Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2001

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abgeordnetenhauswahl 2001
(Zweitstimmen in %)[1]
 %
30
20
10
0
29,7
23,8
22,6
9,9
9,1
1,4
1,3
2,2
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 1999[2]
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
-18
+7,3
-17,0
+4,9
+7,7
-0,8
+0,3
-1,4
-1,0
     
Von 141 Sitzen entfallen auf:

Die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin am 21. Oktober 2001 war die fünfte vorgezogene Wahl in Berlin seit 1945.

Der Wahl vorausgegangen war der Bruch der seit 1991 regierenden großen Koalition unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU). Im Rahmen der sogenannten Bankenaffäre, in welche der langjährige CDU-Fraktionsvorsitzende Landowsky verwickelt war, waren dem Land Berlin Etatprobleme in Milliardenhöhe entstanden. An der Frage, wie diese Defizitprobleme zu lösen seien, zerbrach die Koalition, wobei es bei Teilen der SPD Erleichterung darüber gab, die ungeliebte Koalition beenden zu können.

Am 16. Juni 2001 wählte das Abgeordnetenhaus auf Antrag der SPD und der Grünen mit Unterstützung der PDS Eberhard Diepgen und die CDU-Senatoren Christoph Stölzl, Wolfgang Branoner, Peter Kurth und Eckart Werthebach ab und wählte Klaus Wowereit zum neuen Regierenden Bürgermeister in einer rot-grünen Minderheitsregierung unter PDS-Tolerierung. Das Zusammengehen mit der PDS war in der Berliner SPD nicht unumstritten, jedoch von der Landesspitze als „nicht wünschenswert, aber auch nicht auszuschließen“ bezeichnet worden.

Der Senat Wowereit trat mit dem erklärten Ziel an, Neuwahlen herbeiführen zu wollen. Das Abgeordnetenhaus löste sich daraufhin Anfang September selbst auf.

Die CDU trat mit ihrem neuen Fraktionsvorsitzenden Frank Steffel an, dessen Wahlkampf jedoch aufgrund mehrerer unglücklicher Auftritte schnell ins Schlingern geriet.

Für die PDS trat der ehemalige Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gregor Gysi, für Bündnis 90/Die Grünen Sibyll-Anka Klotz und für die FDP zum zweiten Mal nach 1995 der Landesvorsitzende und ehemalige Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt an.

Ergebnis[Bearbeiten]

Im Ergebnis wurde die SPD erstmals seit 1975 wieder stärkste Fraktion: 29,7 % (+7,3 Prozentpunkte). Die CDU erlitt herbe Verluste in Höhe von 17,0 Prozentpunkten und landete mit einem Stimmenanteil von 23,8 % nur knapp vor der PDS, die auf 22,6 % (+4,9 Prozentpunkte) kam. Die FDP kehrte mit 9,9 % (+7,7 Prozentpunkte) nach sechs Jahren wieder ins Abgeordnetenhaus zurück und landete noch knapp vor den Grünen (9,1 %, –0,8 Prozentpunkte).

Da es keine rot-grüne Mehrheit gab, die Grünen einer Koalition angesichts der bestehenden rot-roten Mehrheit nicht beitreten wollten und die Bildung einer Ampelkoalition scheiterte, bildete Klaus Wowereit einen rot-roten Senat.

Aus den Reihen der CDU gab es zwei bemerkenswerte Wahlbeschwerden. Kandidaten aus Steglitz-Zehlendorf bemängelten die Kandidatenaufstellung. Hier wurde festgestellt, dass die Bezirksliste der CDU nicht zugelassen werden durfte, die Wahl aber trotzdem so gültig bliebe. Der Kandidat Carsten Wilke dagegen bemängelte einen Fehler bei der Mandatsverteilung im amtlichen Endergebnis und klagte sich erfolgreich ins Abgeordnetenhaus.

Wahl vom 21. Oktober 2001
Wahlberechtigte 2.417.574
Wahlbeteiligung 1.645.673 68,1 % Mandate
SPD 481.772 29,7 % 44
CDU 385.692 23,8 % 35
PDS 366.292 22,6 % 33
FDP 160.953 9,9 % 15
GRÜNE 148.066 9,1 % 14
GRAUE 22.093 1,4 %
REP 21.836 1,3 %
NPD 15.110 0,9 %
STATT Partei 13.396 0,8 %
ödp 3.304 0,2 %
BüSo 1.889 0,1 %
DKP 1.382 0,1 %
MLPD 1.182 0,1 %
HP 371 <0,1 %
Summe 1.623.338 100,0 % 141

Die HP trat nur in Pankow an.

Ergebnisse nach Bezirken[Bearbeiten]

AGH-Wahl 2001 – Ergebnis Berlin-West
Wahlbeteiligung: 70,5 % (+3,0)
 %
40
30
20
10
0
33,7
30,8
12,8
11,1
6,9
1,6
1,4
1,5
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 1999
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
-18
-20
+8,5
-18,5
+10,0
-1,0
+2,7
+0,3
-1,2
-1,0
AGH-Wahl 2001 – Ergebnis Berlin-Ost
Wahlbeteiligung: 64,4 % (+1,9)
 %
50
40
30
20
10
0
47,6
23,8
12,4
5,9
5,3
1,6
1,2
2,8
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 1999
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
+8,1
+6,0
-14,5
-0,5
+4,2
± 0,0
-1,6
-1,0

Die folgende Tabelle zeigt die Anteile der abgegebenen Zweitstimmen, aufgeschlüsselt nach historischen Stadthälften und den Verwaltungsbezirke, welche bei dieser Wahl erstmal existierten.

Amtliches Endergebnis der Zweitstimmenanteile nach Regionen[3]
Nr. Bezirk/Region Wbt.
SPD
CDU
PDS
FDP
GRÜNE
Andere
−2 Berlin Berlin insgesamt 68,1 % 29,7 % 23,8 % 22,6  % 09,9 % 09,1 % 04,9 %
0 Berlin Berlin – West 70,6 % 33,7 % 30,8 % 06,9 % 12,8 % 11,1 % 04,7 %
−1 Berlin Berlin – Ost 64,4 % 23,2 % 12,4 % 47,6 % 05,3 % 05,9 % 05,6 %
1 MitteBerlin Mitte 63,9 % 31,2 % 21,8 % 21,2 % 08,1 % 12,5 % 9,1 %
2 Friedrichshain-KreuzbergBerlin Friedrichshain-Kreuzberg 63,9 % 26,8 % 12,1 % 33,2 % 05,1 % 18,7 % 04,1 %
3 PankowBerlin Pankow 65,5 % 24,8 % 12,3 % 42,9 % 05,8 % 09,5 % 04,7 %
4 Charlottenburg-WilmersdorfBerlin Charlottenburg-Wilmersdorf 72,9 % 32,9 % 27,2 % 06,6 % 15,7 % 14,2 % 03,4 %
5 SpandauBerlin Spandau 69,2 % 35,9 % 34,4 % 05,8 % 12,5 % 06,0 % 05,4 %
6 Steglitz-ZehlendorfBerlin Steglitz-Zehlendorf 77,3 % 31,5 % 31,8 % 05,2 % 16,8 % 11,6 % 03,1 %
7 Tempelhof-SchönebergBerlin Tempelhof-Schöneberg 72,7 % 36,2 % 30,3 % 06,2 % 11,9 % 11,4 % 04,0 %
8 NeuköllnBerlin Neukölln 66,1 % 33,9 % 33,8 % 07,5 % 10,5 % 08,3 % 06,0 %
9 Treptow-KöpenickBerlin Treptow-Köpenick 68,1 % 26,1 % 13,4 % 43,6 % 05,7 % 03,7 % 07,5 %
10 Marzahn-HellersdorfBerlin Marzahn-Hellersdorf 60,2 % 20,1 % 14,2 % 52,9 % 04,7 % 02,2 % 05,9 %
11 LichtenbergBerlin Lichtenberg 62,3 % 21,8 % 12,3 % 53,2 % 04,4 % 02,8 % 05,5 %
12 ReinickendorfBerlin Reinickendorf 72,7 % 32,3 % 36,9 % 05,0 % 13,4 % 06,5 % 05,9 %
Farben der Bezirksnummern: ehem. West-, ehem. Ost-, West/Ost-Fusionsbezirke, Gesamt-Berlin

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin am 21. Oktober 2001, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
  2. Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin am 10. Oktober 1999, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
  3. Amtliches Endergebnis des Landesabstimmungsleiters in Berlin (PDF; 4,2 MB)