandsche Taal, das Oxford English Dictionary oder das Svenska Akademiens ordbok. Zuvor stand es mehr in der Tradition der landschaftlichen Wörterbücher des Deutschen, denen es zeitlich allerdings (mit Ausnahme von Schmellers Bayerischem Wörterbuch) voranging.
Das Schweizerische Idiotikon ist eines der vier nationalen Wörterbücher der Schweiz, zusammen mit dem Glossaire des patois de la Suisse romande in Neuenburg, dem Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana in Bellinzona und dem Dicziunari Rumantsch Grischun in Chur. Wie diese drei ist es nicht allein linguistisch bzw. semantisch ausgerichtet, sondern es legt auch grosses Gewicht auf die Dokumentation älterer volkskundlicher Verhältnisse.
[Bearbeiten] Geschichte und Trägerschaft
Die Gründung des Vereins für das Schweizerdeutsche Wörterbuch erfolgte 1862 auf Initiative der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich; erster Chefredaktor war Friedrich Staub. Ursprünglich waren vier Bände geplant. Die erste Lieferung (gemäss Titelblatt; fälschlicherweise zugleich als Publikationsjahr des gesamten ersten Bandes fungierend) erschien 1881.
Der ab 1896 amtierende neue Chefredaktor Albert Bachmann stellte das Wörterbuch auf der Basis von Hermann Pauls Forderungen betreffend die wissenschaftliche Lexikographie jedoch auf eine neue Basis, weshalb sich die ab Band 5 erscheinenden Bände in Umfang, Dichte und Tiefe wesentlich von den ersten vier unterscheiden.
Heute teilen sich sechs Redaktoren in fünf Stellen. Finanziert wird das Wörterbuch von der Schweizerischen Akademie der Wissenschaften und den deutschschweizerischen Kantonen.[2]
[Bearbeiten] Quellen und Materialbasis
Der verarbeitete Quellenbestand beläuft sich auf rund 8000 Titel. Er umfasst im Wesentlichen gedruckte Quellen (ab dem 13. Jahrhundert bis in die Gegenwart), ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts auch eine grosse Zahl von Originaldrucken, sodann Exzerpte aus ungedruckten Rechts- und Gerichtsquellen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit sowie von Privatpersonen eingeschickte handschriftliche Wörtersammlungen vor allem des 19. Jahrhunderts.
Das Material gliedert sich in die die Abteilungen ältere Sprache (bis 1799) und lebende Mundart (seit 1800).[3]
- Zur älteren Sprache gehören Auszüge aus der älteren Literatur, aus spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rechtsquellen und Urkundensammlungen, alten Wörterbüchern, Bibelübersetzungen, Chroniken und Archivalien sowie Sachschriften (beispielsweise Arzneibücher).
- Zur lebenden Mundart gehören die Beiträge der Gewährsleute sowie Auszüge aus der mundartlichen Belletristik und der dialektologischen Fachliteratur, dazu weitere Fachliteratur aus verschiedensten Gebieten, Zeitungsartikel, Inserate usw.
Das Gesamtmaterial umfasst über 1,5 Millionen Zettel mit zum Teil mehreren Belegen je Zettel. Das Belegkorpus wird immer noch ergänzt.
[Bearbeiten] Publikation
Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Begonnen von Friedrich Staub und Ludwig Tobler und fortgesetzt unter der Leitung von Albert Bachmann, Otto Gröger, Hans Wanner, Peter Dalcher, Peter Ott und Hans-Peter Schifferle. Verlag Huber Frauenfeld, Frauenfeld 1881 ff.
Publikationsstand:[4]
- Band 1 (A, E, I, O, U, F/V) 1881
- Band 2 (G, H) 1885
- Band 3 (J, K/Ch, L) 1895
- Band 4 (M, N, Bu/Pu) 1901
- Band 5 (Bl/Pl – Qu) 1905
- Band 6 (R) 1906
- Band 7 (S) 1913
- Band 8 (Sch) 1920
- Band 9 (Schl - Schw) 1929
- Band 10 (Sf – St-ck) 1939
- Band 11 (St-l – Str) 1952
- Band 12 (D/T – D-m) 1961
- Band 13 (D-n/T-n – D-z/T-z) 1973
- Band 14 (Dch/Tch – Dw-rg/Tw-rg) 1987
- Band 15 (W – W-m) 1999
- Band 16 (W-n – W-z) erscheint laufend in Lieferungen (Abschluss 2012)
- Geplanter Abschluss: 2022 mit 17 Bänden
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Jahresberichte des Vereins für das Schweizerdeutsche Wörterbuch; siehe www.idiotikon.ch > Jahresberichte.
- H. Wanner: Das Schweizerdeutsche Wörterbuch. Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Beihefte N. F. 17 (1976), S. 11 ff.
- W. Haas: Das Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Versuch über eine nationale Institution. Hg. v. der Redaktion des Schweizerdeutschen Wörterbuchs, 1981.
- R. Trüb: Das Schweizerdeutsche Wörterbuch und die schweizerdeutschen Wörterbücher. Lexikographie als Daueraufgabe. In: Schweizerdeutsches Wörterbuch. Bericht über das Jahr 1987, S. 12–25.
- [H.-P. Schifferle:] Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. In: Wissenschaftliche Lexikographie im deutschsprachigen Raum, im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften hg. von Thomas Städtler, Heidelberg 2003, S. 341–354.
- Ch. Landolt: Neuere Entwicklungen in der historischen Dialektlexikographie des Deutschen. In: Lexicographica 23, 2007, 151–172.
- Ch. Landolt: Das Schweizerische Idiotikon – ein diachrones Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. In: Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes 57/4 (2010): Historische Lexikographie des Deutschen, hg. von Holger Runow, S. 410–418.