Wallerfangen
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Saarland | |
| Landkreis: | Saarlouis | |
| Höhe: | 182 m ü. NN | |
| Fläche: | 42,17 km² | |
| Einwohner: |
9430 (31. Dez. 2011)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 224 Einwohner je km² | |
| Postleitzahlen: | 66794–66798 | |
| Vorwahlen: | 06831, 06837 | |
| Kfz-Kennzeichen: | SLS | |
| Gemeindeschlüssel: | 10 0 44 121 | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Fabrikplatz 66798 Wallerfangen |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Günter Zahn (SPD) | |
| Lage der Gemeinde Wallerfangen im Landkreis Saarlouis | ||
Wallerfangen (französisch Vaudrevange) ist eine Gemeinde im Landkreis Saarlouis – rund 25 km nordwestlich von Saarbrücken gelegen.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie [Bearbeiten]
Geografische Lage [Bearbeiten]
Während der Hauptort Wallerfangen auf einer Flussterrasse links der Saar liegt, liegen die übrigen Ortsteile allesamt oben auf dem Gau (Saargau). Im Westen grenzt die Gemeinde an Frankreich. Der Ortsteil Leidingen ist politisch zweigeteilt; mitten durch das Dorf läuft die deutsch-französische Grenze.
Gemeindegliederung [Bearbeiten]
- 1974: Bedersdorf, Düren, Gisingen, Ihn, Ittersdorf, Kerlingen, Leidingen, Oberlimberg, Rammelfangen, St. Barbara, Wallerfangen.
Geschichte [Bearbeiten]
Reiche Bronzedepots der späten Urnenfelderzeit (9. Jh. v. Chr.), eine mehrfach gestaffelte Abschnittsbefestigung der Hallstattzeit (8.-6. Jh. v. Chr) auf dem Limberg und ein Gräberfeld mit einem durch goldene Hals- und Armringe ausgezeichneten „Fürstinnengrab“ der spätesten Hallstattzeit (um 500 v. Chr.) belegen eine Zentrumsfunktion des Wallerfanger Raumes in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In römischer Zeit wurde mit Gründung des Vicus Contiomagus der Zentralort auf die rechte Saarseite verlegt, doch blieb Wallerfangen als Industriestandort bedeutend. Im Ortsteil St. Barbara ist römischer Bergbau auf Azurit und Malachit im Emilianus-Stollen aus dem 2.-3. Jh. n. Chr. nachgewiesen. Fränkische Gräber der jüngeren Merowingerzeit (frühes 7. Jh. n. Chr.) im Ortsteil Rammelfangen belegen den Beginn germanischer Besiedlung im frühen Mittelalter.
Die urkundliche Überlieferung setzt im 10. Jh. n. Chr. ein. Wallerfangen besaß als Grafensitz der Grafschaft Wallerfangen (962 comitatus Walderfinga) zentralörtliche Funktion. Im ausgehenden Mittelalter besaß Wallerfangen Stadtrecht und war unter dem Namen „Walderfingen“ Hauptstadt der Ballei Deutsch-Lothringen, einer Verwaltungsuntergliederung des Herzogtums Lothringen. Daneben wurde der französische Name Vaudrevange gebraucht.
Nach der Gründung der Stadt Saarlouis (1680) wurden die Einwohner von Wallerfangen 1687/88 zwangsweise in die neue Stadt umgesiedelt. Im Zuge dessen wurden auch die meisten Gebäude abgetragen, um Baumaterial zu gewinnen. Wallerfangen entwickelte sich zu einer aus wenigen Einzelgehöften bestehenden Siedlung zurück.
In Wallerfangen wurde der Farbstoff für das Wallerfanger Blau, eine „Alternative“ zum Berliner Blau, abgebaut. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstand in Wallerfangen eine Steingutfabrik (gegründet von Nicolas Villeroy), die sich später zu den Keramischen Werken von Villeroy und Boch entwickelte. Die Fabrik verschaffte dem Ort einen neuen Aufschwung. In und bei Wallerfangen entstanden mehrere Schlösser.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren rund 10 % der Einwohner Wallerfangens vermisst oder gefallen; ihr Verbleib ist heute mehrheitlich geklärt.[2]
Wappen [Bearbeiten]
- „In Blau ein silbernes Mühleisen, begleitet oben von einem goldenen Doppelkreuz mit verkürztem oberen Querbalken, unten von einem sechsstrahligen goldenen Stern.“ Die Wappensymbole sind bereits in einem als „Stadtsiegel“ bezeichneten Abdruck von 1614 enthalten und verweisen wahrscheinlich auf die früheren vier Mühlen im Ort (Mühleisen), den Sitz der deutschen Ballei des Herzogtums Lothringen im Ort (Kreuz) und einen früheren Gerichtssitz (Stern). [3]
Durch das Wappenverbot während der französischen Verwaltung (1793-1815) dürfte das Wappen untergegangen sein. Seit 1954 wird es mit Erlaubnis des saarländischen Innenministers wieder geführt.
Politik [Bearbeiten]
Gemeinderat [Bearbeiten]
Der Gemeinderat mit 27 Sitzen setzt sich nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 wie folgt zusammen:
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34,9 % | (-6,0) | 10 Sitze | (-2) |
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32,9 % | (-6,2) | 9 Sitze | ( -2) |
| 14,2 % | (neu) | 4 Sitze | (+4) | |
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7,6 % | (-0,5) | 2 Sitze | (=) |
| 5,6 % | (-3,1) | 1 Sitz | (-1) | |
| 4,8 % | (+1,6) | 1 Sitz | (+1) |
Bürgermeister [Bearbeiten]
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Städtepartnerschaft [Bearbeiten]
- Saint-Vallier im Departement Saône-et-Loire in Frankreich, seit 1992
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Wallerfangen
- Letztes verbliebenes Synagogengebäude aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg im Saarland, heute Neuapostolische Kirche. Kleiner Rechteckbau mit Satteldach, vier rundbogige Fenster, in der Schmalseite ein Rundfenster. Erbaut 1893.
- Emilianusstollen: Wie die Pützlöcher bei Butzweiler in der Nähe von Trier eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse römischen Bergbaues nördlich der Alpen. Wiederbelebt durch den mittelalterlichen Azurbergbau zum Zwecke der Gewinnung der Malerfarbe „Azurblau“ (Wallerfanger Blau), mit der auch Albrecht Dürer gemalt hat.
Ortsansichten [Bearbeiten]
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Alte Synagoge (heute NAK)
Museen [Bearbeiten]
- Das Heimatmuseum Wallerfangen wurde im Jahre 1983 gegründet.
- Im Ortsteil Gisingen hat der Landkreis Saarlouis ein für den ehemals lothringischen Teil des Saarlandes typisches Lothringer Bauernhaus restauriert und ein Bauernmuseum eingerichtet. Das „Haus Saargau“ genannte Anwesen ist zu einem kulturellen und touristischen Zentrum des Saargaus geworden. Sehenswert ist auch der sehr schöne Bauerngarten.
- Zu den historisch wichtigen Bauwerken zählt die ehemalige Synagoge Wallerfangen in der Gartenstraße 2, Ecke Saarstraße. Es ist dies der einzig nach dem Krieg erhaltene und nicht profanierte Synagogenbau des Saarlandes und wird heute als Gotteshaus der Neuapostolischen Kirche genutzt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wird für kulturelle Veranstaltungen im angepassten Rahmen für Konzerte, Vorträge und insbesondere dem Christlich - Jüdischen Dialog Saarlouis gerne genutzt.
Regelmäßige Veranstaltungen [Bearbeiten]
- Jedes Jahr am ersten Sonntag im Juli führt der Keramikflohmarkt des Vereins für Heimatforschung Wallerfangen e.V. Sammler und Aussteller aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz zusammen.
- Besonders bekannt und beliebt ist der alljährlich am 2. Adventswochenende stattfindende Christkindlmarkt auf der Adolphshöhe am alten Rathaus (jetzige Grundschule).
- Die Partei Die Linke richtet ihren politischen Aschermittwoch jährlich u. a. in Wallerfangen aus.
Bildung [Bearbeiten]
- Staatliche Förderschule soziale Entwicklung Wallerfangen
- Erweiterte Realschule Wallerfangen
Krankenhäuser, Seniorenheime, Kirchen [Bearbeiten]
- St. Nikolaus Hospital (Fachklinik für Geriatrie und Psychiatrie)
- Sophienstiftung Wallerfangen (St. Nikolaus-Hospital, Kinderheim, Altersheim)
- Katholische Kirchen in den meisten Ortsteilen, teils kulturhistorisch bedeutend (St. Hubertus im Ortsteil Ihn)
- Neuapostolische Kirche Wallerfangen in der Alten Synagoge
- Haus Christopherus Wallerfangen
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Töchter und Söhne der Gemeinde [Bearbeiten]
- Hermann Mathias Görgen (* 23. Dezember 1908; † 3. Mai 1994), deutscher Politiker (CVP, CSU), MdB
- Johann Klein (* 9. Januar 1902 im Ortsteil Ittersdorf; † 25. Mai 1976), deutscher Gewerkschafter und Politiker (CVP, CDU), MdB
- Franz-Josef Reichert (* 21. Mai 1934; † 15. April 2012), saarländischer Kunsthistoriker, Journalist und Programmdirektor Hörfunk des Saarländischen Rundfunks
- Carl Zenner (* 11. Juni 1899 im Ortsteil Oberlimberg; † 16. Juni 1969), Politiker (NSDAP) und SS-Brigadeführer, MdR
- Anna Zillken (*17. Juli 1898; † 12. Februar 1966), deutsche Schuldirektorin und Autorin
- Elisabeth Zillken (* 8. Juli 1888; † 28. November 1980), deutsche Politikerin (Zentrum), MdR, MdL
- Nora Scheitgen (*1890), deutsche Schuldirektorin und Autorin
Sonstige [Bearbeiten]
- Charles-Nicolas Peaucellier, der Erfinder des Inversors wurde 1929 von der Dillinger Defrance-Gruft nach Wallerfangen umgebettet.
- Franz von Papen, (* 29. Oktober 1879 in Werl; † 2. Mai 1969 in Obersasbach), deutscher Politiker (Zentrumspartei), 1932 Reichskanzler, 1933 Vizekanzler unter Hitler, 1934–1938 Botschafter in Österreich, 1939–1944 in der Türkei. Durch Eheschließung mit Martha von Boch-Galhau seit 1905 in Wallerfangen begütert, seit 1930 dort ansässig (Hofgut von Papen). Sein Grab befindet sich auf dem Wallerfanger Friedhof.
- Oskar Lafontaine wohnte bis 30. März 2012 in Wallerfangen/Oberlimberg.
Literatur [Bearbeiten]
- Glatigny, Rainer (2010): Zur Erinnerung an die Toten – den Lebenden zur Mahnung: Die Gefallenen von Wallerfangen im Zweiten Weltkrieg 1939-1945.
- Liebertz, Theodor (o.J. [1953]): Wallerfangen und seine Geschichte, o.O. [Wallerfangen] (Eine Chronik des Ortes von der Frühzeit bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf 373 Seiten und einer Karte.)
- Battard, Markus (2012): Wallerfangen - Eine Zeitreise in Bildern (Bildband mit 220 Seiten, über 300 Fotos der letzten 150 Jahre. Das Buch beschreibt den Wandel des Ortes Wallerfangen. Themengebiete: Geschichtliche Entwicklung, Gesamtansichten, Personen, Kirche, Sophienstiftung, Kleinbahn, Bauwerke, Heimatmuseum/Verein für Heimatforschung, Straßen/Plätze, Vereine/Hilfsdienste, Kultur, Brauchtum, 1000-Jahr-Feier, Wirtschaft, Steingutfabrik)
Weblinks [Bearbeiten]
- Webseite der Gemeinde Wallerfangen
- Literatur über Wallerfangen in der Saarländischen Bibliographie
- Verein für Heimatforschung Wallerfangen und Heimatmuseum
- Arbeitsgemeinschaft „Alemannia Judaica“: Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Wallerfangen
- Links zum Thema Wallerfangen im Open Directory Project
Belege [Bearbeiten]
- ↑ Saarland.de – Fläche, Bevölkerung in den Gemeinden am 31.12.2011 nach Geschlecht, Einwohner je km² und Anteil an der Gesamtbevölkerung (PDF) (Hilfe dazu)
- ↑ Würdigung und zugleich Mahnung Saarbrücker Zeitung vom 26. November 2009 (Abgerufen am 8. März 2011)
- ↑ Hermann Lehne; Horst Kohler: Wappen des Saarlandes (Saarbrücken 1981; ISBN 3-922807-06-2), S. 166.
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