Wallerfangen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wallerfangen
Wallerfangen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wallerfangen hervorgehoben
49.3288888888896.7175182Koordinaten: 49° 20′ N, 6° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Saarland
Landkreis: Saarlouis
Höhe: 182 m ü. NHN
Fläche: 42,17 km²
Einwohner: 9370 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 222 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 66794–66798
Vorwahlen: 06831, 06837
Kfz-Kennzeichen: SLS
Gemeindeschlüssel: 10 0 44 121
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Fabrikplatz
66798 Wallerfangen
Webpräsenz: www.wallerfangen.de
Bürgermeister: Günter Zahn (SPD)
Lage der Gemeinde Wallerfangen im Landkreis Saarlouis
Frankreich Frankreich Regionalverband Saarbrücken Landkreis Neunkirchen Landkreis St. Wendel Landkreis Merzig-Wadern Rehlingen-Siersburg Wallerfangen Überherrn Dillingen/Saar Saarlouis Wadgassen Bous (Saar) Ensdorf (Saar) Schwalbach (Saar) Saarwellingen Nalbach Schmelz (Saar) LebachKarte
Über dieses Bild
Ortsausgang Wallerfangen in Richtung Dillingen um 1940
Im Jahre 2013 wiederentdeckter Plan von 1679 zeigt den Zustand vor den Veränderungen im Zuge der Errichtung der Festung Saarlouis

Wallerfangen (französisch Vaudrevange) ist eine Gemeinde im Landkreis Saarlouis – rund 25 km nordwestlich von Saarbrücken gelegen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Während der Hauptort Wallerfangen auf einer Flussterrasse links der Saar liegt, liegen die übrigen Ortsteile allesamt oben auf dem Gau (Saargau). Im Westen grenzt die Gemeinde an Frankreich. Der Ortsteil Leidingen ist politisch zweigeteilt; mitten durch das Dorf läuft die deutsch-französische Grenze.

Nachbarkommunen[Bearbeiten]

Die Gemeinde hat folgende deutsche Nachbarkommunen: Im Uhrzeigersinn sind das die Gemeinde Rehlingen-Siersburg, die Stadt Dillingen/Saar, die Stadt Saarlouis und die Gemeinde Überherrn. Auf französischer Seite sind es die Gemeinden: Villing, Vœlfling-lès-Bouzonville, Heining-lès-Bouzonville und Guerstling.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Bedersdorf, Düren, Gisingen, Ihn, Ittersdorf, Kerlingen, Leidingen, Oberlimberg, Rammelfangen, St. Barbara, Wallerfangen.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor- und Frühgeschichte

Reiche Bronzedepots der späten Urnenfelderzeit (9. Jh. v. Chr.), eine mehrfach gestaffelte Abschnittsbefestigung der Hallstattzeit (8.-6. Jh. v. Chr) auf dem Limberg und ein Gräberfeld mit einem durch goldene Hals- und Armringe ausgezeichneten „Fürstinnengrab“ der spätesten Hallstattzeit (um 500 v. Chr.) belegen eine Zentrumsfunktion des Wallerfanger Raumes in vor- und frühgeschichtlicher Zeit.

Gallo-römische Epoche

In römischer Zeit wurde mit Gründung des Vicus Contiomagus der Zentralort auf die rechte Saarseite verlegt, doch blieb Wallerfangen als Industriestandort bedeutend. Im Ortsteil St. Barbara ist römischer Bergbau auf Azurit und Malachit im Emilianus-Stollen aus dem 2.-3. Jh. n. Chr. nachgewiesen.

Mittelalter

Fränkische Gräber der jüngeren Merowingerzeit (frühes 7. Jh. n. Chr.) im Ortsteil Rammelfangen belegen den Beginn germanischer Besiedlung im frühen Mittelalter.

Die urkundliche Überlieferung setzt im 10. Jh. n. Chr. ein. Wallerfangen besaß als Grafensitz der Grafschaft Wallerfangen (962 comitatus Walderfinga) zentralörtliche Funktion. Im ausgehenden Mittelalter besaß Wallerfangen Stadtrecht und war unter dem Namen „Walderfingen“ Hauptstadt der Ballei Deutsch-Lothringen, einer Verwaltungsuntergliederung des Herzogtums Lothringen. Daneben wurde der französische Name Vaudrevange gebraucht.

17. Jahrhundert

Nach der Gründung der Stadt Saarlouis (1680) wurden die Einwohner von Wallerfangen 1687/88 zwangsweise in die neue Stadt umgesiedelt. Im Zuge dessen wurden auch die meisten Gebäude abgetragen, um Baumaterial zu gewinnen. Wallerfangen entwickelte sich zu einer aus wenigen Einzelgehöften bestehenden Siedlung zurück.

18./19. Jahrhundert

In Wallerfangen wurde der Farbstoff für das Wallerfanger Blau, eine „Alternative“ zum Berliner Blau, abgebaut. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstand in Wallerfangen eine Steingutfabrik (gegründet von Nicolas Villeroy), die sich später zu den Keramischen Werken von Villeroy und Boch entwickelte. Die Fabrik verschaffte dem Ort einen neuen Aufschwung. In und bei Wallerfangen entstanden mehrere Schlösser.

Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren rund 10 % der Einwohner Wallerfangens vermisst oder gefallen; ihr Verbleib ist heute mehrheitlich geklärt.[2]

Volksabstimmung zum Saarstatut 1955

Am 23. Oktober 1954 war zwischen dem deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem französischen Ministerpräsidenten Pierre Mendès-France das Abkommen zwischen den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik über das Statut der Saar ausgehandelt worden. Bis zum Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland sah das Abkommen die Unterstellung des Saarlandes unter einen Kommissar der Westeuropäischen Union vor. Dieser sollte das Land nach außen vertreten. Die saarländische Regierung sollte jedoch weiter für die inneren Angelegenheiten zuständig und die wirtschaftliche Anbindung an Frankreich erhalten bleiben. Allerdings war auch eine engere wirtschaftliche Vernetzung mit der Bundesrepublik vorgesehen.

Bei der Volksabstimmung zum Abkommen am 23. Oktober 1955 über das europäisches Statut des Saarlandes stimmte Wallerfangen folgendermaßen ab:

  • Wallerfangen: 1012 Wahlberechtigte stimmten mit Ja; 1917 Wahlberechtigte stimmten mit Nein.
  • Bedersdorf: 49 Wahlberechtigte stimmten mit Ja; 55 Wahlberechtigte stimmten mit Nein.
  • Düren: 41 Wahlberechtigte stimmten mit Ja; 93 Wahlberechtigte stimmten mit Nein.
  • Gisingen: 97 Wahlberechtigte stimmten mit Ja; 225 Wahlberechtigte stimmten mit Nein.
  • Ihn: 116 Wahlberechtigte stimmten mit Ja; 130 Wahlberechtigte stimmten mit Nein.
  • Ittersdorf: 211 Wahlberechtigte stimmten mit Ja; 239 Wahlberechtigte stimmten mit Nein.
  • Kerlingen: 81 Wahlberechtigte stimmten mit Ja; 174 Wahlberechtigte stimmten mit Nein.
  • Leidingen: 48 Wahlberechtigte stimmten mit Ja; 64 Wahlberechtigte stimmten mit Nein.
  • Rammelfangen: 36 Wahlberechtigte stimmten mit Ja; 76 Wahlberechtigte stimmten mit Nein.
  • St. Barbara: 58 Wahlberechtigte stimmten mit Ja; 324 Wahlberechtigte stimmten mit Nein.

(Der saarländische Landesdurchschnitt der Nein-Sager lag bei 67,7 %.) Durch die darauf folgenden Verhandlungen und den Luxemburger Vertrag vom 27. Oktober 1956, in dem Frankreich der Rückgliederung des Saarlandes unter westdeutsche Hoheit zustimmte, wurde die Gemeinde Wallerfangen zum 1. Januar 1957 politisch und am 6. Juli 1959 („Tag X“) wirtschaftlich der Bundesrepublik Deutschland angeschlossen.[3]


Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1974 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Bedersdorf, Düren, Gisingen, Ihn, Ittersdorf, Kerlingen, Leidingen, Rammelfangen und Sankt Barbara eingegliedert.[4]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Wallerfanger Rathaus

Der Gemeinderat mit 27 Sitzen setzt sich nach der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 wie folgt zusammen:

  40,9 %  (+6,0)   12 Sitze  (+2)
  35,9 %  (+3,0)   10 Sitze  ( +1)
  7,4 %  (-6,8)   2 Sitze  (-2)
  7,0 %  (+1,4)   2 Sitze  (+1)
  5,6 %  (+0,7)   1 Sitz  (+/-0)

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1816–1816: Peter Wagner
  • 1816–1820: Franz von Lasalle
  • 1820–1833: Philipp Bertrand
  • 1833–1841: August Winter
  • 1841–1851: Matthias Mungen
  • 1851–1889: Adolf von Galhau
  • 1889–1909: René von Boch-Galhau
  • 1909–1917: Freiherr von Korff
  • 1917–1920: Neß (Vertreter)
  • 1920–1924: Emanuel Villeroy de Galhau
  • 1925–1935: Peter Jacob
  • 1936–1939: Erich Spengler
  • 1939–1943: Norbert Engel
  • 1946–1949: Nikolaus Adler
  • 1949–1956: Jakob Bruß
  • 1956–1964: Albert Baldauf (CDU)
  • 1964–1969: Walter Büschel (SPD)
  • 1969–1973: Erwin Müller (CDU)
  • 1974–1977: Rudolf Klein (CDU)
  • 1977–1994: Walter Hettinger (CDU)
  • 1994–2010: Wolfgang Wiltz (CDU)
  • ab 2010: Günter Zahn (SPD)

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

In Blau ein silbernes Mühleisen, begleitet oben von einem goldenen Doppelkreuz mit verkürztem oberen Querbalken, unten von einem sechsstrahligen goldenen Stern.“ Die Wappensymbole sind bereits in einem als „Stadtsiegel“ bezeichneten Abdruck von 1614 enthalten und verweisen wahrscheinlich auf die früheren vier Mühlen im Ort (Mühleisen), den Sitz der deutschen Ballei des Herzogtums Lothringen im Ort (Kreuz) und einen früheren Gerichtssitz (Stern). [5]

Durch das Wappenverbot während der französischen Verwaltung (1793–1815) dürfte das Wappen untergegangen sein. Seit 1954 wird es mit Erlaubnis des saarländischen Innenministers wieder geführt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Letztes verbliebenes Synagogengebäude aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg im Saarland, heute Neuapostolische Kirche. Kleiner Rechteckbau mit Satteldach, vier rundbogige Fenster, in der Schmalseite ein Rundfenster. Erbaut 1893.
  • Emilianusstollen: Wie die Pützlöcher bei Butzweiler in der Nähe von Trier eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse römischen Bergbaues nördlich der Alpen. Wiederbelebt durch den mittelalterlichen Azurbergbau zum Zwecke der Gewinnung der Malerfarbe „Azurblau“ (Wallerfanger Blau), mit der auch Albrecht Dürer gemalt hat.

Ortsansichten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Das Heimatmuseum Wallerfangen wurde im Jahre 1983 gegründet.
  • Im Ortsteil Gisingen hat der Landkreis Saarlouis ein für den ehemals lothringischen Teil des Saarlandes typisches Lothringer Bauernhaus restauriert und ein Bauernmuseum eingerichtet. Das „Haus Saargau“ genannte Anwesen ist zu einem kulturellen und touristischen Zentrum des Saargaus geworden. Sehenswert ist auch der sehr schöne Bauerngarten.
  • Zu den historisch wichtigen Bauwerken zählt die ehemalige Synagoge Wallerfangen in der Gartenstraße 2, Ecke Saarstraße. Es ist dies der einzig nach dem Krieg erhaltene und nicht profanierte Synagogenbau des Saarlandes und wird heute als Gotteshaus der Neuapostolischen Kirche genutzt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wird für kulturelle Veranstaltungen im angepassten Rahmen für Konzerte, Vorträge und insbesondere dem Christlich - Jüdischen Dialog Saarlouis gerne genutzt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Jedes Jahr am ersten Sonntag im Juli führt der Keramikflohmarkt des Vereins für Heimatforschung Wallerfangen e.V. Sammler und Aussteller aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz zusammen.
  • Besonders bekannt und beliebt ist der alljährlich am 2. Adventswochenende stattfindende Christkindlmarkt auf der Adolphshöhe am alten Rathaus (jetzige Grundschule).
  • Die Partei Die Linke richtet ihren politischen Aschermittwoch jährlich u. a. in Wallerfangen aus.

Bildung[Bearbeiten]

  • Staatliche Förderschule soziale Entwicklung Wallerfangen
  • Erweiterte Realschule Wallerfangen

Kirchen[Bearbeiten]

Katholische Kirchen existieren in folgenden Ortsteilen:[6]

Andere christliche Konfessionen:

  • Neuapostolische Kirche Wallerfangen in der Alten Synagoge

Krankenhäuser und Seniorenheime[Bearbeiten]

  • St. Nikolaus Hospital (Fachklinik für Geriatrie und Psychiatrie)
  • Sophienstiftung Wallerfangen (St. Nikolaus-Hospital, Kinderheim, Altersheim)
  • Haus Christophorus Wallerfangen

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Töchter und Söhne der Gemeinde[Bearbeiten]

Sonstige[Bearbeiten]

  • Charles-Nicolas Peaucellier, der Erfinder des Inversors wurde 1929 von der Dillinger Defrance-Gruft nach Wallerfangen umgebettet.
  • Franz von Papen, (* 29. Oktober 1879 in Werl; † 2. Mai 1969 in Obersasbach), deutscher Politiker (Zentrumspartei), 1932 Reichskanzler, 1933 Vizekanzler unter Hitler, 1934–1938 Botschafter in Österreich, 1939–1944 in der Türkei. Durch Eheschließung mit Martha von Boch-Galhau seit 1905 in Wallerfangen begütert, seit 1930 dort ansässig (Hofgut von Papen). Sein Grab befindet sich auf dem Wallerfanger Friedhof.
  • Oskar Lafontaine wohnte bis 30. März 2012 in Wallerfangen-Oberlimberg.
  • Der Schriftsteller Alfred Gulden lebt in Wallerfangen und München.

Literatur[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
  • Rainer Glatigny: Zur Erinnerung an die Toten – den Lebenden zur Mahnung: Die Gefallenen von Wallerfangen im Zweiten Weltkrieg 1939-1945. 2010.
  • Theodor Liebertz: Wallerfangen und seine Geschichte. 1953.
  • Theodor Liebertz: Wallerfangen. Eine Chronik des Ortes von der Frühzeit bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf 373 Seiten und eine Karte. 1953.
  • Markus Battard: Wallerfangen - Eine Zeitreise in Bildern. (Bildband mit 220 Seiten, über 300 Fotos der letzten 150 Jahre).
  • Wolfgang Adler, Gerd WeisgerberWallerfangen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 33, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2006, ISBN 978-3-11-018388-7, S. 143–149.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wallerfangen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Saarland.de – Fläche und Bevölkerung – Stand: 31.12.2012 (Basis Zensus 2011) (PDF; 0,02 MB) (Hilfe dazu)
  2. Würdigung und zugleich Mahnung Saarbrücker Zeitung vom 26. November 2009 (Abgerufen am 8. März 2011)
  3. Gerhard Franz: Der Sieg der Neinsager, 50 Jahre nach der Abstimmung über das Saarstatut, Blieskastel 2005, S. 181.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 808.
  5. Hermann Lehne; Horst Kohler: Wappen des Saarlandes (Saarbrücken 1981; ISBN 3-922807-06-2), S. 166.
  6. http://www.wallerfangen-typo3.de/startseite/kirche/