Waldpädagogik

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Waldpädagogik (synonym: forstliche Umweltbildung) ist qualifizierte, auf den Wald und die Forstwirtschaft Bezug nehmende Umweltbildung[1].

Der Begriff „Waldpädagogik“ wird in verschiedenen Bundesländern im Gesetzestext verwendet und ist in forstlichen Kreisen ein feststehender Begriff. Auch in Bundesländern, in denen diese Aufgabe nicht gesetzlich festgeschrieben ist, wird dieser verwendet und es herrscht ein breiter inhaltlicher Konsens. Es geht immer um waldbezogene Umweltbildung und um ganzheitliches Lernen im Lebensraum Wald. Waldpädagogik versteht sich heute im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) der UN-Dekade.

Begriffsbestimmung[Bearbeiten]

Die Wurzeln der Waldpädagogik liegen am Beginn des 20. Jahrhunderts. Klaus Seeland (1999) nennt den Lehrer und Gründer der ersten Schweizer Waldschule Corray (1912) als Pionier der Waldpädagogik. Corray wollte „in unserem Zeitalter der Maschinen ein Gegengewicht in der Erziehung“ setzen und „unsere Jugend zur Liebe der Natur und der Heimat“ erziehen. (Bolay, 1998). Die ersten Jugendwaldheime respektive Waldschulheime wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. In diese Zeit des Neubeginns fällt auch die Gründung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (1947), ein damals und heute für die Waldpädagogik bedeutender Verein.

Arbeitsdefinitionen:

  • Waldpädagogik ist eine Form der Naturpädagogik und soll ganzheitlich durch praktisches Erleben und Lernen ökologische und gesellschaftliche Zusammenhänge in Wald und Natur nahebringen und somit der Naturentfremdung entgegenwirken.
  • Waldpädagogik hat das Ziel, den Menschen ganzheitlich, also mit „Kopf, Herz und Hand“ am Beispiel Wald für „die Natur“ zu einem verantwortungsbewussten vernetzten Handeln zu führen.
  • Waldpädagogik will praktisches, ganzheitliches Erleben und Lernen ohne Konkurrenzkampf ermöglichen. Sie will Verständnis für ökologische und gesellschaftliche Zusammenhänge in der Natur wecken und die Vielfalt des Lebensraumes Wald mit ihren Kreisläufen für alle Altersgruppen aufzeigen. Trotz Weite und Größe des Waldes soll Geborgenheit spürbar werden. Natürliche Waldgeräusche wirken beruhigend auf das seelische Gleichgewicht. Sie will als Gegengewicht zu unserer technisierten Welt wirken und individuelle Erfahrungen aus erster Hand ermöglichen.
  • Waldpädagogik umfasst alle den Lebensraum Wald und seine Funktionen betreffenden Lernprozesse, die den Einzelnen und die Gesellschaft in die Lage versetzen, langfristig und zukunftsfähig, ganzheitlich, verantwortungsvoll dem Gemeinwohl verpflichtet zu denken und zu handeln.

Waldpädagogik ist Bildungsarbeit zur Förderung von Verständnis und Akzeptanz für die nachhaltige Waldnutzung und ist Bestandteil einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ im Sinne der UN-Dekade 2005–2014 der Vereinten Nationen.

Lernort Wald[Bearbeiten]

Der Wald ist ein naturnaher Lebensraum, wohl sogar der naturnahste im urbanisierten Mitteleuropa. Räume wirken erziehend und haben eine ästhetische „Wohlfühldimension“. Räume „als dritte Erzieher“ sind methodisch-didaktisch bedeutend. Wird Schule für authentische Lernorte verlassen, findet am Leben und an arbeitenden Menschen orientiertes Lernen statt. Lernen heißt auch Erfahrungen sammeln, verarbeiten und reflektieren.

Wald fasziniert und weckt Empfindungen. Wälder sind dynamisch und lebendig. Der Blick wandert umher. Das Auge akkommodiert ständig von der Nähe zur Ferne und wieder zurück. Im Wald liegt ständig ein natürlicher Klang- und Gerücheteppich im Hintergrund und beeinflusst über das Unterbewusstsein. Man bewegt sich im Wald in diesen Sinnesfeldern, und langsam öffnen sich alle Kanäle. Immer mehr wird wahrgenommen: das Rascheln der Blätter, singende Vögel - selbst die Stille wird hörbar. Die frische und feuchte, manchmal modrige Luft weckt Gefühle. Warm und kalt kann erlebt werden. Das Gehirn arbeitet ständig, um die Vielfalt der Eindrücke zu verarbeiten. Konzentration und Entspannung brauchen ihre Zeit.

Waldpädagogik sucht das Gleichgewicht zwischen Leben und Lernen, zwischen Spielen und Arbeit und zwischen Erziehung und Unterricht. Sie will im Erleben Emotionales und Kognitives zusammenführen. Waldpädagogen nutzen diese Rahmenbedingungen für Aktivitäten, die sie in ihren Programmen zu einem roten Faden zusammenfügen. Dabei kommt es nicht darauf an, was den Teilnehmenden erzählt wird. Waldpädagogen machen Angebote, sie verführen Menschen zum Selbst-aktiv-Werden und helfen dabei, sich die Welt anzueignen und deren Schönheit zu entdecken. Waldstandorte sind mehr als nur Kulisse. Alle wünschenswerten Materialien findet sich im Wald. Waldpädagogik will unterrichten, jedoch kein Unterricht sein. Sie lebt von der Natur selbst.

Waldaktivitäten werden von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich empfunden. Was für die eine spannend ist, kann den anderen langweilen. Was für die eine zu inszeniert ist, erlebt der andere als faszinierend. Es ist schwierig, es allen recht zu machen - und trotzdem gelingt das immer wieder. Manche Kinder leben im Wald auf und zeigen neue Seiten. Manch ruhiges Kind ist schon recht lebhaft geworden. Andere, manchmal auch lebhafte, werden im Wald ruhig und nachdenklich - wenn sie die Zeit und den Raum dafür bekommen. Waldpädagogik hat den Anspruch, zielgruppengerecht und individualisiert zu arbeiten.

Ziele[Bearbeiten]

Pädagogische Ziele[Bearbeiten]

Keineswegs ist die wertvolle Wiederentdeckung alter Gedanken (Bolay, 1998). Ganzheitliches Lernen nach Pestalozzis Konzept „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ ist eine tragende Säule. Die Schönheit der Natur und die Sinneserlebnisse betonen das Bewahrenswerte. Hoffnungen und das Gefühl der Selbstwirksamkeit werden gestärkt. Das heißt, dass die Schönheit und das Erleben mit allen Sinnen, die Neugierde und das Abenteuer Forschung im Zentrum stehen. Lernen und Verstehen wird über direkte Naturbegegnung und Sensibilisierung aller Sinne ermöglicht.

Wald soll erlebbar und begreifbar werden. Dies kann spielerisch erreicht werden. Einzeln und in Gruppen durchgeführte Waldaktivitäten, kreative und meditative Erlebnismöglichkeiten regen zum selbsttätigen Handeln im Wald an. Gefühle sind nicht nur zugelassen, sondern sollen geweckt werden.

Viele Kinder und Jugendliche kommen heute kaum mehr in den Wald.

Persönliche Beziehungen und direktes Erleben sind wichtig. Begreifen ist im wörtlichen Sinne gemeint. Der Wald soll mit den Händen greifbar und sinnlich spürbar werden. Lernen und Verstehen wird über direkte Naturbegegnung und Sensibilisierung aller Sinne ermöglicht.

Waldpädagogik will auch Wissen vermitteln. Die Bildung eines Welt- und Menschenbildes, das Einbinden von Erkenntnissen und Erfahrungen in den lebenspraktischen Alltag sind Teil des Bildungsprozesses. Es geht um die Pflege von Einstellungen und eines Bewusstseins für die Umwelt, denn es gibt eine enge Beziehung zwischen Wissen und Einstellungen. Auch gilt „nur was ich kenne, kann ich lieben und nur, was ich liebe, kann ich schützen“. Was wir nicht kennen, wertachten wir nicht. Waldpädagogik nutzt den Wald zur charakterlichen Bildung zu umweltbewussten Staatsbürgerinnen und -bürgern. Durch praxis- und erlebnisbezogene Lebens- bzw. Freizeitgestaltung will sie auch Kontrapunkte setzen zu einer Konsumorientierung.

Waldpädagogik ist zielgerichtete Jugendarbeit, aktiver Waldschutz und praktischer Biologieunterricht. Im Sinne von waldbezogener Umweltbildung erhebt Waldpädagogik den Anspruch ein erziehendes und bildendes, also ein pädagogisches Konzept zu sein. Dabei sind die Forstverwaltungen mit ihren Angeboten gefordert. Waldbezogene Umweltbildung will schulische Bildungsarbeit ergänzen.

Inhaltliche Ziele[Bearbeiten]

Mindestens drei inhaltliche Ziele sind bedeutsam:

1. Ziel: Auflösung des Schlachthausparadoxons Die Untersuchung von Pauli und Suda (1999) über das Bild der Forstwirtschaft in der Öffentlichkeit hat im Forstbereich bis heute eine schockierende Wirkung. Diese repräsentativen Umfrage in der Bundesrepublik ergab:

  • Holz gilt als sympathischer Rohstoff, wird aber weitgehend isoliert von seiner Herkunft und Gewinnung aus dem Wald gesehen.
  • Befragt nach Forstwirtschaft, fällt 24 % gar nichts ein, 28 % bleiben sehr allgemein und 24 % denken an Waldgefährdung und Waldverlust.
  • Wald und Holz sind beliebt. Forstwirtschaft wird ausgeblendet, meist nicht einmal erwähnt.
  • 53 % wissen nicht, dass in deutschen Wäldern nachhaltig gewirtschaftet wird. Vermutlich wissen viele auch nicht, was nachhaltige Bewirtschaftung ist.
  • 69 % der Jugendlichen bewerten Bäumefällen als schädlich für den Wald.
  • Die ökonomische Komponente von Forstwirtschaft wird kaum beachtet.
  • Das Urteil über Waldbewirtschaftung ist in der Tendenz negativ.
  • Derartige Wertvorstellungen und Urteile sind selten rational begründet.

Da passiert in der öffentlichen Meinung etwas Ähnliches wie „Fleisch essen ist beliebt – aber Metzger töten niedliche Tiere“, daher sprechen die Autoren vom „Schlachthausparadoxon“. Die logische Verknüpfung Wald – Forstwirtschaft – Holz ist im Bewusstsein der Bevölkerung kaum vorhanden. Wald und Holz werden positiv bewertet, die Forstwirtschaft dagegen als schädlich eingestuft. Es ist offensichtlich vielen nicht klar, dass der Rohstoff Holz im Wald wächst, von der Forstwirtschaft geerntet und als Rohstoff der Gesellschaft zur Verfügung gestellt wird. Liebevolle Sorge um den Wald, mischen sich mit einem häufig romantisch verklärten Bild vom Wald. Forstliche Nutzung hat in solchen Bildern und Gefühlen keinen Platz. Menschen, die so paradox denken, sind sich wohl dessen bewusst, dass auch Bäume Lebewesen und für unser Leben von Bedeutung sind.

2. Ziel: Nachhaltige Forstwirtschaft als Beispiel Nachhaltige Forstwirtschaft kann in der Öffentlichkeit als ein vorbildliches Wirtschaftssystem, mit Modellcharakter für andere Wirtschaftszweige, vermittelt werden. In einer nachhaltig wirtschaftenden Forstwirtschaft ist das langfristige, generationenübergreifende Denken eine fundamentale und vorbildliche Einstellung. Forstleute müssen von Berufswegen sehr langfristig denken und planen. In der Forstwirtschaft ist klar, dass der Großvater für die Enkel sorgt und dass die Enkel oder Urenkel ernten, was Groß- oder Urgroßvater gepflanzt hat. Die naturnahe Waldwirtschaft will die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales unter einen Hut bringen. Eine Aufgabe der Waldpädagogik ist es, dies mit den richtigen Methoden den Menschen zu vermitteln.

3. Ziel: Zukunfts- und kreislauforientierte Denken Das zukunfts- und kreislauforientierte Denken einer ökologisch wirtschaftenden Forstwirtschaft kann Modellcharakter für die Wirtschaft bekommen. Im Wald gibt es keinen Abfall. Alles, was nicht genutzt wird, bleibt liegen und geht zurück in die natürlichen Kreislaufprozesse. Im natürlichen Recycling wird Abfall zum Rohstoff. Holz besteht im Wesentlichen aus Kohlenstoff, das der Baum als Kohlenstoffdioxid der Atmosphäre entzieht. Wird Holz langfristig im Hausbau oder in Möbeln verwendet, so wird der Atmosphäre Kohlenstoffdioxid wirkungsvoll und langfristig entzogen. Erst bei der Verrottung oder Verbrennung wird dieses Kohlenstoffdioxid wieder freigesetzt. Diese Tatsachen sind im Hinblick auf die globale Klimaerwärmung von größter Bedeutung.

Umweltbildung hat die Aufgabe Menschen mit ökologischem Wissen vertraut zu machen, ihre Interessen und Werthaltungen hinsichtlich eines behutsamen Umganges mit Natur und Umwelt zu fördern und sie zu umweltbewusstem Handeln anzuregen. Waldbezogene Umweltbildung will sich mit solchen Konzepten identifizieren und das Prinzip der nachhaltigen Forstwirtschaft lokal und global integrieren. Die jetzt anstehenden Umweltprobleme zu lösen, ist Aufgabe der Erwachsenen. Kinder und Jugendliche müssen darauf vorbereitet werden, dass sie sich diesen Aufgaben in Zukunft besser stellen können als wir es heute tun. Wer das forstliche Nachhaltigkeitsprinzip verstanden hat, tut sich damit leichter.

Bildungsziele[Bearbeiten]

Waldpädagogik soll zielgruppengerechtes, aktuelles und fachlich ausgewogenes Wissen vermitteln. Waldpädagogik schafft Bewusstsein für Belange von Wald und Forstwirtschaft. Sie orientiert sich dabei an der Lebenswelt des einzelnen Menschen. Waldbewirtschaftung dient dabei als Nachhaltigkeitsmodell, das ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte beinhaltet und berücksichtigt. Die Gestaltungskompetenz der Teilnehmer an waldpädagogischen Veranstaltungen soll ausgebildet und gefördert werden durch:

  • interdisziplinäres und vorausschauendes Denken und Handeln,
  • das Erlernen von Partizipation an der Lösung aktueller und realer Problemstellungen,
  • die Verdeutlichung, wo Wald und Forstwirtschaft für den Alltag jedes Einzelnen wichtig sind,
  • Kooperationen zwischen Wissenschaft, Schule, Wirtschaft und Praxis,
  • lokal und regional vernetztes Denken und Handeln unter Beachtung der natürlichen Lebensgrundlagen.

Waldpädagogik vermittelt dabei Werte wie Respekt vor Wald, Natur und Umwelt und verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit den uns überlassenen natürlichen Ressourcen, sowie Verantwortung und Sorge für die nachfolgende Generationen.

Inhalte und Themen der Waldpädagogik[Bearbeiten]

Schwerpunktinhalte und -themen der Forstlichen Bildungsarbeit sind:

  • Der Wald als Ort zum Kennenlernen und Erleben von Natur ist als Lernort mit seiner großen Themenpalette zum objektbezogenen Lernen und Begreifen von ökologischen Zusammenhängen geeignet.
  • Der Wald besitzt Schutzfunktionen für Wasser, Boden, Luft und Klima, bewahrt vor Naturgefahren und hat als Lebensraum von besonderer Naturnähe hohe Bedeutung für die Biodiversität und als Erholungsraum.
  • Funktions- und zukunftsfähige Wälder sind wichtig für das Wohl von Mensch und Gesellschaft.
  • Naturnahe Forstwirtschaft ist ein Modell und gelungenes Beispiel für ein in der Praxis verwirklichtes Nachhaltigkeitskonzept, das ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Aspekte berücksichtigt.
  • Die Vielfalt der mit Wald und Forstwirtschaft verknüpften Interessen (Arbeitsplätze, Waldarbeit,Einkommensquelle für Waldbesitzer, Handwerk und Industrie, Waldgeschichte, Arten- und Biotopschutz, Kulturgut) und die Rolle des Försters als Fachkraft, Koordinator,Moderator oder Mediator in allen waldbezogenen Fragen.
  • Holz ist ein vielseitig einsetzbarer, nachwachsender Roh- und Werkstoff mit unschlagbarer Ökobilanz.

Methoden der Waldpädagogik[Bearbeiten]

Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und damit auch Waldpädagogik ist insbesondere eine Haltung und macht daher partizipative Methoden, wie z.B. Handlungsorientierten Unterricht erforderlich. Partizipation, Autonomie, Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und Handlungsfähigkeit der Beteiligten sind angestrebt. Diese Ziele machen Methoden erforderlich, in denen die Lernenden ihre persönlichen Potenziale entdecken und nutzen können. Moderne Bildungspläne gehen aus einer konstruktivistischen Sicht davon aus, dass es weniger darauf ankommt, was die Lernenden wissen, sondern darauf, was sie können. Daher ist es bedeutsam, die Planung von Lehrveranstaltungen immer wieder für die aktive Teilnahme der Lernenden zu öffnen. Pädagogische Konzepte, wie die Themenzentrierte Interaktion (TZI) sehen diese „Aneignung der Inhalte durch den Lernenden“ im Zentrum von lebendigen Lernprozessen. Eine Reihe von Methoden sind von Partizipation und individueller Aneignung geprägt und gerade diese sollten in der Waldpädagogik vermehrt angewendet werden.

Methoden, die aus der Perspektive der BNE in der Waldpädagogik häufiger angewendet werden sollten (Bolay/Reichle, 2011):

  1. Projekte und projektähnliche Arbeitsformen
  2. Erlebnispädagogische Methoden
  3. Rollenspiel, Theater
  4. Planspiele und exploratives Spielen
  5. Szenariospiele und Zukunftswerkstatt
  6. Gruppenpuzzle
  7. Partizipatives, selbstorganisiertes Lernen
  8. Freiere Arbeitsformen, Open Space
  9. Diskussionsforen, Planing for Real, Worldcafé
  10. Meditative Methoden, Fantasie und Traumreise
  11. Musisch-Kreatives: Bildende Kunst, Musik und Tanz
  12. Interview, Befragungen, ...
  13. Realsituationen schaffen, Situatives Lernen
  14. Experimentieren

In der Waldpädagogik sollen Wissen und Kompetenzen – entsprechend der genannten Ziele und Inhalte unter Berücksichtigung folgender Methoden vermittelt werden:

  • Erlebnisorientierung: Die Beteiligten werden über Sinne und Emotionen angesprochen.
  • Erfahrungsorientierung: An vorhandene Erfahrungen aus der Lebenswelt der Beteiligten wird angeknüpft, neue Erfahrungen, die die Beteiligten im Lern- und Verstehensprozess voranbringen, können gemacht werden.
  • Orientierung an der Lebenswelt: Die Beteiligten sollen das vermittelte Wissen, ihre Erlebnisse und die gemachten Erfahrungen im Alltag anwenden können.
  • Projektorientierung: Langfristige Prozesse, etwa im Rahmen von Projekten und Projektarbeit werden immer wichtiger.

Qualitätsstandards für waldpädagogische Veranstaltungen[Bearbeiten]

Qualitätsstandards dienen Waldpädagogen zur Orientierung und helfen bei der Sicherung der Qualität. Ein Gütekriterium für waldpädagogische Programme ist, inwieweit Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) darin umgesetzt wurde. Demzufolge sind waldpädagogische Veranstaltungen Beiträge zur lokalen, regionalen und globalen Dimension einer Nachhaltigen Entwicklung. Qualitätsstandards steigern die Effektivität, denn sie schaffen beurteilbare Grundlagen und schärfen das Profil Sie schaffen eine Vergleichbarkeit von Angeboten und können so zur Verbesserung der Kundenzufriedenheit beitragen. Nicht zuletzt können diese auch die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeitenden steigern.

Standards: Auf waldpädagogische Veranstaltungen bezogen sind folgende Standards wichtig:

  • Es findet eine Vorbereitung mit der Gruppe bzw. deren Vertreter statt. Dabei werden der Ablauf besprochen und Ziele definiert.
  • Die Veranstaltung hat ein inhaltliches Gesamtthema und folgt methodisch-didaktisch einem Roten Faden, der alles zusammenbindet.
  • Gezielte Höhepunkte werden gesetzt, um einen Spannungsbogen zu erzeugen.
  • Die Veranstaltung ist nach Sinneinheiten modular gegliedert und hat einen klaren Anfang und einen ebenso klaren Schluss.
  • Von den Teilnehmenden wird ein Feedback eingeholt.
  • Die Veranstaltung wird (möglichst kollegial) reflektiert. Es wird geprüft, welche der geplanten Ziele erreicht wurden. Stärken und Schwächen der Veranstaltung werden, ebenso wie die Wirkung der Leitung und die Dynamik der Gruppe reflektiert.
  • Ergebnisse der Reflexion finden Eingang in die weiteren Planungen und werden zu gezielten Verbesserungen aufgearbeitet.
  • Die Veranstaltungen werden zielgruppenspezifisch konzipiert und durchgeführt. Sie orientieren sich an der Altersgruppe, deren Wünschen, Erwartungen und Voraussetzungen.
  • Dabei werden die Bedürfnisse der Leitenden und der Lernenden berücksichtigt.
  • Mögliche Risiken und Gefahren des Waldes bei Aktionen werden durch Risikomanagement reduziert. Insbesondere der Gefährdung durch Astbruch oder fallende Bäume gilt die Aufmerksamkeit. Die Gefahren durch Fuchsbandwurm und Zecken werden altersgemäß präventiv bedacht.
  • Stets sind Erste-Hilfe-Ausrüstung und Mobiltelefon mit Notrufnummern dabei.
  • Waldpädagogen kennen den Ort und informieren sich über Rettungswege.
  • Die Nutzung des Waldes als Veranstaltungsort erfolgt schonend und respektvoll.

Inhalte:

  • Inhalte werden methodisch-didaktisch ausgewählt. Zwischen den Prinzipien „Weniger ist mehr“ und „(Noch) weniger ist leer“ wird ein Ausgleich gesucht.
  • Die Aspekte der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) müssen vorkommen, jedoch müssen nicht alle Kriterien stets gleichermaßen verwirklicht sein.
  • Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) prägt Werte und Haltungen.
  • Der Wald wird mit den Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen, analog der Dimension der Integration von Ökonomie, Ökologie und Sozialem thematisiert.
  • Die Vermittlung von ökosystemaren Zusammenhängen bildet die Basis der Umweltbildungsprogramme. Deren Auswirkung auf Forstwirtschaft (Ökonomie) und die Sozialen Aspekte werden ebenso wie die internationalen Bezüge dargestellt.
  • Der Mensch wird mit all seinen Einflüssen und deren Rückwirkungen als Teil des Gesamtsystems Natur verstanden. Dieses Grundverständnis wird am Beispiel des Zusammenhangs zwischen Wald, Forstwirtschaft und Holz vermittelt. Dabei werden auch emotionale, metaphysische und mythische Aspekte einbezogen.
  • Nachhaltigkeits- und globale Themen werden aufgegriffen. Forstwirtschaft dient als Beispiel, wie moderne, internationale Konzepte der Nachhaltigkeit (sustainability) umgesetzt werden.

Methodik:

  • Neben der Wissensvermittlung (Fachkompetenz) werden Selbst-, Sozial-, Methoden- und die Gestaltungskompetenz im Sinne der BNE gefördert.
  • Dafür müssen geeignete Methoden gewählt werden.
  • Die eigenständige Teilnahme, Mitgestaltung und Mitbestimmung der Lernenden ist fundamental. Selbstbestimmtes Lernen, partizipative Methoden und Aktionen mit Gestaltungsmöglichkeiten werden in die Veranstaltungen integriert (Bd. II, Kap.3).
  • Frontal vortragende „Försterführungen“ entsprechen nicht dieser Zielsetzung - so funktional diese von Fall zu Fall für Gruppen, die genau dieses wünschen, sein können.
  • Auf die Sinneswahrnehmung und die ganzheitliche Vermittlung „Mit Kopf, Herz und Hand“ (Bd.I, Kap.4.7) sind die angewendeten Methoden ausgerichtet. Die kognitiven, affektiven und motorischen Bedürfnisse der Lernenden werden nach den angestrebten Zielen und den Bedürfnissen der Zielgruppen gewichtet.
  • Methodenvielfalt ist gefragt und die Elemente Ruhe und Bewegung, mit Herausforderungen an die Kreativität, ebenso wie Spiel, Erlebnis oder praktisches Arbeiten finden ihren Platz.

Persönliche Standards:

  • Waldpädagogen sind kompetent in forstlich, ökologischen und pädagogisch Fragen.
  • Sie sind um die Sicherheit für die Gruppen besorgt und haben ein klares Risikomanagement.
  • Ein kooperativer Leitungsstil fördert die sozialen Kompetenzen der Teilnehmenden.

Waldpädagogische Einrichtungen (Walderlebniszentren und Jugendwaldheim)[Bearbeiten]

In Regionen mit besonders hoher Zielgruppendichte sowie in touristisch besonders attraktiven Gebieten wird das Angebot durch waldpädagogische Schwerpunkteinrichtungen (Walderlebniszentren und Jugendwaldheim) ergänzt und erweitert. Durch besondere Programm-Angebote und ein erweitertes Zielgruppenspektrum ergänzen die Einrichtungen das flächendeckende Bildungsangebot der Forstreviere.

Projektgruppe Forstliche Bildungsarbeit in Bayern[Bearbeiten]

Die Projektgruppe ist verantwortlich für die inhaltliche Konzeption des Waldpädagogischen Leitfadens „Forstliche Bildungsarbeit“ und dessen laufende Aktualisierung. Sie setzt sich zusammen aus Mitarbeitern aus allen Ebenen der Bayerischen Forstverwaltung, aus Mitarbeitern des Kultusministeriums, des Umweltministeriums sowie aus Mitgliedern aus der Bayerischen Staatsforsten und der Wissenschaft.

Quellen[Bearbeiten]

Auch als Quellen für weiter ausführende Literatur:

  • Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten; Forstliche Bildungsarbeit –Waldpädagogische Leitfaden nicht nur für Förster (2009)
  • Waldpädagogik – Theoretische Grundlagen, Bildungskonzept für die Schulpraxis, Wirkungen. Eine Fallstudie an der Grundschule Mohorn (Sachsen); von Sandra Liebal, 236 Seiten, ISBN 978-3-941300-57-6, www.verlagkessel.de
  • Bolay, E.: Der Walderlebnisrucksack. Haus des Waldes, Stuttgart. 3. überarbeitete Auflage, 2009
  • Bolay E. & Reichle, B.: Handbuch der Waldpädagogik – Theorie und Praxis der waldbezogenen Umweltbildung. Band 1 Theorie. Hohengehren, 2007
  • Bolay E. & Reichle, B.: Handbuch der Waldpädagogik – Theorie und Praxis der waldbezogenen Umweltbildung. Band 2 Praxiskonzepte. Hohengehren, 2011
  • Bolay E.: Datenbank Waldmeister. Sammlung von waldpädagogischen Aktivitäten kostenlos unter www.hausdeswaldes.de

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/red6/philosophie/waldpaedagogik/