Wallfahrtskirche Maria Hilf (Amberg)

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Wallfahrtskirche Maria Hilf in Amberg
Andachtsbildchen, um 1880

Die Wallfahrtskirche Maria Hilf ist eine Wallfahrtskirche auf dem Mariahilfberg in Amberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Wallfahrt geht auf die Jahre 1633/34 zurück, als während des Dreißigjährigen Kriegs in Amberg die Pest wütete. In ihrer Not wandte sich die notleidende Bevölkerung der Stadt an die Gottesmutter Maria um Hilfe und gelobte, ihr zum Dank alljährlich Wallfahrten durchzuführen, wenn Rettung käme. Der Rektor des Jesuiten-Gymnasiums P. Caspar Hell stiftete ein Gnadenbild, eine Kopie des berühmten Gnadenbilds Mariahilf von Lucas Cranach dem Älteren, das sich im Innsbrucker Dom befindet. Es wurde auf dem 529 Meter hohen Berg (heute: Mariahilfberg) zunächst im Turm der alten Burg aufgehängt, der zu einer Kapelle hergerichtet wurde. 1641 errichtete man eine eigene Votivkapelle, die sich jedoch schon bald als zu klein für die sich entwickelnde Wallfahrt erwies.

Wallfahrtskirche[Bearbeiten]

1696 begann man mit dem Bau der heutigen barocken Wallfahrtskirche an der Stelle der abgegangenen Burg Amberg. Die Pläne stammten von Wolfgang Dientzenhofer, die Bauausführung wurde von Georg Peimbl geleitet. Die Stuckaturarbeiten und der Hochaltar stammen von Giovanni Battista Carlone, die Deckenfresken, die die Geschichte der Wallfahrt zeigen, von Cosmas Damian Asam. Der Bau war 1702 vollendet und wurde 1711 geweiht. 1726 wurde der Kirchturm gebaut, die Treppenanlage 1859. 1934 sowie 1976−81 fanden umfangreiche Renovierungen statt.

Die Wallfahrtskirche wird vom Franziskanerorden betreut. Es ist seine letzte Niederlassung in der Stadt, seit das frühere Franziskanerkloster 1804 in der Säkularisation aufgehoben wurde. Seit dem 1. September 2007 wird das Franziskanerkloster von fünf polnischen Franziskaner-Patres aus Krakau betrieben. [1] [2]

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Der Vorplatz der Kirche ist durch eine monumentale dreiseitige Treppenanlage aus 23 Granitstufen und einem Freialtar geprägt. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten ist die Kirche selbst nicht wie üblich geostet, sondern nach Nordwesten ausgerichtet.

Innenraum

Der Innenraum präsentiert sich als einschiffiger Rechteckbau mit einem stark eingezogenen zweijochigen Chor. Zwischen die Wandpfeiler sind Emporen eingezogen, die im unteren Bereich je drei Seitenkapellen entstehen lassen.

Der Deckenraum ist mit schweren plastischen Stuckarbeiten verziert, die die fünf großen und zahlreichen kleineren Fresko-Gemälde einschließen. Das Bildprogramm der Hauptfresken stellt die Geschichte der Wallfahrt dar. Die Motive sind vom Chor aus in Richtung Eingang:

  • Pest in Amberg 1634
  • Übertragung des Gnadenbildes in den Bergfried
  • Rettung des Gnadenbilldes während des Brandes 1646
  • Weihe der Wallfahrtskirche Mariahilf
  • Gläubige pilgern zum Mariahilfberg

In den 1703 aus Marmor und Stuck geschaffenen Hochaltar ist als Herzstück das Gnadenbild eingefasst. Die Bilder der Seiten- und Kapellenaltäre zeigen Szenen aus dem Neuen Testament und Heiligenlegenden. Bestimmend für den Raumeindruck sind ferner eine Reihe monumentaler Stuckfiguren von biblischen Gestalten, die von Paolo Allio 1717 geschaffen wurden.

Glocken[Bearbeiten]

Im Turm hängen sechs Glocken; zwei entstammen der Barockzeit. Jeden Donnerstagabend erklingt nach dem Angelus- bzw. Armeseelenläuten die große Glocke zum Gedächtnis an die Todesangst Christi. Das Vollgeläut erklingt nur an Hochfesten.[3][4]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
(HT-1/16)
1 Jubiläums- und Gefallenenglocke 1950 Johann Hahn, Landshut 1746 3200 a0 +4
2 Marien- und Johannes-Nepomuk-Glocke 1729 Gabriel Magnus Reinburg, Amberg 1560 1900 c1 +10
3 Angelusglocke 1746 Ferdinand Dietrich, Straubing 1268 1340 d1 +11
4 Antoniusglocke 1950 Johann Hahn, Landshut 1170 920 e1 +7
5 Josefsglocke 1971 Rudolf Perner, Passau 1025 607 g1 +10
6 Johannes-Capistran-Glocke 1971 Rudolf Perner, Passau 930 455 a1 +7

Wallfahrt heute[Bearbeiten]

Die Wallfahrtskirche ist noch heute Ziel vieler Wallfahrten, z. B. einer alljährlichen Dankprozession der Amberger Bevölkerung an einem Sonntag im Mai. Hauptfest ist jedoch die alljährliche Bergfestwoche um das Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli) herum, die mit ihrer Predigtreihe, aber auch mit weltlicheren Angeboten wie Bier und Bratwürsten, Tausende von Pilgern aus der Umgebung anzieht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heribert Batzl: Wallfahrtskirche Maria Hilf Amberg (= Kleiner Kunstführer. Nr. 36, ZDB-ID 51387-8). 8., völlig neubearbeitete Auflage. Schnell & Steiner, München 1987.
  • Hugo Schnell: Maria Hilf Amberg (= Kleiner Kunstführer. Nr. 36). 7. Auflage. Schnell und Steiner, München/ Zürich 1972.
  • Monika Soffner: Amberg – Wallfahrtskirche Mariahilf (= Peda-Kunstführer. Nr. 416). Kunstverlag Peda, Passau 1997, ISBN 3-89643-072-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wallfahrtskirche Maria Hilf in Amberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bergfest startet mit guter Nachricht. Jetzt offiziell: Wallfahrtsbetrieb geht nahtlos weiter - Polnische Franziskaner lösen bayerische ab. Amberger Zeitung vom 29. Juni 2007
  2. Amberger verabschiedeten „ihre“ Franziskaner aus dem Kloster. Mittelbayerische Zeitung vom 26. August 2007
  3. Daten zum Geläute inkl. Tonaufnahme des Vollgeläuts
  4. Videoaufnahme des Vollgeläuts (YouTube; 2. Juli 2009)

49.45297777777811.871102777778Koordinaten: 49° 27′ 11″ N, 11° 52′ 16″ O