Waerland-Kost

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Die Waerland-Kost ist eine vegetarische Ernährungsform, die von dem schwedischen Ernährungsreformer Are Waerland (1876–1955) Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Er stand den Ideen der Lebensreform nahe. Die Basis dieser Kost besteht aus Rohkost und einem von Waerland erdachten Getreidebrei namens Kruska. Diese Ernährung soll die Gesundheit und vor allem das Immunsystem fördern, aber auch Krankheiten heilen können. Waerland befasste sich viele Jahre lang mit den Themen Ernährung und Verdauung und entwickelte dazu eigene Theorien, die er auch veröffentlichte.

Are Waerland[Bearbeiten]

Grab von Are Waerland in Djursholm

Are Waerland wurde 1876 in der kleinen damals selbständigen Stadt Ekenäs in Nyland geboren. Sein Vater war Reeder. Als Kind litt Waerland unter diversen Krankheitssymptomen wie Kopfschmerzen, schlechtem Gedächtnis, chronischen Magenproblemen und Verstopfung. Ein Studium der Philosophie brach er wegen seines schlechten Gesundheitszustands ab und übernahm die Leitung einer Volkshochschule. Einige Zeit später verließ er Schweden und ging nach London, um dort Medizinstudien zu betreiben und nicht zuletzt, um eine Therapie für seine Beschwerden zu finden. Er empfand Methoden der Abhärtung wie kalt duschen und bei offenem Fenster schlafen als hilfreich. Ihn inspirierte die Lektüre eines Buches von Alexander Haig. Nach dem Vorbild Haigs und auf Grund von Berichten über die angeblich gesunde Ernährungsweise des Volks der Hunza stellte Waerland seine Ernährung um und wurde Vegetarier. Seine Symptome verschwanden in London innerhalb von drei Jahren, was er vor allem auf die Rohkost zurückführte. Von 1899 bis 1945 schrieb er 40 literarische Werke in schwedischer Sprache. 1946 heiratete er die Witwe Ebba Hoffmann, geborene Langenskiöld. Nach seinem Aufenthalt in Westdeutschland und Herausgabe deutschsprachiger Schriften verbrachte er seine letzten Lebensjahre in Alassio an der italienischen Riviera. Er starb 1955.[1]

Theoretische Grundlagen[Bearbeiten]

Waerland stellte in der Folge die Theorie auf, dass die meisten Krankheiten eine Folge „nicht artgemäßer Lebensgewohnheiten“ und vor allem falscher Ernährung seien. Der Mensch sei kein Allesfresser und nicht an die moderne „Zivilisationskost“ angepasst, die deshalb schwer verdaulich sei. Vor allem der Verzehr von Fleisch, Fisch und Eiern führe zur Übersäuerung des Körpers und zur Besiedelung des Dickdarms mit Fäulnisbakterien, die für viele Krankheiten verantwortlich seien. Die Übersäuerung führe zur Entstehung von Krebs. Waerland sah die Ernährung und auch die Verdauung von Menschenaffen als Vorbild an; sie ernähren sich hauptsächlich von pflanzlicher Frischkost und koten mehrmals täglich breiförmig. Eine solche Verdauungstätigkeit würden die meisten Mediziner beim Menschen als Durchfall bezeichnen, aber Waerland hielt sie für optimal.

Waerland nahm an, dass es zwei Milieus der Darmflora gibt: das Fäulnismilieu und das Gärungsmilieu. Nach seiner Theorie faulen Fisch, Fleisch und Eier im Darm; die entstehenden Fäulnisgifte lähmen angeblich die Peristaltik, so dass alle Menschen in zivilisierten Gesellschaften unter Dauerverstopfung litten. Bei Raubtieren trete dieser Effekt deshalb nicht auf, weil ihr Darm viel kürzer sei, so dass der Inhalt den Darm vor Eintritt der Fäulnis schon wieder verlasse.

Das Gärungsmilieu sei dagegen der Gesundheit zuträglich; es werde durch gesäuerte Milchprodukte wie Buttermilch und Kefir gefördert, aber auch durch Sauerkraut und Brottrunk. In diesem milchsauren Milieu funktioniere die Verdauung optimal.

1933 veröffentlichte er sein erstes Buch mit dem Titel In the cauldron of disease, das auf Deutsch 1950 unter dem Titel Befreiung aus dem Hexenkessel der Krankheiten veröffentlicht wurde. Sein zweites Hauptwerk war Weg zu einer neuen Menschheit, in dem er über die angeblich sensationellen Heilerfolge berichtet, die der Mediziner Arthbutnot Lane durch die chirurgische Entfernung des Dickdarms erziele. Per Inserat suchte Waerland danach Personen, die seine Ernährungslehre und seine Empfehlungen zur Lebensführung erproben sollten und es meldeten sich über tausend Freiwillige. Um 1950 soll er allein in Schweden rund eine halbe Million Anhänger gehabt haben.

Are Waerland glaubte, dass der Mensch bei richtiger Lebensführung und Ernährung 120 Jahre alt werden könne. Er selbst starb mit 79 Jahren.

Die Ernährungslehre[Bearbeiten]

Die Ernährung nach Waerland besteht vor allem aus Rohkost, Pellkartoffeln und dem Getreidebrei Kruska. Die Rohkost soll über eine Stunde lang gründlich gekaut werden. Tierisches Eiweiß aus Fleisch, Fisch und Eiern wird als ungesund abgelehnt. Milchprodukte sind jedoch zulässig. Scharfe Gewürze, Zucker und Salz sind zu meiden. Genussmittel sind verboten. Täglich sollen etwa drei Liter Flüssigkeit getrunken werden. Waerland war der Meinung, dass der Körper Ausscheidungs- und Aufnahmephasen habe, so dass die günstigste Zeit zur Nahrungsaufnahme zwischen 12 und 20 Uhr sei.

Morgens soll eine Flüssigkeit auf Basis von Gemüsebrühe oder Kartoffelwasser getrunken werden, die am Abend vorher mit Leinsamen und Kleie angesetzt wurde. Das Frühstück sollte nur aus Obst und Dickmilch bestehen. Das Mittagessen besteht aus Rohkost, Pellkartoffeln und Kräuterquark. Abends gibt es dann Kruska, einen Vollkornbrei mit Weizenkleie und Rosinen, der mit Milch oder Kompott gegessen wird. Auch Vollkornbrot mit Butter und Käse ist zulässig. Nach Waerland sind auch bestimmte Regeln der Lebensmittelzusammenstellung zu beachten, zum Beispiel kein rohes Obst zu Salat.

Die Waerland-Therapie[Bearbeiten]

Waerlands Ehefrau Ebba litt wie er selbst bereits als Kind unter zahlreichen Krankheiten; die ersten 40 Jahre ihres Lebens verbrachte sie vor allem in Krankenhäusern und Sanatorien. Um 1940 las sie ein Buch Waerlands, befolgte konsequent seine Empfehlungen und wurde allmählich gesund. Ende 1944 lernte sie den Autor persönlich kennen, 1946 folgte die Heirat. 1950 eröffneten sie das erste Waerland-Sanatorium in Schweden. Nach Waerlands Tod entwickelte Ebba seine Lehren weiter und bezeichnete das Gesundheitssystem als Therapie. Sie veröffentlichte das Buch Die Waerland-Therapie und ihre Erfolge. Heilung verspricht sie angeblich bei allen möglichen Krankheiten von Rheuma über Asthma und Diabetes mellitus bis zu Herzleiden und Krebs.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Befreiung aus dem Hexenkessel der Krankheiten, 1950
  • Weg zu einer neuen Menschheit, 1954
  • Die große Lebensharmonie, 1967
  • Lebensanschauung und Persönlichkeit, 1967
  • Das Waerland-Handbuch der Gesundheit, 1958
  • Der Schlüssel der Gesundheit liegt im Darm, 1957
  • Die Übersäuerung als Grundursache der Krankheiten, 1960
  • Nie mehr Rheuma, 2. Aufl. 1956
  • Warum ich weder Fleisch, Fisch noch Ei esse, 1957
  • Nachruf: Are Waerland 1876 - 1955. Sein Leben für eine neue Menschheit. Gedenkbuch zu seinem 80. Geburtstag von Rudof Böhm 1956.

Kritik[Bearbeiten]

  • Einige Theorien Waerlands sind wissenschaftlich nicht haltbar. Fleisch, Fisch und Eier sind nicht grundsätzlich gesundheitsschädlich. Sie werden wie andere Nahrungsmittel im Darm zersetzt und führen auch nicht zu einer Lähmung der Peristaltik. Eine mehrmalige tägliche Stuhlentlehrung ist aus gesundheitlichen Gründen nicht nötig, nicht einmal die tägliche, sofern keine Beschwerden bestehen.
  • Eine tägliche Einnahme von Leinsamen und Kleie mit genügend Flüssigkeit regt die Darmtätigkeit auch an, wenn keine sonstigen Ernährungsempfehlungen nach Waerland befolgt werden.
  • Es ist nicht nachweisbar, dass alle Krankheiten auf falscher Ernährung beruhren. Gerade bei Verstopfung und anderen Verdauungsproblemen können auch psychosomatische Faktoren eine Rolle spielen.
  • Rohkost ist de facto schwerer verdaulich als gekochte Kost und muss länger verdaut werden.
  • Die Ernährung ist relativ eintönig.
  • Die Zufuhr von Eisen, Iod und Calcium ist möglicherweise unzureichend.
  • Für Schwangere und Kinder ist diese Kostform nicht geeignet.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Nachruf von Rudolf Böhm.

Weblinks[Bearbeiten]

Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!