Würenlos

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Würenlos
Wappen von Würenlos
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Badenw
BFS-Nr.: 4048i1f3f4
Postleitzahl: 5436
8109 (Kloster Fahr)
UN/LOCODE: CH WLO
Koordinaten: 669893 / 25526347.4444448.365284421Koordinaten: 47° 26′ 40″ N, 8° 21′ 55″ O; CH1903: 669893 / 255263
Höhe: 421 m ü. M.
Fläche: 9.04 km²
Einwohner: 5977 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 581 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 15,9 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.wuerenlos.ch
Würenlos

Würenlos

Karte
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Würenlos (schweizerdeutsch: ˈʋʏrəˌloːs)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt nördlich der Limmat im Furttal an der Grenze zum Kanton Zürich.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt in einer flachen, weiten Ebene südlich des Gmeumeriwaldes (516 m ü. M.), einem Hügel, der sich wie ein Riegel zwischen Furttal und Limmattal schiebt. Im Südosten erhebt sich der Bick (562 m ü. M.). Gegen Süden fällt das Gelände steil zur Limmat hin ab. Der Furtbach bildet ein tief eingeschnittenes Tobel, bevor er südwestlich des Dorfes in den Fluss mündet. Nördlich des Gmeumeriwaldes erhebt sich die Greppe (569 m ü. M.), ein Ausläufer der zum Faltenjura gehörenden Lägern. Östlich von Würenlos liegen am Furtbach die einst selbständigen Weiler Kempfhof und Ötlikon, wobei erstere mit der Hauptsiedlung zusammengewachsen ist. Die im Kanton Zürich vom Gemeindegebiet von Unterengstringen umschlossene aargauische Exklave Kloster Fahr, das bisher rechtlich eigenständig war, gehört seit 1. Januar 2008 zur Gemeinde Würenlos.[4]

Die Fläche des Gemeindegebietes beträgt 904 Hektaren, davon sind 305 Hektaren bewaldet und 203 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt ist der Gipfel des Bicks, der tiefste liegt an der Limmat auf 385 Metern.

Nachbargemeinden sind Wettingen im Westen und Norden, Otelfingen im Nordosten, Hüttikon im Osten, Oetwil an der Limmat im Südosten, Spreitenbach und Killwangen im Süden sowie Neuenhof im Südwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Funde beweisen, dass das Gebiet von Würenlos bereits während der Jungsteinzeit und der Bronzezeit besiedelt war. Die Römerstrasse von Vindonissa (Windisch) über Vitudurum (Oberwinterthur) nach Brigantium (Bregenz) führte durch das spätere Gemeindegebiet. Die Römer beuteten hier einen Steinbruch mit Mägenwiler Muschelkalk aus; neben Rillenresten finden sich auch kreisförmige Vertiefungen zur Gewinnung von Mühlsteinen.[5] Als sich die Römer zu Beginn des 5. Jahrhunderts zurückzogen, siedelten sich nach und nach die Alamannen an.

Die erste urkundlich Erwähnung von Wirchilleozha erfolgte 870 in einer Schenkungsurkunde des Grundherrn Landeloh. Dieser althochdeutsche Ortsname bedeutet «beim Landlos der Werkleute», was darauf hindeutet, dass auch die Alamannen den Steinbruch ausbeuteten.[3] Im Mittelalter entstanden die kleinen Gemeinden Kempfhof und Oetlikon. Die Landeshoheit lag zunächst bei den Grafen von Kyburg, nach deren Aussterben im Jahr 1264 bei den Habsburgern. Die niedere Gerichtsbarkeit war bis 1344 im Besitz der Freiherren von Steinbrunn aus dem Elsass und ging dann an das Kloster Wettingen über, das ab 1421 auch grösster Grundbesitzer war.

Dorfkern von Würenlos
Gasthof Rössli
Die Limmat bei Würenlos
Der Furtbach kurz vor der Einmündung in die Limmat

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Würenlos war nun Bestandteil des Amtes Wettingen in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft. Im Jahr 1528, zur Zeit der Reformation, bekannte sich eine Minderheit der Dorfbevölkerung zum neuen Glauben. Während etwas mehr als 400 Jahren benutzten Katholiken und Protestanten dieselbe Kirche, bis sie 1937 jeweils eine eigene Kirche bezogen.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Würenlos wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau. Die Eröffnung der Nationalbahn von Wettingen nach Winterthur erfolgte am 15. Oktober 1877. Als Konkurrenz dazu war am 1. Oktober desselben Jahres die so genannte Bülach-Baden-Bahn eröffnet worden, die jedoch bereits am 18. Januar 1937 stillgelegt wurde.

Im Jahr 1900 wurden auf Druck der Kantonsregierung die kleinen Nachbargemeinden Kempfhof und Oetlikon mit Würenlos fusioniert. Während des 20. Jahrhunderts wandelte sich Würenlos immer mehr zu einer Wohngemeinde für Menschen, die nicht mehr in der Landwirtschaft, sondern in der Industrie arbeiteten. Zuerst waren es vor allem Angestellte der BBC in Baden, später gelangte das Dorf in den Einzugsbereich der Agglomeration Zürich und der ausgedehnten Industriegebiete im Limmattal.

Ab 1892 war das Kloster Fahr, eine Exklave auf Zürcher Kantonsgebiet, verwaltungsrechtlich der Gemeinde Würenlos zugeteilt. Die Gemeinde besorgte unter anderem Einwohnerkontrolle und Feuerschau. 2005 teilte die Kantonsregierung mit, auch das Areal des Klosters der Gemeinde zuzuteilen, da der bisherige Zustand der Kantonsverfassung widerspreche. Seit 1. Januar 2008 ist das Kloster Fahr nunmehr integraler Bestandteil der Gemeinde Würenlos.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Geteilt von Weiss und Rot mit linksgekehrtem Schlüssel in gewechselten Tinkturen.» Das Wappen entspricht der Form her jenem der Freiherren von Steinbrunn. Auf verschiedenen Abbildungen wie zum Beispiel der Karte des Kantons Zürich von 1667 oder den Gemeindesiegeln des 19. Jahrhunderts erscheint der Schlüssel weiss in blau-rot geteiltem Schild. Die heute verwendete Variante wurde 1934 eingeführt.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1780 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 647 1047 945 1499 1805 2336 2653 3203 4102 4793 5653

Am 31. Dezember 2013 lebten 5977 Menschen in Würenlos, der Ausländeranteil betrug 15,9 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 44,6 % römisch-katholisch, 36,5 % reformiert und 2,0 % moslemisch; 2,3 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 92,4 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,5 % Italienisch, 1,2 % Französisch, je 0,8 % Albanisch und Englisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Würenlos gehört zum Friedensrichterkreis Wettingen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Würenlos gibt es gemäss Betriebszählung 2008 knapp 2000 Arbeitsplätze, davon 4 % in der Landwirtschaft, 38 % in der Industrie und 58 % im Dienstleistungssektor.[10] Bei der Betriebszählung 2001 wurden 350 verschiedene Betriebe gezählt. Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in der Region Baden-Wettingen oder im Limmattal.

Verkehr[Bearbeiten]

Autobahnraststätte Würenlos, der so genannte «Fressbalken»

Der Bahnhof von Würenlos liegt an der Linie S6 der S-Bahn Zürich (Baden-Oerlikon-Zürich Hauptbahnhof). Würenlos ist die Endstation einer Buslinie der RVBW nach Wettingen und Baden. Eine weitere Buslinie führt nach Regensdorf. Zwei Kilometer westlich des Dorfes liegt der Autobahnanschluss Wettingen der A1. Auf dem Gemeindegebiet befindet sich ein Rastplatz mit einem Autobahn-Brückenrestaurant, der nach der Gemeinde benannt ist. Es ist eines der grössten derartigen Bauten in Europa und wird im Volksmund «Fressbalken» genannt.

Bildung[Bearbeiten]

In Würenlos werden die Schüler der Primarschule, der Realschule und der Sekundarschule unterrichtet. Die Bezirksschule wird in der Regel in Wettingen besucht, ausnahmsweise auch in Baden oder Spreitenbach. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Sport[Bearbeiten]

Neben einem Fussball- und einem Turnverein gibt es in Würenlos auch den bisher einzigen Rugby-Verein im Aargau, den Rugby Club Würenlos. Zudem gibt es auch einen Schwimmclub.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Sophie Haemmerli-Marti (1868–1942), Schweizer Mundartdichterin
  • Emma Kunz (1892–1963), Schweizer Heilpraktikerin, Radiästhesistin und Künstlerin
  • Urs Meier (* 1959), ehemaliger Schweizer Fussballschiedsrichter

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Würenlos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 481–483.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo
  5.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 223.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 323.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.