Wald-Michelbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wald-Michelbach
Wald-Michelbach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wald-Michelbach hervorgehoben
49.5723611111118.8243055555556343Koordinaten: 49° 34′ N, 8° 49′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 343 m ü. NHN
Fläche: 74,36 km²
Einwohner: 10.425 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 140 Einwohner je km²
Postleitzahl: 69483
Vorwahl: 06207
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 021
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
In der Gass 17
69483 Wald-Michelbach
Webpräsenz: www.wald-michelbach.de
Bürgermeister: Joachim Kunkel
Lage der Gemeinde Wald-Michelbach im Kreis Bergstraße
Groß-Rohrheim Zwingenberg (Bergstraße) Biblis Viernheim Lampertheim Bürstadt Einhausen (Hessen) Lorsch Bensheim Lautertal (Odenwald) Lindenfels Heppenheim (Bergstraße) Heppenheim (Bergstraße) Fürth (Odenwald) Grasellenbach Rimbach (Odenwald) Mörlenbach Wald-Michelbach Birkenau (Odenwald) Abtsteinach Gorxheimertal Hirschhorn (Neckar) Neckarsteinach Michelbuch (gemeindefreies Gebiet) Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Kreis Groß-Gerau Landkreis Darmstadt-Dieburg OdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild

Wald-Michelbach im Odenwald ist mit einer Fläche von über 74 km² flächenmäßig die größte Gemeinde im Kreis Bergstraße in Hessen, also insbesondere vor der Stadt Lampertheim.

Geographie[Bearbeiten]

Geologie[Bearbeiten]

→ Siehe auch: Geologie des Odenwaldes

Wald-Michelbach liegt im Zentrum der geologischen Entwicklung des Odenwaldes, am Schnittpunkt des nördlichen →Böllsteiner-Gneis-Odenwaldes, des westlichen →Trommgranits und des östlichen →Buntsandstein-Odenwaldes.

Diese Formationen wurden verursacht durch große Bewegungen der Erdkruste in zwei verschiedenen Erdzeitaltern und einer zwischenzeitlichen Abtragung und Sedimentation.

  • Die Biotitgranite sind – wie die etwas älteren Granodiorite des Weschnitzplutons – im Erdaltertum (Paläozoikum) entstanden, bzw. aus Altbeständen umgeformt worden. Die Größe und Verteilung der Kontinente war zu dieser Zeit ganz anders als heute[2]: „Mitteleuropa“ lag in einem Ozean- Gebiet südlich des Äquators und bestand aus kleinen Kontinenten. Damals driftete durch die Kontinentalverschiebung ein Südkontinent auf einen Nordkontinent zu. Dadurch kollidierten die dazwischenliegenden „mitteleuropäischen“ Zwerg-Kontinente und in der Devon und Karbon-Zeit (vor etwa 380-320 Mio. Jahren) erhob sich auf und zwischen ihnen das variszische Gebirge, zu dem der Odenwald zählt.[3] Infolge der Zusammenschiebungen (Subduktion) wurden einmal die alten Gesteine tief in die Erdkruste versenkt und in dem oberen Erdmantel in ca. 15 Kilometer Tiefe aufgeschmolzen, zum Zweiten langsam – zusammen mit Magmagesteinen – zurück in die Erdkruste hochgedrückt, wo sie im Laufe von 60 Mio. Jahren allmählich abkühlten und sich verfestigten.[4] Bei diesen tektonischen Prozessen rissen die Gesteinsmassen immer wieder auf und gaben Raum für Veränderungen. Im Gebiet um Kreidach und Ober-Mengelbach entwickelte sich eine Mischzone mit granitischen Gesteinen und umgewandelten Altbeständen (Schiefer bzw. Biotit-Plagioklas-Gneis-Schollen, früher als Amphibolit bezeichnet). Die Spalten füllten sich mit Schmelzen, die dort zu Ganggesteinen auskristallisierten. Ältere Biotitgranite wurden durch jüngere aplitartige Granite durchtrümmert, z. B. westlich von Siedelsbrunn und Wald-Michelbach.
  • In der Vorgeschichte des Granit-Odenwalds bildete sich bereits der Böllsteiner Gneis. Er ist aus granitischen Gesteinen hervorgegangen, die vor etwa 410 Mio. Jahren als glühend heiße Magmen von unten in ältere sedimentäre Gesteine eingedrungen sind. Diese wurden gemeinsam – infolge der Zusammenschiebungen – in tiefere Bereiche der Erdkruste versenkt und dort bei hohem Temperatur-Druck zu Schiefern und Gneisen metamorphisiert. Eine alte Störungszone, die NNE verlaufende Otzbergspalte, die sich vom Otzberg – über Wald-Michelbach – nach Süden bis zur Oberrheingraben- Grenze Heidelberg /Karlsruhe fortsetzt, bildet den westlichen Rand des Böllsteiner Gneises, der – als schmale Gneis-Zwischenzone – über Hammelbach und Scharbach bis Aschbach nachweisbar ist, größtenteils jedoch unter der Buntsandsteindecke versteckt liegt. An dieser Linie schob sich durch die Kontinentaldrift der westliche Bergsträßer Odenwald (im Unterkarbon vor etwa 333 bis 329 Mio. Jahren entstanden) an den älteren Böllsteiner Odenwald. Der vor ca. 320 Mio. Jahren nachdringende Trommgranit verschweißte im weiteren Verlauf der Plattenkollision die beiden Gebirgsteile.[5]
  • Vor etwa 260 Mio. Jahren – das Granit-Gneis-Gebirge ist inzwischen bis zum Sockel abgetragen – überschwemmte im Erdzeitalter des jüngeren Perm das sogenannte Zechsteinmeer den Odenwald und überdeckte ihn mit Ablagerungen, die für den Überwälder Bergbau bedeutsam sind: Dolomite, in die später eisen- und manganhaltige Quarzlösungen eindrangen. Die Sedimentationsgeschichte setzt sich im Mesozoikum (Erdmittelalter) zwischen 251 und 65 Mio. Jahren mit der Ablagerung – bis zu 600 m – mächtiger Buntsandstein-, Muschelkalk- Keuper- und Jura[6] – Schichten fort.
  • Lange Zeit später kam es in Mitteleuropa wieder zu starken Bewegungen in der Erdkruste: In Verbindung mit einer Rift-Zone vom Mittelmeer bis an die Nordsee brach – im Tertiär vor ca. 45 Mio. Jahren – der Oberrheingraben ein. In der Folge zerlegten viele Kreuz- und Querklüfte das Gebiet des heutigen Odenwaldes in Gebirgsblöcke und Gräben. Einige Spalten im Wald-Michelbacher Raum füllten sich mit Quarz – und Schwerspatlösungen (Baryt-Abbau um 1890). Durch ein – die Verwitterung und Abtragung begünstigendes – warmfeuchtes Tertiär-Klima und fluviatile Ausräumung des Hangschutts schnitten sich die Bäche tief ins Gelände ein und zersägten die Bergmassive. Dabei entwickelte sich eine Schichtstufenlandschaft und die mächtigen Jura- Keuper-, Muschelkalk- und Zechstein- Sedimente wurden sukzessiv nach SE hin abgetragen. Die erodierenden Kräfte legten von der Bergstraße bis zum Trommrücken den kristallinen Gebirgsrumpf wieder frei. In Orientierung an alte Störungszonen (Gersprenztal, oberes Ulfenbachtal) veränderten die Bäche ihren Lauf. Im östlichen Odenwald bestimmen nur noch die Buntsandsteinablagerungen das Landschaftsbild: Im Wald-Michelbacher Raum verläuft die Grenze am Osthang des Ulfenbachtals von Affolterbach, Aschbach, Unter-Wald-Michelbach und schwenkt dann nach Westen (Siedelsbrunn). Am Buntsandsteinstufenrand wurde die darunter liegende Zechsteinschicht mit den Eisen- und Manganerzen für den Bergbau zugänglich, z. B. bei Straßburg-Unter-Waldmichelbach und Aschbach.[7] Berge und Hänge zerteilten sich durch Risse in Blöcke, die anschließend durch Chemische Verwitterung kugelförmige Felsburgen und -meere bildeten (Wollsackverwitterung), z. B. auf der Tromm.
  • In der nachfolgenden Eiszeit herrschte im Odenwald ein Permafrost-Klima. D. h. der Boden war ständig tief gefroren. Bei Erwärmung (Ende der Eiszeit) taute die obere Schicht auf, die vom Schutt befreiten Gesteine rutschen auf dem noch gefrorenen Untergrund hangabwärts. So bildete sich im Lauf der Jahrmillionen aus dem Rumpf des variszischen Gebirges und der verbliebenen Buntsandsteindecke das heutige typische Mittelgebirgs-Landschaftsbild um Wald-Michelbach.
  • In der Gemarkung ging von 1889 bis in die 1930er Jahre intensiver Bergbau auf Mangan um, die Grube Ludwig kann heutzutage als Besucherbergwerk besichtigt werden, für Details, siehe: Liste von Bergwerken im Odenwald.

Name[Bearbeiten]

Nicht zu verwechseln ist der Ort mit dem namensähnlichen Waldmichelbach, einem Ortsteil der Gemeinde Bessenbach im Landkreis Aschaffenburg.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Wald-Michelbach grenzt im Norden an die Gemeinde Grasellenbach, im Osten an die Gemeinde Mossautal, die Stadt Beerfelden und die Gemeinde Rothenberg (alle drei im Odenwaldkreis), im Süden an die Stadt Eberbach (Stadtteil Brombach) und die Gemeinden Heddesbach und Heiligkreuzsteinach (alle drei Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg) sowie im Westen an die Gemeinden Abtsteinach, Mörlenbach und Rimbach.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Wald-Michelbach setzt sich aus folgenden Ortsteilen bzw. Gemarkungen zusammen

Geschichte[Bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten]

Das Bestehen des Ortes lässt sich unter dem Namen Michilnbach urkundlich zurückverfolgen bis in das Jahr 1238. Damals war hier von einer ecclesia (Kapelle oder Kirche) die Rede. Diese war dem Laurentius geweiht. Das Kloster Lorsch hatte bereits Besitzungen im Gebiet von Wald-Michelbach ohne dass der Ortsname in den erhaltenen Kloster-Dokumenten genannt wird. Auf dem Gelände der heutigen evangelische Kirche befand sich eine Burganlage, die wahrscheinlich im 12. oder 13. Jahrhundert errichtet wurde. Der untere Teil des Kirchturms ist wahrscheinlich mit dem Wohnturm eines Adelssitzes identisch, von dem in einem Vertrag von 1264 als „Herrenhof des Abtes“ die Rede ist. An der Nordwestecke des ehemaligen Burggeländes stand bis 1863 die Ruine eines Zentturms, der 1693 durch Franzosen zerstört worden war.

Seit 1264 gehörte der Ort zur Kurpfalz und war zeitweise Lehen der Schenken von Erbach und anderen. Nach der Auflösung der Kurpfalz 1803 kam Wald-Michelbach an Hessen und war bis 1821 Sitz einer Amtsvogtei. Ebenso war der Ort von 1853 bis 1968 Sitz eines Landgerichtes bzw. Amtsgerichtes. Nach dessen Auflösung wurde der Amtsgerichtsbezirk dem Amtsgericht Fürth zugeschlagen.

Seit 1901 war Wald-Michelbach Station der Überwaldbahn, einer Eisenbahnverbindung von Wahlen nach Mörlenbach. Dort bestand ein Anschluss an die Weschnitztalbahn. Die Strecke wurde 1983 für den Personenverkehr und 1994 für den Güterverkehr stillgelegt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen schlossen sich in den Jahren 1970 und 1971 nach und nach einige Nachbargemeinden einvernehmlich der Gemeinde Wald-Michelbach an. Eingegliedert wurden am

  • 01. Dezember 1970[8]: Hartenrod
  • 31. Dezember 1970[8]: Gadern und Kreidach
  • 01. Oktober 1971[8]: Aschbach mit Dürr-Ellenbach
  • 31. Dezember 1971[8]: Siedelsbrunn, Ober-Schönmattenwag und Unter-Schönmattenwag

Durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Bergstraße[9] folgte am

  • 01. August 1972: Affolterbach mit Kocherbach

Territorialgeschichte[Bearbeiten]

Wald-Michelbach entstand im Gebiet der ehemaligen Mark Heppenheim die ein Verwaltungsbezirk des Frankenreichs bezeichnete. Am 20. Januar 773 schenkte Karl der Große die Stadt Heppenheim nebst dem zugehörigen Bezirk, der ausgedehnten Mark Heppenheim, dem Reichskloster Lorsch. Nach langen Streitigkeiten konnten sich die Kurpfalz und das Erzbistum Mainz Anfang des 14. Jahrhunderts über das Erbe aus dem Lorscher Abtei einigen und die pfälzer Teile wurden durch die Amtsvogtei Lindenfels verwaltet, zu dem auch Wald-Michelbach gehörte.

Die erste Erwähnung des Ortes findet der Ort unter dem Namen Michilnbach 1238, als dort von einer ecclesia (Kapelle oder Kirche) berichtet wird. Bis 1737 unterstand Lindenfels dem Oberamt Heidelberg, danach wurde Lindenfels ein Oberamt. Wald-Michelbach war innerhalb des Amtes Lindenfels Teil der Zent Waldmichelbach und war Sitz des Zentgerichtes.

In den Anfängen der Reformation sympathisierten die pfälzischen Herrscher offen mit dem lutherischen Glauben, aber erst unter Ottheinrich (Kurfürst von 1556 bis 1559) erfolgte der offizielle Übergang zur lutherischen Lehre. Danach wechselten seine Nachfolger und gezwungenermaßen auch die Bevölkerung mehrfach zwischen der lutherischen, reformierten und calvinistischen Religion. Nach der der Reformation wurde die bestehende Kirche in Wald-Michelbach durch die Reformierten benutzt, während die Katholiken 1739 eine eigene dem Heiligen Lorenz geweihte Kirche bauten. Die Lutheraner richteten sich 1780 eine Kirche in ihrem Schulhaus ein.[10]

Nach einem Zinsbuch von 1369 des Oberamts Heidelberg gibt es in Wald-Michelbach 11 Huben. Im Jahr 1613 werden  »55 Hausgesäße, 62 leibeigene Männer und 52 Frauen, 16 2/3 Huben« gezählt. Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1648) dürfte der Ort wie viele Gebiete der Kurpfalz fast menschenleer gewesen sein. Nach dem verheerenden Krieg betrieb die Kurpfalz auf ihrem Gebiet eine durch religiöse Toleranz geprägte Wiederansiedlungspolitik. Doch die in der unruhigen Folgezeit ausbrechenden Kriege wie der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) und der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) machte viele der Bemühungen wieder zunichte und Zehntausende Pfälzer emigrierten u.a. nach Nordamerika und Preußen.

Auch in religiöser Hinsicht war die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg von großer Unruhe geprägt. 1685 starb die reformierte Linie Pfalz-Simmern aus und die katholischen Vettern der Linie Pfalz-Neuburg traten mit Kurfürst Philipp Wilhelm die Regierung in der Kurpfalz an. Dieser ordnete die Gleichstellung des katholischen Glaubens, in der mehrheitlich evangelischen bevölkerten Pfalz, an. Schon während des Pfälzischen Erbfolgekriegs hatte Frankreich versucht in den eroberten Gebieten die Gegenreformation voran zu treiben, und etliche katholische Pfarreien gegründet. Der Krieg endete 1697 mit dem Frieden von Rijswijk, der die Stellung des zu diesem Zeitpunkt regierenden katholischen Kurfürsten Johann Wilhelm stärkte. Dies führte am 26. Oktober 1698 zum Erlass des Simultaneum. Danach waren die Katholiken berechtigt alle reformierten Einrichtungen wie Kirchen, Schulen und Friedhöfe mitzunutzen, während dies umgekehrt nicht erlaubt wurde. Weiterhin wurde die bis dahin selbständige reformierte Kirchenverwaltung dem Landesherren unterstellt. Erst auf betreiben Preußens kam es 1705 zur sogenannten Pfälzische Kirchenteilung in der das Simultanum rückgängig gemacht wurde und die Kirchen im Land wurden mitsamt Pfarrhäusern und Schulen zwischen den Reformierten und den Katholiken im Verhältnis fünf zu zwei aufgeteilt. Sonderregelungen gab es für die drei Hauptstädte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal sowie die Oberamtsstädte Alzey, Kaiserslautern, Oppenheim, Bacharach und Weinheim. In den Städten mit zwei Kirchen sollte die eine den Protestanten und die andere den Katholiken zufallen; in den anderen, wo nur eine Kirche bestand, der Chor vom Langhaus durch eine Mauer geschieden, und jener den Katholiken, dieses den Protestanten eingeräumt werden. Den Lutheranern wurden nur jene Kirchen zugestanden, die sie im Jahr 1624 besaßen oder danach gebaut hatten.

Im Jahr 1784 bewohnten den Ort 173 Familien mit 774 Seelen und es gab drei Kirchen, zwei Pfarrhäuser, 2 Schulhäuser und 97 bürgerliche bzw. Gemeindehäüser sowie drei Mühlen. Während die Gemarkung aus 834 Morgen Äcker, 453 Morgen Wiesen, 30 Morgen Gärten, 300 Morgen Weide, und 1375 Morgen Wald bestand. Von diesen Waldungen gehören 1129 Morgen der Gemeinde und der Rest war Teil der Hubgütern. Daneben gab es 800 Morgen Wald der gemeinschaftlich durch die Zent Wald-Michelbach genutzt wurde. Es gab einen Kurfürstlichen Förster, der sowohl über diese, als auch über alle anderen Waldungen der Zent Wald-Michelbach und der Zent Hammelbach die Aufsicht hatte. Am großen Zehnten erhielt die kurpfälzische Hofkammer zwei, und die Kurmainzische wegen des Klosters Lorsch ein Drittel; den kleinen Zehnten erhielt der reformierte Pfarrer des Ortes; aus einigen Bezirken aber die Amtskellerei zu Lindenfels. In der Gemarkung lagen auch einige Domanialgüter, die der Graf von Brezenheim, und der Baron von Wreden als Kurpfälzische Lehen besaßen. [10][11]

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachte Europa weitreichende Änderungen. Infolge der Napoleonischen Kriege wird das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 neu geordnet und hört mit der Niederlegung der Reichskrone am 6. August 1806 auf zu bestehen. Durch diese Neuordnung und Auflösung der Kurpfalz kam das Oberamt Lindenfels und mit ihm Wald-Michelbach zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die 1806 in dem ebenfalls auf Druck Napoleons gebildete Großherzogtum Hessen aufging. Als das Oberamt Lindenfels 1803 zu Hessen kommt, wurde es vorerst als hessische Amtsvogtei weitergeführt und ab 1812 erhält Wald-Michelbach eine eigene Amtsvogtei.[12] Nachdem der Wiener Kongress die territorialen Verhältnisse in Hessen bestätigt hatte, werden 1816 Provinzen im Großherzogtum gebildet und das vorher als „Fürstentum Starkenburg“ bestehende Gebiet, wo Wald-Michelbach jetzt lag, in „Provinz Starkenburg“ umbenannt. 1821 wurden im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtum aufgelöst und Landratsbezirke eingeführt, wobei Wald-Michelbach zum Landratsbezirk Lindenfels kam. Im Rahmen dieser Reform wurden auch Landgerichte geschaffen, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Die Landgerichtsbezirke entsprachen in ihrem Umfang den Landratsbezirken und für den Landratsbezirk Lindenfels war das Landgericht Fürth als Gericht erster Instanz zuständig. Diese Reform ordnete auch die Administrative Verwaltung auf Gemeindeebene. So war die Bürgermeisterei in Wald-Michelbach außer für Wald-Michelbach auch für Oberschönmattenwaag zuständig, wobei seit 1820 die Bürgermeister durch die Gemeinde gewählt wurden und es keine Einsetzungen von Schultheißen mehr gab.

Verwaltung in Hessen[Bearbeiten]

Nach den Übergang des Oberamtes Lindenfels an Hessen 1803, infolge des Reichsdeputationshauptschluss, kam Wald-Michelbach 1812 zur Amtsvogtei Wald-Michelbach und 1821 zur Landratsbezirk Lindenfels der Provinz Starkenburg im Großherzogtum Hessen. 1832 wurden die Verwaltungseinheiten weiter vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Nach der am 20. August 1832 bekanntgegebenen Neugliederung sollte es in Süd-Starkenburg künftig nur noch die Kreise Bensheim und Lindenfels geben; der Landratsbezirk von Heppenheim sollte in den Kreis Bensheim fallen. Noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum 15. Oktober 1832 wurde diese aber dahingehend revidiert, dass statt des Kreises Lindenfels neben dem Kreis Bensheim der Kreis Heppenheim als zweiter Kreis gebildet wurde, zu dem jetzt Wald-Michelbach gehörte. 1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert und der Zehnte und die Grundrenten (Einnahmen aus Grundbesitz) wurden durch ein Steuersystem ersetzt, wie es in den Grundzügen heute noch existiert.

Infolge der Märzrevolution 1848 wurden in den Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt, wobei die bisherigen Kreise Bensheim und Heppenheim zum Regierungsbezirk Heppenheim vereinigt wurden. Bereits vier Jahre später, im Laufe der Reaktionsära, kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurück und Wald-Michelbach wurde Teil des neu geschaffenen Kreises Lindenfels.

In den Statistiken des Großherzogtums Hessen werden, bezogen auf Dezember 1867, für den Marktflecken Wald-Michelbach mit eigener Bürgermeisterei, 66 Häuser, 1397 Einwohnern, der Kreis Lindenfels, das Landgericht Wald-Michelbach, die evangelische reformierte Pfarrei Wald-Michelbach des Dekanats Lindenfels und die katholische Pfarrei Wald-Michelbach des Dekanats Heppenheim, angegeben. Durch die Bürgermeisterei wurden außerdem die Wohnplätze „Im Binzig“ (10 Häuser 65 Einw.), „In der Halle“ (8 Häuser, 40 Einw.) , „Im Hardberg“ (1 Häuser, 15 Einw.), „Im Hohlstein“ (1 Häuser, 7 Einw.), „In dem Kuhklingen“ (1 Häuser, 6 Einw.), „Lichtenklinger Hof“ (1 Häuser, 10 Einw.), Mühlklingen (1 Häuser, 8 Einw.), Ober-Mengelbach (6 Häuser, 60 Einw.), „Im Seckenrain“ (23 Häuser, 114 Einw.), „In der Spechbach“ (5 Häuser, 25 Einw.), „Auf dem Stallenkandel“ (8 Häuser, 57 Einw.), „In der Strasburg“ (12 Häuser, 82 Einw.) und Wetzkell (9 Häuser, 66 Einw.) verwaltet.[13]

Bei einer weiteren Verwaltungsreform die am 12. Juli 1874 in Kraft trat, wurden die Kreise Lindenfels und Wimpfen aufgelöst und Wald-Michelbach kam zum Kreis Heppenheim.[14]

Die hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurden 1937 nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage aufgehoben. Zum 1. November 1938 trat dann eine umfassende Gebietsreform auf Kreisebene in Kraft. In der ehemaligen Provinz Starkenburg war der Kreis Bensheim besonders betroffen, da er aufgelöst und zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen wurde. Der Kreis Heppenheim übernahm auch die Rechtsnachfolge des Kreises Bensheim und erhielt den neuen Namen Landkreis Bergstraße.[15]

Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes und danach ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Es bestand bis 1919, nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Gebiet des heutigen Hessen in der amerikanischen Besatzungszone und durch Weisung der Militärregierung entstand das Bundesland Hessen in seinen heutigen Grenzen.

Gerichte in Hessen[Bearbeiten]

Die Gerichtsbarkeit des Oberamtes Lindenfels ging 1813 an das neue Justizamt in Fürth über. Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Fürth das Gericht erster Instanz. 1853 wurde ein neuer Landgerichtsbezirk geschaffen, dessen Sitz in Wald-Michelbach war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Wald-Michelbach und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Darmstadt[16]. Am 1. Juli 1968 wurde der Amtsgerichtsbezirk dem Amtsgericht Fürth zugelegt und das Amtsgericht Wald-Michelbach aufgelöst.[17]

Historische Beschreibungen[Bearbeiten]

Im Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine findet sich 1786 über Wald-Michelbach:
»Wald-Michelbach. Ein großes Dorf im Odenwalde, drei Stunden von Lindenfels, gränzet gegen Ost an das Kurmainzische Dorf Asbach und Herderrode; gegen Süd an das folgende Dorf Ober-Schönmattenwaag; gegen West an Kreidach; gegen Norden an das Kurmainzische Dorf Gadern. Wiewohl das Kloster Lorsch in diesem Michelbach ansehnlich begütert gewesen, so kommt doch dessen Namen in den sonst zahlreichen Urkunden nirgends vor. […] Durch das Dorf flieset die von der Hammelbacher Zent kommende Ulvenbach, nimmt dahier die bei Gadern entspringende Bach auf, und laufet nach dem nächstfolgenden Ober-Sckönmattenwag. Die Ulvenbach treibt eine Mahl- eine Schneid- und eine Papiermühle nebst einem Eisenhammer; die Dorfbach aber in dem Orte selbst eine Mahlmühle. In des Dorfes Gemarkung entspringet auch die Euterbach, und flieset nach Siedelsbrunn. Durch das Dorf ziehet eine von Mildenberg und dem Mainstrom nach Weinheim führende Landstraße. In Waldmichelbach wird der Zoll erhoben.[…] Die Pfarrkirche in dem Dorfe hatte der Probst des Klosters Lorsch mit dem Pfalzgrafen in Gemeinschaft zu bestellen. Darin befanden sich zwo Pfründen, welche die Gemeinde mit Wissen und Bewilligung des Kurfürstlichen Kellers zu Lindenfels zu verleihen hatte, es findet sich aber keine zuverlässige Nachricht, in welches Bistum solche einschlägig gewesen. Diese Kirche ist bei der Theilung den Reformirten zugefallen, und jezo mit einem eigenen Prediger bestellet, der ausser Hammel- und Großellenbach sämtliche Ortschaften, sowohl der Wald-Michel- als Hammelbacher Zent, zu versehen hat, und unter die Inspektion der Klasse Weinheim gehöret. Die Katholischen haben im J. 1759 auch eine eigene Kirche erbauet, solche zu einer Pfarrei erhhoben, und dem H. Lorenz geweihet, wohin nunmehr alle Ortschaften der beiden Zenten eingepfarrer sind. Sie gehöret in die Mainzer Diöces, und das Bergstäßer Landkapitel. Desgleichen haben die Luthetischen den Bau einer Kirche auf ihrem Schulhause durch öffentliche Beiträge im Jahr 1780 zu Stande gebracht.
Am großen Zehnten beziehet die Kurpfätzische Hofkammer zwei, und die Kurmainzische wegen des Klosters Lorsch ein Drittel; den kleinen der Refornuirte Pfarrer des Ortes; aus einigen Bezirken aber der Amtskeller zu Lindenfels. In der Gemarkung liegen auch einige Domanialgüter, die jezo der Graf von Brezenheim, und der Baron von Wreden als Kurpfälzische Lehen besitzen. « (Johann Goswin Widder, Seite 508f)

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Wald-Michelbach:
 »Waldmichelbach (L. Bez. Lindenfels) Marktflecken; liegt 3 St. von Lindenfels auf beiden Seiten des Ulvenbachs, theilt sich in Ober und Unterwaldmichelbach und dehnt sich ½ St. in die Länge aus. Der Ort hat 220 Häuser und 1694 Einw. Unter diesen befinden sich 903 Reform. 658 Kath. 127 Luth. und 6 Mennoniten, die sich in 116 Bauern und Taglöhner und 163 Gewerbsleute abtheilen. Man findet 1 reform. und 1 katholische Pfarrkirche, 1 Rathhaus, 1 Eisenschmelze, 1 Eisenhammer, 1 Papier und 1 Schneidemühle und 2 Mahlmühlen. In der Gemarkung sind Eisenerze. Jährlich werden 4 Vieh und 4 Krämermärkte gehalten. - Obgleich das Kloster Lorsch hier stark begütert war, so kommt doch der Name dieses Ortes nirgends in Lorscher Urkunden vor. Die Pfarrkirche hatte der Probst des Klosters mit dem Pfalzgrafen in Gemeinschaft. Bei der Theilung 1705 fiel die Kirche den Reformirten zu, welche sie mit einem eigenen Pfarrer besetzten. Die Katholiken haben 1739 auch eine Kirche gebaut und solche mit einem eigenen Pfarrer versehen. Auch die Lutheraner haben 1780 eine Kirche in ihrem Schulhause errichtet. Im Jahr 1802 kam Waldmichelbach von Churpfalz an Hessen.«[18]

Im Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten von 1845 heißt es[19]:
»Waldmichelbach b. Lindenfels. Marktflecken mit reformirter und katholischer Pfarrkirche. — 220 H. 1694 E. — Großherzogth. Hessen. — Provinz Starkenburg. — Kreis Heppenheim. — Landgericht Fürth. — Hofgericht Darmstadt. — Der Marktflecken Waldmichelbach, auf beiden Seiten des Ulvenbachs liegend, theilt sich in das Oberdorf (Obcr-Walbmichelbach) und das Unterdorf (Unter-Waldmichelbach), und dehnt sich ½ Stunde in die Länge aus. Der Ort hat 1 reformirte u. 1 katholische Pfarrkirche, 1 RathhauS, 1 Eisenhammer und Schmelze, 2 Mahlmühlen. l Scheidemühle, sowie auch 1 Papierfabrik. - Unter den Einwohnern befinden sich 900 Reformirte, gegen 700 Katholiken, an 130 Lutheraner und einige Menoniten. — Oekonomie und bürgerliche Gewerbe machen die Nahrungszweige der Einwohner aus. Der Ort hat 4 Vieh und 4 Krammärkte. — Die Gemarkung enthält Eisenerze. — Vorher gehörte Waldmichelbach zu Pfalz, von welchem er im J. 1802 zu Hessen übergegangen ist. — Zu der Gemeinde gehören die einzeln liegenden Häuser Stallenkandel, Köningen, Spechtbach, Seckenrain, Hohlstein, Halle, Renstadt, im Binzig, Straßburg, und im Wetzel, der Lichtenklinger Hof, und die 3 Obermengelbacher Höfe.

Waldmichelbacher Eisenhammer und Papierfabrik b. Waldmichelbach — Eisenhammer und Papierfabrik, - zur evangelischen, resp. katholischen Parrei Waldmicheibach gehörig. — 2H. 16 E. — Großhcrzogth. Hessen. — Provinz Starkcnburg. — Kreis Heppenheim. - Landgericht Fürth. — Hofger. Darmstadt.«

Christoph Friedrich Moritz Ludwig Marchand schreibt 1858, in seiner Ortsgeschichte von Lindenfels über die Zent und den Ort Wald-Michelbach: »Cent Waldmichelbach. Sie war die größte und bedeutendste Widder glaubt daß sie ursprünglich nicht zur Burg Lindenfels sondern unmittelbar zur Pfalzgrafschaft gezählt worden sei, bringt aber keine klaren Gründe für diese Ansicht bei. Wir lassen des dahin gestellt sein und halten uns an die einfache Thatsache daß die Cent in allen bekannten Erneuerungen als Appertinenz des Hauses Lindeufels aufgeführt wird.

1) Waldmichelbach. Das Kloster Lorsch war daselbst stark begütert. Das Geschlecht von Weiler trug einen Theil zu Waldmichelbach sammt allen Zugehörungen von dem Grafen von Rineck zu Mannlehen. Nach dem alten Zinsbuch von 1369 waren dort 11 Huben, die je 2 Mltr. Hafer entrichteten und Ein Hof der ums halb teil verliehen war. Die Frene Mühle gab 12 Mltr. Korn und 1 Mästung. Zu Wetzels (heute Wüstung) besaß die Pfalz 2 Höfe mit 8 Mltr. Hafer und 8 Mltr. Keße. Die Kirche viel bei der Theilung den Reformirten zu. Die Katholiken bauten sich 1739 eine dem heil. Lorenz geweihte Kirche und die Lutheraner er richteten sich durch gesammelte Beiträge eine solche auf ihrem Schulbaus 1780. […] Die Pfarrkirche hatten früher der Probst von Lorsch und der Pfalzgraf in Gemeinschaft zu bestellen. Kurmainz und Kurpfalz verglichen sich durch Compromiß, daß Pfalz sein Patronatrecht der Capelle zu Lichtenklingen und dem Pfarrer zu Waldmichelbach das Pfarrrecht daselbst verbleiben soll. (Scriba Regesten Nr. 1763). Die Pfarrei gehörte in älterer Zeit zur Wormser Diöcese und zum Weinheimer Landcapital. Es befanden sich darin 2 Pfründen welche die Gemeinde mit Einwilligung des Kellers zu Lindenfels zu verleihen hatte. […] Zu Waldmichelbach besaßen der Graf von Brezenheim und der Baron von Wreden in der Gemarkung einige Domanialgüter als Lehen und Kurmainz vergab daselbst von 1420–1461 Lorscher Lehen (Scriba Regesten S. 234 Note A). Eisenwerke und Papiermühlen traff man dort schon zu Pfälzer Zeiten, und das Waldmichelbacher Papier galt für das Beste in der Pfalz. Der Hof Mengelmuß gehörte zu Waldmichelbach, ebenso auch die sogenannten Neuen Höfe auf 3 Huben. 1665 mit nur 5 Häusern bebaut, letztere bezüglich der Jurisdicton, jedoch in die Cent Abtsteinach. Eberhard von Saumsbeim, Teutschmeister etc. sprach 1430 in Streitsachen zwischen Erzbischof Conrad und Herzog Ludwig von der Pfalz, daß es wegen des von Kurmainz prätendirten 1/3 Markrechts zu Michelbach, was aber von Pfalz nur noch auf 2 1/2 Huben zugestanden worden, beim Alten bleiben soll. Zu den Beschwerden die Kurpfalz 1654 gegen Kurmainz führte, gehörte auch die, daß letzteres die Gemeindsleute zu Ober- und Unterabtsteinach, Litzelbach, Kocherbach etc., so vor dem Krieg als Filiale nach Waldmichelbach gehört hätten, abhalte den Gottesdienst allda (nämlich zu W.) zu pflegen. (Dahl Seite 45)«[10]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die folgenden Einwohnerzahlen sind dokumentiert[15]:

  • 1613: 0055 Hausgesessene,
    Leibeigene: 62 Männer, 52 Frauen.
  • 1784: 0774 Einwohner
  • 1829: 1694 Einwohner
  • 1939: 1945 Einwohner
  • 1961: 3499 Einwohner
  • 1970: 3995 Einwohner
Wald-Michelbach: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
2.040
1840
  
2.059
1846
  
2.215
1852
  
2.273
1858
  
2.351
1864
  
2.079
1871
  
2.032
1875
  
2.013
1885
  
2.016
1895
  
1.880
1905
  
2.037
1910
  
2.045
1925
  
2.007
1939
  
1.945
1946
  
2.710
1950
  
2.784
1956
  
3.055
1961
  
3.499
1967
  
4.030
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt in Schwarz einen goldenen Rost. Der Rost erinnert an den heilige Laurentius, der Patron der katholischen Kirche ist. Das Wappen findet sich erstmals auf einem Stein von 1605 in der Kirchhofmauer. Als Siegel wird es seit dem 18. Jahrhundert verwendet.[20]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[21]

Kommunalwahl 2011
 %
40
30
20
10
0
33,3 %
(-5,6 %p)
28,3 %
(-5,8 %p)
10,2 %
(n. k.)
9,5 %
(+3,5 %p)
8,6 %
(-1,3 %p)
8,6 %
(-0,5 %p)
1,6 %
(-0,5 %p)
2006

2011

Parteien und Wählergemeinschaften 2011 2006 2001
 % Sitze  % Sitze  % Sitze
CDU 33,3 12 38,9 14 37,3 14
SPD 28,3 10 34,1 13 37,3 14
Bürger für Wald-Michelbach 10,2 4
GRÜNE 9,5 4 6,0 2 4,0 2
Affolterbach-Kocherbacher-Bürgervereinigung 8,6 3 9,9 4 9,3 3
FWG 8,6 3 9,1 3 9,9 4
FDP 1,6 1 2,1 1 1,1 0
gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 50,0 46,3 53,0
Rathaus im Ortskern der Gemeinde

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister der Gemeinde ist seit 1999 Joachim Kunkel.[22]

  • 1831–1832 Leonhard Schneider
  • 1832–1843 Adam Gärtner
  • 1843–1852 Leonhard Michel
  • 1853–1859 Ludwig Walz
  • 1860–1873 Christian Huy
  • 1875–1904 Johann Leonhard Röth
  • 1904–1927 Johann Georg Stein
  • 1928–1945 Johann Röth
  • 1945–1948 Philipp Vetter
  • 1948–1975 Eugen Bachmann
  • 1975–1999 Karl-Heinz Dietrich
  • seit 1999 Joachim Kunkel

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wald-Michelbach ist seit 1975 mit Montmirail (Frankreich) und seit 1991/92 mit Hassocks (Großbritannien) partnerschaftlich verbunden, die auch beide miteinander verschwistert sind.[23]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bücherbrunnen
Das Einhaus (Rückseite)
Evangelische Kirche
Katholische Kirche

Museen[Bearbeiten]

Heimatmuseum[Bearbeiten]

Das Heimatmuseum befindet sich seit 1988 im alten Rathaus direkt im Ortskern. Das Gebäude wurde 1594 erbaut. Hier werden neben Einzelheiten der geschichtlichen Entwicklung Wald-Michelbachs auch Sonderausstellungen präsentiert.

Stoewer-Museum[Bearbeiten]

Das Stoewer-Museum wurde im Jahre 2002 eröffnet und befindet sich im ehemaligen Gebäude der alten Sparkasse, nahe dem Ortskern. Hier wird eine Sammlung von Erzeugnissen der Stoewer-Werke Stettin gezeigt. Mittelpunkt des Museums sind die im Erdgeschoss gezeigten Automobile. Die meisten wurden restauriert und befinden sich in fahrbereitem Zustand. Ferner werden weitere Produkte der Firma Stoewer, wie Näh- und Schreibmaschinen sowie Fahrräder präsentiert. Das Museum wird privat von einem in Stettin geborenen Sammler betrieben. Im Jahre 2005 wurde zu Ehren der Besitzer und ihres Engagements eine Straße in der Kerngemeinde auf den Namen „Stoewerstraße“ getauft.

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Überwälder Einhaus wurde im Jahre 2005 vom Überwälder Museums- und Kulturverein und ehrenamtlichen Helfern fertiggestellt. Der Name „Einhaus“ bezieht sich auf die frühere Nutzungsweise eines solchen Gebäudes: In einem einzigen Gebäude waren Wohnung, Vorratskeller, Stall und Scheune integriert. Heute befindet sich hier das Trauzimmer der Gemeinde und ein größerer Mehrzweckraum der zu gesellschaftlichen Zwecken von den Vereinen des Ortes genutzt wird. Im Jahre 2006 wurde zusätzlich der „Kunstbrunnen“ vor dem Einhaus errichtet.

Hardberg[Bearbeiten]

Im Gebiet des Wald-Michelbacher Ortsteils Siedelsbrunn befindet sich der Hardberg, mit 593 m ü. NN der dritthöchste Berg des Odenwaldes. Auf dem Gipfel des Hardbergs befindet sich ein 135 Meter hoher Rundfunk- und Fernsehsendemast des Hessischen Rundfunks. Von verschiedenen Seiten des Hardberg besteht eine einzigartige Fernsicht über den Odenwald und über das Rheintal.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Wald-Michelbach besitzt ein im Jahre 2003 renoviertes Freibad. Darüber hinaus verfügt der Ort über einen Kunstrasen-Fußballplatz, der im Jahre 2000 den vorherigen Ascheplatz ablöste. Bespielt wird er von der SG Wald-Michelbach und dem SV Eintracht Wald-Michelbach.

Ferner existiert eine Sporthalle, die von den männlichen und weiblichen Handballern der SG Wald-Michelbach und des TV 02 Siedelsbrunn sowie von den Volleyballerinnen des ÜSC Wald-Michelbach genutzt wird.

Seit 2010 gibt es im Wald-Michelbacher Ortsteil Kreidach, direkt an der Kreidacher Höhe, eine Sommerrodelbahn. Sie hat eine Länge von einem Kilometer und verfügt über zwei Kreisel sowie ein Brückenbauwerk.[24]

Auf der 1994 stillgelegten Bahntrasse der Überwaldbahn kann man mit einer Solardraisine auf der Strecke zwischen Wald-Michelbach und Mörlenbach fahren.[25]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Heimatfest (1. Wochenende im Juli)
  • Fumaba
  • Gassenmarkt
  • Kerwe (3. Sonntag im August)
  • Weihnachtsmarkt
  • Kommunales Kino (2. Samstag im Monat)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Größter Arbeitgeber der Gemeinde und der Umgebung war bis zur Insolvenz 2005 das Unternehmen Coronet mit zuletzt 800 Mitarbeitern im Odenwald. 2009 waren von noch 40 Arbeitsplätze übrig. Die Gemeinde Wald-Michelbach versucht seitdem, den Werks-Standort als Industriepark IGENA zu vermarkten.[26]

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

In Hanglage des Hardbergs im Ortsteil Siedelsbrunn befand sich die Fachklinik am Hardberg, eine Kurklinik für Psychotherapie und Suchtmedizin mit einer systemisch-hypnotherapeutischen Ausrichtung für 160 Patienten.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Wald-Michelbach besitzt zwei Grundschulen, eine Sonderschule, eine Haupt- und Realschule sowie ein Gymnasium. Seit 2007 gibt es zudem eine freie Schule in privater Trägerschaft.

Kerngemeinde
  • Adam-Karrillon-Schule (Grundschule)
  • Mary-Anne-Kübel-Schule (Schule für Lernhilfe)
  • Eugen-Bachmann-Schule (Haupt- und Realschule)
  • Überwald-Gymnasium
  • Drachenschule Odenwald – freie Schule (Grund- u. Integrierte Gesamtschule 1.-10. Klasse)
Ortsteile
  • Grundschule Unter-Schönmattenwag

Bibliotheken[Bearbeiten]

2007 eröffnete das Überwald-Gymnasium seine neue Bibliothek MIZ (Medien- und Informationszentrum). Diese darf nicht nur von allen Schülern, sondern auch von den Bürgern der umliegenden Gemeinden besucht und benutzt werden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • 1913: Rudolf Wünzer, Oberamtsrichter und hessischer Abgeordneter
  • 1923: Adam Karrillon, Arzt und Schriftsteller, erster Büchner-Preisträger
  • 1952: Josef Valentin Krämer, Pfarrer, Mitbegründer und stellvertretender Direktor des Überwald-Gymnasiums[27]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Goswin Widder: Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine. Band 1, Leipzig 1786–1788. (online bei Hathi Trust, digital library)
  • Georg W. Weber: Oktober 1829: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 (online bei google books)
  • Christoph Friedrich Moritz Ludwig Marchand: Lindenfels. Ein Beitrag zur Ortsgeschichte des Großherzogthums Hessen. Darmstadt, 1858 (online bei google books)
  • Peter W. Sattler: Festschrift zur 750-Jahrfeier der Gemeinde Wald-Michelbach am 28. Mai 1988. Gemeindevorstand Wald-Michelbach, Wald-Michelbach 1988.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wald-Michelbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Franke, Wolfgang: The mid-European segment of the Variscides: tectono-stratigraphic units, terrane boundaries and plate tectonic evolution. In: Geol.Soc.London Spec.Publ. 179 2000, S. 35–61.
  3. Altherr, R. u.a.: Plutonism in the Variscan Odenwald (Germany): from subduction to collision. In: Int. J. Earth Sci. 88 1999, S. 422–443.
  4. Stein, Eckardt u.a.: Geologie des kristallinen Odenwalds – seine magmatische und metamorphe Entwicklung. In: Jahresberichte und Mitteilungen Oberrheinischer Geologischer Verein. N.F.83 2001, S. 89–111.
  5. Nickel, Erwin: Odenwald – Vorderer Odenwald zwischen Darmstadt und Heidelberg. 2. Aufl. Borntraeger, Berlin 1985, ISBN 3-443-15024-1. (Sammlung geologischer Führer 65)
  6. Frenzel, G: Die Nephelingesteinsparagenese des Katzenbuckels im Odenwald. In: Amstutz, G.C. u.a. (Hrsg.): Mineralien und Gesteine im Odenwald. Der Aufschluss. Sonderband 27, Heidelberg 1975, S. 213–228.
  7. Fettel, Michael: Bergbaugeschichte des Odenwaldes. In: Amstutz, G.C. u.a. (Hrsg.): Mineralien und Gesteine im Odenwald. Der Aufschluss. Sonderband 27. Heidelberg 1975, S. 267–280.
  8. a b c d  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 348 und 349.
  9. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Bergstraße. Vom 11. Juli 1972. GVBl. I S. 222.
  10. a b c C.F.M.L. Marchard, Seite 49
  11. Johann Goswin Widder, Seite 508f
  12. Konrad Dahl: Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch, oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues, Darmstadt 1812. Seite 248 (online bei google books)
  13. Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen, 1869, Seite 90 (online bei google books)
  14. Martin Kukowski: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: Überlieferung aus dem ehemaligen Grossherzogtum und dem Volksstaat Hessen. Band 3, K.G. Saur, 1998, ISBN 3-598-23252-7
  15. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Wald-Michelbach, Landkreis Bergstraße“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 15. Januar 2014, abgerufen am 10. Februar 2014.
  16. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Bl. S. 197–211)
  17. Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 12. Februar 1968 (GVBl. I S. 41–44)
  18. Georg W. Wagner: Band 1, Seite 253
  19. Johann Friedrich Kratzsch: 'Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten, Nauenburg 1845, Band 2, Seite 730 (online bei Hathi Trust, digital library)
  20. Gemeinde Wald-Michelbach
  21. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  22. Gemeinde Wald-Michelbach
  23. Gemeinde Wald-Michelbach
  24. Offizielle Homepage der Sommerrodelbahn, abgerufen am 7. Juli 2010
  25. Solardraisine Überwaldbahn, abgerufen am 31. Juli 2014
  26. Igena-Industriepark im Internet
  27. Gemeinde Wald-Michelbach
  28. Die Ehrenbürger von Wald-Michelbach