Wafd-Partei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Wafd-Partei (von arabisch ‏وفد‎ Wafd ‚Delegation‘) war eine ägyptische nationalistische Partei, die nach der Unabhängigkeit Ägyptens 1922 die stärkste Kraft im Parlament war. 1952 wurde sie verboten, 1983 als Neue Wafd-Partei ( arabisch ‏ حزب الوفد الجديد‎ Hizb al-Wafd al-Dschadid) wieder zugelassen.

Derzeit (März 2011) ist Monir Fakhri Abdel Nour Generalsekretär der Neuen Wafd-Partei.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Wafd-Partei wurde gegen Ende des Ersten Weltkrieges gegründet, um die Unabhängigkeit Ägyptens von Großbritannien zu erreichen. Seit 1882 war Ägypten eine De-facto-Kolonie des Empire. Die Briten setzten während des Ersten Weltkrieges rücksichtlos die ägyptische Wirtschaft auf eine Kriegswirtschaft um, was zu einer weitreichenden Verarmung der Bevölkerung führte, denn durch die Kaufkraft der britischen Truppen stiegen die Lebensmittelpreise stark an, andererseits wurden aber die Baumwollpreise auf britischen Druck hin stark gesenkt. So bildete sich 1919 eine Delegation (Wafd), die auf der Pariser Friedenskonferenz ihre Forderungen vorbringen wollte, was die Briten aber durch die Verhaftung der Führer verhindern konnten. Ausbrechende Unruhen und der Boykott britischer Waren führten aber 1922 zur Entlassung Ägyptens in die Unabhängigkeit. Ein bedeutender Führer in dieser Zeit war Saad Zaghlul Pascha.

In der nach der Unabhängigkeit entstehenden konstitutionellen Monarchie war der mittlerweile zur Partei umgebildete Wafd die stärkste Kraft im Parlament und stellte bis 1952 die Regierungen. Sie stand oft im Konflikt mit den Königen Fuad I. und Faruq I., die ohne das Parlament regieren wollten, sich aber nicht dauerhaft durchsetzen konnten. Auch auf britischen Druck wurden wegen nationalistischer Forderungen gegen den britischen Einfluss oftmals Regierungen der Wafd aufgelöst.

Die Wafd-Partei wurde nach dem Sturz der Monarchie (1952) durch Nasser und Nagib verboten. Sie wurde unter Präsident Sadat 1977 wiedergegründet, kurz darauf aber wieder aufgelöst. Unter Präsident Hosni Mubarak ist die Wafd als Neue Wafd-Partei am 8. Februar 1983 wieder zugelassen worden. Politisch wird sie als liberal eingeordnet. Sie besitzt einige wenige Mandate im Parlament. Im Zuge der Revolution des Jahres 2011 forderte der Parteichef der Neuen Wafd-Partei as-Sayyid al-Badawi am 28. Januar 2011 eine Übergangsregierung für Ägypten und sprach sich für Neuwahlen und eine Verfassungsänderung aus.[2]

Vorsitzende[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Der Westen soll sich raushalten“. Im Gespräch: Ägyptens Tourismusminister. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. März 2011, abgerufen am 14. März 2011 (deutsch, Interview mit Monir Fakhri Abdel Nour über die Revolution in Ägypten 2011 und den Aufstand in Libyen.).
  2. Oppositionelle Wafd-Partei fordert Übergangsregierung