Waldprechtsweier

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Wappen
Rathaus

Die Ortschaft Waldprechtsweier ist seit dem 1. April 1972 ein Ortsteil der Gemeinde Malsch.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Waldprechtsweier geht auf einen Personennamen und das Suffix -wilari (= Weiler) zurück.

Erste urkundliche Erwähnung[Bearbeiten]

Die Frage der ersten urkundlichen Erwähnung von Waldprechtsweier hat in den vergangenen Jahren zu einigen lokalgeschichtlichen Kontroversen geführt. Häufig wird der im Liber Possessionum [1], einem Güterverzeichnis des Klosters Weißenburg i.E., genannte Ort „Albraehteswilre“ mit Waldprechtsweier identifiziert und die dort angegebene Jahreszahl 1065 als älteste urkundliche Erwähnung betrachtet. Demnach erwarb seinerzeit Abt Samuel von Weißenburg mehrere Bauernhöfe, von denen einer in „Albraehteswilre“ lag. Die Originalurkunde über diesen Vorgang ist verloren, es sind aber zwei, etwas voneinander abweichende Zeugnisse darüber erhalten. Neben der Kopialüberlieferung, die der ca. 1280 geschriebene Liber Possessionum bietet, gibt es eine andere, wesentlich ältere Quelle. Nach dieser Notiz, die sich im Nekrologium des Klosters Weißenburg befindet[2], handelte es sich neben den Höfen in „Malsca“ (=Malsch) und „Bugcheneshem“ (=Bickesheim? Bockenheim a.d.W.? Böchingen?) um eine Hufe in „Adelbreddesuuilare“. Da diese Überlieferung nicht nur älter ist, sondern auch detailliertere Angaben enthält, ist sie textkritisch vorzuziehen. Ob freilich „Adelbreddesuuilare“ tatsächlich Waldprechtsweier oder nicht vielmehr das pfälzische Albersweiler meint, ist sehr fraglich[3]. Albersweiler wird eindeutig 1173/78 als „Adelbrahtesvvilre“ bezeugt, was „Adelbreddesuuilare“ bedeutend näher steht als die eindeutige Ersterwähnung von Waldprechtsweier, die „Walprehteswiler“ (1271) lautet. Überhaupt gilt Waldprechtsweier fachwissenschaftlich erst als hochmittelalterlicher Ausbauort, was es fraglich erscheinen lässt, ob es zur Zeit des Abtes Samuel von Weißenburg überhaupt schon existierte. Waldprechtsweiers erste sichere urkundliche Erwähnung findet sich im Jahr 1271, als die Brüder Bertold, Egelof, Sigfrid und Andreas von Elchesheim einen Teil des Waldprechtsweierer Zehnten, den sie besassen, an das Kloster Herrenalb verkauften[4].

Weitere geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Auf der Gemarkung befand sich die Burg Waldenfels, der Sitz der Grafen von Malsch. Diese wurde 1318 durch die badischen Markgrafen an das Kloster Herrenalb verkauft und ist bald danach verfallen. Das Dorf Waldprechtsweier blieb allerdings badisch und fiel bei der Teilung der Markgrafschaft im Jahr 1388 zwischen Bernhard I. und Rudolf VII. an Rudolf.

Die stets kleine Gemeinde konnte offenbar im frühen 18. Jahrhundert erstmals ein eigenes Gotteshaus errichten, denn 1727 ist von einer „erbawten Cappellen“ die Rede, die damals noch nicht geweiht war. 1766 bat die Gemeinde um Erlaubnis, „ihr kleines Capellein...welches zimlich ruinos undt ... zu klein, abzubrechen undt wider aufzubauen“. Tatsächlich wurde dann 1769 eine neue, dem Hl. Michael geweihte Kirche gebaut, die 1930 durch die heutige Kirche ersetzt wurde.

Waldprechtsweier hatte im Jahr 1683 nur 11 Familien und gehörte zum Amt Kuppenheim, später zum Landkreis Rastatt. 1972 verlor der Ort mit der Eingemeindung nach Malsch seine Selbständigkeit und gehört seitdem zum Landkreis Karlsruhe.

Erwähnenswert ist die Schlacht bei Malsch, die im Rahmen des Ersten Koalitionskrieges 1796 hier stattfand.

Am 2. November 1982 befuhr ein Konvoi aus vier Pershing-Raketen-Schleppern versehentlich die stark abschüssige Kreisstraße von Freiolsheim, worauf drei der Fahrzeuge wegen Versagens der Bremsen außer Kontrolle gerieten. Eines der Fahrzeuge überrollte einen entgegenkommenden Pkw. Der Fahrer des Pkw wurde getötet. Aufgrund der Explosionsgefahr wurde der Ort während der Bergung für rund zwölf Stunden evakuiert.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Durch die Gemeinde fließt der Waldprechtsbach.

Waldprechtsbach

Bauwerke[Bearbeiten]

In den Jahren 2003 bis 2004 wurde eine neue Mehrzweckhalle in der Talstraße erbaut.

Mehrzweckhalle

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Aus Waldprechtsweier stammt der Politiker Gustav Trunk (1871–1936), der 1920–1921, 1925–1926 und 1927 badischer Staatspräsident war.

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Kunstdenkmäler Badens Band 12: Landkreis Rastatt. Bearbeitet von Peter Hirschfeld, unter Mitarbeit von E. Lacroix und H. Niester, mit Beiträgen von A. Dauber und O. Linde, überarbeitet und ergänzt von Hans Huth. Karlsruhe 1963. S. 362-364

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Waldprechtsweier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heute im Landesarchiv Speyer, Signatur F 2 Nr. 147, fol. 55. Ediert von Johann Kaspar Zeuß: Traditiones possessionesque Wizenburgenses. Speyer, 1842.
  2. Spätes 11. Jahrhundert; als „Codex Weissenburgensis 45“ heute in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel; fol. 182. Ediert von Ernst Friedrich Mooyer: Nekrologium des Klosters Weißenburg, mit Erläuterungen und Zugaben. In: Archiv des historischen Vereines von Unterfranken und Aschaffenburg 13 (1855) 1-67.
  3. Vgl. Martin Burkart: Zur urkundlichen Ersterwähnung von Albersweiler. In: Pfälzer Heimat 64 (2013) 54-58.
  4. Der Urkundentext ist veröffentlicht unter http://www.wubonline.de/?wub=3024
  5. Quelle für den Abschnitt zum Pershing-Unfall:
     Bremsen versagt. In: Der Spiegel. Nr. 45, 1983, S. 31f (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14354045.html).

48.86098.3338Koordinaten: 48° 52′ N, 8° 20′ O