Walpurgisnachtstraum
Der Walpurgisnachtstraum ist eine Szene aus Johann Wolfgang von Goethes Faust I.
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[Bearbeiten] Entstehung
Goethe schrieb den Walpurgisnachtstraum ursprünglich im Jahr 1797 für Friedrich Schillers Musen-Almanach für das Jahr 1798 als Fortsetzung der Xenien. Dieser jedoch lehnte den Vorschlag ab; und Goethe, der den Text inzwischen erweitert hatte, entschloss sich zur Aufnahme in den Faust I. Das Intermezzo wurde in Goethes dritter Arbeitsphase am Werk (1797 - 1803) angegliedert. Erst 1826 schrieb er noch die Verse 4335-4342.
Der Walpurgisnachtstraum fügt sich nicht vollständig homogen in das restliche Werk ein, sondern bildet einen einzelnen Rahmen innerhalb des Faust. Die Szene wird somit zu einem „Spiel im Spiel“. Dennoch lassen sich Bezüge zwischen den Hauptfiguren der Tragödie und denen des Intermezzos herausfinden.
[Bearbeiten] Form
Der Walpurgisnachtstraum ist in einfachen vierzeiligen Strophen verfasst, die je nach Sprecher mehr oder weniger flüssig erscheinen. Er besteht aus insgesamt 176 Versen aufgeteilt in 44 Epigramme. Herauszuheben ist auch der von Goethe bewusst gewollte Dilettantismus in diesem Zwischenspiel.
[Bearbeiten] Bedeutung
Mephistopheles merkt, dass sich Faust von ihm abwendet und die Faszination an seinen Verführungen, die ihn zuvor noch fesselten, zu Gunsten Gretchens verliert. Daher versucht er, ihn mit einer großen, bunten und phantastischen Inszenierung auf dem Hexenberg wieder neu zu begeistern. Währenddessen vollziehen sich dramatische Entwicklungen bei Gretchen. Sie ertränkt ihr Kind und wird in Folge dessen in den Kerker gesperrt.
[Bearbeiten] Theorien
Der Walpurgisnachtstraum ist eine ironische Paraphrase des „Sommernachtstraums“ von William Shakespeare. Die Figuren Titania, Oberon und Puck sind allesamt dem Sommernachtstraum entliehen. Ariel entstammt Shakespeares Der Sturm.
Goethe rechnet mit einigen Zeitgenossen ab, die er im Walpurgisnachtstraum verspottet. Der Traum ist also eine anspielungsreiche Satire auf Faust und Gretchen, die Oberon und Titania entsprechen, die Faustdichtung, Goethe/nord. Dichter, philosophische, literarische und politische Probleme und Personen.
Eine diesbezügliche Gliederung in vier Teile sähe wie folgt aus:
- Erster und zweiter Teil - Verspottung von Literaten.
- Dritter Teil - Verspottung von Philosophen.
- Vierter Teil - Verspottung von Politikern.
- Der Idealist ist Johann Gottlieb Fichte.
- Der Supernaturalist ist Friedrich Heinrich Jacobi.
- Der Orthodoxe ist Graf Friedrich von Stolberg.
- Der neugierige Reisende ist Friedrich Nicolai, der als übereifriger Aufklärer überall den Katholizismus argwöhnte.
- Hinter dem Kranich verbirgt sich Johann Caspar Lavater, wie Goethe vor Johann Peter Eckermann ausdrücklich bestätigte; er belog sich und andere.
- Im Weltkind sieht sich Goethe selbst.
- Leopold von Henning setzte in einem Artikel "Der Musaget. Ein Begleiter des Genius der Zeit" die Dichtungen Goethes herab.
- Hinter der Windfahne versteckt sich der Journalist Johann Friedrich Reichardt.
- Hinter Servibilis verbirgt sich Böttiger, ein Dilettant des Theaterwesens.
- Politische Satire steckt in dem Wort Sanssouci; es sind die Sorglosen aus der Zeit der Französischen Revolution, ein Hieb gegen Napoleon, der sich schon als Alleinherrscher aufspielt.
- Mit Massive sind die revolutionären Massen gemeint.
- Das Hochzeitsfest wurde zugleich als Feier von Goethes und Schillers Freundschaftsbund verstanden.
[Bearbeiten] Literatur
- Ulrich Gaier (Hrsg.): Johann Wolfgang Goethe. Faust - der Tragödie erster Teil, (= Erläuterungen und Dokumente,. ). Reclam, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-016021-3.