Walgau

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Walgau
Blick von Gampelün in den Walgau

Blick von Gampelün in den Walgau

Lage Vorarlberg, Österreich
Gebirge Bregenzerwaldgebirge, Lechquellengebirge, Rätikon
Geographische Lage 47° 11′ 4″ N, 9° 43′ 18″ O47.1844444444449.7216666666667570Koordinaten: 47° 11′ 4″ N, 9° 43′ 18″ O
Walgau (Vorarlberg)
Walgau
Typ Trogtal
Höhe 510 m bis 570 m ü. A.
Länge 20 km
Gewässer Ill

Der Walgau ist eine etwa 20 Kilometer lange, von der Ill durchflossene Talung im Süden des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg. Die stark bevölkerte Region bildet gemeinsam mit der Stadt Bludenz am östlichen Ende des Tals ein Ballungszentrum im ansonsten eher dünn besiedelten Süden Vorarlbergs. Westlich des Walgaus grenzt dieser an die Stadt Feldkirch im noch stärker besiedelten Vorarlberger Rheintal.

Geografie[Bearbeiten]

Das Tal ist ein Seitental des Rheintals, beginnt flussabwärts bei Bludenz, und endet in der Felsenau (Illschlucht) vor Feldkirch. Es wird im Süden vom Rätikon, im Norden vom Walserkamm begrenzt. Seine Fortsetzung findet es im Montafon, und den Nebentälern der Ill, dem Großwalsertal und Klostertal. Von Süden münden das Brandnertal, sowie einige unbewohnte Täler, insbesondere das Saminatal bei Frastanz und das Gamperdonatal bei Nenzing.

Das Tal ist mit 48.095 Einwohnern (Stand: 30. September 2004) nach dem Rheintal das zweitbevölkerungsreichste Tal Vorarlbergs.

Die Ill durchfließt das breite Tal (mit Auwäldern), die Wasserkraft wird im Walgauwerk bei Nenzing genutzt. Weiters bestehen auch zwei Wasserkraftwerke an der Lutz in den Gemeindegebieten von Ludesch und Bludesch

Gemeinden und Verbände[Bearbeiten]

Der Walgau ist ausdehnungsmäßig nicht größer als die umliegen Talschaften Vorarlbergs, ist aber, besonders am Südhang, in zahlreiche Kleinstgemeinden gegliedert.

Gemeindeorte im Illtal (in Flussrichtung der Ill) auf der Nordseite:

Gemeinden über dem Tal am Walserkamm:

Dabei liegen Thüringerberg, und auch Ludescher Gemeindegebiet schon am Eingang des Großwalsertals

Gemeindeorte auf der Südseite:

Die Gemeinden

werden aus nicht eindeutig in die eine oder andere Richtung interpretierbaren historischen Gründen entweder dem Montafon oder dem Walgau zugerechnet.[1][2] Auf Grund des doch beträchtlichen Höhenunterschiedes zwischen St. Anton im Montafon und Lorüns liegt Lorüns orographisch außerhalb des Montafons, nämlich auf Höhe des Bludenzer Talkessels, ebenso Stallehr. Regionalplanerisch gehören die beiden Gemeinden nicht zum Montafon, sondern zum Großraum Bludenz (Alpenregion Bludenz), wenn auch Lorüns landläufig als am Taleingang des Montafons liegend beschrieben wird.[1] Stallehr liegt gleichzeitig auch am Eingang des Klostertals.[2]

Außerdem rechnet man auch im raumplanerischen Sinne die beiden Brandnertalgemeinden zum Walgau:

Das Tor zum Walgau bildet, schon im Rheintal:

Alle diese letzteren fünf Gemeinden sind Mitglied im Gemeindeverband Regionalentwicklung IMWALGAU Gemeinden gemeinsam, Lorüns und Stallehr aber auch im Stand Montafon, und die Bezirk-Feldkircher Gemeinden (Düns, Dünserberg, Göfis, Röns, Satteins, Schlins, Schnifis) und auch Nenzing – also der untere Walgau – gleichzeitig in Gemeindeverbänden des Rheintals engagiert.

Nachbarregionen[Bearbeiten]

Walgau mit Brandnertal; die umliegenden Gebirgsgruppen sind kursiv gesetzt
Vorarlberger Rheintal Laternsertal
Walserkamm
Großes Walsertal
Liechtenstein (Fst.) · Rätikon Nachbargemeinden Lechquellengebirge

Klostertal
Rätikon
Maienfeld/Bündner Herrschaft (Graubünden)
Rätikon
Prättigau (Graubünden)
Verwallgruppe
Montafon

Bludenz und Umlandgemeinden, Klostertal und Brandnertal bilden zusammen die Alpenregion Bludenz

Verkehr[Bearbeiten]

Verkehrstechnisch wird das Tal durch die Rheintal/Walgau Autobahn (A 14), die Landesstraße L 190 Vorarlberger Straße und die ÖBB-Westbahnstrecke im Bereich Feldkirch-Bludenz (Vorarlbergbahn) erschlossen.

Großräumig besteht das verkehrspolitische Funktionskonzept Rheintal – Walgau (FKRW) zur Planung der beiden Hauptsiedlungsräume des Landes.[3]

Blick auf der Südterrasse des Walserkamms über den gesamten Walgau in Richtung Süden in den Rhätikon, mit den Einschnitten des Brandnertals, Gamperdonatals, Galinatals und Saminatals (links nach rechts); ganz links der Ansatz des Großwalsertals, der Einschnitt des Klostertals und Fernsicht in das Montafon; ganz rechts Blick hinaus über das Rheintal in die Appenzeller Alpen.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte Vorarlbergs (von 1783); mitte unten rot, gelb und blau Hft. Sonnenberg, Jagdberg, Blumeneck

Walgau bedeutet Welschgau, da Welsche, in heutiger Sprechweise Rätoromanen, das Tal bewohnten. Der rätoromanische Name des Tals war nach Ulrich Campell Vutruschauna. In seiner Raetiae Alpestris Topographica Descriptio (nach 1570) schreibt er: „[…] ex antiqua inde consuetudine vocant ‚Vutruschauna‘, corruptius pro ‚Valdruschauna‘, id est Vallem Drusianam; […]“ (deutsch: „Nach altem Brauch nennen sie es ‚Vutruschauna‘, entstellt aus ‚Valdruschauna‘, das heißt Vallis Drusiana.“). Johannes Guler von Wyneck schrieb 1616 in der Raetia, er habe noch alte Leute im Walgau gekannt, die rätisch reden konnten, doch jetzt sei bei ihnen allein die deutsche Sprache üblich.[4]

Ehemalige Verwaltungengliederung:

Grafschaft Sonnenberg Herrschaftssitz Nüziders
Wappen von Sonnenberg (heute Gemeinde Nüziders)
umfasste im Walgau:
Herrschaft Blumenegg Abgegangene Burg bei Thüringen
Thüringen, Bludesch, Ludesch und Thüringerberg
Blumenegger Wappen
Herrschaft Jagdberg Herrschaftssitz heutiges Schlins
Wappen der Herrschaft Jagdberg (Abbildung fehlt)
wurde schon 1474 mit der Herrschaft Bludenz vereinigt:[5]
Herrschaft Rosenegg Abgegangene Burg bei Bürs
Wappen der Grafen von Werdenberg-Heiligenberg

Von 1805 bis 1814 gehörte der Walgau zum Königreich Bayern, ab 1814 dann wieder zu Österreich.
Mit der Neuordnung der Vorarlberger Gerichtssprengel im Jahre 1806 wurde der obere Walgau dem neu installierten Landgericht Sonnenberg mit Sitz in Bludenz unterstellt,[6], der untere dem Landgericht Feldkirch, aus denen sich die heutigen politische Bezirke entwickelt haben.

Der Walgau war 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.

Regionalentwicklung im Walgau[Bearbeiten]

Seit Anfang 2009 führt die Region Walgau einen Regionentwicklungsprozess durch. Im Rahmen dieses Prozesses wurde ein regionales Wiki mit vielen Detailinformationen eingerichtet, das Walgau Wiki.[7]

Literatur[Bearbeiten]

Historisches:

  •  Alois Niederstätter, Stefan Sonderegger, Manfred Tschaikner: Das Land im Walgau. 600 Jahre Appenzellerkriege im südlichen Vorarlberg. In: Thomas Gamon, ELEMENTA Walgau (Hrsg.): Schriftenreihe. Band 2, Nenzing 2005, ISBN 3-900143-02-1 (pdf, vorarlberg.gv.at, abgerufen am 2011).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Walgau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Geschichte von Lorüns, Internetseite der Gemeinde
  2. a b Geschichte von Stallehr, Internetseite der Gemeinde
  3.  Amt der Vorarlberger Landesregierung, Abt. VIa – Allgemeine Wirtschaftsangelegenheiten; Rosinak & Partner ZT GmbH, Besch + Partner KEG (Berarb.) (Hrsg.): Mobil im Ländle. Verkehrskonzept Vorarlberg 2006. In: Schriftenreihe Raumplanung Vorarlberg. 26, Bregenz Januar 7 Funktionskonzept Rheintal – Walgau 2006, S. 76 ff (pdf, 864 kB; Öffentlicher Personennahverkehr. In: vorarlberg.at · Verkehrspolitik. Land Vorarlberg, abgerufen am 2011.).
  4. Johannes Guler von Wyneck: Raetia, 1616, fol. 221r. Online
  5. Rosenegg, Burg. austria-lexikon
  6. Ferry Orschulik (Webgestaltung): Herrschaften im Walgau. Bild 29. In: Schulmediencenter Vorarlberg: Bildreihen → Walgau. S. Weiterführende Information, abgerufen am 7. Juli 2011 (Startseite Schulmediencenter ).
  7. Walgau Wiki