Walter Luetgebrune

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Walter Luetgebrune (* 18. Februar 1879 in Ehrentrup bei Lage (Lippe); † 21. August 1949 in Mittenwald) war ein deutscher Jurist und SA-Führer.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Luetgebrune wurde als Sohn eines Baumeisters und Gutsbesitzers geboren. Nach dem Schulbesuch studierte er von 1900 bis 1902 Rechtswissenschaften. 1902 kam er als Referendar ans Oberlandesgericht Celle. Das Referendarexamen legte er 1903 ab. Im selben Jahr promovierte er in Freiburg zum Dr. jur. Nachdem er 1909 das Assessorexamen bestanden hatte ließ Luetgebrune sich als Rechtsanwalt in Göttingen nieder. Im selben Jahr heiratete er Agnes Marie ("Milli") Luise Emilie von Hinüber (* 26. August 1884 in Lüneburg; † 4. April 1958 in Göttingen). Aus der Ehe ging unter anderem der Sohn Götz Luetgebrune (* 1911) hervor. Nachdem die Ehe 1934 geschieden wurde, heiratete er noch im selben Jahr seine Sekretärin Edith Gehse. 1930 wechselte Luetgebrune nach Hannover und 1933 zog er nach Berlin. Luetgebrune war „Alter Herr“ der Sängerschaft Zollern zu Tübingen.

Die Grundlagen für seine Anwaltskarriere erwarb Luetgebrune sich bei seinem Mentor Max Alsberg, mit dem er auch befreundet war, bis sich Luetgebrune nach der Kriegsniederlage 1918 der antisemitischen politischen Rechten zuwandte. In den 1920er Jahren wurde Luetgebrune als Verteidiger in zahlreichen Prozessen gegen Angeklagte der extremen politischen Rechten bekannt. So übernahm Luetgebrune die Verteidigung Erich Ludendorff im sogenannten Hitler-Prozess vor dem Landgericht München im Jahr 1924 und die Verteidigung Hermann Ehrhardts nach dem Kapp-Putsch. Des Weiteren war er mit Willy Hahn und Alfons Sack als Anwalt der Angeklagten Brüder Techow im Rathenau-Prozess und trat als Verteidiger im Holsteiner Bombenwerferprozess von 1930 auf. Bereits vorher war er anwaltlich und auch als politischer Berater für die schleswig-holsteinische Landvolkbewegung tätig geworden. Im Sommer 1931 wurde ihm aus Kreisen der Bauernschaft vorgeworfen, über 100.000 Mark Honorar von den notleidenden Landwirten eingestrichen zu haben, was die Landvolkführer Wilhelm Hamkens und Claus Heim peinlich berührte.[1]

Luetgebrune gehörte politisch zunächst der DNVP an. Nachdem er 1931 Rechtsberater der SA und der SS geworden war, schloss er sich der NSDAP an. In den Jahren 1932/1933 war er oberster Rechtsberater der SA und SS. Insbesondere den Stabschef der SA Ernst Röhm verteidigte Luetgebrune in diversen Verfahren wegen Verstoßes gegen § 175 des Strafgesetzbuches (Homosexuellen-Paragraph) sowie im Zusammenhang mit den sogenannten Heimsoth-Briefen.

1933 wurde Luetgebrune Ministerialdirigent im preußischen Innenministerium. Außerdem wurde er Mitglied des Führerrates der Akademie für deutsches Recht.

Obwohl Luetgebrune seine hauptberufliche Tätigkeit bei der SA bereits Ende 1933 aufgegeben hatte, wurde er im Rahmen der als Röhm-Putsch bekannt gewordenen politischen Säuberungswelle vom Frühsommer 1934 aus der NSDAP ausgeschlossen.

1938 folgte Luetgebrunes Wiederzulassung als Rechtsanwalt. Er verdiente seinen Lebensunterhalt nun als Rechtsberater einiger Unternehmen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Luetgebrune als Rechtsanwalt beim Bayerischen Obersten Landesgericht.

Luetgebrunes Nachlass wird heute im Bundesarchiv in Koblenz verwahrt.

Schriften[Bearbeiten]

  • Die Sicherungsübereignung, 1906. (Dissertation)
  • Marburger Staatsprozess, s.a..
  • Der Eberprozess, 1924.
  • Wahrheit und Recht für Feme, Schwarze Reichswehr und Oberleutnant Schulz. J.F. Lehmanns, München 1928.
  • Neu-Preußens Bauernkrieg. Entstehung und Kampf der Landvolkbewegung, Hamburg 1931.
  • Ein Kampf um Röhm, 1933.
  • Die Stellung des Rechtsanwalts im neuen Staat. Vortrag vor dem deutschen Juristentag in Leipzig am 1. Oktober 1933. Schweitzer Verlag, München 1933.
  • Nulla poena sine lege, in: Roland Freisler [Hrsg.]: Denkschrift des Zentralausschusses der ADR über die Grundzüge eines allgemeinen deutschen Strafrechts, 1934, S. 42ff.

Literatur[Bearbeiten]

  • Literatur von und über Walter Luetgebrune im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Rudolf Heydeloff: "Staranwalt der Rechtsextremisten. Walter Luetgebrune in der Weimarer Republik", in Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 32, Nr. 4 (1984) (PDF), S. 373-421.
  • Ders.: The Political-Judical Career of Dr. jur. Walter Luetgebrune and the Crisis of Weimar and Early National Socialist Germany. 1918 to 1934, Waterloo 1976.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Vgl. Gerhard Stoltenberg: Politische Strömungen im schleswig-holsteinischen Landvolk 1918-1933. Ein Beitrag zur politischen Meinungsbildung in der Weimarer Republik, Düsseldorf: Droste-Verlag, 1962, S. 173.