Waldwirtschaft (Pullach)

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Fassade und Eingang
Kirchweih in Großhesselohe 1746

Die Waldwirtschaft ist ein Gasthof mit Biergarten südlich von München. Sie liegt in der Gemeinde Pullach im Isartal im dortigen Ortsteil Großhesselohe auf dem westlichen Hochufer der Isar. Auf dem gegenüberliegenden Isarhochufer liegt ca. 2 Kilometer nördlich der Münchner Traditionsbiergarten Menterschwaige im südlichsten Ausläufer des Münchner Stadtteils Harlaching. Dazwischen spannt sich die Großhesseloher Brücke in 42 Meter Höhe über das Isartal. Wirt ist seit 1981 Sepp Krätz, der seit 1995 auch das Hippodrom-Festzelt auf dem Oktoberfest betreibt.

Das Wirtshaus, ein zweiflügeliger verputzter Walmdachbau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts steht zusammen mit der benachbarten Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit Großhesselohe unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung als Schweige Hesselohe im Besitz Herzog Tassilos geht zurück auf Jahr 776, als Tassilo die Schwaighof zusammen mit dem nahen Weiler Baierbrunn an das Kloster Schäftlarn stiftet und sich davon die Erlösung seiner Seele erhofft.[2] Etwa 200 Jahre wird die Schwaige wieder säkularisiert und 1301 verkauft der Herzog-Truchseß Konrad vn Baierbrunn sie unter der Bezeichnung Wald und Schwaige Hessloch an das Heilig-Geist-Spital in München. Das Spital erwirtschaftete mit diesem und anderen Höfen die Mittel, mit denen die Armen der Stadt unterstützt werden. Nach einem Feuer zog der Orden vom Heiligen Geist 1330 aus München ab und das Spital und seinen Höfen fiel an die Stadt München. Im 15. Jahrhundert erhielt die Schenke für ihre Kleinbrauerei eine Bierausschankgenehmigung.

1782 wird Hesselohe beschrieben als „ein paar Häuschen […], wobei sich eine Klause und ein Kirchlein befinden“ und in derselben Notiz wird erwähnt, dass der Ort gerne von Münchnern aufgesucht wird. Daraus geht hervor, dass sich bei der Schwaige ein oder mehrere Eremiten angesiedelt haben, die von den Stadtbürgern aufgesucht werden, um sich segnen zu lassen. Die Besucher kehren wohl auch in der Schenke der Schwaige ein. Eine besondere Rolle spielte die Großhesseloher Kirchweih zu Pfingsten, die im 18. Jahrhundert als Fest der Münchner unter den Bäumen des Isarhanges abgehalten wurde.

Zur Beliebtheit von Hesselohe trug bei, dass seit 1779 neben der Kirchweih auch ein jährlicher Jahrmarkt bei der Schwaige stattfand. Er wurde zunächst eingerichtet, weil das Heilig-Geist-Spital in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und sich bei Kurfürst Karl Theodor um das Recht für eine Verlustigung jeweils zu Peter und Paul am 29. Juni bewarb. 1808 geriet die Schwaige in die Unruhen der Napoleonischen Kriege, als der Pächter in Konkurs ging. Die Stadt stimmte einer Versteigerung zu, um an flüssige Mittel zu kommen. Neuer Eigentümer wurde Paul Schröfl, der in München ein Cafehaus betrieb. Er errichtet einen Tanzpavillon, der die Waldwirtschaft besonders für die Münchner Jugend attraktiv machte. Um ihn wurden Logen errichtet, in denen sich geschlossene Gesellschaften, vor allem die Münchner Künstlervereine, versammelten.

1818 erwarb der französische General Jean-Baptiste Drouet d’Erlon neben weiterem Besitz in Bayern auch die Schwaige Hesselohe, als er in Frankreich in Ungnade gefallen war, und bei den ehemaligen Verbündeten in Bayern Zuflucht suchte. Unter dem Decknamen Baron Schmid baute er die Gastwirtschaft aus und errichtet 1820 eine moderne Brauerei, das heutige Bauwerk Georg-Kalb-Straße 7, und den zugehörigen Bierkeller im Hang des Isartals. Als General d'Erlon 1824 begnadigt wurde und seine Karriere im französischen Militär wieder aufnahm, blieb sein Sohn Hyppolyt zurück und betrieb Hesselohe weiter. Zu dieser Zeit, zwischen 1820 und 1830 wurde der heutige Gasthof errichtet.

Hyppolyt d'Erlon verkaufte das Grundstück mit allen Bauten 1835 an den pensionierten Minister Maximilian von Montgelas.[3] Montgelas baute die Brauerei zu einem kleinen Schlösschen, dem heutigen Montgelas Schlösschen Großhesselohe, und erstellte einen 42 Meter tiefen Brunnen mit einer dampfgetriebenen Pumpe. Nach dessen Tod ging das Gelände 1846 an Freiherrn Karl von Beck aus der Familie Beck-Peccoz, einen Fabrikanten aus Augsburg und Pasing. Die Eröffnung der Teilstrecke München-Großhesselohe der Bahnstrecke München–Holzkirchen 1854 und der Isartalbahn 1891 sorgte für eine weitere Zunahme der Ausflugsgäste. 1875 kaufte ein Pullacher Gastwirt namens Georg Kalb die Brauerei und das Wirtshaus, sein Sohn baute die Brauerei in den 1890er Jahren erneut um. Die Konzentration der Brauereien führte dazu, dass Kalb 1910 das Braurecht an die Spatenbrauerei verkaufte, die die Brauerei einstellte. 1930 kaufte Spaten auch das Wirtshaus.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Gasthaus wies ursprünglich die Form eines L auf, mit einem nach Süden ausgerichteten Flügel und einem weiteren auf der Ostseite. Der Winkel umschloss die Dreifaltigkeitskirche.

Eine spätere Ergänzung ist die Westseite, an der ein kurzer, stummelförmiger Flügel mit etwas niedrigerem First angesetzt wurde. Nebengebäude sind zwei Toilettenhäuschen des Biergartens, die mit ihren Oberlichtbändern Formen des Art déco entsprechen. Sie stehen zusammen mit dem Hauptgebäude unter Denkmalschutz.[1] Südlich schließt der Biergarten an, zu dem eine neuzeitliche, offene Bude in Drei-Flügel-Form gehört, in der Speisen und Getränke an die Besucher des Biergartens verkauft werden. Im Zentrum des Biergartens steht der Musikpavillon. Südlich schließt sich an die Waldwirtschaft das Gelände des Bundesnachrichtendienstes an.

Mit der Übernahme durch Sepp Krätz 1981 wurde der als WaWi bekannte Biergarten zu einem sommerlichen Treffpunkt der Münchner Schickeria. Krätz stellte die Tradition der Livemusik wieder her und begründete den sonntäglichen Jazz-Frühschoppen, der über Jahrzehnte von der Veterinary Street Jazz Band bespielt wurde. Heute spielt bei schönem Wetter täglich eine Jazz-Band.[4]

Die Waldwirtschaft wurde 1995 der Ausgangspunkt der Münchner Biergartenrevolution. Nachdem Anwohner wegen Lärmbelästigungen durch den Biergartenbetrieb und vor allem den Verkehr von abends abfahrenden Gästen geklagt hatten, ordnete der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in letzter Instanz eine Sperrstunde von 21:30 Uhr an, sowie die Schließung des Biergartens jedes zweite Wochenende. Dagegen organisierten Wirtevereinigung, Brauerbund und die bayerische Politik eine als Revolution aufgemachte Demonstration von rund 25.000 Münchnern sowie rund 140.000 Unterschriften aus ganz Bayern.[5] Die bayerische Staatsregierung erließ schließlich die Bayerische Biergartenverordnung. Durch sie werden in Bayern traditionelle Biergärten beim Lärmschutz privilegiert. Für solche Biergärten, die durch den Charakter des Sitzens unter Bäumen und die Erlaubnis, seine Speisen selbst mitzubringen und nur die Getränke beim Wirt zu erwerben, gekennzeichnet sind, wird die Sperrstunde auf 23 Uhr festgelegt.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingeborg Pils: Die Waldwirtschaft. Buchendorfer, 2004, ISBN 3-937090-02-9
  •  Georg Paula, Timm Weski: Landkreis München. In: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmäler in Bayern. Kreisfreie Städte und Landkreise. Bd. I.17, Karl M. Lipp Verlag, München 1994, ISBN 3-87490-576-4, S. 244.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege: D-1-84-139-19
  2. Soweit nicht anders angegeben, beruht die Geschichte der Waldwirtschaft auf: Pils 2004, Kapitel Von der Hesseloher Schwaige zur Waldwirtschaft, Seiten 22–33
  3. Jürgen Wolfram: Coole Erfolgsgeschichte. In: Süddeutsche Zeitung vom 14./15. August 2012, Seite R8
  4. Waldwirtschaft: Jazzbiergarten
  5. Pils 2004, Seiten 47–50
  6. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit: Text der Biergartenverordnung

48.06666666666711.539444444444Koordinaten: 48° 4′ 0″ N, 11° 32′ 22″ O