Wallau (Hofheim am Taunus)

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50.06258.3719444444444147Koordinaten: 50° 3′ 45″ N, 8° 22′ 19″ O

Wallau
Wappen von Wallau
Höhe: 147 m
Einwohner: 4650
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 65719
Vorwahl: 06122
Die Kirche in Wallau

Wallau im Taunus ist ein Ortsteil von Hofheim am Taunus. Der Ort liegt ca. 10 Kilometer südwestlich des Hofheimer Stadtkerns und liegt an Hofheims Westgrenze.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Wallau liegt im Main-Taunusvorland an der Grenze zum Vordertaunus im Tal des Wickerbachs, der mitten durch den Ort fließt. Er liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Stadtteilen Breckenheim, Nordenstadt und Delkenheim der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden, die die Ortslage von Norden, Westen und Süden umgeben.

Die Wallauer Gemarkung wird im Osten durchschnitten von der Bundesautobahn 3 und im Süden von der Bundesautobahn 66, die durch das in unmittelbarer Nähe gelegene Wiesbadener Kreuz miteinander verknüpft sind. Diese beiden wichtigen und verkehrsreichen Bundesfernstraßen in unmittelbarer Nähe der Ortslage stellen zwar eine ökologische und stadtplanerische Beeinträchtigung dar, durch die Anschlussstellen Wallau und Diedenbergen der A 66 wurde der Ort aber zu einem begehrten, weil verkehrsgünstig gelegenen Gewerbestandort. Ohne den Anschluss an die Autobahn hätte sich das östlich der A 3 gelegene Gewerbegebiet Wallau-Ost ab den 1970er Jahren nicht so gut entwickeln können, dass es mit seinen rund 500.000 Quadratmetern Fläche die Fläche der Wallauer Wohngebiete übertrifft.

Im Südosten der Gemarkung verlaufen darüber hinaus die Eisenbahntunnel Wandersmann Süd (795 m) und Wandersmann Nord (1,1 km). Nach Fertigstellung dieses Bauprojekts konnte die Ostumgehung zur Entlastung des innerörtlichen Verkehrs verwirklicht werden. Sie führt den Verkehr von der Anschlussstelle Wallau im Süden um den Ortskern herum, unter der A 3 hindurch und über die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main hinweg zum dort gelegenen Gewerbegebiet und Richtung Diedenbergen, Langenhain und Breckenheim.

Geschichte[Bearbeiten]

Altes Fachwerkhaus im Ortskern

In einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 950 von König Otto I. erstmals urkundlich erwähnt, wird der Ort als Wanaloha bezeichnet (Wana = Wasser, Loha = Wald). Wanaloha wurde verkauft und verpfändet, es wechselte den Besitzer, bis es schließlich unter hessischer Herrschaft zum kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Mittelpunkt des Ländchens wurde. 1563 errichtete man eine Lateinschule und ab 1572 fand ein wöchentlicher Markt statt.

Wallau hatte unter dem Dreißigjährigen Krieg, großen Bränden und der Pest stark zu leiden.

Von 1643 bis 1817 war Wallau Amtsort des protestantischen Ländchens.

In Not und Elend lebten die Wallauer erneut während der französischen Revolution (1789 bis 1799), während weiterer Kriege, durch einfallende Räuberbanden und Missernten. Dennoch bauten die Menschen über Generationen hinweg ihre Häuser, ihre Kirche, das Rathaus, Ställe und Scheunen immer wieder auf. Auch von der Obrigkeit ließen sie sich durchaus nicht alles gefallen. So verweigerten die Gemeindeväter 1825 ihre Zustimmung zu einer Steuererhöhung (sie wurde auf Grund des Protestes halbiert). Den Schafstreit im Jahre 1849 allerdings verlor man.

Nach 1945 strahlte die schnelle Entwicklung des Rhein-Main-Gebietes auch auf Wallau aus. Landwirtschaft und Handwerk traten als Lebensgrundlage immer mehr zurück, der Ort entwickelte sich zur modernen Wohngemeinde mit guter Infrastruktur. Lebten 1950 in Wallau 1480 Einwohner, so waren es 1977 bereits 3759, im Jahre 2000 schließlich 4.500.

Im Zuge der Gebietsreform wurde Wallau am 1. Januar 1977 in die Stadt Hofheim am Taunus eingegliedert[1], nachdem 1974 über 95 % der Einwohner dafür gestimmt hatten. Der Gesetzentwurf, der ursprünglich einen Anschluss an Wiesbaden vorgesehen hatte, wurde daraufhin entsprechend geändert.[2]

Politik[Bearbeiten]

Im Ortsbeirat Hofheim-Wallau sind die neun Sitze wie folgt verteilt:

Partei Sitze Ergebnis
CDU 4 47,2 %
SPD 3 34,5 %
FWG 2 15,3 %

Ortsvorsteher: Benjamin Hauzel (CDU)[3]

Wappen[Bearbeiten]

Am 16. August 1971 wurde der Gemeinde Wallau ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Blau zwischen je zwei W-förmig gekreuzten silbernen Schafscheren ein silberner Schräglinksbalken, belegt mit einem roten Schwert.[4] Das Wappen wurde von Adolf Metzler in Zusammenarbeit mit einem Heraldiker entworfen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Wallau weist rund 60 Hektar Gewerbeflächen auf. Hier ist der Firmensitz der Ikea Deutschland GmbH & Co. KG.

Sport- und Vereinsleben[Bearbeiten]

Sportlichen Aktivitäten kann man beim TV Wallau 1861 e.V. nachgehen. Das Angebot des Vereins umfasst Fußball, Handball, Tischtennis, Turnen, Leichtathletik, Radfahren und Wandern.

Die Handballabteilung des TV Wallau ist in der SG Wallau ausgegliedert. Zusammen mit dem TuS Massenheim trat der Verein als SG Wallau-Massenheim lange Zeit in der Handball-Bundesliga an und wurde u.a. zweimal Deutscher Meister. Nach dem insolvenzbedingten Zwangsabstieg in die Regionalliga 2005 und dem Ausstieg des TuS Massenheim nach dem Wiederaufstieg in die 2. Handball-Bundesliga wird der Spielbetrieb durch die SG Wallau, deren einziger Trägerverein der TV Wallau ist, fortgeführt.

Der vom TV Wallau seit 1995 veranstaltete Wallauer Mittsommerlauf ist die größte Breitensportveranstaltung der Region, an der jährlich ca. 2000 Läufer teilnehmen.

Der Blasmusik in traditioneller, moderner und konzertanter Form wird seit 1962 beim Musikzug Wallau gefrönt. Gegründet wurde das Orchester vom Heimatforscher und Lehrer Adolf Metzler.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 371.
  2. Gesetz zur Neugliederung des Main-Taunus-Kreises und der Stadt Wiesbaden vom 26. Juni 1974 GVBl. I S. 309
  3. Ortsbeirat Hofheim-Wallau
  4. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 16. August 1971 (StAnz. S. 1462) Seite 6 der tif-Datei 6,8 MB

Weblinks[Bearbeiten]