Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt (Ludwigshafen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fassade der Wallfahrtskirche
Wallfahrtskirche, Seitenansicht
Das Oggersheimer Gnadenbild (Schwarze Madonna mit Kind)
Die vom Kirchenraum überbaute Loretokapelle.
Votivbild für Kurfürst Carl Theodor
Das Innere der Loretokapelle, im Hintergrund das Gnadenbild
Loretokapelle innen, die Wände sind dem Gemäuer des Hl. Hauses von Loreto nachempfunden

Die Schloss- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim (Bundesland Rheinland-Pfalz) ist ein katholisches Gotteshaus im frühklassizistischen Stil, das auch noch barocke Elemente aufweist. Es wurde über einer älteren Loretokapelle errichtet, die dabei vollständig erhalten blieb.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünge der Loretowallfahrt[Bearbeiten]

Die Loretowallfahrt basiert auf der Verehrung der Heiligen Familie, deren Haus, die Casa sancta, der Legende nach aus Nazareth floh, als 1263 das Heilige Land an den Islam fiel. Im Jahre 1554 propagierten die Jesuiten in Loreto (Mittelitalien) den Kult des Heiligen Hauses, das mit der Loretokapelle gleichgesetzt wurde. Daraufhin entstanden in vielen Ländern Nachbildungen der Loretokapelle mit eigenen Wallfahrten.

Errichtung der Loretokapelle in Oggersheim[Bearbeiten]

In Oggersheim hatte Pfalzgraf und Erbprinz Joseph Karl von Pfalz-Sulzbach aus einer Nebenlinie der Wittelsbacher (1694-1729) ab 1720 ein Lustschloss mit Parkanlage erbauen lassen. In diesem Park ließ er 1729 auch eine barocke Loretokapelle errichten, da die Marienverehrung im Haus Wittelsbach traditionell einen hohen Stellenwert besaß. Das Gebäude, dessen Grundsteinlegung er eigenhändig durchführte, war eine genaue Nachahmung der Originalkapelle im italienischen Loreto, wo er auch eine Kopie des dortigen Gnadenbildes, einer Schwarzen Madonna, bestellte. Diese wurde eine Nacht lang bei dem ursprünglichen Gnadenbild aufbewahrt und mit diesem in Berührung gebracht. Sogar die architektonischen Unregelmäßigkeiten des Vorbildes wurden in Oggersheim übernommen. Darüber hinaus versuchte Joseph Karl von Papst Benedikt XIII. verschiedene Ablassprivilegien und Reliquien zu erhalten. Der Pfalzgraf starb jedoch schon am 18. Juli 1729, bevor die Kapelle fertiggestellt werden konnte, und die Schlossanlage verwaiste.

Die Kapelle hingegen wurde weiterhin gefördert, da Kurfürst Karl III. Philipp die lauretanische Verehrung „zum allgemeinen Nutzen und Trost des Vaterlandes“ wieder aufzunehmen wünschte. Am 14. Oktober 1730 wurde der Einsiedler Johann Adam Hauer von ihm als Pfarrer an die Kapelle entsandt und sollte von behördlicher Seite unterstützt werden. Zeugnisse von dessen Tätigkeit in Oggersheim gibt es jedoch nicht, sodass nicht bekannt ist, ob er sein Amt jemals ausübte.

Jesuitische Betreuung der Kapelle[Bearbeiten]

Am 1. März 1733 wurde die Kapelle den Mannheimer Jesuiten zur Betreuung übergeben. Im kurfürstlichen Auftrag überführte man an Mariä Verkündigung (25. März) das vom Haus Wittelsbach gestiftete Gnadenbild in die Loretokapelle und erklärte die Madonna von Oggersheim zur Patronin der Kurpfalz. Damit war die Oggersheimer Wallfahrt eröffnet und erfreute sich bald breiter Beliebtheit bei der Bevölkerung. Kurfürst Karl III. Philipp gehörte zu ihren eifrigsten Förderern und zeichnete sie oft durch seine persönliche Anwesenheit aus.

Pater Matthäus Vogel S.J. aus Mannheim nahm sich der Pilgerstätte besonders an, verfasste 1741 darüber ein Büchlein und avancierte zum ersten Leiter der Wallfahrt. Von 1733 bis zu seinem Tod in Oggersheim am 2. November 1766 war er hier tätig. Aufgrund der fürstlichen Protektion und vieler Gebetserhörungen wurde die Loretokapelle immer bekannter und Ziel von Prozessionen aus der gesamten Umgebung. Durch zahlreiche Stiftungen sowie großzügige finanzielle Unterstützung von Pfalzgraf Friedrich Michael von Pfalz-Birkenfeld, Schwiegersohn des Erbauers der Oggersheimer Kapelle, konnten die Jesuiten in Oggersheim eine feste Niederlassung gründen, die am 15. Mai 1761 bezogen wurde. Aus diesem Anlass stiftete Kurfürst Karl Theodor 1760 eine Mission, die von Matthäus Vogel, zwei weiteren Mannheimer Jesuiten und einem Laienbruder besetzt wurde. In seinem Büchlein schrieb Vogel über die Intention der Gründung:

Das schöne Beispiel so vieler christlicher Länder ... die Begierde, Gott den Herrn in seiner hl. Mutter zu loben und die Ehre der wertesten Himmelskönigin in diesen Landen zu erweitern wie auch ihrer Fürbitte verschiedene Gnaden vom Himmel zu erhalten, hat Pfalzgraf Joseph Karl, Erbprinz des Herzogtums Sulzbach, bewogen, auch in kurpfälzischen Landen eine nach Form des hl. Hauses zu Loreto gestaltete Kapelle aufzurichten.

Kurfürstliche Förderung[Bearbeiten]

Gefördert wurde die Pilgerstätte auch durch das Vorbild der Kurfürstin Elisabeth Auguste. Sie besuchte regelmäßig die Kapelle, und ihr Gemahl Carl Theodor erließ all denen, die an Marienfesten zur Oggersheimer Kapelle zogen, den Brückenzoll über die Schiffbrücke von Mannheim. Die Wallfahrt nahm zu, als der schwerkranke Kurfürst im Jahr 1743 auf wunderbare Weise genas, nachdem die Kurfürstin in der Loretokapelle eine Novene hatte abhalten lassen. Aus Dank für die Heilung ließ der Fürst die Inneneinrichtung der Kapelle neu gestalten.

Auch vor der Geburt des erhofften Thronfolgers wandte sich das Paar an die Gottesmutter, doch starb das Kind 1761, nur einen Tag alt. Obwohl sich Kurfürst Carl Theodor in der Folgezeit von seiner Gemahlin abwandte, ließ sie bei einer erneuten Erkrankung ihres Ehemannes im Jahr 1774 eine Prozession nach Oggersheim abhalten.

1774 bis 1793 lebte Kurfürstin Elisabeth Augusta zumeist getrennt von ihrem Gatten, im Schloss Oggersheim gegenüber der Loretokapelle. Diese ließ sie (laut Inschrift über dem Hauptportal) 1775 von dem flämischen Architekten Peter Anton von Verschaffelt mit der heutigen Wallfahrtskirche überbauen, wobei die Kapelle vollständig erhalten blieb.

Nach der Aufhebung des Jesuitenordens[Bearbeiten]

1777 wurde die Kirche eingeweiht, nun aber durch Kapuziner-Patres versorgt, da der bisher hier tätige Jesuitenorden 1773 aufgehoben worden war. Am Jahresende 1793 floh die Kurfürstin vor den heranrückenden französischen Revolutionstruppen nach Weinheim, wo sie fortan im dortigen Schloss wohnte. 1798 vertrieb man auch die Kapuziner aus Oggersheim. Die Wallfahrtskirche ging in die Obhut der örtlichen Pfarrei über. König Ludwig I. von Bayern stellte das Ordensleben in Oggersheim wieder her, indem er dort 1844 aus privaten Mitteln ein Kloster der Franziskaner-Minoriten stiftete, das bis heute besteht und die Wallfahrt betreut.[1]

Friedrich Matthisson schreibt über seinen Besuch in Oggersheim:

Meine Abreise von Mannheim (1786) ward um acht volle Tage über den bestimmten Scheidepunkt hinausgerückt. Doch am Ende behauptete die Notwendigkeit ihr altes Despotenrecht, und so mußte gerade an dem Tage, wo der Theaterzettel Iffland als Franz Moor ankündigte, ein mürrischer Lohnkutscher mich im trägsten Leichenschritte nach Oggersheim fahren. – Die Kurfürstin war in der Tat sehr wohl beraten, da sie diesen heitern und reinlichen Ort zu ihrer gewöhnlichen Residenz wählte. Die Hofkapelle (Wallfahrtskirche) zu Oggersheim macht ihren Ruf, eins von den fehlerfreiesten Architekturwerken der Pfalz zu sein, alle nur mögliche Ehre. Mag der Kunstgeweihte das zierliche Gebäude mit vitruvischer Lampe beleuchten; mir Laien wurde dadurch das lebhafte Vergnügen zuteil, welches immer aus seiner Form und richtigem Verhältnis hervorgeht.

Gebäude und Einrichtung[Bearbeiten]

Kapelle[Bearbeiten]

Das Innere der Kapelle wurde durch ein Gitter zweigeteilt. Vor dem Gitter steht der Altar der Gnadenkapelle, der hintere, schmälere Raumteil ist für das Gnadenbild vorgesehen. Die Wände sind wie in allen Loretokapellen nach der Wandgliederung des ursprünglichen Heiligen Hauses gebildet.

Der Mannheimer Hofbildhauer Paul Egell entwarf nach 1740 die Nische mit dem Gnadenbild der Gottesmutter.

Kirche[Bearbeiten]

Der weite einschiffige Raum vollzieht den rechteckigen Grundriss der Loretokapelle nach und ist wie diese nach Südwesten gerichtet. Das Langhaus nimmt die Loretokapelle vollständig in sich auf. Deren nordöstliche Außenwand bildet gleichzeitig die Rückwand des Hochaltars der großen Wallfahrtskirche.

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel wurde von der Firma Mayer aus Heusweiler gefertigt und verfügt über die folgenden technischen Daten:

Winddruck: HW 70 mm WS; RP 60 mm WS; Ped 75 mm WS
Koppeln (elektromech.): RP/HW – HW/P – RP/P
Register: 24 mit 1761 Pfeifen und 3 Transmissionen
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: mechanisch und elektrisch; 16-fache elektrische Setzerkombination

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Josef Mörschell: Geschichte Oggersheims und des daselbst neu gegründeten Minoritenklosters. Selbstverlag, 1844, S. 35 (Scan aus der Quelle).
  • Karl Anton Kreuter: Festschrift zur 150-Jahrfeier der der Pfarr- und Wallfahrtskirche Oggersheim. Katholisches Pfarramt Oggersheim, 1925.
  • 200 Jahre Pfarr– und Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt, Ludwigshafen–Oggersheim. 3. geänd. Auflage. Pfarrgemeinderat Maria Himmelfahrt, Ludwigshafen–Oggersheim 1977.
  • August Gutzer: Oggersheim und die Jesuiten. Katalog zur Ausstellung im Schillerhaus. Heimatkundlicher Arbeitskreis Lu-Oggersheim, 1983.
  • Jürgen Kaiser: Ludwigshafen–Oggersheim, Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt. 2. neu bearb. Auflage, Schnell und Steiner, Regensburg 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webseite zur Stiftung des Minoritenklosters durch König Ludwig I. von Bayern

49.4900555555568.3770111111111Koordinaten: 49° 29′ 24″ N, 8° 22′ 37″ O