WC-Reiniger

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Flüssiger WC-Reiniger bei der Anwendung
Toilettenreiniger in Form eines Tabs schäumen meistens auf und säubern den WC-Abfluss.
Sogenannte Toilettensteine sollen für einen angenehmen Duft sorgen.

Ein WC-Reiniger oder Toilettenreiniger ist ein saures Reinigungsmittel für Toiletten. Gängige Ausführungen sind in der Lage Urinstein, Kalkablagerungen und andere Verschmutzungen zu entfernen. Ursprünglich waren Toilettenreiniger pulverförmig, mittlerweile sind viele Produkte Flüssigreiniger. Auch Tabs, Schaumreiniger oder Toilettensteine sind im Handel erhältlich. Rechtlich gehören WC-Reiniger in Deutschland wie alle Reinigungsmittel zu den Bedarfsgegenständen.

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

WC-Reiniger enthalten Säuren, Tenside, Verdickungsmittel und Duftstoffe.[1] Zu den Inhaltsstoffen können Salzsäure, Salpetersäure[2] oder Phosphorsäure gehören.[3]

Der pH-Wert eines gewöhnlichen WC-Reinigers liegt etwa bei 1.[4] Toilettenreiniger ist eines der chemisch aggressivsten Produkte, die sich in vielen Haushalten befinden, und als solches eine häufige Ursache von Haushaltsunfällen. Häufigste Opfer sind hierbei kleine Kinder, die WC-Reiniger trinken wollen. Dies kann zu Reizungen und Verätzungen führen. Behandelt wird hier durch eine starke Flüssigkeitszufuhr.[5] Auch gefährlich ist hier die Kombination mit chlorhaltigen Reinigern, da bei der Kombination lebensgefährliches Chlorgas entsteht.[6] Dies kann zu einem toxischen Lungenödem führen.[7] Ebenso kann der Reiniger die Umgebung der Toilette wie Kunststoffteile (Toilettensitz), Armaturen, kalkgebundene Steine, emaillierte Flächen oder die Zementfugen zwischen Fliesen angreifen.[8]

Granulatförmige Reiniger enthalten meistens Natriumcarbonat oder Natriumhydrogencarbonat. Dies führt in Verbindung mit Wasser und dem ebenfalls vorhandenen Natriumhydrogensulfat zum Aufschäumen. So können die Reinigungsstoffe auch auf Verschmutzungen oberhalb des Wasserspiegels einwirken.[9]

Als eigene Produktgattung kam WC-Reiniger in den 1950ern auf den deutschen Markt. Eines der ersten Produkte war der 00-WC-Reiniger, der in Pulverform entwickelt wurde. Toilettenreiniger als eigenes Produkt löste die Reinigung mit verdünnter Salzsäure ab.[10] 1961 brachte als deutsches Unternehmen die Henkel-Tochter Thompson nach längerem Zögern das Konkurrenzprodukt bif auf den Markt.[11] In den folgenden Jahrzehnten folgten Flüssigreiniger, WC-Steine und weitere Reinigungsutensilien für die Toilette.[10]

Umweltstatus[Bearbeiten]

In den 1980ern gerieten WC-Reiniger in die Kritik, da sie das Abwasser zusätzlich belasten und somit nicht als umweltfreundlich gelten können. Das deutsche Umweltbundesamt riet in Broschüren zur sparsamen Verwendung von WC-Reinigern und zu deren Substitution durch Klobürste und Allzweckreiniger.[12] Trotzdem gehört WC-Reiniger zum Inventar des sogenannten Öko-Putzschranks, der die Konzentration auf nur sechs Reinigertypen rät. An diesem orientiert sich beispielsweise der Reinigungsmittelhersteller Frosch. Mit einem Marktanteil von 17 % erlangte die Firma Frosch dann Mitte der 1990er die Marktführerschaft im deutschen Markt für WC-Reiniger.[13] Ein Versuch, einen WC-Reiniger biofix in den Handel zu bringen, scheiterte, da auch dort noch chemische Substanzen enthalten waren, die sich nicht biologisch abbauen ließen.[14] Ein bekannter Vertreter der WC-Reiniger ist die Marke WC-Ente.

Während der Markt über viele Jahre stabil blieb, konnten Innovationen einzelner Wettbewerber ihn steigern. Nachdem WC-frisch 1998 Reinigungs-Tabs und 2000 Reinigungsschaum einführte, stieg der Gesamtmarkt in diesen Jahren von 43,5 Millionen Euro im Jahr 1999 auf 56,2 Millionen Euro im Jahr 2001.[15] Einer repräsentativen Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung aus dem Jahr 2010 zufolge verwenden 77 % aller deutschen Haushalte mindestens einmal die Woche einen WC-Reiniger, während gleichzeitig 72 % der Verbraucher ihn als gesundheitlich bedenklich einstuften.[16] Im Jahr 2011 verwendeten 0,98 Millionen Personen in Deutschland nie Bad- oder WC-Reiniger. 8,02 Millionen Menschen benutzen diese Reiniger hingegen täglich und 22,79 Millionen 1-mal wöchentlich.[17]

Einen anderen Einsatz findet WC-Reiniger im Bereich des Urinscreenings. Einige Drogenkonsumenten versuchen, ihre Urinproben zu verfälschen, indem sie der Probe WC-Reiniger hinzufügen.[18]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann G. Hauthal (Hrsg.): Reinigungs- und Pflegemittel im Haushalt. Chemie, Anwendung, Ökologie und Verbrauchersicherheit. Verlag für chemische Industrie Ziolkowsky, Augsburg 2007, ISBN 978-3-87846-265-1.
  • Klaus Henning: Wasch- und Reinigungsmittel. Inhaltsstoffe, Eigenschaften und Formulierungen. Verlag für chemische Industrie Ziolkowsky, Augsburg 2006, ISBN 978-3-87846-252-1.
  • Martin Lutz: Praxisleitfaden Gebäudereinigung. ecomed Sicherheit, Landsberg am Lech 2008, ISBN 978-3-609-68659-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: WC-Reiniger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lutz S. 34
  2. Wolfgang Dick: Notfall- und Intensivmedizin Walter de Gruyter, 2001, ISBN 3110153467, S. 163
  3. Lutz S. 33
  4. Lutz S. 22
  5. Gisela Zimmer: Prüfungsvorbereitung Rechtsmedizin Georg Thieme Verlag, 2009, ISBN 3131411724, S. 55
  6. Bernd Engels et al.: Chemie für Mediziner Pearson Deutschland, 2008, ISBN 3827372860, S. 284
  7. Frank-Ludwig Bertschat, Frank Martens: Praktische Notfallmedizin: Leitsymptome und Behandlung Walter de Gruyter, 1988, ISBN 3110115999, S. 55
  8. Lutz S. 69
  9. Wolfgang Frede: Taschenbuch für Lebensmittelchemiker Springer, 2005, ISBN 3540281983, S. 936
  10. a b Florian Langenscheidt: Deutsche Standards: Marken des Jahrhunderts Gabler Verlag, 2006, ISBN 3834904368, S. 368
  11. Susanne Hilger: „Amerikanisierung“ deutscher Unternehmen. Franz Steiner Verlag, 2004, ISBN 3515082832, S. 146
  12. Edmund Brandt: Umweltaufklärung und Verfassungsrecht Blottner, 1994, ISBN 3893670408
  13. Manfred Sietz, Siegmar Bornemann: Umweltbewusstes Management Blottner, 1994, ISBN 3893670467, S. 220
  14. Peter Schotthöfer, Peter Busl: Handbuch des Werberechts in den EU-Staaten einschliesslich Norwegen, Schweiz, Liechtenstein und USA Otto Schmidt Verlag, 1997, ISBN 3504411988, S. 205
  15. Klaus L. Wübbenhorst und Raimund Wildner: Marktorientierende Unternehmensführung in stagnierenden Märkten in: Manfred Bruhn (Hg.): Marktorientierte Führung im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel Gabler Verlag, 2007, ISBN 3834903701, S. 133
  16. Astrid Epp, Rolf F. Hertel, Gaby-Fleur Böl: Chemie im Alltag, Bundesinstitut für Risikobewertung 2010 als pdf S. 57
  17. Bevölkerung nach Häufigkeit der Verwendung von Bad- oder WC-Reiniger von 2007 bis 2011 (in Millionen), Statista abgerufen am 13. Dezember 2012.
  18. Hans Sachs, Wolfgang Berr, Martin Krause: Drogen im Straßenverkehrsrecht Hüthig Jehle Rehm, ISBN 3811408453, S. 333