Walddeutsche

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Trachten der Głuchoniemcy, 1898[1]
Polnische Makroregion Mittleres Beskiden-Vorland, in der viele Siedlungen der Walddeutschen lagen
Spätgotische Holzkirche (14. Jh.) in Haczów; seit 2003 mit anderen Holzkirchen in Südpolen Weltkulturerbe der UNESCO. Der früher sehr hohe deutsche Bevölkerungsanteil wird besonders in den Kirchenbüchern deutlich. (Blick von der Straße)
Ausschnitt aus der Weltkarte von Martin Waldseemüller; Siedlungsgebiete in Kleinpolen - 15. Jh.[2]
Deutsche Besiedlung Kleinpolens und Rotreußens im 15. Jahrhundert. Posen, 1934
Umgebindehaus im Ort Markowa (Powiat Łańcucki, Das Museum der Volksbauweise in Markowa). Typisch für die Region sind die einzigartigen Umgebindehäuser, die von der Handweberei aus dem 16. bis 19. Jahrhundert zeugen[3].
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Als Walddeutsche oder Taubdeutsche (polnisch Głuchoniemcy[4]) wurden die Einwohner der mittelalterlichen deutschen Siedlungen in den Karpaten zwischen den Flüssen Wisłoka und Saan bezeichnet. Die bekannteren Siedlungsgebiete sind Rzeszów, Pilzno, Landshut im Norden der Beskiden, Krossen, Handshoff, Sanok in den mittleren Beskiden; eine dritte Region liegt in der Gegend zwischen Beitsch, Görlitz und Grünberg in den südwestlichen Beskiden/ oder regio pedemontana [5].

Schon im alten polnischen Schrifttum des 16. bis 17. Jahrhunderts[6] wurde die Anwesenheit der deutschen Ansiedler im vorkarpatischen Raum vermerkt.

Im Lichte der bekannten Quellen und der bisherigen Studien ist anzunehmen, dass das Kolonisationswerk in den Regionen von Landshut, Sanok, und Krossen von König Kasimir dem Großen veranlasst wurde (das Jahr 1349 ist traditionell das älteste belegte Datum und bezieht sich auf die Gründung des Dorfes Krzemienica bei Landshut) und zwischen Ende des 14. und Anfang des 15. Jh. abgeschlossen wurde. Der Chronist Maciej Stryjkowski berichtet 1582, er habe selber gesehen, dass die deutschen Bauern bei Przeworsk, Premissel, Sanok und Jaroslau „tüchtige Landwirte“ sind. [7]

Als Herkunftsregion der Ansiedler wird auf Grund sprachwissenschaftlicher Analysen Schlesien, besonders die Umgebung der Stadt Neisse, oder Sachsen, besonders das thüringisch-sächsische Grenzgebiet beiderseits der Saale, angesehen. Dass es sich hier um ein reines Siedlungsgebiet der damaligen deutschen Ostkolonisation handelt [8], ergibt sich auch daraus, dass hier fast ausschließlich die Form des Waldhufendorfes anzutreffen ist, also die Dorfform, in der damals die deutschen Kolonisten siedelten [9]. Haczów (Hanshof), Krzemienica (Kremnitz), Markowa (Markshau), Urzejowice, Kombornia (Kaltborn), und all die anderen Dörfer dieses Raumes sind typische Waldhufendörfer [10].

Im 18. Jahrhundert erfolgte eine völlige Polonisierung der Nachkommen der deutschen Ansiedler, welche zur Verstärkung des Polentums im polnisch-ruthenischen Grenzbereich beitrug.

Enklaven der ländlichen deutschen Besiedlung in der 2. Hälfte des 14. Jh. und im 15. Jh. zwischen Wisłoka und Saan (wichtigere Städte); Pilsen, Brüsteck, Beitsch, Großenfeld, Freistadt, Jessel Krossen, Schiedenz, Reichshof, Landshut, Titschnersdorf, Bresen, Jatschmirs, Reimannshau, Ropschitze, Przeworsk, Jaroslau, Kańczuga, Dünhof [11].

Die Spuren der Walddeutschen finden sich auch in vielen Familiennamen in der gesamten Region.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zygmunt Ajdukiewicz Frachten der Walddeutschen [in:] Die osterreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien. Wien 1898, Seite 281
  2. Aus Claudii Ptolemaei geographicae enarrationis libri octo, 1525, Straßburg
  3. Franciszek Kotula. Pochodzenie domów przysłupowych w Rzeszowskiem. Kwartalnik Historii Kultury Materialnej Jahr. V., Nr. 3/4, 1957, S. 557
  4. Ut testat Metrika Koronna, 1658, "quod Saxones alias Głuszy Niemcy około Krosna i Łańcuta osadzeni są iure feudali alias libertate saxonica" [in:] Ks. dr Henryk Borcz. Parafia Markowa w okresie staropolskim. Markowa sześć wieków. 2005 str. 72-189
  5. "Thus the region adjoining the Carpathians and extending to a line Tarnów-Rzeszów-Jarosław, the hithero almost uninhabited regio pedemontana was settled by German-spealing Silesians and soon abounded in large Waldhufendorfer with Frankish hides and in towns whose German names were in many case identical with place-names in Silesia (Landskron, Grünberg, [...]) [in:] Göttinger Arbeitskreis. Deutsche Demokratische Republik. Holzner-Verlag, 1961. S. 79.
  6. Szymon Starowolski: Polska albo opisanie położenia Królestwa Polskiego. Kraków. 1632. [Überse.: A. Piskadło]
  7. Maciej Stryjkowski. "Kronika polska, liteweska, etc. 1582; Zbiór dziejopisów polskich. t.II. Warszawa. 1766. S. 399, zitiert nach Kurt Lück: Deutsche Aufbaukräfte in der Entwicklung Polens. Plauen 1934, S. 93
  8. Kötzschke-Kretschmar S. 98 ff.; Gause S. 22; Rost Sp.1
  9. "Die Herkunft der Bemmanns" von Dr. Klaus Bemmann [1]
  10. Wojciech Blajer. "Bemerkungen zum Stand der Forschungen [...]", ISBN 978-83-60545-57-7, Krosno. 2007, S. 57-106
  11. Das Gebiet der „Gluchoniemcy“, der polonisierten deutschen Siedler des Mittelalters, auch als Walddeutsche bezeichnet. 15 Bezirke: Brzesko, Dąbrowa, Tarnów, Gorlice, Jasło, Pilzno, Ropczyce, Rzeszów, Strzyżów, Krosno, Sanok, Brzozów, Przemyśl, Przeworsk und Jaroslau. Ortfried Kotzian. Die Umsiedler : die Deutschen aus West-Wollhynien, Galizien, der Bukowina, Bessarabien, der Dobrudscha und in der Karpatenukraine. 2005. S. 75.

Quellen[Bearbeiten]

  • Simonis Starovolsci. Polonia sive status Regni Poloniae descriptio, Coloniae, apud Henricum Crithium, Anno MDCXXXII (Kraków, 1531).
  • Die Urkunden und Akten der Land- und Obervogteien. Die Bände und Akten für den Zeitraum 14.Jh. bis 1772. Akta Grodzkie i Ziemskie, Lwów, 1868
  • [2] Głuchoniemcy (Taubdeutsche) [in:] Geographisches Ortsnamenlexikon des Polnischen Königreiches. Band II. S. 612 Warszawa, 1889 (Eine Bilddatenbank zur polnischen Geschichte).
  • Marcin Bielski: Kronika wszystkyego swyata, edit. 1551,; Wersja cyfrowa w PBI
  • Ignacy Krasicki. Kommentar zu "Polnische Wappenrolle" : Kasper Niesiec Herbarz Polski, edit. 1839-1846 B. IX, S. 11.
  • Wincenty Pol: Historyczny obszar Polski rzecz o dijalektach mowy polskiej. Kraków 1869.
  • Die deutschen Vertreibungsverluste. Bevölkerungsbilanzen für die deutschen Vertreibungsgebiete 1939/50, hrsg. vom Statistischen Bundesamt, Wiesbaden 1958, S. 275-276 und 281 "schlesisch- deutscher Gruppe bzw. die Głuchoniemców (Walddeutsche), zwischen Dunajez und San, Entnationalisierung im 16 Jh. und 18 Jh."

Literatur[Bearbeiten]

  • Józef Szujski. Die Polen und Ruthenen in Galizien. Kraków. 1896 (Głuchoniemcy/Walddeutsche S. 17.)
  • Aleksander Świętochowski. Grundriß der Geschichte der polnischen Bauern, Bd. 1, Lwów-Poznań, 1925; (Głuchoniemcy/Sachsen) S. 498
  • Raimund Friedrich Kaindl: Geschichte der Deutschen in den Karpatenländern. 1907
  • Przemysław Dąbkowski: Stosunki narodościowe ziemi sanockiej w XV stuleciu (1921), Lwów
  • Zygmunt Jaślar: Haczów, niezwykła osada szwedzko - niemiecka. Jasło 938 [Hanshau, eine eigenartige schwedisch-deutsche Siedlung] Jessel 1938.
  • Gisele Hildebrandt: Markowa, ein Dorf der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung. In: Ztschr. f. Erdk., H. 6. 1943.
  • "Polen lange Zeit auf alle westlichen, nichtslavischen Volker anwandten, blieb dann die Bezeichnung fur den deutschen Nachbarn. Die untergegangenem mittelatlerlichendeutschen Volksinseln im Vorkapathenlande zwischen Tarnów, Pilsen (Pilzno), Rzeszów, Landshut (Łańcut), Przeworsk, Jarosław (Jaroslau), Przemyśl (Premissel), Sanok, Dukla, Neu-Sandez sind seity Jahrhunderten na głuchoniemcach genannt worden. [...]." [in:] Kurt Lück. Der Mythos vom Deutschen in der polnischen Volksüberlieferung und Literatur: Forschungen zur deutsch-polnischen Nachbarschaft im ostmitteleuropäischen Raum. Verlag S. Hirzel, 1943. S. 117.
  • Taubendeutschtum
  • Adam Fastnacht: Osadnictwo Ziemi Sanockiej, 1946
  • Ernst Schwarz. Von den "Walddeutschen" in Galizien, "Schlesien" Jh. V. Z. III. S. 147-156. 1960.
  • "Vorgebirgslandschaften infolge der hautigen Einfällen der Litauer verwünstet und leer antraf, siedelte er Leute des deutsches Volkes in jenen Gebieten an, die auch heute noch in den Dörfern um Przeworsk, Przemyśl, Sanok und Jarosław wohnen und, wie ich selbst gesehen habe , ausgezeichnete Landwirte sind. Noch in der Gegenwart werden die Bewohner der alten "regio pedemontana" von ihren Nachbarn als "Głuchoniemcy" (Walddeutsche) bezeichner. [...]". [in:] Katharine Bechtloff, Julius Krämer: Hilfskomitee der Galiziendeutschen. Heimat Galizien. 1965.
  • Wojciech Blajer: Bemerkungen zum Stand der Forschungen uber die Enklawen der mittelalterlichen deutschen Besiedlung zwischen Wisłoka und San. [in:] Późne średniowiecze w Karpatach polskich. red. Prof. Jan Gancarski. Krosno, 2007, ISBN 978-83-60545-57-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Walddeutsche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien