Walldorf (Hessen)

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50.0014098.571288107Koordinaten: 50° 0′ 5″ N, 8° 34′ 17″ O

Walldorf (Hessen)
Wappen der ehemaligen Stadt Walldorf
Höhe: 107 m ü. NN
Einwohner: 14.393 (31. Mrz. 1972)
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Eingemeindet nach: Waldfelden
Postleitzahl: 64546
Vorwahl: 06105
Waldenserkirche Walldorf
Rathaus in der Flughafestraße
Bahnhof Walldorf (Hessen)

Walldorf ist eine Teilstadt von Mörfelden-Walldorf im Kreis Groß-Gerau in Hessen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Walldorf liegt in einer Rodungsinsel der waldreichen Untermainebene im Rhein-Main-Gebiet, im Dreieck zwischen den südhessischen Großstädten Frankfurt am Main, Darmstadt und Mainz und grenzt an die Südseite des Frankfurter Flughafens. In Nordost-Südwest-Richtung wird die Gemarkung vom Gundbach entwässert, der streckenweise den Nordwestrand der Ortslage begleitet. Der Südwestteil der Gemarkung um die Birkenseewiese und den Alten Torfstich gehört zu dem ausgedehnten Naturschutzgebiet Mönchbruch. Östlich von Walldorf, jenseits der Bundesautobahn 5, lieg der Badesee Walldorfer See. Den Norden der Gemarkung jenseits des Gundbachs nimmt der Gundwald ein, der bis zum Flughafengelände reicht.

Die nächstgelegenen Ortschaften sind im Süden, knapp vier Kilometer entfernt, die Teilstadt Mörfelden, im Osten Langen und Buchschlag, im Nordosten Zeppelinheim, im Norden die Cargo City Süd des Flughafens, sowie im Westen Raunheim und Hassloch.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Dreißigjährige Krieg mit seinen großen Menschenverlusten und Zerstörungen bereitete den Boden für die Gründung von Walldorf.

Auf Einladung von Landgraf Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt kamen am 21. Juni 1699 14 aus den Cottischen Alpen des Piemont vertriebene Waldenserfamilien hier an und gründeten die Waldenserkolonie am Gundhof, die 1715 den Namen Walldorf erhielt. Die Verwaltungsgeschichte teilt es mit Mörfelden.

Durch den kargen sandigen Ackerboden und durch die steigende Bevölkerungszahl litten die Kolonisten und ihre Nachkommen lange Zeit Not. Etliche Bewohner mussten als Waldarbeiter oder Taglöhner ihren Lebensunterhalt verdienen. Nur mit Spenden von reformierten Gemeinden in Frankfurt, Holland, Großbritannien und der Schweiz konnte 1804/05 die heutige Waldenserkirche gebaut werden.

Die Inbetriebnahme der Riedbahn durch die Hessische Ludwigsbahn im November 1879 brachte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Viele Walldorfer fanden Arbeit in den Betrieben der nahe gelegenen Großstädte. Der ländlich geprägte Ort wandelte sich dadurch zunehmend in eine Arbeiterwohngemeinde.

Vom 23. August bis 24. November 1944 bestand in Walldorf das KZ-Außenlager Walldorf. 1700 jüdische Mädchen und Frauen wurden 1944 aus Ungarn verschleppt und mussten am Frankfurter Flughafen Ausbau- und Reparaturarbeiten an den Rollbahnen unter unmenschlichen Bedingungen verrichten. Etwa 50 Frauen überlebten die viermonatige Lagerzeit nicht. Von den restlichen Frauen überlebten nur etwa 300 die weitere Deportation und das Dritte Reich. Dieser Teil der Walldorfer Geschichte wurde erst 1972 von drei Jugendlichen wiederentdeckt und 2003 in dem Film Rollbahn (2003)[1][2] verarbeitet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Währungsreform 1948 wuchs Walldorf zunächst durch Aufnahme von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen und später durch die stürmische wirtschaftliche Entwicklung des Rhein-Main-Gebietes. Für die ständig wachsende Bevölkerung mussten neue Wohngebiete und Gewerbegebiete erschlossen und die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur ausgebaut werden. [3]

Der Gemeinde Walldorf wurde am 24. Juli 1962 durch die Hessische Landesregierung das Recht zur Führung der Bezeichnung Stadt verliehen.[4]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden die Städte Walldorf und Mörfelden im Jahr 1977 zur Stadt Waldfelden zusammengeschlossen. Ein Jahr später erfolgte auf Antrag der neu gegründeten Stadt die Umbenennung in Mörfelden-Walldorf.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Walldorf: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
583
1840
  
562
1846
  
588
1852
  
649
1858
  
775
1864
  
745
1871
  
831
1875
  
914
1885
  
1.084
1895
  
1.327
1905
  
1.904
1910
  
2.443
1925
  
3.066
1939
  
4.447
1946
  
5.392
1950
  
6.211
1956
  
8.158
1961
  
9.731
1967
  
11.674
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Die Einwohnerzahl von Walldorf stieg im 19. Jahrhundert bis 1875 langsam aber stetig an von 583 im Jahr 1834 auf 1327 im Jahr 1895. Vor dem Zweiten Weltkrieg 1939 lag die Zahl bei 4447 und 1946 bei 5392.[5] In den 1950er Jahren begann ein starker Anstieg. 1961 hatte Walldorf mit 9731 Einwohnern Mörfelden überholt. Der weitere Zuwachs war ebenso explosionsartig auf 14393 am 31. März 1972,[6] das sind rund 4500 Einwohner in zehn Jahren.

Wappen[Bearbeiten]

Am 25. Februar 1966 wurde der Stadt Walldorf im Kreis Groß-Gerau genehmigt, das bisherige Wappen zu ändern. Die Blasonierung lautet seitdem: In Rot ein silberner Eichenzweig mit drei silbernen Eicheln, belegt mit zwei schräggekreuzten goldenen Dreschflegeln.[7]

Bedeutung: Die Farben Rot und Silber greifen die Farben der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und des Großherzogtums Hessen als der ursprünglichen Landesherrschaft auf. Der Eichenzweig mit den drei Eicheln verweist auf die Lage in dem historischen Wildbann Dreieich.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 44 von Frankfurt am Main über Groß-Gerau nach Mannheim führt östlich an Walldorf vorbei. Über sie besteht bei Zeppelinheim eine Anschlussststelle an die Bundesautobahn 5. Die Kreisstraße K 152 verbindet als Okrifteler Straße Walldorf nach Nordwesten mit Kelsterbach und vereinigt sich streckenweise mit der K 823, die als Ringstraße um den Flughafen Frankfurt am Main vom Frachtzentrum Süd unter der Startbahn West hindurch zum Frachtzentrum Nord, zum Terminal 1 und zum Terminal 2 führt.

Die Riedbahn von Frankfurt nach Mannheim ist einerseits für den Hochgeschwindigkeitsverkehr bis 200 km/h ausgebaut, andererseits ist der Bahnhof Walldorf (Hessen) Station für den Regionalverkehrszug RE 70 und für die S-Bahn-Linie 7 der S-Bahn Rhein-Main. Nach Frankfurt (Main) Hbf beträgt die Fahrzeit etwa 15 Minuten. Ferner gibt es Buslinien zum Flughafen Frankfurt am Main Terminal 1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Film Rollbahn, gg-online (Abgerufen im November 2012)
  2. Film Rollbahn, Basis-Film Verleih GmbH, Berlin (Abgerufen im Nov. 2012)
  3. Stadt Mörfelden-Walldorf: Stadtgeschichte
  4. Erlass des Hessischen Ministers des Innern zur Stadterhebung vom 29. August 1962 (StAnz. S. 1234) Seite 2 der tif-Datei 3,41 MB
  5. „Walldorf, Landkreis Groß-Gerau“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 23. Juli 2012.
  6. Maßgebliche Einwohnerzahlen für die Kommunalwahl 1972, Stand: 31. März 1972 Mörfelden: siehe Seite 17 der tif-Datei 5,83 MB
  7. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 25. Februar 1966 (StAnz. S. 363) Seite 3 der tif-Datei 2,97 MB