Wörth am Main

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wörth a.Main
Wörth am Main
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wörth a.Main hervorgehoben
49.7963888888899.1575126Koordinaten: 49° 48′ N, 9° 9′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Miltenberg
Höhe: 126 m ü. NHN
Fläche: 15,89 km²
Einwohner: 4727 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 297 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63939
Vorwahl: 09372
Kfz-Kennzeichen: MIL
Gemeindeschlüssel: 09 6 76 169
Stadtgliederung: 1 Stadtteil
Adresse der
Stadtverwaltung:
Luxburgstr. 10
63939 Wörth a.Main
Webpräsenz: www.woerth-am-main.de
Bürgermeister: Andreas Fath (Freie Wähler)
Lage der Stadt Wörth a.Main im Landkreis Miltenberg
Aschaffenburg Landkreis Aschaffenburg Landkreis Main-Spessart Hohe Wart (Spessart) Gemeindefreies Gebiet Forstwald Gemeindefreies Gebiet Hohe Berg Collenberg Dorfprozelten Altenbuch Wörth am Main Weilbach (Bayern) Sulzbach am Main Stadtprozelten Schneeberg (Unterfranken) Rüdenau Röllbach Obernburg am Main Niedernberg Neunkirchen (Unterfranken) Mönchberg Mömlingen Miltenberg Leidersbach Laudenbach (Unterfranken) Klingenberg am Main Kleinwallstadt Kleinheubach Kirchzell Hausen (bei Aschaffenburg) Großwallstadt Großheubach Faulbach Eschau (Unterfranken) Erlenbach am Main Elsenfeld Eichenbühl Bürgstadt Amorbach Amorbach Hessen Baden-WürttembergKarte
Über dieses Bild

Wörth am Main (amtlich: Wörth a.Main) ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg. Sie liegt im Nordwesten Bayerns südlich von Aschaffenburg.

Geografie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Wörth liegt im Maintal, eingebettet zwischen den Hügeln von Odenwald und Spessart. Die Stadt befindet sich im Bereich des Mainvierecks am linken Mainufer, direkt gegenüber der Stadt Erlenbach am Main. Weitere Nachbargemeinden sind im Norden Obernburg am Main und im Süden Klingenberg am Main und im Westen die hessische Odenwaldgemeinde Lützelbach (Ortsteil Seckmauern).

Die Fläche der Gemarkung von 15,89 km² gliedert sich in Wald (9,20 km²), Landwirtschaftsfläche (4,50 km²), Siedlungs- und Verkehrsfläche (1,80 km²), sowie Wasserfläche (0,29 km²).[2] Der Baumbestand des Stadtwaldes enthält einen relativ hohen Anteil an Kieferngewächsen wie Kiefern (44 %), Lärchen (8 %), Fichten (6 %) und Douglasien (4 %). Als Laubbäume sind etwa 28% Buchen, 7% Eichen, sowie 2% Edellaubhölzer und sonstige Laubbäume enthalten.[3]

Geologie[Bearbeiten]

Wörth am Main gehört geologisch zum Südwestdeutschen Stufenland. Vor etwa 240 bis 250 Millionen Jahren (Trias) lag der Bereich des heutigen Unterfrankens nur einige Breitengrade nördlich des Äquators. Das Gebiet befand sich in einem flachen, teilweise überfluteten Becken in dem sich Sande und Tone ablagerten, die von mächtigen Flüssen aus den umliegenden Gebirgen herantransportiert wurden. Daraus bildete sich im Laufe der Jahrmillionen der für diese Gegend typische Buntsandstein. Das eher aride Klima der damaligen Zeit führte zu insgesamt lebensfeindlichen Bedingungen, so dass sich im Buntsandstein nur wenige Fossilien befinden. Im Laufe der folgenden Jahrmillionen bildeten sich mächtige Schichten aus Muschelkalk und Keuper über dem Buntsandstein.[3]

Erst seit dem mittleren Jura (vor etwa 170 Millionen Jahren) wurde Unterfranken Festland. Im Zusammenhang mit der Auffaltung der Alpen im Tertiär (bis vor etwa 40 Mio. Jahren) stellten sich die Erdschichten schräg. Der Buntsandstein wurde angehoben und die darüber angeordneten Deckschichten zum großen Teil durch Erosion abgetragen. Die Oberfläche der heutigen Landschaft bildete sich während der letzten Eiszeit durch Solifluktion (Bodenfließen), Frost (Frostschuttdecken), An- und Abschwemmungen von Flüssen und Bächen und Lössaufwehungen.[3]

Klima[Bearbeiten]

Mittelwerte der Niederschlagsmenge von 1961 bis 1990 (Station Obernburg)

Das Klima ist warm und trocken. Mit relativ kurzen Wintern und feuchtkühlen Sommern herrscht eine subatlantische Klimatönung vor. Die mittlere Jahresniederschlagsmenge lag zwischen 1961 und 1990 mit 810 mm knapp unter dem Bayerischen Durchschnitt von 850 mm. Insbesondere ist die Niederschlagsmenge geringer als in den angrenzenden Mittelgebirgen Odenwald und Spessart. Mit 210 bis 220 Tagen ist die Vegetationsperiode recht lang.[2]

Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Ursprüngliche hatte Wörth den Namen Erlebach. Zur Unterscheidung vom auf der anderen Mainseite liegenden, heutigen Erlenbach am Main wurde ein Namenszusatz hinzugefügt, so dass der Ort zeitweise den Namen Erlebach auf'm Wörth trug. Dem späteren Namen liegt das althochdeutsche uuerid (für Flussinsel; verwandt mit Werder) zugrunde.[4] Der heutige Zusatz am Main unterscheidet es von weiteren gleichnamigen Orten.

Die gleiche Namenswurzel steckt auch im Ortsnamen Wertheim.

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[4]

  • 1248 Erlebach
  • 1257 Werde
  • 1341 Werde an dem Moene
  • 1420 Werde
  • 1455 Werd
  • 1483 Werdt am Meyne
  • 1489 Werth
  • 1594 Wertha
  • 1820 Wörth
  • 1877 Wörth a.Main

Geschichte[Bearbeiten]

Wörth ("Stat Wertha") in der Spessartkarte von Paul Pfinzing von 1594 (Norden ist rechts)

Römische Soldaten haben vermutlich schon in der Zeit Kaiser Domitians (81 - 96 n. Chr.) ein einfaches Holz-Erde-Kastell und später ein massives Steinkastell in Wörth errichtet.

Zur römischen Vergangenheit siehe auch den separaten Artikel Kastell Wörth.

In fränkischer Zeit, seit dem 6. Jahrhundert, war Wörth ein Zentrum königlicher Herrschaft und mit der Kapelle St. Martin im heutigen Friedhof Ausgangspunkt christlicher Missionierung für das Odenwaldhinterland. Die Stadt wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Herren von Breuberg unter der Oberherrschaft der Erzbischöfe von Mainz am heutigen Standort neu gegründet. Im Jahr 1291 wird sie erstmals urkundlich als Stadt Werde erwähnt.

Nachdem im Jahre 1803 die Herrschaft der Mainzer Erzbischöfe zu Ende gegangen war, wurde Wörth in der Rheinbundakte vom 12. Juli 1806 zusammen mit einigen umliegenden Orten links des Mains dem Großherzogtum Baden zugeteilt. Nach Abschluss des Vertrages stellte sich jedoch heraus, dass die territorialen Veränderungen nicht überall sinnvoll waren, und Wörth wurde in einem Tauschvertrag schon am 6. Oktober 1806 dem Großherzogtum Hessen zugeordnet. Eine bedeutende politische Veränderung war der Übergang der Stadt an das Königreich Bayern im Jahr 1816.

Schifffahrt, Holzhandel und Schiffbau[Bearbeiten]

Holzumschlag am Wörther Mainufer (um 1900)

Die ältesten Aufzeichnungen im Stadtarchiv, welche die Ausübung des Schifferberufes in Wörth nachweisen, reichen auf das Jahr 1513 zurück.[5] Wörth entwickelte sich immer mehr zu einem regional bedeutenden Zwischenhandelsplatz speziell für den Holzumschlag. Dieses ist sicherlich mit eine Konsequenz der strategischen Lage der Stadt am Rande des Odenwalds. Viele Schiffer waren zu dieser Zeit zugleich auch Holzhändler.

Auch für den Bau von Holzschiffen war eine günstige Ausgangssituation geschaffen, denn Baumaterial und Handel lagen vor Ort. Der Schiffbau ist seit 1652 auf verschiedenen Plätzen urkundlich nachgewiesen, teilweise wird von drei Werften berichtet.[5] Gebaut wurden hölzerne Mainschiffe, Schelchen und kleinere Nachen. Diese Tradition fand erst im Jahr 1918 ein Ende, nachdem die letzte verbliebene Schiffswerft aus Platzgründen auf die gegenüberliegende Mainseite nach Erlenbach am Main wechselte.[5]

Veränderungen der Stadt durch das Hochwasser[Bearbeiten]

Wörth am Main, Postkarte (um 1900)
„Neu-Wörth“ mit ehemaligem Marktplatz, heute Verkehrskreisel
Sandsteinbau der ehemaligen Schule in „Neu-Wörth“ (heute Rathaus)
Hochwasserschutzwand als Teil der alten Stadtmauer mit vorgelagerter Mainanlage

Das ursprüngliche Stadtgebiet von Wörth wurde direkt am Main, einer der Hauptachsen des mittelalterlichen Fernverkehrs, gebaut. Der Fluss brachte Arbeit und Geld, Macht und Steuergelder, Trinkwasser und Nahrung. Wörth war durch sein leicht erhöhte Lage am Flussrand durch die Stadtmauer und die Gräben zwar leicht gegen Überfälle und Plünderungen zu schützen, aber dadurch auch immer wieder dem Hochwasser ausgesetzt.

Am 29. Februar 1784 stieg der Main auf die höchste nachweisbare Marke von 8,6 Meter über normal. Die Stadt wurde überflutet, und die Anzahl der Bewohner reduzierte sich im Folgejahr um 112 Einwohner. Sie waren an Seuchen gestorben, geflohen oder weggezogen. In der Chronik heißt es: „Die Häuser wurden so vom Eis, das in der stadt herumflos, beschädigt, und die Burger durch diesen überlas des wassers so verdrüssig, das man beschlos, unser stadt zu verlasen und ein neues Ort auser der Landstrasen […] zu bauen.“ Pläne für eine neue Stadt wurden aber von den Mainzer Erzbischöfen abgelehnt. Das Wasser sank, und die 929 restlichen Bürger verblieben in ihren Häusern.[6]

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es drei weitere große Hochwasser zwischen 7 und 8 Metern über Normal. Die schlimmste Katastrophe war jedoch das ungewöhnlich frühe Winterhochwasser im November und Dezember 1882. Das Wasser gefror in den Wänden, und die Wohnungen blieben den gesamten Winter über nass und kalt. Der Magistrat schrieb einen erneuten Bittbrief nach Würzburg. Der damalige Regierungspräsident Unterfrankens Graf von Luxburg forderte die Beseitigung aller Anwesen im Hochwassergebiet und die Erbauung eines neuen Wörths auf vor Hochwasser sicherem Gelände oberhalb der Stadtmauern.[6]

Die bayerische Regierung sicherte finanzielle Unterstützung zu, und das königliche Bauamt Aschaffenburg plante die neue Stadt mit rechtwinkligen Straßen und einem kreisrunden Marktplatz in der Mitte. Der gesamte neue Stadtteil „Neu-Wörth“ wurde aus vier verschiedenen Häusertypen aus rotem Buntsandstein in nur zwei Jahren erbaut. Von Bürgern der Altstadt beteiligten sich aber nur 119 Personen am Umzug. Von den 215 Häusern der Altstadt wurden nach der Umsiedlung so nur 116 abgerissen. Es entstand Platz für Gärten und Handwerksbetriebe. Ein Verbot regelte, dass keine neuen Häuser in der Altstadt gebaut werden dürften. Im Jahr 1885 wurde die Schule in den neuen Stadtteil verlegt, und drei Jahre später wurde auch die neue Kirche St. Nikolaus in „Neu-Wörth“ fertiggestellt.[6]

Im Jahre 1998 wurde nach längerer Planung mit dem Bau einer Hochwasserschutzmauer begonnen. Die Altstadt wird nun durch die 2001 fertiggestellte, 550 Meter lange Hochwasserschutzwand aus Stahlbeton geschützt. Sie verläuft entlang der alten Stadtmauer und ist durchschnittlich drei Meter hoch. Dort, wo sie die alte Stadtmauer ersetzt, wurde die neue Schutzwand wieder durch Steine der alten Mauer verblendet. In fünf Abschnitten, in denen die Stadtmauer ein Teil von denkmalgeschützten Gebäuden bildete, wurde die Schutzwand unsichtbar ins Gebäudeinnere verlegt, so dass die historische Ansicht der Stadtbefestigung weitgehend erhalten blieb. In anderen Bereichen ist die Schutzwand in Sichtbeton ausgeführt. In dem mittleren Teil des Schutzsystems ist die Hochwasserschutzwand von der Häuserfront abgerückt und bildet eine höher gelegene Aussichtsplattform.[6]

Verschließbare Schutztore aus Stahl, Klappen und mobile Dammbalken aus Aluminium können im Notfall zum Einsatz kommen, um die Stadt vor hohen Wasserständen zu schützen. Zusätzlich zur Schutzwand wurde ein unterirdisches Schutzsystem aufgebaut, das die Altstadt vor steigendem Grundwasser bewahren soll, dass unterirdisch unterhalb der Mauer durchgedrückt wird. Der Drainagekanal hinter der Schutzwand kann bis zu vier Kubikmeter Wasser pro Sekunde abpumpen. Im Norden der Stadt bildet eine Geländeauffüllung mit Kleingartenanlagen den Abschluss des insgesamt 1100 Meter langen Schutzsystems.[6] Das Projekt erhielt 2008 den Sonderpreis des rheinkollegs 2008 - "Hochwassersicheres Planen und Bauen".[7]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 16. März 2014 führte zu folgendem Ergebnis:[8]

Partei / Liste: Freie Wähler CSU SPD Gesamt
Sitze: 6 5 5 16 Sitze
Stimmenanteil: 37,62% 33,75% 28,63% 100 %

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen besteht aus einem viergeteilten Schild. Links oben befindet sich eine goldene Krone in einem roten Feld. Das obere rechte und das untere linke Feld sind weiß und enthalten je 4 blaue Eisenhüte. Das rechte untere Feld ist wiederum rot gefärbt. Das Wörther Stadtwappen entspricht damit dem Wappen der Herren von Kronberg im Taunus. Die Krone ist kennzeichnend für eine Seitenlinie der Familie, den sogenannten „Kronenstamm“.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Am 16. Juni 2006 wurde die Städtepartnerschaft mit Honfleur in Frankreich offiziell begründet. Am 29. April 2007 erfolgte die Gegenunterzeichnung der Partnerschaftsurkunde im Wörther Schifffahrtsmuseum.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museum[Bearbeiten]

Das Schifffahrts- und Schiffbaumuseum ist in der ehemaligen St. Wolfgangskirche untergebracht. Es dokumentiert die historische Entwicklung der Binnenschifffahrt und des Schiffbaus am Main. Zahlreiche Exponate sind eng verknüpft mit der Schifferstadt. Eine kleine Außenstelle im Bürgerhaus informiert über die Römer in Wörth.

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Wörth am Main und Route der Industriekultur Rhein-Main Bayerischer Untermain

Altstadt[Bearbeiten]

Die Altstadt ist geprägt von der mittelalterlichen Stadtbefestigung und vielen historischen Denkmälern und Fachwerkhäusern.

Der Tannenturm aus dem 15. Jahrhundert bildet den nördlichen Abschluss der mainseitigen Stadtmauer, die inzwischen als gleichzeitige Hochwasserschutzmauer ausgebaut wurde. Der Tannenturm ist auch unter der Bezeichnung Hexenturm bekannt.

Das Obere Tor bildete im Südwesten einen landseitigen Zugang zur Stadt und wurde Mitte des 15. Jahrhunderts in Stein erbaut. Danach wurde das Tor mehrfach durch Kriege zerstört und wieder aufgebaut. Der letzte Wiederaufbau erfolgte 1751 in seiner heutigen Form. Über der Durchfahrt ist ein Pecherker zu erkennen.[9]

Innerhalb der Stadtmauern befand sich seit dem späten 13. Jahrhundert ein kurmainzisches Schloss. Es war im 17. Jahrhundert zeitweise Residenz der Familie von Kronberg und wurde ebenfalls durch mehrere Kriege zerstört. Ab der Mitte des 18. Jhd. verfiel das aufgegebene Schloss und ist heute in seinen Resten weitgehend von einem Firmengelände überbaut. Nur noch ein Turm mit Renaissanceportal im Herzen des Fabrikgeländes erinnert noch heute an die Geschichte.[9]

Besonders sehenswert ist in der Altstadt das Bürgerhaus (früher Rathaus) aus dem Jahr 1600. Das Fachwerkgebäude besitzt ein Renaissanceportal. Im ersten Stockwerk des Gebäudes befindet sich der alte Sitzungssaal, der heute für verschiedene öffentliche Anlässe der Stadt und für standesamtliche Trauungen Verwendung findet. Im zweiten Stockwerk ist eine Sammlung von römischen Fundstücken aus dem Bereich des Wörther Kastells zu sehen.

Das Mainufer außerhalb der Stadtmauer wurde im Rahmen des Baus der Hochwasserschutzmauer neu angelegt.

„Neu-Wörth“[Bearbeiten]

  • Neustadt mit Wohngebäuden aus Buntsandstein, in der Anzahl einmalig im Freistaat Bayern, 1883-85
  • Kernbereich mit Rathaus (1885, ehemalige Schule), Pfarrzentrum, Bahnhof (1876), Berufsfachschule (1790, ehem. Pfarrhaus), Wendelinuskapelle (1780) und Hofgut (1795, ehem. Neustadt-Wirtshaus)

Kirchen[Bearbeiten]

Auf dem heutigen Friedhofsgelände am Nordrand der Stadt befindet sich der Standort der ersten Pfarrkirche St. Martin, deren Ursprung bis in die Zeit der Christianisierung des Untermains im 6. Jahrhundert zurückreicht. St. Martin bildete 1493 noch das Zentrum einer fränkischen Siedlung. Danach verlagerte sich das Stadtgebiet immer weiter zum Main hin. 1668 lag die Kirche von der Siedlung getrennt allein auf einem Feld. Trotz der Errichtung einer neuen Kirche im Stadtgebiet, blieb St. Martin auch weiterhin bis 1763 offiziell Pfarrkirche. Vom „ursprünglichen“ Kirchengebäude ist heute nur noch der fast quadratische Ostchor (um 1400) mit Rippenkreuzgewölbe erhalten. Das Langhaus und der Kirchturm wurden 1789 wegen Baufälligkeit abgerissen. Heute dient die St. Martinskapelle als Friedhofskapelle.[10]

Die zweite Kirche in Wörth war die St. Wolfgangskirche deren erste Erwähnung auf das Jahr 1328 zurückgeht. Zur ältesten Bausubstanz der heutigen Kirche zählen die unteren Stockwerke des heutigen Turmes aus dem 14./15. Jahrhundert. Der spitze Turm der Kirche stammt jedoch aus dem Jahr 1631. Das eigentliche Langhaus wurde 1729 abgerissen und zwischen 1730 und 1749 im barocken Stil wieder aufgebaut. Der Bau der dritten Pfarrkirche St. Nikolaus führte 1903 zur Aufgabe und Profanierung der Kirche durch die Diözese Würzburg. Die Kirche wurde zwischen 1986 und 1991 zum Schifffahrts- und Schiffbaumuseum umgebaut.[10]

Die Wendelinuskapelle wurde im Jahr 1780 von dem Wörther Pfarrer Johannes Zöller in seinem eigenen Garten an der oberen Waisenhausstraße erbaut. Der Verlauf der Mauern folgt den damaligen Grundstücksgrenzen, was zu einem eigenartigen, nicht rechtwinkligen Grundriss führte. Finanziert wurde der einfache Bau nur durch Spenden und Stiftungen. Seit 1954 wird die Kapelle durch die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Erlenbach-Wörth beziehungsweise Klingenberg-Wörth genutzt. Die im Besitz der Stadt Wörth befindlichen Kapelle wurde 1974 und 2006 renoviert.[11]

Die St.-Nikolaus-Kirche entstand im Rahmen der Stadtverlegung auf hochwasserfreies Gebiet im Jahre 1898. Sie wurde aus Rotsandstein im Stil einer romanischen Basilika erbaut. An der Nordseite ist an der Außenwand eine überlebensgroße Ölberggruppe aus Sandstein angebracht. Die Innenausstattung ist überwiegend zeitgenössisch, aber auch ältere, wertvolle Kunstschätze sind zu bewundern. Im Querschiff befindet sich ein spätgotischer Flügelaltar (Wörther Altar) aus der Zeit um 1470. Am Chorbogen befindet sich eine geschnitzte Kreuzigungsgruppe (1528). Das "Kümmernisbild" stammt von Jakob Conrad Bechtold aus dem Jahre 1730.[12][13]

Sonstiges[Bearbeiten]

In Wörth befindet sich das Bodendenkmal eines Römerkastells (Numeruskastell) an einer Stelle, an der die ältere Linie des Neckar-Odenwald-Limes auf die Mainlinie des Obergermanischen Limes trifft. Es stammt aus dem 1./2. Jahrhundert und ist nur durch schwache Bodenwellen im Gelände erkennbar.

Auf einer Anhöhe der Stadt, dem sogenannten „Galgenbuckel“, befindet sich das 1753 erbaute Denkmal eines Galgens. Es erinnert an die einstigen Hochgerichtsbarkeitsrechte der Stadt. Der Galgen war ein letzter Versuch, die Gerichtsrechte wiederzuerlangen, kam jedoch nie zum Einsatz. Vom Galgen blieben die zwei 7 m hohen, runden Sandsteinsäulen erhalten.[14]

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Wörth liegt im bayerischen Bereich des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald. Im Wörther Stadtwald (1000 ha) sind Wanderwege mit einer Gesamtlänge von über 50 km ausgeschildert. Am Ufer des Mains führt der gut ausgebaute Main-Radweg vorbei, der eine ausgedehnte Radtour von der Quelle des Mains bzw. bis zur Rheinmündung ermöglicht.

Für die sportliche Betätigung existieren in Wörth zwei Fussballplätze, eine Schulsporthalle, einen Sportpark mit Indoor Soccer, Tennis, Badminton und Volleyball, ein Schulhallenbad und ein Schützenhaus. In der Nähe des Galgendenkmals befinden sich verschiedene Sport- und Freizeiteinrichtungen wie Bolzplatz, Tischtennis, Inliner- und Skateboardplatz, sowie ein Spielplatz mit der Grillhütte.

  • Campingplätze Mainaue und Mainruh

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 469 führt direkt an Wörth am Main vorbei. Die Stadt ist von Norden über die Ausfahrt Lützelbach/Wörth und von Süden über die Ausfahrt Klingenberg/Wörth zu erreichen. Die mehrspurig ausgebaute Bundesstraße 469 erlaubt eine schnelle Anbindung an die Autobahn Würzburg - Frankfurt (BAB 3).

Die Stadt hat eine eigene Haltepunkt im Schienennetz der Maintalbahn (Bahnstrecke AschaffenburgMiltenberg), die von der Westfrankenbahn (einer Tochter der Deutschen Bahn AG) betrieben wird. Dieser Haltepunkt mit P+R-Parkplatz an der eingleisig ausgebauten Bahnstrecke wird von Regionalbahnen genutzt, die Züge des Regional-Express halten hingegen nur in Klingenberg und Erlenbach. Das ehemalige Bahnhofgebäude aus Buntsandstein stammt aus dem Jahre 1876 und wird privat genutzt. Außerdem besteht Anschluss an die Buslinien 67 (Haingrund–Wörth–Klingenberg)[15] und 86 (SchneebergAmorbach–Glanzstoffwerke) der Verkehrsgesellschaft Untermain.

Wörth ist außerdem über die Bundeswasserstraße Main zu erreichen. Eine eigene Schiffsliegestelle erlaubt das Anlegen auch großer Binnenschiffe. Am Ufer des Mains führt der gut ausgebaute Main-Radweg vorbei, der eine ausgedehnte Radtour von der Quelle des Mains bzw. bis zur Rheinmündung ermöglicht.

Radwanderwege[Bearbeiten]

Durch das Stadtgebiet entlang des Mains führen folgende Radwanderwege:

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Die Stadtbibliothek Wörth a. Main ist ein Gemeinschaftseinrichtung der Stadt Wörth a. Main und der katholischen Kirchengemeinde St. Nikolaus. Sie besteht seit 1979 und hat einen Bestand von etwa 8000 Medien (Stand: 2009). Die Einrichtung wird von einem ehrenamtlichen Büchereiteam geleitet und betrieben.[16]

Bildung[Bearbeiten]

Volksschule Wörth am Main

In Wörth am Main gibt es die beiden Kindertagesstätten „Kleine Strolche“ und „Rasselbande“, die beide als Kinderkrippe und Kindergarten genutzt werden.

Die Volksschule Wörth am Main ist eine Grund- und Hauptschule mit Ganztagesbetreuung in Form der offenen Ganztagesschule. Etwa 350 Schüler und Schülerinnen besuchen die Schule. Davon sind etwa 220 der Grundschule und etwa 135 der Hauptschule zuzuordnen (Stand: 2010). Im Jahr 2010 nutzten 126 Schülerinnen und Schüler das Angebot der offenen Ganztagesschule.[17]

Die Theresienschule war ein Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Sozialpflege. Hier wurden fast 200 Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu schulischer und beruflicher Bildung gegeben. Die Schule wurde 1858 von den Armen Schulschwestern als Rettungsanstalt für Mädchen gegründet. Drei Jahre später wurde sie offiziell zur Heimvolksschule. Im Jahr 1954 wurde sie zur Haushaltungsschule und 1983 zur Berufsfachschule. Seit 2003 hatte der Caritasverband die Trägerschaft übernommen. In der Geschichte ist die Schule und das Internates auch als Mädchenheim oder Mädcheninternat Wörth bekannt. Der Schulbetrieb wurde mit Ablauf des Schuljahres 2011/2012 eingestellt.[18]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Erna Morena (* 24. April 1885, † 20. Juli 1962 in München), Filmschauspielerin
  • Karl Franz Wolfstetter († 28. September 1991) war Naturforscher im Bereich der Botanik.

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Adam Haus (1836–1895), Pfarrer in Wörth ab 1871, Reichstags- und Landtagsabgeordneter

Kurioses[Bearbeiten]

In den 1840er Jahren herrschte eine Hungersnot in Wörth und Umgebung. Die Bettelei nahm zu und der Diebstahl häufte sich, denn viele Väter konnten ihre Familien nicht mehr ernähren. 1847 hat die Stadt eine "Suppenanstalt" für die Bedürftigen eingerichtet. In den Nachbarorten erhielten die Wörther Burschen dann den Spitznamen "Bettelsuppenfresser".

Die Wörther werden in ihrem Ortsnecknamen auch noch "Schlackschisser" genannt. In der Vergangenheit hatten die Wörther immer mit dem Mainhochwasser zu kämpfen. Immer wieder wurde die Altstadt überflutet, die Straßen und Abtritte standen unter Wasser, da muss ein arglistiger Erlenbacher einen Wörther beobachtet haben, wie er seine Notdurft durch das Fenster (schlack) verrichtete[19].

Literatur[Bearbeiten]

  • Trost, Werner: Wörth am Main. Chronik einer fränkischen Kleinstadt. 4 Bände. Wörth 1987-1999
  • Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg, Stadt Wörth am Main: Lebensqualität durch Hochwasserschutz, Alt-Wörth – Stadtteil mit Zukunft
  • Geschichte der Theresienschule Wörth: Arme Schulschwestern verlassen Wörth von der Pfarrei St. Nikolaus, abgerufen am 28. August 2010

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Internetseite der Stadt Wörth am Main: Allgemeine Daten zur Stadt, abgerufen am 2. Juni 2011
  3. a b c Internetseite der Stadt Wörth am Main: Informationen zu Wörther Wald und Geologie, abgerufen am 2. Juni 2011
  4. a b  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 247.
  5. a b c Internetseite der Stadt Wörth am Main: Wörther Geschichte, abgerufen am 2. Juni 2011
  6. a b c d e Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg, Stadt Wörth am Main: Lebensqualität durch Hochwasserschutz, Alt-Wörth – Stadtteil mit Zukunft
  7. Hochwasserschutz Wörth am Main, Rheinland-Pfalz-Preis des rheinkollegs 2008 - "Hochwassersicheres Planen und Bauen" (Sonderpreis). Abgerufen am 20. Juli 2010.
  8. Wahlen im Landkreis Miltenberg: Wörth
  9. a b Bernhard Peter: Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 924, Wörth am Main: Oberes Tor, abgerufen am 9. September 2010
  10. a b Stadt- und Kirchengeschichte, Katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus Wörth am Main, abgerufen am 7. Dezember 2010.
  11. Internetseite der Ev. Trinitatisgemeinde Klingenberg/Wörth: Beschreibung der Wendelinuskapelle, abgerufen am 7. Dezember 2010
  12. Maintouren: 3.08 Wörth am Main, abgerufen 21. Dezember 2010
  13. Kirchengeschichte St. Nikolaus, Katholische Pfarrgemeinde St. Nikolaus Wörth am Main, abgerufen am 20. Dezember 2010.
  14. Werner Trost: Wörth am Main. Chronik einer fränkischen Kleinstadt. Band 4. Wörth 1999
  15. Günstig unterwegs im Stadtbus Wörth, abgerufen am 9. September 2010
  16. Internetauftritt der Stadtbibliothek Wörth am Main, abgerufen am 2. Juni 2011
  17. Internetauftritt der Volksschule Wörth am Main, abgerufen am 2. Juni 2011
  18. Internetauftritt der Berufsfachschule Theresienschule in Wörth, abgerufen am 2. Juni 2011
  19. Werner Trost Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer Lkr.Miltenberg 2003

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wörth am Main – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien