Wabern (Hessen)
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Hessen | |
| Regierungsbezirk: | Kassel | |
| Landkreis: | Schwalm-Eder-Kreis | |
| Höhe: | 166 m ü. NN | |
| Fläche: | 51,4 km² | |
| Einwohner: |
7253 (31. Dez. 2011)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 141 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 34590 | |
| Vorwahl: | 05683 | |
| Kfz-Kennzeichen: | HR | |
| Gemeindeschlüssel: | 06 6 34 025 | |
| LOCODE: | DE WAZ | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Landgrafenstraße 9 34590 Wabern |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Günter Jung (SPD) | |
| Lage der Gemeinde Wabern im Schwalm-Eder-Kreis | ||
Der Marktflecken Wabern ist eine Gemeinde im Schwalm-Eder-Kreis im Norden von Hessen an der Main-Weser-Bahn (Kassel–Frankfurt am Main). Von Wabern fährt die Ederseebahn nach Bad Wildungen.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie [Bearbeiten]
Geografische Lage [Bearbeiten]
Wabern liegt in der Flussebene der Eder und der Schwalm, wenige Kilometer südlich der Mündung der Schwalm in die Eder.
Nachbargemeinden [Bearbeiten]
Wabern grenzt im Nordosten an die Stadt Felsberg, im Südosten an die Stadt Homberg (Efze), im Südwesten an die Stadt Borken, sowie im Nordwesten an die Stadt Fritzlar (alle im Schwalm-Eder-Kreis).
Gemeindegliederung [Bearbeiten]
Die Gemeinde Wabern besteht aus zehn Ortsteilen, der Kerngemeinde Wabern sowie den umliegenden Dörfern Hebel, Rockshausen, Falkenberg mit der Burgruine Falkenberg, Udenborn, Unshausen, Uttershausen, Zennern, Niedermöllrich und Harle.
Geschichte [Bearbeiten]
Um 803 wird Wabern als Wabere im Codex Eberhardi des Reichsklosters Fulda erstmals urkundlich erwähnt. 1209 hatte das Petersstift zu Fritzlar Einkünfte aus Wabern (bis 1450), und ab 1335 betrieb es einen Meierhof in Wabern. 1244 hatte der Dominikanermönch Dietrich von Apolda Besitz in Wabern. Um 1250 hatte auch das Stift St. Stephan zu Mainz Einkünfte im Ort. Etwa um 1267 wird erstmals ein Geschlecht von Wabern erwähnt, das jedoch 1397 bereits ausgestorben zu sein scheint. 1298 verkaufte ein Erning aus Wabern ein Grundstück an das Kloster Haina. Von 1350 bis 1383 war der Ort, ein landgräfliches Dorf im Amt Wabern, an Johann von Falkenberg verpfändet. Ein Jenne von Hebel verkaufte 1407 dem Landgrafen Hermann II. sein Vorwerk in Wabern. Ab 1421 war Wabern Vogteigericht auch für den benachbarten Ort Zennern. Die Herren von Löwenstein-Schweinsberg und von Löwenstein-Westerburg hatten ab 1450 gemeinsamen Besitz in Wabern. 1494 gingen Teile des Westerburgschen Erbes an Margarete von Westerburg und ihren Verlobten Heinrich von Löwenstein. 1502 erhielten Eitel von Löwenstein (der spätere Landmarschall) und sein Bruder Johann vom Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg die Vogteirechte. Ab 1587 übte das Amt Homberg das Gericht auf der Schwalm aus. 1742 erhielt Wabern den Grebenstuhl für Wabern, Uttershausen und Zennern. Um 1756 wurde in Wabern eine Posthalterei eingerichtet.
Von 1807 bis 1813, während der Zeit des napoleonischen Königreichs Westphalen, war Wabern Sitz eines Kantons und Friedensgerichts, zuständig für die Orte Wabern, Uttershausen, Zennern, Ungedanken mit Rothelmshausen, Kerstenhausen, Kleinenglis, Großenenglis, Gombeth, Udenborn mit Kalbsburg, Betzigerode mit Wenzigerode. 1814 wurde das Schloss Hauptquartier des hessischen Armeekorps unter Kurprinz Wilhelm II.. 1816 besuchte Generalfeldmarschall Blücher das Hauptquartier. Ab 1818 gehörte Wabern zum Amt Fritzlar (vorher zum Amt Homberg). 1831 wurde Wabern für ein Jahr Garnison der 4. Eskadron des 1. Husarenregimentes.
1849 erfolgte die Inbetriebnahme der Main-Weser-Bahn, Wabern-Kassel. Eine große Kaiserparade des XI. Armeekorps fand 1878 vor Kaiser Wilhelm I. statt. Mit dem Baubeginn der Bahnstrecke Wabern–Brilon-Wald, 1884, in mehreren Abschnitten, zuerst bis nach Bad Wildungen, entwickelte sich Wabern stetig zu einem wichtigen Bahnknotenpunkt. Das Schloss wurde 1886 königlich preußische Erziehungs- und Besserungsanstalt. Von 1936 bis 1938 diente das ehemalige landgräfliche Schloss zeitweise als Sammellager für Juden und Konzentrationslagerhäftlinge.[2]
Die Überschwemmung nach Zerstörung der Edertalsperre in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 kostete nahezu 100 Menschen das Leben; hohe Sachschäden entstanden, besonders an den alten Lehmhäusern.[3]
In den Jahren 1971-1974 entstand im Rahmen der Gebietsreform in Hessen die heutige Großgemeinde Wabern.
Lust- und Jagdschloss [Bearbeiten]
Von 1701-1712 ließ Landgraf Karl von Hessen-Kassel für seine Gattin Amalia von Kurland, nach Entwürfen des Hofbaumeisters Johann Conrad Giesler, das Lust- und Jagdschloss in der Ebene zwischen Eder und Schwalm errichten. 1753 nächtigte Voltaire im Schloss Wabern. Ab 1760, im Siebenjährigen Krieg, war das Schloss Hauptquartier des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel. Eine Reiherbeize, 1764 nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges, bildete den Höhepunkt des Friedensfestes von Landgraf Friedrich II.. 1770 ließ Landgraf Friedrich II. das Schloss durch den Baumeister Simon Louis du Ry mit Pavillonanbauten erweitern. 1770 besuchte Adolph Freiherr Knigge, bekannt für seine Schrift Über den Umgang mit Menschen, Wabern. 1779 übernachtete Johann Wolfgang von Goethe in Wabern. Friederike von Anhalt-Berneburg wohnte 1819 im Schloss, um sich von ihrer „seelischen Zerrüttung“ zu kurieren. Kurfürst Wilhelm XI. ließ 1828 das Schloss renovieren.
Religion [Bearbeiten]
Kirche / Evangelische Kirche [Bearbeiten]
Eine erste Kapelle wird um 1360 erwähnt. Die Hauptkirche befand sich allerdings ursprünglich wohl in Niederzennern. Mit dem Wüstwerden des Ortes, etwa um 1400 scheint die Pfarrei Nieder-Zennern dann nach Wabern verlegt worden zu sein.[4] Um 1410 wird erstmals die Pfarrei Wabern urkundlich erwähnt. Um 1490 die Kirche eine Glocke. Der erste evangelische Pfarrer war Johannes Helwig (etwa 1527 bis nach 1557; eventuell auch 1569)
Die heutige Kirche wurde 1722 unter Landgraf Karl von Hessen als schlichter Saalbau erbaut. Hauptmerkmal der Kirche ist, dass sie als Querkirche, quer zum Kirchenschiff konzipiert wurde, d. h. der Altar steht an der südlichen Längsseite der Kirche. Diese Bauform wurde durch die Reformation initiiert. Der Landgraf hatte seine Loge direkt gegenüber der Kanzel bauen lassen. (Im Jahr 1889 wurde diese entfernt.) Die Kirche besitzt eine sehenswerte Rokoko-Orgel.[5]
Katholische Kirche St. Wigbert [Bearbeiten]
Die katholische Kirche ist dem Hl. Wigbert. Die Grundsteinlegung erfolgte am 23. November 1958. Gegen Ende des Jahres wurde bereits Richtfest gefeiert. Die neue Kirche wurde am 13. September 1959 durch den Fuldarer Bischof Adolf Bolte geweiht. Nach fast 40 Jahren erhielt sie 2008 ein fünfstimmiges Bronzeglockengeläut von der Laacher Glockengießerei Abtei Maria Laach. Am 10. August 2008 war die Glockenweihe.[6]
Muqeet-Moschee [Bearbeiten]
Am 15. Mai 2005 wurde der Grundstein wurde für die Muqeet-Moschee in Wabern gelegt. Nach rund zweijähriger Bauzeit wurde sie am 4. September 2007 von Mirza Masroor Ahmad, dem fünften Khalifat ul-Massih der Gemeinde, eröffnet.
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Verkehr [Bearbeiten]
Wabern ist IC-Haltepunkt an der Main-Weser-Bahn. Der Bahnhof war lange Zeit ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt, da hier die Bahnstrecke nach Brilon mit Anschluss Richtung Ruhrgebiet abzweigte. Heute endet die Nebenstrecke in Bad Wildungen. In Wabern kreuzen sich die Bundesstraßen 253 und 254. Im Westen des Gemeindegebiets liegt die Bundesautobahn 49-Anschlussstelle Wabern.
Radfernwege [Bearbeiten]
Entlang der Eder führen folgende Radwanderwege:
- Der 180 km lange Eder-Radweg beginnt im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen und heißt hier Ederauenweg. Der größte Teil führt durch Hessen und heißt dann Ederradweg. Er folgt dem Lauf der Eder bis zur Mündung in die Fulda (Fluss) bei Guxhagen.
- Der Hessische Radfernweg R4 (Nord-Süd-Radweg) beginnt in Hirschhorn am Neckar und verläuft über ungefähr 385 km von Süd nach Nord durch Hessen, entlang von Mümling, Nidda und Schwalm nach Bad Karlshafen an der Weser.
Zuckerfabrik [Bearbeiten]
1836 erbaut der Posthalter Thilepape in Wabern erstmals eine kleine Zuckerfabrik, die aber um 1850, vermutlich auf behördliche Anordnung, stillgelegt wurde. Braunschweiger Landwirte hatten sich zusammen mit alteingesessenen nordhessischen Landwirten in diese eingekauft. Diese trieben die Gründung einer neuen Fabrik voran. Ursprünglich sollte diese zunächst in Kassel errichtet werden. Die Verhandlungen zogen sich so sehr in die Länge, dass am 8. August 1880 kurz entschlossen 117 Landwirte aus Nordhessen die Actien-Zuckerfabrik Wabern als bauerneigenen Betrieb gründeten. Nach rund einjähriger Bauzeit wurde die Fabrik 1881 in Betrieb genommen. In den 1960er Jahren erreichte man eine weitere Kapazitätsgrenze, dass steigende Aufkommen an Rüben konnte kaum noch bewältigt werden. 1975 erwarb die Zuckerfabrik Franken GmbH die Aktienmehrheit. 1976 wurde die Vereinigte Zucker AG mit Sitz in Wabern gegründet. Durch die Kooperation wurden umfangreiche Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen durchgeführt. In die Fabriken in Wabern und in Warburg wurden insgesamt rund 100 Millionen D-Mark investiert. 1988 erfolgte dann der Zusammenschluss mit der Süddeutsche Zucker AG(Südzucker).[7]
Politik [Bearbeiten]
Gemeindevertretung [Bearbeiten]
| Parteien und Wählergemeinschaften | % 2011 |
Sitze 2011 |
% 2006 |
Sitze 2006 |
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|---|---|---|---|---|---|
| SPD | Sozialdemokratische Partei Deutschlands | 49,6 | 15 | 49,5 | 15 |
| FWG | Freie Wählergemeinschaft Wabern | 22,9 | 7 | 21,5 | 7 |
| CDU | Christlich Demokratische Union Deutschlands | 22,8 | 7 | 23,6 | 7 |
| FDP | Freie Demokratische Partei | 4,7 | 2 | 5,4 | 2 |
| Gesamt | 100,0 | 31 | 100,0 | 31 | |
| Wahlbeteiligung in % | 53,6 | 51,5 | |||
Städtepartnerschaften [Bearbeiten]
- Wabern-Uttershausen mit Lormaison (Oise) in Frankreich
Bauwerke [Bearbeiten]
- Jagdschloss Wabern
- Muqeet-Moschee
- Kirche aus 1722 mit Rokoko Orgel
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Söhne und Töchter des Ortes [Bearbeiten]
- Wilhelm Dilich (1571–1650), Baumeister und Kupferstecher
- Willy Klapproth (1892–1967), Polizeipräsident in Frankfurt am Main sowie Bürgermeister der Stadt Bensheim
- Ludwig Schneider (1893-1977), Politiker
- Karl Schmidt (* 1932), Fußballspieler und -funktionär
- Arnold Strippel (1911-1994), SS-Obersturmführer
- Sarah Knappik (* 1986), Reality-TV-Teilnehmerin
Sonstige mit der Gemeinde in Verbindung stehende Personen [Bearbeiten]
- Rolf Hocke (* 1942), Präsident des Süddeutschen Fußballverbandes, lebt in Wabern
- Fritz Harney (1879 - 1953), Industrieller, leitete seit 1910 die Zuckerfabrik in Wabern
- Josef Klik (* 1935), mehrfacher Deutscher Meister im Kugelstoßen, Diskuswurf und Zehnkampf, lebte in Harle
- Philipp Losch (1864 - 1953), Historiker, lebte in Wabern
- Johann Ludwig Gebhard von Alvensleben (1816-1895), Musiker und Besitzer des Rittergutes Falkenberg
- Michael Meinicke (* 1948 in Berlin), Schriftsteller und Journalist, lebt in Uttershausen
- Tobias Damm (* 1983), Fußballspieler
Ortsteile [Bearbeiten]
Bei den Waberner Ortsteilen handelt es sich weitestgehend um typische niederhessische Dörfer, die seit dem 16. Jahrhundert durch die evangelische Konfession geprägt sind.
In Falkenberg gab es bis zu deren Zerstörung 1938 eine kleine Synagoge. Die meisten Juden sind im Holocaust durch die Nationalsozialisten vertrieben oder später getötet worden.
Offensichtlich besondere historische Bedeutung hat das Dorf Harle. Das Dorfbild prägt die Bonifatius-Kirche, deren Turm im Hochmittelalter errichtet wurde. Das Kirchenschiff wurde 1492 neu errichtet. Offensichtlich hatte der Ort, an dem die Kirche heute steht, vor etwa 2.000 Jahren eine kultische Funktion. Hinweis dafür ist die Ausrichtung der Kirche. Die Kirche weist auf den 6 km entfernten Heiligenberg bei Gensungen. Vom Blickpunkt des Gotteshauses wandert am Tag der Sommersonnenwende (21. oder 22. Juni) die Sonne während des Aufgangs den Heiligenberg wie auf einer Rampe hoch. Der auf das Fachgebiet der Archäoastronomie spezialisierte Prof. Wolfhard Schlosser sieht hier einen eindrücklichen Hinweis auf die Besonderheit des Ortes, auf dem die Harler Kirche heute steht.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 31. Dezember 2011 (Hilfe dazu)
- ↑ Karlshof als Sammellager
- ↑ 1943 Zerstörung der Edertalsperre
- ↑ Kirche Nieder-Zennern LAGIS Hessen
- ↑ Kirche in Wabern
- ↑ Glocken St. Wigbert Wabern
- ↑ Geschichte der Zuckerfabrik in Wabern
Literatur [Bearbeiten]
- HOL Fritzlar-Homberg, S. 314-316
- Reimer, Ortslexikon, S. 487
- Species facti die Zehent-Gerechtigkeit des Stiftes Fritzlar wider die Gemeinde Wabern betr. 27. Okt. 1702 [Staatsarchiv Marburg]
- A. Woringer, Besserungsanstalt Wabern. In: Hessischer Gebirgsbote 29 (1921), S. 1-4
- Ders., Wabern. In: Hessischer Volkskalender für das Jahr (1932)
- Denkschrift zum 75jährigen Bestehen der Actien-Zuckerfabrik Wabern. (1955)
- G. Sandner: Wabern. Die Entwicklung eines nordhessischen Dorfes unter dem Einfluß der Verkehrszentralität, Geographische Schriften 10, Marburg, 1958
- Robert Pessen-Lehner: Einiges über Dorf und Schloß Wabern in Niederhessen. In: Fuldaer Geschichtsblätter, Zeitschrift des Fuldaer Geschichtsvereins, Band 36, Fulda, 1960, S. 33-46.
- C. Dippel, Das Schloss Wabern. In: Heimatschollen 2 (1922), S. 91ff.
- Wolfgang Nelke: Das Jagdschloss in Wabern (in "1175 Jahre Wabern")
Weblinks [Bearbeiten]
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