Duisburg-Walsum

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Walsum ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum niederländischen Diplomaten siehe Peter van Walsum.
Stadtwappen der Stadt Duisburg.svg
Walsum
Stadtbezirk von Duisburg
Wappen Karte
Wappen Karte
Gliederung
Gliederung
Basisdaten
Fläche: 21,10 km²
Einwohner: 49.981 (31. Dezember 2013)
Bevölkerungsdichte: 2.389 Einwohner/km²
Postleitzahlen: 47178, 47179, 47169
Telefonvorwahl: 0203
Sitzverteilung der Bezirksvertretung (2009)
SPD: 8, CDU: 6, GRÜNE: 2, Die Linke: 2, FDP: 1

Walsum (49.981 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2013), Fläche: 21,10 km²) ist der nördlichste Stadtbezirk der Stadt Duisburg. Die ehemalige Stadt Walsum gehörte bis zum 31. Dezember 1974 zum Kreis Dinslaken.

Geographie[Bearbeiten]

Räumliche Lage[Bearbeiten]

Walsum liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten des Ruhrgebietes und ist seit 1975 der nördlichste Stadtbezirk von Duisburg. Walsum wird im Westen durch den Niederrhein, im Norden durch die Stadt Dinslaken, im Osten durch den Oberhausener Stadtteil Holten und im Süden durch den Duisburger Stadtbezirk Hamborn begrenzt.

Stadtteile[Bearbeiten]

Scheune von 1819 mit spätbarockem Giebel des ehemaligen Vierlindenhofes, der zum Namensgeber des auf seinen Ackerflächen entstandenen Stadtteils wurde. Sie brannte am 17. Mai 2012 nieder und wurde im Februar 2014 komplett abgerissen.[1]

Der Stadtbezirk Walsum besteht aus sechs Stadtteilen mit folgenden Einwohnerzahlen:E[2]

  • Alt-Walsum (4.194 Einwohner)
  • Aldenrade (13.746 Einwohner)
  • Fahrn (7.527 Einwohner)
  • Overbruch (4.975 Einwohner)
  • Vierlinden (12.370 Einwohner)
  • Wehofen (7.169 Einwohner)
E Stand: 31. Dezember 2013

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Walsum kann auf das 7./8. Jahrhundert als fränkische Ortsbezeichnung zurückgeführt werden. Urkundlich erwähnt wurde Walsum erstmals im 12. Jahrhundert. Der größte Entwicklungsschub kam mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seit 1905 selbstständig, wurde Walsum im Jahre 1975 nach Duisburg eingemeindet.

Vorgeschichte und Römerzeit[Bearbeiten]

Bereits 2000 v. Chr. belegen erste Funde aus der Jungsteinzeit eine Ansiedlungsstätte. Man fand dort ein Steinbeil aus Quarzit, Feuersteinmesser und eine Feuersteinspitze. In der Bronzezeit um 800 v. Chr. wurden 34 Urnengräber einer urkeltischen Bauerngruppe angelegt. Ungefähr ab dem Jahr 55 v. Chr. eroberten die Römer den linken Niederrhein. In Walsum fanden sich ein germanischer Brunnen mit Gefäßen, Schuhresten und römischen Münzen aus der Zeit um 160–250 n. Chr. Um das Jahr 400 n. Chr. endete die Römerzeit am Niederrhein.

Mittelalter[Bearbeiten]

Nach dem Ende der Römerzeit wurde ein frühmittelalterliches Gräberfeld mit 44 Bestattungen mit Tongefäßen, Waffen und Gerätschaften aus Eisen angelegt. Es stammt aus der Zeit um 670-740 n. Chr. Die Ausgrabung wurde 1933 beim Bau des Zechenhafens[3] von dem Duisburger Archäologen Rudolf Stampfuß durchgeführt.

Etwa zweihundert Jahre später (im Jahre 980) wurde die Bauerschaft „Aldenroda“ (Aldenrade) erstmals schriftlich erwähnt. Im Jahre 1144 wurde Walsum in einer Urkunde des Erzbischofs Arnold I. von Köln erstmals erwähnt: Alwardus und Wolfhildis erhalten einen Oberhof bei „Walsheim“.[4]

Knapp hundert Jahre später, im Jahre 1250 erschien das Kirchspiel „Walsheim“ im Heberegister des Xantener Offiziums. Das Kirchspiel, das zum Dekanat Duisburg und Archidiakonat Xanten gehörte, umfasste ursprünglich das gesamte Gebiet der Walsheimer oder Walsumer Mark zwischen Rotbach, Rhein, Emscher, Fernewald und Klosterhardt. Etwas später (1269) folgte in einer Urkunde des Ritters Heinrich Stecke, Burgmann von Holten, die erste Erwähnung eines Walsumer Pfarrers: „Fredericus pastor ecclesiae de Walsheim“.

Die Edelfrau Mechthild von Holten schenkte 1281 dem Johanniterorden das Patronat der Kirche in „Walsem“. Wenig später (1289) wurde die Gerichtsbarkeit „in Walshem“ durch Burkhard, genannt Stecke, an den Grafen Dietrich VI. von Kleve verkauft. Im Jahr 1292 erfolgte die Fertigstellung des Ordenshaus der Johanniter neben der Kirche (später Kommlers Hof).

Nach langem Rechtsstreit zwischen den Johannitern und Graf Johann von der Mark wurde 1319 Holten vom Walsumer Kirchspiel abgetrennt und das Patronat der Johanniter an der Walsumer Kirche bestätigt. 1370 ist Constantinus Crone von Hysvelt als Inhaber der Höfe Ochtrop und Hückelhoven belegt; Johann Ingen Lohe wurde 1490 Herr auf Haus Loh im Driesenbusch und Bernhard Hystvelt wurde 1492 Besitzer des Rittergutes Watereck.

16.–18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahre 1507 kam der deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I. von Duisburg zu Pferde nach Walsum, um sich rheinabwärts nach Brabant einzuschiffen.

Der spanische Feldherr Francisco de Mendoza lag 1598 während des Achtzigjährigen Krieges mit 21.000 Fußsoldaten und 2.500 Reitern vor der Festung Orsoy und vor Walsum, wo ein Lager mit Schanzen errichtet wurde. Eine von den Spaniern gebaute Schwimmbrücke über den Rhein wurde durch einen Sturm zerstört woraufhin Mendoza mit der Belagerung von Rheinberg begann. In der Folgezeit des Krieges kam es 1601 zu großen Schäden durch Überfälle holländischer Söldner.

Seit 1611 wurde der Besitz der Johanniter in Walsum von der Kommende Herrenstrunden bei Bergisch Gladbach verwaltet; etwa 200 Jahre später (1806) fielen die Ländereien der Johanniter-Kommende in Walsum der Säkularisation zum Opfer. 1620 starb der letzte Johanniter in Walsum, der Hauskomtur und Pastor Heinrich Brinkmann. 1755 kam das Rittergut Haus Watereck in den Besitz des Senators Arnold Huyssen aus Essen.

Industrialisierung im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann sich die dörfliche Struktur Walsums durch die Ausdehnung des Bergbaus und der Stahlindustrie nach Norden nachhaltig zu ändern. Industrielle und Firmen begannen Grundstücke aufzukaufen: die Gute-Hoffnungs-Hütte aus Oberhausen (ab 1868), der Industrielle Julius Grillo (ab 1869), der Industrielle Max Haniel (ab 1871) sowie „Gewerkschaft Deutscher Kaiser“ unter der Leitung von August Thyssen (ab 1896).

In den Jahren 1881–1883 wurde die alte Walsumer baufällige St. Dionysius-Kirche aus dem 13. Jahrhundert aufgrund der stark steigenden Bevölkerungszahl abgebrochen und durch einen größeren neugotischen Backsteinbau des Kölner Architekten Heinrich Wiethase ersetzt.

Beginn des 20. Jahrhunderts 1901–1918[Bearbeiten]

Am 1. April 1905 wurde Walsum mit 5.179 Einwohnern eine eigene Bürgermeisterei. Als 1. Bürgermeister wurde Johannes Hoeveler ernannt (bis 1933). Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Walsum-Aldenrade (heute Löschgruppe 401), und 1907 gründete sich der „TV Walsum-Aldenrade 07“. 1909 folgte die Gründung des Vereins „Spiel und Sport 09 Walsum“, heute „Sportfreunde Walsum 09“.

Weimarer Republik 1918–1933[Bearbeiten]

Die ersten Jahre nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg waren durch soziale und politische Spannungen geprägt. Während der März-Unruhen nach dem Kapp-Putsch im Jahre 1920 kamen ca. 30 Personen bei Kämpfen zwischen der „Roten Ruhrarmee“ und der Reichswehr ums Leben. In den Jahren 1923 bis 1925 war Walsum von belgischen Truppen besetzt, um ausstehende Reparationszahlungen aufgrund des Versailler Vertrages durchzusetzen.

Die Industrialisierung schritt nach dem Ersten Weltkrieg weiter voran. Im Jahre 1921 errichtete die Gutehoffnungshütte Oberhausen die Rheinwerft Walsum in der Nähe des Südhafens, die sich zur leistungsfähigsten Flusswerft am Rhein entwickelte. Bis zur Schließung im Jahre 1982 wurden hier über tausend Fluss- und Spezialschiffe gebaut.

Aufgrund der weiter steigenden Bevölkerungszahlen (insbesondere Flüchtlinge aus dem besetzten Saargebiet) wurden neue Siedlungen in Vierlinden (ab 1921) und in Overbruch („Weiße Siedlung“, ab 1932) gebaut.

1919 erfolgte die Gründung des Spielvereins Walsum 1919 e. V. und 1928 die DJK Vierlinden 1928 e. V.

Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945[Bearbeiten]

1933 setzte das NS-Regime den langjährigen Bürgermeister Johannes Hoeveler ab. 1935 begann die August-Thyssen-Hütte den Bau der Eigenheimsiedlung „Rote Siedlung“ für ihre Arbeiter in den Hamborner Stahlwerken. 1939 wurde die Kohleförderung auf der Zeche Walsum begonnen. Der Schacht wurde als kriegswichtige Industrie planmäßig ausgebaut, auch unter Einsatz von zahlreichen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. 1942 flogen Bomber der Westalliierten erste Luftangriffe auf das Ruhrgebiet, darunter auch auf Walsumer Industriebetriebe. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Walsum-Vierlinden (heute Löschgruppe 402).

Nach Bombenangriffen und Artilleriebeschuss überquerten am 24. März 1945 Truppen der Westalliierten den Rhein im Rahmen der „Operation Plunder“. Im Rahmen dieser Operation unternahm die 79. US-Infanteriedivision die Operation Flashpoint und eroberte Walsum.[5] Es war das Kriegsende für Walsum. Es waren etwa 309 zivile Opfer, etwa 150 Auswärtige und Zwangsarbeiter und etwa 880 gefallene Soldaten zu beklagen.[6] Etwa 1600 Wohnungen wurden total zerstört und etwa 2200 Wohnungen erheblich oder mittelschwer beschädigt.[7]

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg 1945–1958[Bearbeiten]

Im Jahre 1949 begann mit dem Bau der „Dr. H. Barking-Siedlung“ an der Saarbrückener Straße der Wiederaufbau. 1950 folgte der Siedlungsbau am Franz-Lenze-Platz. Auf sportlichem Sektor erfolgte 1951 die Gründung des Kanuvereins Wassersportsportverein „Glück-Auf“ Walsum e. V.. 1956 besuchte Bundeswirtschaftsminister Prof. Dr. Ludwig Erhard Walsum und weihte den Schacht „Wilhelm“ ein. Im selben Jahr erfolgte die Einweihung des „Franz-Hitze-Hauses“.

Stadt Walsum 1958–1975[Bearbeiten]

Rheinfähre Orsoy

Am 1. Juli 1958 erhielt die Gemeinde Walsum mit über 40.000 Einwohnern das Stadtrecht. Weitere Ereignisse dieses Jahres waren der Bau des Kraftwerkes am Schacht Walsum, der Stadtsparkassenneubau in Aldenrade, die Inbetriebnahme der Autofähre Walsum – Orsoy sowie die Einweihung der Fridtjof-Nansen-Realschule. Im Folgejahr wurde der Bau des Hallenbades an der Prinzenstraße abgeschlossen und der „1. Schwimmverein Walsum e.V.“ gegründet. 1961 kam der „1. Walsumer Judo Club“ hinzu. Im kulturellen Bereich wurde am 17. November 1967 der Neubau des Kopernikus-Gymnasiums seiner Bestimmung übergeben. 1974 folgten die Eröffnung des Allwetterbads und des Kulturzentrums mit großer Aula (Stadthalle Walsum).

Stadtbezirk Duisburg-Walsum 1975 bis heute[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1975 endete die Eigenständigkeit der Stadt Walsum. Sie wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen in die Stadt Duisburg eingemeindet.[8] Der Walsumer Ortsteil Eppinghoven kam zur Stadt Dinslaken, während der westliche Teil des Hamborner Ortsteils Fahrn zum Stadtbezirk Walsum kam.

  • 1980 Eröffnung des Jugendzentrums „Alte Schmiede“ in Wehofen
  • 1984 Neubau der Sparkasse am Kometenplatz
  • 1985 Neubau der Autobahn A 59 bis zur Dr.-Hans-Böckler-Straße
  • 1987 Gründung der Gesamtschule Walsum
  • 1991 Gründung des Naturschutzgebietes „Rheinaue Walsum
  • 1993 Fertigstellung des Neubaus des Rathauses Walsum – Sitz der Bezirksvertretung
  • 1996 Neubau der Autobahn A 59 bis zur Dinslakener Stadtgrenze
  • 1999 Abbruch des Straßenbahndepots der DVG
  • 2004 Wahl des Wehofeners Adolf Sauerland (CDU) zum Oberbürgermeister von Duisburg
  • 2006 Grundsteinlegung im November zum Bau des umstrittenen Kraftwerksblocks 10 (700 MW) durch die Steag
  • 2008 Fertigstellung des 181 Meter hohen Kühlturmes für den neuen Kraftwerksblock 10 der Steag im Juli
  • 2008 Schließung der Schachtanlage Walsum

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Walsum war jahrhundertelang ein kleines Bauerndorf mit weniger als 1.000 Einwohnern. Erst ab dem 19. Jahrhundert stieg die Bevölkerungszahl langsam an. Mit Beginn der Industrialisierung des Ruhrgebietes Ende des 19. Jahrhunderts explodierten die Einwohnerzahlen: Zwischen 1880 und 1920 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl alle zehn Jahre durch die Ansiedlung des Zellstoffwerkes (1897), dem Bau des Südhafens (ab 1903) und der Inbetriebnahme der Bergwerksschächte Wehofen (1913) und Walsum (1939). Eine zweite Zuzugswelle erfolgte nach Kriegsende durch Flüchtlinge, Vertriebene und Arbeitssuchende, die bei der zum Verbundbergwerk ausgebauten Zeche Walsum eine Anstellung fanden. Um 1976 wurde ein Höchstwert von fast 56.000 Einwohnern erreicht. Seitdem sinkt die Bevölkerungszahl langsam.

Jahr Einwohner
1676 ca. 500
1740 ca. 600
1755 ca. 625
1811 940
1850 1.348
1880 1.532
1900 3.594
1910 7.567
1920 16.236
1930 20.875
1945 23.149
Jahr / Datum Einwohner
1950 28.350
1. November 1960 44.682
6. Juni 1961 44.686
27. Mai 1970 48.783
1. Oktober 1970 49.087
31. Dezember 1976 55.957
31. Dezember 1985 52.856
31. Dezember 2005 51.885
31. Dezember 2010 50.681
31. Dezember 2012 50.166
31. Dezember 2013 49.981

Quellen: 1676-1755: Schätzung B. Schleiken;[9] 1811: R. Stampfuß;[10] 1850-1880: Heimatkalender des Kreises Dinslaken 1939, S. 84; 1900-1910: Volkszählungen des Deutschen Reiches; 1910-1960: Heimatkalender des Kreises Dinslaken 1939 bis 1961; 1961 und Mai 1970: Volkszählungsergebnisse; 1970: Stadt Walsum; ab 1976: Stadt Duisburg

Bauwerke[Bearbeiten]

St. Dionysius
  • Evangelische Kirche in Aldenrade, erbaut um 1905, mit Gemeindehaus von 1927 (denkmalgeschützt)
  • Kath. Pfarrkirche St. Josef, bis 1914 errichtete dreischiffige Basilika an der Kolpingstraße in Aldenrade
  • Wacholderbrennerei Claus mit Gaststätte in Alt-Walsum, Teil der Route der Industriekultur
  • Kath. Pfarrkirche St. Dionysius, Bau- und Bodendenkmal, in Alt-Walsum
  • Kraftwerk und Zeche Walsum

Wirtschaft[Bearbeiten]

Kraftwerksneubau der Steag im März 2008

Zellstoff- und Papiererzeugung

Als erstes Industrieunternehmen wurde die Niederrheinische Zellstoff-Aktiengesellschaft im Jahre 1897 gegründet. 1903 übernahm die Aschaffenburger Zellstoff AG die insolvente Zellstofffabrik und baute das Werk planmäßig aus. Am 1. Januar 1964 schloss das Walsumer Zellstoffwerk aus wirtschaftlichen Gründen seine Tore.

Im Jahre 1962 begann die Haindl Papier GmbH, Werk Walsum die Papierproduktion. Bis 2013 wurden auf zwei Papiermaschinen pro Jahr ca. 435.000 Tonnen gestrichene Druckpapiere erzeugt.[11] 2001 wurde das Werk durch den norwegischen Konzern Norske Skog übernommen.

Aufgrund der sinkenden Nachfrage von gestrichenen Druckpapieren wurde Ende 2013 eine der beiden Papiermaschinen stillgelegt und die jährliche Produktion auf ca. 220.000 Tonnen abgesenkt. Die Belegschaft soll um 200 Mitarbeiter reduziert werden.

Schienenverkehr

Am 1. Mai 1900 wurden zwei Straßenbahn-Strecken von Dinslaken über Walsum zum Bahnhof Neumühl sowie zwischen Aldenrade und Walsum-Dorf eröffnet. Betreiber war die Continentale Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Gesellschaft in Berlin, ab 1911 die Kreis Ruhrorter Straßenbahn AG.

Mit dem Bau einer neuen rheinnahen Bahnnebenlinie von Oberhausen über Walsum und Voerde nach Wesel erhielt Walsum den Anschluss an das Reichsbahnnetz. Der Bahnhof Walsum (Ecke Bahnhofstraße / Römerstraße) wurde am 15. Oktober 1912 eröffnet. Durch die Zerstörung der Brücke über den Lippe-Seiten-Kanal während des Zweiten Weltkrieges wurde der Durchgangsverkehr nach Wesel dauerhaft unterbrochen.

Im Jahre 1983 wurde der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt und der Walsumer Bahnhof geschlossen. Die Bahnlinie wird heute von den Kohle-Kraftwerken Walsum und Voerde sowie von den Unternehmen beim Rhein-Lippe-Hafen südlich der Mündung des Wesel-Datteln-Kanals für den Gütertransport genutzt.

Rheinhäfen

1903–1905 wurde der Rheinhafen der Gute-Hoffnungs-Hütte Oberhausen (heute Südhafen) als Werkshafen gebaut und 1922 durch ein zweites Hafenbecken erweitert. Heute gehört der Südhafen als Teil der Eisenbahn und Häfen GmbH zum ThyssenKrupp-Konzern. Es werden ca. 2.000.000 Tonnen Waren pro Jahr umgeschlagen, überwiegend nässeempfindliche Fertigprodukte der Stahlindustrie.[12] Das Ortsbild wurde in den Jahren 1933–1936 entscheidend verändert durch den Bau des Zechenhafens (heute Nordhafen Walsum) und der Aufschüttung des Rheindeiches. Bis zur Schließung des Bergwerks Walsum 2008 diente der Nordhafen überwiegend zum Abtransport von Exportkohle und von Bergehalde des Bergwerks. Der Hafen wurde von der Steag übernommen, die hier heute Importkohle für das Kohlekraftwerk Walsum umschlägt.

Getränkegruppe Hövelmann

1905 erfolgte die Gründung des Familienunternehmens Hövelmann (Rheinperle Getränke) als Biergroßhandlung und Mineralwasserhersteller. Nach 1945 entwickelte die Familie unter Leitung des Gründers die Limonadenmarke Rheinperle, das erste nur mit Zucker gesüßte Fruchtsaftgetränk in Deutschland. Aus dem Familienunternehmen entwickelte sich einer der führenden Getränke-Distributoren in Deutschland. (Details siehe unter Hövelmann)

Bergbau

1909 begannen die Vorarbeiten für das spätere Bergwerk Walsum. Die erste Kohleförderung verzögerte sich durch den Ersten Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise bis 1939. 1913 begann die Kohleförderung auf Schacht Rhein 1/2 in Wehofen. Zeitgleich wurde die Bergmanns-Siedlung Wehofen gebaut. Während die Zeche Wehofen in der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1928 geschlossen wurde, wurde das Bergwerk Walsum nach dem Zweiten Weltkrieg planmäßig zum Verbundbergwerk ausgebaut und entwickelte sich zu einer der modernsten Zechen Deutschlands. Im Zuge des Abbaus der Kohlesubventionen wurde das Bergwerk am 30. Juni 2008 geschlossen. Zuvor war der Standort wegen des Abbaus der Flöze unter dem Rhein und der in der Folge messbaren Bergschäden am Rheinufer stark umstritten[13][14].

Kohlekraftwerk

Die Planungen für ein Kohlekraftwerk zur Eigenversorgung des Kohlebergwerks Walsum begannen im Jahre 1927 und wurden bis zur Inbetriebnahme des Bergwerks 1939 umgesetzt. Ab 1951 wurde das Kohlekraftwerk Walsum mit dem Ziel der Stromerzeugung für das öffentliche Stromnetz erweitert und modernisiert. Zurzeit sind in zwei Kraftwerksblöcken 560 MW Leistung in Betrieb. Die ursprünglich für Anfang 2010 geplante Inbetriebnahme des Blocks 10 mit 700 MW Leistung verzögerte sich bis ins Jahr 2013, da Materialfehler an Schweißnähten zur Undichtigkeit von Kesselrohren führten.[15][16] (Details siehe unter Kraftwerk Duisburg-Walsum)

Politik und Gesellschaft[Bearbeiten]

Walsum gehörte als dörfliche Siedlung seit dem 13. Jahrhundert zum Land Dinslaken im Herzogtum Kleve. Dies wurde 1975 bei der Eingemeindung nach Duisburg in der kommunalen Gliederung nicht berücksichtigt. Im 19. Jahrhundert waren die Bauerndörfer Walsum und Hiesfeld Teil der Landbürgermeisterei Dinslaken, die vom Bürgermeister der Stadt Dinslaken geführt wurde. Walsum wurde in der Landbürgermeisterei von einem Ortsvorsteher vertreten. Im Jahre 1905 trat Walsum aus der Landbürgermeisterei aus und wurde selbstständige Gemeinde mit eigenem Bürgermeister. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Walsum am 1. Juli 1958 aufgrund der Bevölkerungsentwicklung zur Stadt erhoben. 1975 erfolgte im Zuge der Kommunalreform in Nordrhein-Westfalen die Eingemeindung nach Duisburg. Der Stadtrat wurde durch einen Bezirksrat abgelöst.

Ortsvorsteher bis 1905[17][Bearbeiten]

  • um 1848 Hermann Borgmann
  • um 1867 H. Bienen
  • um 1875 H. Hülsermann
  • vor 1894 bis 1900 Georg Feldmann
  • 1900 bis 1905 Hermann Claus

Bürgermeister der Gemeinde Walsum (1905–1958)[18][Bearbeiten]

  • 1905 bis 1933 Johannes Hoeveler
  • 1933 bis 1944 Fritz Lüttgens (NSDAP)
  • 1944 bis März 1945 Heinz Stienen (NSDAP)
  • März 1945 bis Mai 1945 Christian Pohlmann
  • 1945 bis 1946 Carl Lomb (Zentrum)
  • 1946 Josef Schmitz (SPD)
  • 1946 bis 1947 Johannes Balthaus (Zentrum)
  • 1947 bis 1951 Johannes Faltinski (SPD)
  • 1951 bis 1952 Carl Lomb (Zentrum)
  • 1952 bis 1956 Johannes Faltinski (SPD)
  • 1956 Johannes Peters (SPD)
  • 1956 bis 1958 Gustav Stapp (SPD)

Bürgermeister der Stadt Walsum (1958–1974)[19][Bearbeiten]

  • 1958 bis 1963 Gustav Stapp (SPD)
  • 1963 bis 1964 Dietrich Herwarth (SPD)
  • 1964 bis 1967 Georg Matthae (SPD)
  • 1967 bis 1973 Ernst Lapp (SPD)
  • 1973 Bernhard Garden (CDU)
  • 1973 bis 1974 Paul Degen (SPD)

Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk Walsum (seit 1975)[20][Bearbeiten]

  • 1975 bis 1979 Heinrich Otto (SPD)
  • 1979 bis 1994 Willy Bernarding (SPD)
  • 1994 bis 2014 Heinz Plückelmann (SPD)
  • seit 2014 Georg Salomon (SPD)

Die Bezirksvertretung Walsum[21][Bearbeiten]

Die Bezirksvertretung des Stadtbezirks Walsum hat insgesamt 19 Mitglieder. Seit der letzten Kommunalwahl im Mai 2014 setzt sie sich wie folgt zusammen:

Tagungsort der Bezirksvertretung Walsum ist das ehemalige Rathaus (jetziges Bezirksamt) im Stadtteil Aldenrade.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Unter einem silbernen Schildhaupt, darin das Brustbild eines Bischofs in blauem Messgewand mit silbernem Pallium, darauf drei schwarze Kreuze, nimbiertem rotrandigem Halsstumpf, sein abgeschlagenes, nimbiertes, silbernes Haupt mit blau-silberner Mitra in seiner linken silbernen Hand, die silberne rechte Hand zum Schwur erhoben, in Rot ein zentrales silbernes Oval, belegt mit der Nabe der unteren Hälfte eines goldenen Glevenrades (klevische Lilienhaspel).“

Der Bischof stellt den hl. Dionysius von Paris, den Schutzpatron der Walsumer Kirche und einer der Vierzehn Nothelfer dar. Das Patronat des hl. Dionysius kam bei den niederrheinischen Kirchen in der Zeit von 800 – 1000 auf. Er ist stets leicht zu erkennen, da er als einziger Heiliger mit seinem Kopf in der Hand abgebildet wird. Das Glevenrad, die klevische Lilienhaspel, weist auf die früherer Zugehörigkeit Walsums zum Herzogtum Kleve hin.

Als Vorlage für das Walsumer Stadtwappen wurde das älteste bekannte Schöffensiegel des Walsumer Gerichts von 1426 genommen, das heute im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf liegt. Der Düsseldorfer Heraldiker Wolfgang Pagenstecher entwarf das Wappen, das am 28. April 1928 vom preußischen Staatsministerium durch seinen Ministerpräsidenten Otto Braun in seiner dritten Amtszeit genehmigt wurde. 1939 wurde der Heilige Dionysius im Schildhaupt auf Betreiben der Nationalsozialisten durch ein halbes Zahnrad ersetzt, mit dem Bergbausymbol „Schlägel und Eisen“ ergänzt und genehmigt. Nach dem Krieg wurde das alte, seit 1426 überlieferte Wappen mit dem hl. Dionysius wieder übernommen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Stampfuß: Der spätfränkische Sippenfriedhof von Walsum. Leipzig 1939. (Nachdruck: Habelt, Bonn 1971, ISBN 3-7749-1184-3).
  • Rudolf Stampfuß: Walsum – Vom Dorf zur Industriegemeinde. Walsum 1955.
  • Walsum an der Wende 1905–1975, eine Illustrierte für die Bürger unserer Stadt. Walsum 1974.
  • Kleine Geschichte der Stadt Duisburg. Braun, Duisburg 1983, ISBN 3-87096-170-8.
  • Heimatverein Walsum: Walsumer Geschichte und Geschichten. Duisburg 1983ff (bisher 15 Ausgaben).
  • Friedrich-Karl Bassier, Egon Kallrath: Walsum – Die Geschichte eines Bergwerkes. Walsum o. J. (1989).
  • Heinz Dohmen: Hildegard Bienen – Band II: Werke von 1977–1990. Bongers, Recklinghausen 1991, ISBN 3-7647-0422-5.
  • Bernhard Schleiken: Walsum – Höfe, Kirche und Kommende. Walsum/ Ravensburg 2001. (Materialien zur Walsumer Geschichte, Band 1).
  • 100 Jahre Gemeinde Walsum 1. April 1905 – 1. April 2005. (Festschrift). Duisburg 2005. (erhältlich bei: bza.walsum@stadt-duisburg.de)
  • 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Walsum-Aldenrade. Duisburg 2005.
  • 75 Jahre Vennbruchschule (Festschrift zum Jubiläum der Walsum-Vierlindener Schule). Duisburg 2005.
  • Volker Herrmann: Walsum – Archäologie und Geschichte eines Duisburger Ortsteils. In: Duisburger Denkmalthemen. Nr. 8, Duisburg 2010. (PDF (1,25 MB))

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Duisburg-Walsum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gregor Herberhold: Alter Vierlindenhof dem Erdboden gleich gemacht. WAZ.de, abgerufen am 11. Februar 2014.
  2. Einwohnerstatistik der Stadt Duisburg 2013
  3. Rudolf Stampfuß: Der spätfränkische Sippenfriedhof von Walsum. Leipzig 1939. (Nachdruck: Habelt, Bonn 1971, ISBN 3-7749-1184-3) (Quellenschriften zur Westdeutschen Vor- und Frühgeschichte 1); Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, ISBN 3-7927-1247-4, S. 194–195 und 434.
  4. Erich Wisplinghoff: Urkunden und Quellen zur Geschichte von Stadt und Abtei Siegburg. Siegburg 1964, DNB 455189919, S. 117 Nr. 53.
  5. Charles B. MacDonald: The Last Offensive. (United States Army in World War II, European Theater of Operations). Office of the Chief of Military History, Department of the Army. Washington D.C. 1973. Seite 303-309
  6. Heimatkalender Kreis Dinslaken 1950, S. 142.
  7. Neue Ruhr/Rhein-Zeitung vom 5. Januar 1946
  8.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 291.
  9. Bernhard Schleiken: Walsum – Höfe, Kirche und Kommende, Walsum/Ravensburg 2001 (Materialien zur Walsumer Geschichte, Band 1), S. 23.
  10. Rudolf Stampfuß, Anneliese Triller: Geschichte der Stadt Dinslaken 1273-1973. Dinslaken 1973, S. 633.
  11. Norske Skog Walsum. auf: norskeskog.com
  12. [1] (Version vom 21. Juni 2006 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  13. Schäden am Flussbett
  14. Rahmenbetriebsplan
  15. HKW Walsum Block 10 Webseite des Kraftwerkbetreibers Evonik Industries (pdf; 169 kB)
  16. vdi-nachrichten.com 1500 Fehlstellen an Schweißnähten: Beizen schwächte Schweißnähte im Kraftwerk
  17. Walsumer Geschichte und Geschichten. 1992, S. 6.
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  23. Rheinische Post 4. Juli 1973, 16. Oktober 1979

51.5327777777786.7086111111111Koordinaten: 51° 32′ N, 6° 43′ O