Waleri Pawlowitsch Tschkalow

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Tschkalow 1937
1939 errichtetes Tschkalow-Denkmal von I. A. Mendelewitsch[1] in Nischni Nowgorod

Waleri Pawlowitsch Tschkalow (russisch Валерий Павлович Чкалов, wiss. Transliteration Valerij Pavlovič Čkalov; * 20. Januarjul./ 2. Februar 1904greg. in Wassiljowo, heute Tschkalowsk, Oblast Nischni Nowgorod; † 15. Dezember 1938 in Moskau) war ein sowjetischer Pilot.

Leben[Bearbeiten]

Tschkalow trat 1919 freiwillig in die Rote Armee ein. 1921/22 besuchte er die militärtheoretische Fliegerschule in Jegorjewsk. Anschließend wurde er als einer der ersten Flugschüler an der neuen Militärfliegerschule Borissoglebsk zum Piloten ausgebildet. Ab Juni 1924 diente Tschkalow in einer Jagdfliegereinheit. Nebenbei erwarb er die Kunstflugerlaubnis. 1927 erfolgte seine Ernennung zum Kettenkommandeur. Von 1928 bis 1930 war Tschkalow als Fluglehrer an der Brjansker Schule tätig.

1930 wurde Tschkalow Testpilot beim Wissenschaftlichen Institut der Luftstreitkräfte, etwas später beim OKB Polikarpow. Dort war er ab 1931 einer der Piloten, die Versuchsstarts und -landungen mit einem Fliegenden Flugzeugträger ausführte. Außerdem war er für die Erprobung der Polikarpow-Jagdflugzeuge I-15, I-16 und I-17 zuständig. Tschkalow bewies dabei seine gute Flugzeugbeherrschung. Er kam durch diese Versuche in Kontakt mit dem Hause Tupolew, zu dem er 1933 wechselte. Insgesamt testete Tschkalow über 70 Flugzeugtypen.

1936 rückte Tschkalow durch einen Rekordflug vom 20. bis 22. Juni mit einer Tupolew ANT-25 in das Licht der russischen Öffentlichkeit, als es ihm zusammen mit Baidukow und Beljakow gelang, den Dauerflugrekord auf 56 Stunden und 20 Minuten heraufzusetzen. Diese Leistung wurde anlässlich eines Nonstopfluges von Moskau zur Insel Udd (am nordwestlichen Ende des Tatarensunds) (9.374 km) erzielt. Vom 18. bis 20. Juni 1937 erfolgte ein Rekordflug über 12.000 km in 63 Stunden 25 Minuten als Transpolarflug von Moskau nach Vancouver im US-Bundesstaat Washington, was einen neuen Weltrekord für einen Flug ohne Zwischenlandung bedeutete. Nach diesem Flug wurde ihm am 24. Juli 1937 der Orden Held der Sowjetunion verliehen. 1938 erfolgte seine Beförderung zum Brigadekommandeur. Tschkalow war außerdem Träger des Leninordens (zweifach) und des Rotbannerordens.

Tschkalow kam am 15. Dezember 1938 beim Erstflug der Polikarpow I-180 ums Leben. Noch 1955 untersuchte eine von Chruschtschow einberufene Kommission die Umstände, die zum Absturz führten, fand jedoch keine Hinweise für eine bis heute immer wieder vermutete Verschwörung. Fest steht, dass weder Chefkonstrukteur Polikarpow noch der Projektleiter für die I-180 Tomaschewitsch ihr Einverständnis zum Erstflug gegeben hatten. Daneben fehlte eine Freigabe zum Erstflug für die I-180 seitens des Herstellerwerks, unter anderem wegen fehlender Kühlerklappen für den luftgekühlten Doppelsternmotor Tumanski M-88. Bei ca. −25 °C starte Tschkalow zum Erstflug vom Chodynkafeld („Zentraler M.-W.-Frunse-Flughafen“) und flog zuerst problemlos die vorgesehene Platzrunde. Danach überschritt er in der zweiten Runde mit ca. 2000 m Flughöhe eigenmächtig die im Flugauftrag angegebene Höhenbegrenzung von 600 m deutlich. Im folgenden zu kurz angesetzten Landeanflug versagte das Triebwerk, wahrscheinlich wegen Unterkühlung bzw. Vergaservereisung oder durch zu schroffes Gasgeben beim Abfangen, möglicherweise auch durch eine Kombination beider Ursachen. Tschkalow wich mit stehendem Triebwerk noch einigen Wohnhäusern aus, hatte aber dann eine Berührung mit einer Freilandleitung und stürzte ab. Dabei wurde er gegen das Instrumentenbrett und danach aus dem Flugzeug geschleudert. Er erlitt schwere Verletzungen, u. a. am Kopf, an denen er zwei Stunden später verstarb. Seine Urne wurde an der Kremlmauer in Moskau beigesetzt.

Tschkalow war ab 1927 mit Olga Erasmowna Tschkalowa (geb. Orechowa, 1901–1997) verheiratet und hatte mit dieser einen Sohn, Igor (1928–2006), und zwei Töchter, Walerija (1935–2013) und Olga (* 1939).

Würdigung[Bearbeiten]

Tschkalow-Denkmal vor den Nowosibirsker Flugzeugwerken
Tschkalow und ANT-25 auf einer russischen Briefmarke von 2004

Tschkalows Geburtsstadt Wassiljowo am rechten Ufer der Wolga, etwa 100 Kilometer nordwestlich von Nischni Nowgorod wurde 1937 anlässlich des Nonstopfluges nach Kanada in Tschkalowsk umbenannt. Von 1938 bis 1957 hieß die Stadt Orenburg zu Ehren des Piloten Tschkalow.

Ebenfalls seinen Namen trägt der Kaliningrader Stadtteil Tschkalowsk (vor 1945 Tannenwalde). Gleichfalls wurde eines der größten Flugzeugwerke Russlands, das Nowosibirsker Flugzeugwerk NAPO, bereits im Jahre 1939 nach ihm benannt.[2] Ein strategischer Bomber Tupolew Tu-160 trägt seinen Namen.

In Russland tragen gleich drei U-Bahnhöfe den Namen Tschkalows: Im Dezember 1995 wurde in Moskau mit der Inbetriebnahme der Metrolinie 10 die Station Tschkalowskaja eröffnet.[3], ebenso wurde im September 1997 in Sankt Petersburg auf der Metrolinie 4 (heute gehört dieser Abschnitt zur Linie 5) die Station namens Tschkalowskaja eröffnet.[4] Auch heißt eine 1985 erbaute Station der Metro Nischni Nowgorod Tschkalowskaja.

Das russische Luftwaffenausbildungszentrum in Lipezk und das Staatliche Flugerprobungszentrum in Achtubinsk tragen heute seinen Namen. Außerdem ist der Militärflugplatz Tschkalowski nach ihm benannt.

2004 wurde in Russland aus Anlass des 100. Geburtstages eine 2-Rubel-Silber-Gedenkmünze in einer Auflage von 7000 Stück geprägt. Sie zeigt Tschkalows Porträt in Fliegermontur neben der Flugroute von Moskau über den Nordpol nach Vancouver 1937. Aus gleichem Anlass erschien eine Briefmarke.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alexei Iwanowitsch Schachurin: Flügel des Sieges. Militärverlag der DDR, Berlin 1989, ISBN 3-327-00822-1, S. 49
  2. Geschichte der Flugzeugwerke NAPO bei www.napo.ru (russisch)
  3. Tschkalowskaja bei www.metro.ru (russisch)
  4. Tschalowskaja bei metro.vpeterburge.ru (russisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfried Kopenhagen: Lexikon Sowjetluftfahrt, Elbe-Dnjepr-Verlag 2007, ISBN 3-933395-90-9, in Bibliotheken auch unter ISBN 978-3-933395-90-0
  • Valerij Tschkalow: Unser Transpolarflug, Berlin, SWA-Verlag 1946, 72 Seiten.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Waleri Tschkalow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien