Walter Kaufmann (Physiker)

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Walter Kaufmann

Walter Kaufmann (* 5. Juni 1871 in Elberfeld; † 1. Januar 1947 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Physiker. Mit dem erstmaligen experimentellen Nachweis der Zunahme der trägen Masse des Elektrons mit wachsender Geschwindigkeit leistete Kaufmann einen wichtigen Beitrag zur Vorbereitung der modernen Relativitätstheorie.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Er studierte 1890/91 Maschinenbau an den Technischen Hochschulen Berlin und München, seit 1892 Physik an den Universitäten Berlin und München und wurde 1894 promoviert. Ab 1896 arbeitete er als Assistent an den Physikalischen Instituten der Universitäten Berlin und Göttingen. Kaufmann habilitierte sich 1899 und wurde 1902 a. o. Professor der Physik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Nach einer erneuten Tätigkeit am Berliner Physikalischen Institut folgte er 1907 einem Ruf als o. Professor für Experimentalphysik und Leiter des Physikalischen Instituts an die Albertina in Königsberg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1935 lehrte. Anschließend wirkte er als Gastdozent an der Universität Freiburg/Breisgau.[1][2][3]

[Bearbeiten] Experimente zur relativistischen Masse

Erste Bestimmungen des Verhältnisses \frac{e}{m} führte er 1897 aus, angeregt durch Vorhersagen von Joseph John Thomson (1881) und insbesondere George Frederick Charles Searle (1897) über die Massenzunahme beschleunigter elektrischer Ladungen. Seine Arbeit von 1901 bestätigte erstmals die Geschwindigkeitsabhängigkeit der trägen, elektromagnetischen Masse des Elektrons. Max Abraham (1902) erkannte allerdings bei seinem Versuch, die Experimente von Kaufmann theoretisch zu untermauern, dass die Formel von Searle nur für Beschleunigungen in Bewegungsrichtung, und nicht senkrecht dazu wie bei Kaufmanns Experimenten, gültig war. Er führte daher (wie vor ihm bereits Hendrik Antoon Lorentz 1899), neben der longitudinalen auch eine transversale Masse ein. In den Arbeiten von 1902-1903 wurde dieser Umstand von Kaufmann nun ebenfalls berücksichtigt. Darüber hinaus wurden Kaufmanns Versuche so gedeutet, dass ausschließlich eine „scheinbare“ elektromagnetische Masse, und keine „wirkliche“ mechanische Masse existiert. Allerdings waren seine Messungen noch nicht genau genug, um zwischen den Vorhersagen zur transversalen Masse in der Lorentzschen Äthertheorie und der Theorie von Abraham zu unterscheiden.

Ende 1905 führte er noch genauere Experimente durch. Hier findet sich auch erstmals in der Literatur eine Auseinandersetzung mit der kurz zuvor erschienenen Speziellen Relativitätstheorie Albert Einsteins. Obwohl von völlig unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehend und auch logisch befriedigender aufgebaut, sei sie "beobachtungsäquivalent" zu der Theorie von Lorentz, weswegen Kaufmann vom Relativitätsprinzip als von der "Lorentz-Einsteinschen" Grundauffassung spricht. Seine Ergebnisse sprachen nun seiner Meinung nach für die Theorie Abrahams, und stellten eine Widerlegung des Relativitätsprinzips dar. Für einige Jahre war das ein schweres Gegenargument für die Theorien von Lorentz und Einstein.

Alfred Bucherer (1908), Neumann (1914) und andere kamen jedoch zu Ergebnissen, welche ihrer Ansicht nach besser zu der "Lorentz-Einstein"-Theorie passten. Jedoch später (1938) wurde festgestellt, dass die Kaufmann-Bucherer-Neumann Experimente zwar allgemein die Geschwindigkeitsabhängigkeit der Masse bestätigten, jedoch nicht genau genug waren, um das Lorentz-Einsteinsche Massenkonzept vom Abrahamschen zu unterscheiden. Das ist mit dieser Art von Experimenten erst 1940 gelungen.[4] [5]

Kaufmann baute die erste rotierende Hochdruckvakuumpumpe.

[Bearbeiten] Publikationen

[Bearbeiten] Quellen

  1. Hans Kangro: Kaufmann, Walter. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, S. 352 f.
  2. Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE) (Rudolf Vierhaus, Hrsg.), 2. Ausgabe, Bd. 5, München 2006, S. 541.
  3. Johann Christian Poggendorff, Biographisch-Literarisches Handwörterbuch; Bd. iV, 1883 - 1904, Teil 1: 1904; Bd. V, 1904 - 1922, Teil1: 1925.
  4. Miller, A.I.: Albert Einstein’s special theory of relativity. Emergence (1905) and early interpretation (1905–1911). Reading: Addison–Wesley 1981, ISBN 0-201-04679-2
  5. Janssen, M., Mecklenburg, M.: From classical to relativistic mechanics: Electromagnetic models of the electron. In: V. F. Hendricks, et.al. Interactions: Mathematics, Physics and Philosophy, S. 65–134, Dordrecht: Springer 2007

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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