Wald-Geißbart

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Wald-Geißbart
Wald-Geißbart (Aruncus dioicus)

Wald-Geißbart (Aruncus dioicus)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Spiraeoideae
Gattung: Geißbärte (Aruncus)
Art: Wald-Geißbart
Wissenschaftlicher Name
Aruncus dioicus
(Walter) Fernald

Der Wald-Geißbart (Aruncus dioicus, Syn. Aruncus sylvestris, Aruncus sylvester, Aruncus vulgaris) ist eine Pflanzenart aus der Unterfamilie der Spiraeoideae innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Es handelt sich um eine mehrjährige krautige Pflanze, die ein kurzes, kräftiges, unterirdisches Rhizom besitzt. Aus diesem wachsen aufrechte und bis hinauf zum Blütenstand unverzweigte Sprosse, die Höhen bis zu zwei Metern erreichen können. In der Regel werden die Pflanzen einen guten Meter hoch. Oft verholzen die Stängel am Grunde.

Die nebenblattlosen bis zu 1 m langen Laubblätter sind zwei- bis dreifach dreiteilig oder fünfteilig. Die Fiederblättchen sind oval und vorne zugespitzt. Ihre Ränder sind scharf unregelmäßig bis doppelt gesägt.

Die kleinen, weißen Blüten stehen in großen, 20 - 30 cm langen, endständigen, oft leicht überhängenden Blütenständen, die aus rispenartig angeordneten schmalen Ähren bestehen. Die Pflanzen sind meist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die weiblichen Blüten sind reinweiß, die männlichen eher cremeweiß.[1] Die Einzelblüten haben einen Durchmesser von etwa 3 mm und sind kurz gestielt.

Ökologie[Bearbeiten]

Der Wald-Geißbart ist ein ausdauernder Hemikryptophyt mit holzigem Rhizom.

Die Pflanze ist zweihäusig. Die Blüten sind „Pollen-Scheibenblumen“. Die Blütenstände enthalten bis zu 10 000 Einzelblüten.

Es findet ein reicher Besuch von verschiedenen Insekten statt, außer von Hummeln besonders von Faltern.

Blütezeit ist von Juni bis Juli.

Je Blüte entstehen 3 meist gedrehte Balgfrüchte mit je 3-5 Samen. Die Früchte sind Austrocknungsstreuer. Die Samen sind ca. 2 mm lang und nur 0,1mg schwer, lanzettlich, Kältekeimer und an den Enden geflügelt. Sie unterliegen der Wind- und Wasserausbreitung. Die Pflanze ist ein Wintersteher, der oft noch im nächsten Frühjahr Samen enthält.

Fruchtreife ist von September bis Oktober.

Die vegetative Vermehrung erfolgt durch Rhizome, daher bildet die Pflanze oft ganze Bestände.

Der Wald-Geißbart wächst an luftfeuchten, lichten oder halbschattigen Standorten, auf sickerfrischem, nährstoffreichen und basenreichen, oft kalkarmen, lockeren Mullböden in Schluchten und in Ahorn-Eschenwäldern auch in Buchen-Tannenwäldern oder in Buchenwäldern, oft in Säumen an Bächen oder an Böschungen.

Verwendung[Bearbeiten]

Der Wald-Geißbart ist eine empfehlenswerte Garten- und Parkpflanze, sie ist auch für Wildpflanzenghärten sehr geeignet. Ihre Vermehrung kann durch Teilung erfolgen.

In Norditalien werden die jungen Triebe als essbares Gemüse auf den Markt gebracht.

Giftigkeit[Bearbeiten]

Die Pflanze enthält wenige Blausäure-Glykoside und sollte deshalb nur gekocht genossen werden. Die Samen enthalten Saponine.

Verbreitung und Standortansprüche[Bearbeiten]

Der Wald-Geißbart ist in den gesamten gemäßigten Gebieten der Nordhemisphäre verbreitet. Er wächst in Wäldern in schattigen, feuchten Tälern, Schluchten oder an ihren Hängen auf humusreichen Böden.

Zudem ist der Wald-Geißbart – wie beispielsweise in Norddeutschland, wo die Art nicht natürlich vorkommt – eine beliebte Zierpflanze, die gebietsweise auch verwildert.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz Deutschland. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4
  • Werner Rothmaler: Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Band 2: Gefäßpflanzen, 14. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-060-12539-2
  • Otto Schmeil, Jost Fitschen, Werner Rauh: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. 84. Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1968.
  • Urania Pflanzenreich. Band 4: Blütenpflanzen 2, 1. Ausgabe. Urania-Verlag, Leipzig 1994, ISBN 3-3320-0497-2.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 3: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Rosidae): Droseraceae bis Fabaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1992, ISBN 3-8001-3314-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Bäßler: Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland Bd. 2, Heidelberg: Spektrum, 1999. S. 265
  2. Eckard Garve: Verbreitungsatlas der Farn und Blütenpflanzen in Niedersachsen und Bremen, Naturschutz und Landespflege in Niedersachsen, Heft 43, Hannover 2007, ISSN 0933-1247, S. 37

Weblinks[Bearbeiten]

Wald-GeißbartWald-Geißbart. In: FloraWeb.de.

 Commons: Wald-Geißbart – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien