Walter Blume (Konstrukteur)

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Walter Blume (* 10. Januar 1896 in Hirschberg im Riesengebirge; † 27. Mai 1964 in Duisburg) war ein deutscher Jagdflieger und Flugzeugkonstrukteur.

Walter Blume vor seiner Fokker D.VII

Leben[Bearbeiten]

Vor dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Abitur in Hirschberg war er als Ingenieurpraktikant in einer Maschinenfabrik tätig.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Walter Blume diente ab Kriegsbeginn beim Schlesischen Jägerbataillon Nr. 5 als Kriegsfreiwilliger. Nach einer Verwundung durch einen Gewehrschuss im Oktober 1914 bei Lyck in Ostpreussen wurde er von Juni 1915 bis Juni 1916 bei der Flieger-Ersatzabteilung Großenhain und in der Fliegerschule Leipzig-Mockau als Pilot ausgebildet. Nach beendeter Ausbildung kam er an die Westfront, zuerst beim Versuchs- und Übungspark West bei Saint-Quentin, dann beim Armeeflugzeugpark A bei Straßburg. Vom 18. Juni 1916 bis zum 20. Januar 1917 war Blume für die Feldfliegerabteilung Nr. 65 mit Aviatik-Doppelsitzern bei Schlettstadt im Einsatz und wurde im August 1916 zum Vizefeldwebel befördert.[1]

Nach seiner selbst beantragten Versetzung zur Jasta 26 und der Ernennung zum Leutnant am 31. Januar 1917 erzielte er seinen ersten Abschuss eines gegnerischen Fliegers am 10. Mai 1917 bei Gouzeaucourt. In dieser Staffel, für die er insgesamt 6 Luftsiege auf Albatros-Flugzeugen erreichte, diente er unter Oberleutnant Bruno Loerzer.

Nach einer weiteren Kriegsverletzung an der Brust am 29. November 1917 wechselte er nach über drei Monaten Genesungszeit zur Jasta 9, bei der er bis zum Kriegsende weitere 22 gegnerische Flugzeuge abschoss.[2] Er folgte dort als Kommandeur dem Oberleutnant und späterem Generaloberst der Luftwaffe Kurt Student nach.[3]

Am 30. September 1918 wurde ihm der Pour le Mérite, die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung, verliehen.[4] Mit 28 bestätigten Abschüssen zählt Walter Blume zu den erfolgreichsten Jagdfliegern des Ersten Weltkriegs.

Zwischen den Kriegen[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg studierte Walter Blume an der TH Hannover und beendete seine Ausbildung als Diplom-Ingenieur. Während der Studienzeit war er als Schüler Georg Hans Madelungs an der Konstruktion des Segelflugzeugs Vampyr beteiligt.

Mit seinem Eintritt in die Albatros Flugzeugwerke in Berlin-Johannisthal als Chefkonstrukteur machte Walter Blume im November 1926 den entscheidenden Schritt für seine zukünftige Laufbahn als Flugzeugkonstrukteur, nachdem er vorher beim Heereswaffenamt an der geheimen Aufrüstung der Reichswehr beteiligt war.

1933 wechselte er zu den Arado Flugzeugwerken und wurde dort 1935 zum technischen Direktor und Leiter der Entwicklungsabteilungen ernannt. Zu dieser Zeit befand sich die Ar 66 in der Entwicklung.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Unter Walter Blumes Führung wurde neben weiteren Projekten und umfangreichen Lizenzfertigungen die richtungsweisenden Flugzeuge Ar 232 (militärischer Transporter) und Ar 234 (strahlturbinengetriebener Aufklärer/Bomber) zur Serienreife entwickelt.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Blume gelangte bei Kriegsende in die Westzone und war bei der Aluminiumzentrale in Düsseldorf, der Herausgeberin des einschlägigen Fachorgans der Leichtmetallindustrie, angestellt.

Die Stadt Duisburg stellte ihm ab Oktober 1952 Räume für das Büro Blume (Leichtbau und Flugtechnik GmbH)[5] zur Verfügung, das als "Keimzelle der nordrhein-westfälischen Flugzeugindustrie" geplant war.

Für den Bau des viersitzigen Reiseflugzeugs Blume Bl 500 und eines Transportflugzeugs waren bereits 6 Ingenieure eingestellt und ein Gelände mit 41.000 m² zur Errichtung eines Flugzeugwerkes mit 2000 Mitarbeitern ausgewählt. Allerdings stellte sich im Lauf des Jahres 1955 heraus, dass die nordrhein-westfälischen Ansätze einer Flugzeugindustrie nicht bei der ersten Ausrüstung der neuen Luftwaffe berücksichtigt würden. Die Blume Bl 500 wurde daraufhin in zwei Versuchsexemplaren bei Focke-Wulf in Bremen gebaut.

Auf Druck des Bundeswirtschaftsministeriums im September 1955 schloss sich Walter Blume mit seinem Büro Blume dem Flugzeughersteller Focke-Wulf an. Unter dem Namen Blume-Leichtbau und Flugtechnik war das Unternehmen an der Entwicklung der Transall C-160 beteiligt.[6]

Leistungen[Bearbeiten]

Walter Blume gehörte neben Willy Messerschmitt, Kurt Tank, Richard Vogt und Ernst Heinkel zu den bedeutendsten Konstrukteuren des deutschen Flugzeugbaus im Zweiten Weltkrieg.[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Roeingh: Flieger des Weltkrieges. Luftwaffenführungsstab Ic/VIII, Berlin 1941

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Walter Blume – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Nicht nur Spezialisten Das Humankapital der deutschen Flugzeugindustrie in der Industrie- und Standortpolitik der Nachkriegszeit, von Lutz Budraß, Dag Krienen und Stefan Prott (PDF-Datei; 234 kB)
  • Demontage und Konversion Zur Einbindung rüstungsindustrieller Kapazitäten in technologiepolitische Strategien im Deutschland der Nachkriegszeit, von Stefan Prott und Lutz Budraß (PDF-Datei; 184 kB)
  • Helge Kurt-Werner Dittmann: Blume, Walter. In: Geschichte - Porträts. www.Flieger-Album.de, abgerufen am 8. Oktober 2010.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rolf Roeingh: Flieger des Weltkrieges. Luftwaffenführungsstab Ic/VIII, Berlin 1941, S. 48
  2. Walter Blume. In: Aces. The Aerodrome, abgerufen am 8. Dezember 2010 (englisch).
  3. Fokker D VII Aces of World War 1: Part 2 - S.64 und S.65, abgerufen am 13. Januar 2009
  4. Pour le Mérite: Leutnant Walter Blume: 30 Sept. 1918 - 28 victories, abgerufen am 13. Januar 2009
  5. Geschichte des bundesdeutschen Verkehrsflugzeugbaus: Der lange Weg zum Airbus: S.40, abgerufen am 13. Januar 2009
  6. Commercial Aircraft of the World... Transall C-160. In: FLIGHT International, 28 November 1963. Flightglobal.com, 23. November 1963, S. 892, abgerufen am 28. Mai 2012 (PDF, englisch): „Participants, grouped under the name Transall, are Nord Aviation for France, and Hamburger Flugzeugbau. Weser Flugzeugbau and Blume-Leichtbau und Flugtechnik for Germany.“
  7. Helmut Maier: Rüstungsforschung im Nationalsozialismus. Wallstein Verlag, 2002, abgerufen am 8. Dezember 2010 (S. 149 und S. 170): „Die «großen Vier»“