WFMU

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WFMU
Logo von WFMU
Allgemeine Informationen
Empfang analog terrestrisch, Webradio
Sendegebiet New York City
Hudson Valley, NY
Lower Catskills, NY
Westliches New Jersey
Östliches Pennsylvania
Eigentümer Auricle Communications
Geschäftsführer Ken Freedman
Sendestart 24. April 1958
Liste der Hörfunksender

WFMU ist ein nicht-kommerzieller Hörfunksender in Jersey City, New Jersey, der lokal über die UKW-Frequenz 91,1 MHz (FM) und weltweit über das Internet empfangen werden kann. Der Sender erhielt für seine experimentellen Programme mehrere Auszeichnungen. Häufig wird er FMU genannt, ohne das initiale W des Rufzeichens, das lediglich besagt, dass sich der Radiosender östlich des Mississippi River befindet. Der terrestrische Empfangsbereicht umfasst unter anderem große Teile der Stadt New York City.

WFMU sendet im Freeform-Format, nach welchem die Moderatoren und DJs vollständige Kontrolle über den Inhalt ihrer Sendungen haben. Es gibt keine Redaktion, die Inhalte vorschreibt oder abnimmt. Die einzige Formvorgabe hat organisatorische Gründe und ist der Stundentakt: Die DJs wechseln zur vollen Stunde. WFMU ist der älteste noch existierende Radiosender in den Vereinigten Staaten mit diesem Format.

Geschichte[Bearbeiten]

WFMU ging am 24. April 1958 erstmals auf Sendung. Damals war WFMU noch Teil des Upsala College in East Orange, New Jersey. Kurz bevor das Upsala College am 31. Mai 1995 geschlossen wurde, kaufte WFMU die Sendelizenz vom College und ist seitdem selbständig. Im August 1998 zog der Sender in ein neu gekauftes Gebäude in Jersey City. Der gegenwärtige Eigentümer der Sendelizenz von WFMU ist Auricle Communications, eine gemeinnützige Organisation, bestehend aus gegenwärtigen und ehemaligen Mitarbeitern und Hörern von WFMU. WFMU besitzt zudem mit WXHD eine Relaisstation in Mount Hope, New York, die das Programm auf 90,1 MHz FM im Sendegebiet Hudson Valley, NY, den niederen Catskills, im westlichen New Jersey und im östlichen Pennsylvania verbreitet.

Seit einigen Jahren bietet WFMU sein Programm auch über Internet an. Streams sind in den Formaten MP3, RealAudio, ASX, Ogg Vorbis und AAC+ erhältlich, danach werden die Shows für zwei Wochen im MP3-Format und unbegrenzt im RealAudio-Format über die Website von WFMU zur Verfügung gestellt. Über ein Dutzend Sendungen werden auch als Podcasts gesendet. Darüber hinaus bietet WFMU anstelle des über das normale Radiosignal ausgestrahlte Jewish Moments in the Morning von Montag bis Freitag von 6 bis 9 Uhr morgens (EST) ein spezielles Internetradio, dessen Inhalt nicht den strengen Regeln der FCC (z.B. bezüglich der sogenannten Seven dirty words) unterliegt.

Ende 2006 bekam WFMU 400.000 US-Dollar aus dem sogenannten New York State Music Fund, der vom Office of the New York State Attorney General während der Amtszeit von Eliot Spitzer (seit 1. Januar 2007 Gouverneur von New York) bei der gemeinnützigen Organisation Rockefeller Philanthropy Advisors eingerichtet wurde, um im Bundesstaat New York den öffentlichen Zugang zu und die Wertschätzung von zeitgenössischer Musik zu fördern. Das Geld (insgesamt 19 Millionen US-Dollar) stammt aus außergerichtlichen Einigungen, die das Office of the New York State Attorney General mit verschiedenen Plattenfirmen ausgehandelt hatte, die wegen der Verletzung von Gesetzen angeklagt worden waren, die Payola verbieten.[1] WFMU plant zur Verwendung des dem Sender zugesprochenen Geldes einerseits die Veranstaltung mehrerer kostenloser Konzerte mit mehreren Musikern und Bands, wovon das erste am 28. April 2007 stattfand,[2], andererseits zum Aufbau des Free Music Archive, einer Website zum Hoch- und Runterladen von Musik, die komplett unter freien und nicht-kommerziellen Creative-Commons-Lizenzen stehen soll. Dieses Projekt soll voraussichtlich 2008 oder 2009 erstmals öffentlich einsehbar sein. WFMU bemüht sich bereits seit einiger Zeit, Musiker und Plattenfirmen zur Veröffentlichung ihrer Werke unter freien Lizenzen zu bewegen, dies unter anderem, damit verhindert wird, dass der Sender die bestehenden und vom Copyright Royalty Board geplanten, massiven Erhöhungen von an die RIAA zu zahlenden Gebühren für das Abspielen von Musikstücken durch Internetradios zu umgehen.[3]

Folgende Teile dieses Abschnitts scheinen seit 2008 nicht mehr aktuell zu sein: Einrichtung des Free Music Archive
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Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/2008

Konzept[Bearbeiten]

Ken Freedman während des 2008er Marathons

WFMU lehnt prinzipiell jegliche Unterstützung von Seiten der Regierung, durch Unternehmen, private Stiftungen und andere öffentliche Institutionen ab, die an Bedingungen geknüpft wäre, die den Prinzipien des Senders zuwiderlaufen. Der Sender wird komplett durch seine Hörer finanziert, was besonders einmal pro Jahr in einem zweiwöchigen Fundraisingmarathon (während dessen u.a. traditionellerweise Yo La Tengo auftreten) und durch eine ebenfalls einmal pro Jahr abgehaltene Schallplattenbörse erreicht wird. Alle DJs und Moderatoren sind unbezahlte Freiwillige (mit Ausnahme des DJ für das werktägliche Morgenprogramm, Nachum Segal), von denen einige seit den 1970er und 1980er Jahren beim Sender tätig sind. Durch diese Art der Unabhängigkeit soll gewährleistet werden, dass das Freeform-Format weiter bestehen kann und die DJs sich nicht an bestimmte Playlisten und Heavy Rotation-Konzepte halten oder den Inhalt der Sendungen aufgrund eventueller Werbepartner, Marketingagenturen und Fokusgruppen bestimmen lassen müssen (vgl. Payola).

Programm und kulturelle Wirkung[Bearbeiten]

Das Rolling Stone-Magazin verlieh WFMU vier Jahre hintereinander (1991–1994) den Titel "Bester Rundfunksender des Landes". Von den Magazinen Village Voice, der New York Press und dem College Music Journal wurde WFMU zudem als beste Radiostation in den Vereinigten Staaten bzw. in New York City ausgezeichnet. Die New York Times beschrieb WFMU in einem 1999 erschienenen Artikel als einen Sender, „dessen Name zu einer Art geheimer Handschlag unter einer gewissen Gruppe geschmacksbildender Experten geworden ist“ und nennt im selben Artikel Lou Reed, Matt Groening, Jim Jarmusch und Eric Bogosian als erklärte Fans des Senders.[4] Weitere prominente WFMU-Fans sind u.a. der Led Zeppelin-Sänger Robert Plant, Sonic Youth-Gitarrist Thurston Moore, Cars-Musiker Ric Ocasek, Fernseh-Moderator Conan O’Brien sowie Schauspieler Crispin Glover.

Große Aufmerksamkeit auch der internationalen Medien erhielt der Versuch des WFMU-DJs Glen Jones, den Guinness-Weltrekord für die längste fortlaufende Radiosendung zu brechen. Am 29. Mai 2001 endete der Rekordversuch offiziell erfolgreich mit 100 Stunden und 41 Sekunden Sendedauer.

Die Programminhalte und -formate der einzelnen Sendungen sind in hohem Maße unterschiedlich. Die meisten spielen Musik aus allen möglichen Epochen, Genres und Sprach- und Kulturräumen, daneben existieren viele experimentelle Sendungen, Dokumentationen, Anruf-Sendungen, sowie einmal pro Woche eine sogenannte Hörer-Stunde, in der jeweils ein Hörer im Sender die Musik seiner Wahl spielen kann.

Obwohl WFMU traditionell Nachrichten-Sendungen meidet, bot der Sender im Jahr 2000 der Sendung Democracy Now! (mit geändertem Titel: Democracy Now! In Exile) der Journalistin Amy Goodman für eine Übergangszeit Asyl, nachdem die Sendung durch einen Wechsel im Management vom Sender WBAI und dem Pacifica Radio-Netzwerk abgesetzt worden war.

Ein ähnliches Beispiel war die kurzfristige Übernahme des Webcast-Programms der Jazz-Radiostation WWOZ in New Orleans, nachdem deren Studio und Sendeanlage durch den Hurrikan Katrina im August 2005 zerstört worden waren.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rockefeller Philanthropy Advisors: "$19 Million in Music Grants Awarded by Fund Created by “Payola” Settlement", 19. Dezember 2006
  2. WFMU Special Events Director Mike Lupica auf dem WFMU-Blog: "WFMU Free Music Series Kickoff in Brooklyn!", 4. April 2007
  3. Station Manager Ken Freedman: "2007 Mid-marathon State of the Station Address", 10. März 2007
  4. New York Times, Ausgabe vom 11. April 1999, Link zum Artikel.