Waldaschaff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Waldaschaff
Waldaschaff
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Waldaschaff hervorgehoben
49.9741666666679.2997222222222196Koordinaten: 49° 58′ N, 9° 18′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Aschaffenburg
Höhe: 196 m ü. NHN
Fläche: 6,6 km²
Einwohner: 4054 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 614 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63857
Vorwahl: 06095
Kfz-Kennzeichen: AB, ALZ
Gemeindeschlüssel: 09 6 71 156
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Mühlbach 5
63857 Waldaschaff
Webpräsenz: www.waldaschaff.de
Bürgermeister: Marcus Grimm (CSU)
Lage der Gemeinde Waldaschaff im Landkreis Aschaffenburg
Alzenau Kahl am Main Karlstein am Main Kleinostheim Stockstadt am Main Großostheim Mainaschaff Mömbris Johannesberg (Bayern) Glattbach Wiesener Forst Forst Hain im Spessart Geiselbacher Forst Huckelheimer Wald Heinrichsthaler Forst Heinrichsthaler Forst Waldaschaffer Forst Schöllkrippener Forst Sailaufer Forst Rohrbrunner Forst Rothenbucher Forst Dammbach Dammbach Goldbach (Unterfranken) Geiselbach Westerngrund Schöllkrippen Kleinkahl Wiesen (Unterfranken) Krombach (Unterfranken) Sommerkahl Blankenbach Hösbach Sailauf Haibach (Unterfranken) Heigenbrücken Heinrichsthal Laufach Weibersbrunn Rothenbuch Waldaschaff Bessenbach Mespelbrunn Heimbuchenthal Dammbach Weibersbrunn Aschaffenburg Hessen Landkreis Miltenberg Landkreis Main-SpessartKarte
Über dieses Bild

Waldaschaff ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im westlichen Franken an der Schwelle zum Hochspessart, ca. 15 km von Aschaffenburg entfernt und auf halber Strecke zwischen Würzburg und Frankfurt am Main. Waldaschaff ist wie viele Dörfer dieser Gegend ein lang gezogener Ort, der sich entlang der Aschaff und der heutigen Hauptstraße konzentriert. Um den Ort herum befinden sich die Wälder des Naturparks Bayerischer Spessart, welcher als Naherholungsgebiet überregionale Bekanntheit genießt. Der staatlich anerkannte Erholungsort liegt an der Bundesautobahn 3 (A 3), welche 2011 durch den Ausbau auf sechs Spuren und den Neubau der Kauppenbrücke aus Lärmschutz-Gründen bis zu 500 Meter weiter vom Ort weg verlegt wurde.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Waldaschaff hat drei amtlich benannte Ortsteile[2] auf einer Gemarkung:

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Waldaschaffer Forst
(Gemeindefreies Gebiet)
Gemeinde
Bessenbach
Nachbargemeinden Waldaschaffer Forst
(Gemeindefreies Gebiet)
Waldaschaffer Forst
(Gemeindefreies Gebiet)

Name[Bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten]

Seinen ursprünglichen Namen hat der Ort Aschaff vom Fluss Aschaff an dem er liegt. Später wurde zur Unterscheidung vom in der Nähe liegenden Ort Aschaff (heute Mainaschaff) der Zusatz Wald, wegen der Lage im Waldgebiet, hinzugefügt.[3] Im Volksmund wird der Ort Wallouscheff ['wal̆ɔʊʃəf] genannt.

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[3]

  • 1184 Aschapha
  • 1346 Waltaschaff
  • 1542 Waldaschaff

Geschichte[Bearbeiten]

Frühzeitliche Siedlungsbewegungen durch die Franken (Merowinger und Karolinger) im oberen Aschafftal werden bereits vom 5. Jahrhundert bis in das Jahr 982 n. Chr. vermutet. Trotz fortlaufender Konflikte um die Grundherrschaft im Spessart und insbesondere im Aschafftal durch die Herren von Rieneck und den Mainzer Kurfürsten gehörte das obere Aschafftal als Bestandteil des Domkapitels Aschaffenburg ab dem Jahr 982 bis in das Jahr 1803 dem Kurfürstentum Mainz an. Erste nachweisbare Besiedlungen sind erst im 11. Jahrhundert n. Chr. durch die Grafen von Rieneck fassbar. Erste Rodungen auf der Nordflanke des westlichen Birkenberges wurden vom Bessenbachtal aus vorgetragen. In deren Folge wurden die ersten Bauernhöfe wie der heute noch stehende Hockenhof gegründet. Auch eine sog. erste Molstatt (Mühle) war dabei. Das bedeutendste Bauerngeschlecht, die Herren von Wyler, wurden durch die Grafen von Rieneck mit der von Ihnen erbauten Burgstelle belehnt. Diese lag oberhalb der Höfe auf einem Bergsporn an der Nordflanke des Birkenberges. Die erste bislang bekannte schriftliche Erwähnung von "Waltaschaff" findet man in dem Försterweistum des Kurfürstentums Mainz, das in den Jahren 1330-1350 für die Mainzer Besitzungen erstellt wurde. Dort ist die Anfang des 14. Jahrhunderts im Autenbachtal erbaute Forsthube, genannt "Ziehlhube bei Waltaschaff", erwähnt. Durch diese Siedlungsbestrebungen der Mainzer Kurfürsten und der Bebauungen der Grafen von Rieneck von Westen her, wuchs Waldaschaff über die Jahrhunderte am Zusammenfluss von Autenbach und Kleinaschaff zu einem zusammenhängenden Dorf zusammen.

Das Dorfleben der Waldaschaffer Bevölkerung, die stetig anwuchs, war geprägt von Frondiensten, Hungersnöten/Krankheiten, Waldarbeit und Landwirtschaft. Durch den Dreißigjähriger Krieg wurde die durch Armut geplagte Bevölkerung des Dorfes beinahe völlig ausgelöscht; nur durch die Zuwanderung von Menschen aus allen Landesteilen konnte dies verhindert werden. Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gehörte Waldaschaff dem kurzlebigen Fürstentum Aschaffenburg (später Großherzogtum Frankfurt) an und wurde letztendlich im Jahr 1814 Bestandteil des Königreich Bayern – bis heute ist es im Bezirk Unterfranken gelegen bayerisch.

Am 1. Juli 1862 wurde das Bezirksamt Aschaffenburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Waldaschaff lag. 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Waldaschaff war nun eine der 33 Gemeinden im Altkreis Aschaffenburg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Alzenau in Unterfranken zum neuen Landkreis Aschaffenburg zusammen.

Durch die einsetzende Industrialisierung wurde in Waldaschaff ein Eisenhammer errichtet, der wie die Schwerspat-Gruben rund um Waldaschaff für Arbeitsplätze im Ort sorgten. Trotzdem mussten viele Waldaschaffer Männer aus dem strukturschwachen Spessart (vor allem nach der Schließung des Eisenhammers 1856) bis in das 20. Jahrhundert hinein in die Ferne reisen, um einer geregelten Arbeit nachgehen zu können.

1893/1894 wurde die Kirche St. Michael in Waldaschaff errichtet, zuvor war Waldaschaff der Pfarrei Keilberg zugehörig.

Die Infrastruktur der Gemeinde entwickelte sich durch den Bau der A 3 1958 und ab Mitte der 1960er Jahre deutlich, als die YMOS-Metallwerke erweitert wurden und weitere Betriebe wie die Getränkeindustrie angesiedelt bzw. ausgebaut wurden. Das Gewerbegebiet am Heerbach sowie ein Schul- und Sportzentrum samt einer Turnhalle entstanden. Das bisher einzige Deutsche Medaillenmuseum wurde 1997 auf dem Gelände der Firma Göde eröffnet. Von 1977 bis 1993 bildete Waldaschaff eine Verwaltungsgemeinschaft mit Weibersbrunn und Rothenbuch.

Im Jahr 2005 entstand im Norden der Gemeinde das Neubaugebiet Ebets-Rodwiese. Seit dem Jahr 2002 kämpfte die Waldaschaffer Ortsbevölkerung mit einer Bürgerinitiative im Zuge des Ausbaus auf sechs Spuren, für die Verlegung der A 3 (bis zu 500 Meter) nach Süden und für ausreichende Lärmschutzmaßnahmen. Diese Forderungen wurden, mit der Unterstützung aus der Landes- und Bundes-Politik im Jahr 2011 in die Tat umgesetzt und somit eine deutliche Verbesserung für die Lebensqualität Waldaschaffs erreicht.

Nach deren Abriss entsteht auf dem Gelände der „alten Kauppenbrücke“ seit dem Jahre 2013 ein Freizeitzentrum (mit Sportplätzen, einem See, Wasserlehrpfad und Freizeitheim) neben der angrenzenden Festhalle und dem Wanderheim. Die zwei östlichen Brückenpfeiler der ehemaligen Kauppenbrücke blieben erhalten und dienen dem Alpenverein als Klettermöglichkeit.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich aus 16 Gemeinderätinnen und Gemeinderäten zusammen.

CSU SPD Gesamt
10 6 16 Sitze
(Stand: Kommunalwahl am 2. März 2008)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

  • Blasonierung: In Rot ein silberner Schrägwellenbalken belegt mit einem schräg liegenden grünen Eichenblatt; oben ein sechsspeichiges silbernes Rad, unten ein silbernes Zahnrad.
  • Wappengeschichte: Das sechsspeichige silberne Rad in Rot ist das Wappen des Erzstifts und des Kurstaats Mainz, zu dem die Gemeinde historisch bis 1803 gehörte. Der Schrägwellenbalken und das Eichenblatt stehen für die geografische Lage der Gemeinde an der Aschaff im eichenreichen Wald des Spessart. Beide, der Fluss und der Wald, sind auch im Ortsnamen enthalten. Das Zahnrad weist als Industriesymbol auf die neuzeitliche Entwicklung der Gemeinde zu einem bedeutenden Industriestandort hin. Das Wappen wird seit dem 21. August 1968 geführt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Waldaschaff unterhält partnerschaftliche Beziehungen mit Clonakilty in Irland.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten Waldaschaffs sind das Rathaus, die Kirche St. Michael, das Kauppenkreuz auf dem Kauppenberg, der restaurierte Triftdamm samt Seehaus im Autenbachtal, sowie das Medaillen- und Heimatmuseum. Mehrere restaurierte Bildstöcke prägen ebenso das Ortsbild wie auch einige ältere Fachwerkhäuser, das älteste (ein früherer Hof der Herren von Hettersdorf) aus dem Jahre 1665 befindet sich an der heutigen Hauptstraße.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Waldaschaff

Wirtschaft[Bearbeiten]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Gemeinde Waldaschaff ist über die A 3 (Anschlussstelle Bessenbach/Waldaschaff) und die Bundesstraßen B 8 und B 26 (jeweils über die Ortsstraße AB 4 erreichbar)an das Verkehrsnetz angeschlossen, wodurch eine schnelle und verkehrsgünstige Anbindung an die Region Würzburg und das Rhein/Main-Gebiet gewährleistet wird. Die nächstgelegen Städte sind Aschaffenburg im Westen und Lohr am Main im Osten. Der nächste Bahnhof befindet sich im fünf Kilometer entfernten Hösbach-Bahnhof. Der nächste Hafen ist der Bayernhafen Aschaffenburg. Drei Buslinien stellen den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Richtung Aschaffenburg über den Bahnhof Hösbach und Richtung Weibersbrunn/Rothenbuch/Lohr sicher. Eine leistungsfähige DSL-Anbindung ist seit März 2012 vorhanden. Im Westen der Gemeinde befindet sich das Gewerbegebiet „Am Heerbach“ mit zahlreichen ansässigen Unternehmen, Fabriken und einem Sportzentrum.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die bekanntesten Unternehmen in Waldaschaff sind Waldaschaff Automotive GmbH (vormals WAGON GmbH bzw. YMOS AG), ein Automobilzulieferer, die Spessartquellen GmbH (Heerbach Mineralwasser), ein Getränkehersteller, und das Bayerische Münzkontor – sie machen den Ort zu einem der bedeutendsten Industriestandorte im Spessart. Auch viele kleinere Firmen haben sich aufgrund der günstigen Lage in dem ehemaligen Luftkurort angesiedelt.

Forschung[Bearbeiten]

Waldaschaff ist Sitz der 1998 von Michael Göde gegründeten Göde-Stiftung mit angeschlossenem „Institut für Gravitationsforschung“, das verschiedene Experimente, die angeblich einen antigravitativen Effekt zeigen sollen, zu reproduzieren versucht hat. Die Stiftung hat einen Preis von einer Million Euro für eine definierte Experimentalaufgabe zum Nachweis der Antigravitation ausgelobt.[4]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Feuerwehr[Bearbeiten]

Die Feuerwehr Waldaschaff wurde 1873 als Freiwillige Feuerwehr gegründet. Bis in die 1950er Jahre war die Hauptaufgabe der Feuerwehr Waldaschaff die Brandbekämpfung, bis die technische Hilfeleistung, zum Beispiel auf der A 3, Einzug hielt. Somit begann auch eine Veränderung im Fuhrpark, so beherbergt die Feuerwehr Waldaschaff heute (Stand 2011) zwölf Fahrzeuge und drei Anhänger, darunter zwei Verkehrssicherungsanhänger (VSA). Dazu gehören unter anderem diverse Sonderfahrzeuge wie eine Drehleiter (DLK 23/12 n. B. CC), Rüstwagen-Kran (RW 3 - Kran), Großtanklöschfahrzeug (TLF 24/50) und ein Gerätewagen-Licht (GW-Licht).

Das Einsatzgebiet umfasst die BAB 3 bis nach Marktheidenfeld in Fahrtrichtung Würzburg und auf der Gegenfahrbahn bis zur hessischen Landesgrenze. Des Weiteren ist die Feuerwehr Waldaschaff in diverse Alarmpläne der anderen Landkreiswehren eingebunden. Die erklärt auch die hohe Einsatzzahl von ca. 200 bis 300 pro Jahr. Von der Gesamtzahl der Einsätze sind zwei Drittel „Technische Hilfeleistungen“ (THL), der Rest teilt sich in Brände und Sicherheitswachen auf. Zur Jahrtausendwende wurde durch die Feuerwehr Waldaschaff, die „First-Responder“ (FR) Gruppe gegründet. Die Aufgaben der FR-Gruppe ist es, mit qualifizierter Erste-Hilfe die Zeit zwischen dem Eintreffen des ersten Fahrzeuges des Rettungsdienstes zu überbrücken. Das Einsatzgebiet umfasst den Ortsbereich von Waldaschaff, in Ausnahmefällen auch benachbarte Orte.

Bildung[Bearbeiten]

Die Volksschule Waldaschaff untergliedert sich in eine Grund-, Haupt- und Mittelschule, die aktuell knapp 300 Schülern Platz bietet. Dem Schulverband Waldaschaff gehören auch die Gemeinden Rothenbuch und Weibersbrunn an, von wo Schüler ab der 5. Jahrgangsstufe die Haupt- oder Mittelschule in Waldaschaff besuchen. Die ehemals zwei in Waldaschaff ansässigen Kindergärten wurden im Jahr 2011 zur „Kinderwelt Waldaschaff“ zusammengeschlossen

Vereine[Bearbeiten]

Die mitgliederstärksten Vereine sind der Sportverein SV Viktoria Waldaschaff, die Feuerwehr Waldaschaff, der Musikverein Waldaschaff und der Ringerverein KSV Bavaria Waldaschaff.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Kurioses[Bearbeiten]

Die Waldaschaffer werden als „Herrgottsdiebe“ gehänselt, weil Ortsansässige am 11. September 1811 das Bessenbacher Posthalterkreuz entwendet haben sollen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Waldaschaff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111122/222801&attr=OBJ&val=1555
  3. a b  Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck oHG, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 232.
  4. http://www.gravitation.org/Gode_Wissenschafts_Stiftung_/gode_wissenschafts_stiftung_.html Göde Wissenschafts-Stiftung