Walk on the Wild Side

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Walk on the Wild Side ist ein Song von Lou Reed aus seinem 1972 veröffentlichten zweiten Solo-Album Transformer. Es wurde von David Bowie produziert. Der Song erzählt von fünf New Yorker Transvestiten und Homosexuellen aus dem Umkreis von Andy Warhols Factory.

Musik[Bearbeiten]

Der Song ist sparsam instrumentiert mit akustischen Gitarren (gespielt von Reed), E-Bass (Herbie Flowers) und Schlagzeug (John Halsey). An zwei Stellen kommt ein Chor von Backgroundsängerinnen dazu, den „Thunderthighs“.[1] Im Outro gibt es ein Saxophonsolo von Ronnie Ross. Der Song endet in einem Fadeout.

Walk on the Wild Side basiert auf einem Schema mit nur vier Akkorden: Zumeist wechseln sich C-Dur und F-Dur-Sextakkord ab, wozu der Bass Glissandi zwischen den Noten g und a spielt. Weitere Akkorde sind D-Dur und F-Dur.[2] Alles ist sehr laid back gespielt, auch der Sprechgesang, mit dem Reed die fünf Strophen vorträgt, ist entspannt. Dadurch entsteht musikalisch eine kühle, gleichzeitig aber laszive, erotisch stark aufgeladene Atmosphäre.

Text[Bearbeiten]

Ausgangspunkt für den Song war Nelson Algrens Roman A Walk on the Wild Side (deutsch: Wildnis des Lebens) aus dem Jahr 1956. Reed war gebeten worden, daraus ein Musical zu machen, was er aber ablehnte: „Machen Sie Witze? Ich soll derjenige sein, der sich am besten dazu eignet, ein Musical über Krüppel zu schreiben?“[3] Immerhin schrieb er ein Lied. Als das Projekt abgesagt wurde, änderte er den Text und behandelte statt der Romanfiguren Menschen, die er aus Andy Warhols Factory kannte.[4]

Der Text besteht aus fünf Strophen, die jede einen anderen Protagonisten haben. Die fünf Charaktere sind so genannte Warhol Superstars, bekannte New Yorker Transvestiten und Homosexuelle der 1960er und frühen 1970er Jahre, nämlich Holly Woodlawn, Candy Darling, Joe Dallesandro, Jackie Curtis und Joe Campbell (im Song unter seinem Spitznamen Sugar Plum Fairy, deutsch: „Zuckerpflaumentunte“)[5]. Candy Darling war auch Thema des Songs Candy Says, das Reed für The Velvet Underground schrieb. Von Holly wird berichtet, wie er sich auf der Reise von Miami nach New York als Frau verkleidet, Candy übt im Hinterzimmer Fellatio aus; Little Joe wird als der fleißige Stricher geschildert, den Dallesandro in Paul Morrisseys Film Flesh 1968 gespielt hatte, die „Zuckerpflaumentunte“ feiert Erfolge im Apollo Theater des afroamerikanischen New Yorker Viertels Harlem, während Jackie im Amphetaminrausch kollabiert, was Reed lakonisch kommentiert: „Valium would have helped that bash“ – „Mit Valium wär das nicht passiert“. [6] Am Ende jeder Strophe erfolgt der Refrain mit der Aufforderung: „Take a walk on the wild side“ – „Mach mal einen Spaziergang auf der wilden Seite“. Trotz des anstößigen Textes wurde das Lied häufig im Radio gespielt. In den Vereinigten Staaten veröffentlicht RCA eine bearbeitete Version des Songs, die den Bezug auf Oralsex eliminierte.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Single Walk on the Wild Side erreichte Anfang des Jahres 1973 Platz 16 auf den Billboard Hot 100-Singlecharts. In den britischen Charts erreichte sie 1972 Platz 10.[7] Sie war über lange Jahre der einzige Chartserfolg für Reed, weswegen er als One-Hit-Wonder geführt wurde.[8] Nach Reeds Tod am 27. Oktober 2013 kam das Lied via iTunes erneut in die Charts.[9] In Deutschland war es die erste und einzige Notierung für einen Song von Lou Reed in den Single-Charts.[10]

Auf der Liste der 500 besten Songs aller Zeiten, die 2004 vom amerikanischen Rolling Stone veröffentlicht wurde, wird Walk on the Wild Side auf Platz 223 geführt.[11] Das Lied wurde in zahlreichen Filmen als Filmmusik verwendet, etwa in Der Unglücksritter, Georgia und Guess Who – Meine Tochter kriegst du nicht![12] Der Titel des Films Wild Side, ein von Sébastien Lifshitz im Jahr 2004 gedrehtes Drama über eine transsexuelle Prostituierte, leitet sich von Reeds Song ab.

Versionen[Bearbeiten]

Live[Bearbeiten]

Reed spielte Walk on the Wild Side auf den vielen seiner Tourneen, weshalb es auch auf vier seiner Live-Alben vertreten ist. So auf Live von 1975 (aufgenommen 1973), auf Live: Take No Prisoners von 1978 in einer mehr als sechzehnminütigen Version, auf Live in Italy von 1984 und auf American Poet von 2001 (aufgenommen 1972).

Coverversionen[Bearbeiten]

Walk on the Wild Side wurde vielfach von anderen Künstlern gecovert, darunter Robbie Williams,[13] Rolf Harris[14], Zeltinger Band[15] und Vanessa Paradis[16]. Die deutsche Schauspielerin Gerty Molzen nahm den Song 1984 im Alter von 78 Jahren auf und erlangte dadurch eine Bekanntheit als "Rock-Oma".[17] Sie trat damit in der Late Night with David Letterman in den Vereinigten Staaten und in Gay Byrne's Late Late Show in Irland auf.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thundertights bei discogs.com. Abgerufen am 2. Februar 2013.
  2. Olaf Benzinger: Rock Hymnen. Das Lexikon. Bärenreiter, Kassel 2002, S. 346.
  3. Olaf Benzinger: Rock Hymnen. Das Lexikon. Bärenreiter, Kassel 2002, S. 345.
  4. Lou Reed: Texte. Aus dem Amerikanischen von Diedrich Diederichsen. Kiepenheuer und Witsch, Hamburg 1992, S. 92.
  5. Lou Reed: Texte. Aus dem Amerikanischen von Diedrich Diederichsen. Kiepenheuer und Witsch, Hamburg 1992, S. 93.
  6. Lou Reed: Texte. Aus dem Amerikanischen von Diedrich Diederichsen. Kiepenheuer und Witsch, Hamburg 1992, S. 92 f.
  7. Lou Reed to have posthumous hit with 'Walk On The Wild Side'? auf der Webseite des New Musical Express vom 28. Oktober 2013, Zugriff am 8. November 2013.
  8. Karl Bruckmaier: Fuck Andy. Fuck Nico. Fuck Cale. Ein Leben mit Lou Reed. In: taz vom 28. Oktober 2013 (online, Zugriff am 2. November 2013).
  9. Lou Reed to have posthumous hit with 'Walk On The Wild Side'? auf der Webseite des New Musical Express vom 28. Oktober 2013, Zugriff am 8. November 2013.
  10. German Chartblog am 8. November 2013
  11. 500 Greatest Songs of All Time. Abgerufen am 20. Januar 2013.
  12. Lou Reed Filmographie beiimdb.de. Abgerufen am 2. Februar 2013.
  13. Robbie Williams - Take a walk on the wild side. Abgerufen am 2. Februar 2013.
  14. Rolf Harris Cover Songs. Abgerufen am 20. Januar 2013.
  15. Kölner Bock bei SPIEGEL.de. Abgerufen am 20. Januar 2013.
  16. Vanessa Paradis: Walk on the Wild Side bei allmusic.com. Abgerufen am 20. Januar 2013.
  17. Gerty Molzens Walk on the Wild Side bei discogs.com. Abgerufen am 26. Januar 2013.

Weblinks[Bearbeiten]