Birnbaum auf dem Walser Feld

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Der Birnbaum auf dem Walserfeld ist ein Naturdenkmal, das südwestlich von Salzburg in der Nähe des Flughafens Salzburg neben der Innsbrucker Bundesstraße auf einem freien Feld steht.

Birnbaum auf dem Walserfeld
Gedenktafel beim Birnbaum auf dem Walserfeld

Der „Walser Birnbaum“ gilt als das Gemeindezeichen von Wals-Siezenheim. Die Existenz eines Birnbaumes hier wird bis auf die Römerzeit zurückgeführt. Belegt ist, dass verschiedene Exemplare in den vergangenen zwei Jahrhunderten öfters von Menschenhand oder Stürmen gefällt und immer wieder neu gepflanzt wurden, das heutige im Jahre 1887.[1] Um den Walser Birnbaum ranken sich Sagen und Erzählungen, die zum Teil auf historische Ereignisse zurückgeführt werden können. Aus dem Holz eines Walser Birnbaumes ist für Kronprinz Rudolf, der seine Frau Stephanie von Belgien 1881 auf Salzburger Boden begrüßte, ein Schrank als Hochzeitsgeschenk gefertigt worden.[2]

Historisch belegt ist die zwischen französischen und kaiserlich-österreichischen Truppen vom 12. bis 14. Dezember 1800 andauernde „Schlacht am Walserfeld“.[3] In dieser sehr blutigen Schlacht waren 22 000 Tote und Verwundete zu beklagen. Die französische Armee unter dem Kommando von Obergeneral Jean-Victor Moreau errang den Sieg über die österreichischen Truppen, die von dem völlig unerfahrenen 18-jährigen Erzherzog Johann von Österreich befehligt wurden. Die Franzosen marschierten dann in die eigentlich neutrale Stadt Salzburg ein, wobei der letzte regierende Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo bereits aus Salzburg geflohen war. Die französischen Besatzungstruppen plünderten und verwüsteten in der Folge die Stadt Salzburg und ihr Umland. (So wurde die Kollegienkirche zu einem Pferdestall umfunktioniert und auf dem glasierten Boden wurden Lagerfeuer entzündet). Von Napoleon Bonaparte selbst sind entsprechende Requirierungslisten bekannt, aber auch die französische Generalität bediente sich an den Salzburger Kunstschätzen. Von dieser Raubkunst ist bislang nichts nach Salzburg zurückgekehrt.

Um den Baum rankt sich die Sage, nach der Karl der Große, der im Untersberg schlafen soll, dereinst auf dem Walserfeld die Endschlacht zwischen Gut und Böse schlagen wird.[3][4] Wenn also eines Tages die Raben nicht mehr um den Gipfel des Untersbergs fliegen und „die Not im Reich am Größten ist“, wird der Kaiser aufwachen und mit seinem Gefolge zum Birnbaum auf dem Walserfeld zum letzten Kampf reiten, bei dem (hoffentlich) das Böse vernichtet und das Gute siegen wird. Raben fliegen allerdings nicht um den Gipfel des Untersberges, aber immerhin Bergdohlen. Auch diese Sage hat einen historischen Kern: Im Salzburger Dom hat im Oktober 803 eine Provinzialsynode unter dem Vorsitz Karls des Großen stattgefunden. Karl der Große war dem damaligen Salzburger Bischof Arn sehr gewogen, dieser gehörte etwa auch 811 zum Kreis der Zeugen, vor denen Karl der Große sein Testament gemacht hat. Die Sage vom Kaiser im Untersberg findet eine Parallele in der ungefähr gleichlautenden Erzählung über Kaiser Barbarossa, der im Kyffhäuser ebenfalls auf den Jüngsten Tag warten soll. Ein Diener des Reichenhaller Stadtschreibers namens Lazarus Gitzner hat die Sage über Karl dem Großen nach einem Besuch im Berg zu Beginn des 16. Jahrhunderts überliefert.[5]

Nach einer weiteren Version der Sage wird der Enkel Barbarossas, Kaiser Friedrich II., welcher im Trifels oder im Ätna (in Sizilien) schläft, das Gute auf dem Walserfeld in die letzte Schlacht mit dem Bösen führen. Die inhaltlich, zeitlich und lokal unterschiedlich auftretenden Versionen der Sage haben offensichtlich alle ihren Ursprung im lange vorherrschenden Volksglauben an die Rückkehr eines Friedenskaisers.

Bronzeskulptur des Walser Birnbaums auf dem Kreisverkehr Einfahrt Wals von Steinmetz Harald Leitner

Im Jahr der Fussballeuropameisterschaft 2008 wurde auf dem Kreisverkehr bei der Einfahrt nach Wals eine Bronzeskulptur mit dem Walser Birnbaum von Harald Leitner aufgestellt. Dieser Birnbaum trägt, wie urkundlich erwähnt, sechs Birnen. Allerdings existiert in Wals auch eine Wappenabbildung mit sieben Birnen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Freisauff von Neudegg, Rudolf von: Der Birnbaum auf dem Walserfelde, Ein kleiner Beitrag zur Salzburger Landeskunde, Salzburg: Oberer 1876.
  • Hopfgartner, Herbert; Adelbert Chamisso: Der Birnbaum auf dem Walserfeld, Salzburg: Landesverband Salzburger Volkskultur, 33. Jahrgang Mai 2009, S. 66-71.
  • Huber, Nikolaus (Hg.): Fromme Sagen und Legenden aus Salzburg, Salzburg: Mittermüller 1880
  • Uhlir, Christian: Kaiser Karl der Große und die Untersberg Sagen, Grödig bei Salzburg: Eigenverlag 2000.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Untersberg TV: Der Walser Birnbaum, Geschichte und Mythos
  2. Friederike Zaisberger: Geschichte Salzburgs. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1998, S. 270.
  3. a b Salzburg Wiki: Schlacht am Walserfeld
  4. sagen.at: Birnbaum auf dem Walser Feld
  5. Friederike Zaisberger: Geschichte Salzburgs. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1998, S. 29.

47.78401111111112.973286111111440Koordinaten: 47° 47′ 2,44″ N, 12° 58′ 23,83″ O