Walter Pagel

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Walter Pagel c. 1936
Walter Pagel c. 1945
Magda und Walter Pagel, 1978

Walter Pagel (* 12. November 1898 in Berlin; † 25. März 1983 in London) war ein deutsch-britischer Pathologe und Medizinhistoriker.

Leben[Bearbeiten]

Walter Pagel war der Sohn des Medizinhistorikers Julius Leopold Pagel. 1920 heiratete er Dr. Magda Koll, mit der er bis zu ihrem Tod 1980 zusammenlebte. Die beiden hatten einen Sohn, Bernard Pagel.

Nach dem Abitur am Friedrichs-Gymnasium in Berlin studierte Pagel von 1916 bis 1921 Medizin an der Berliner Universität. Von August 1917 bis November 1918 leistete er Kriegsdienst als Krankenträger. Nach der Approbation 1922 in Berlin war Pagel von 1923 bis 1926 und erneut von 1928 bis 1930 am Tuberkulosekrankenhaus der Stadt Berlin in Sommerfeld (Osthavelland) angestellt. Zwischendurch (von 1926 bis 1928) arbeitete er als Prosektor am Pathologischen Institut der Universität Tübingen. Nach einem kurzen Aufenthalt am Institut für Medizingeschichte in Leipzig ging Pagel 1930 als Assistent nach Heidelberg, wo er sich 1930 für die Fächer Pathologische Anatomie und Geschichte der Medizin habilitierte.[1] 1933 musste Pagel mit seiner Frau und seinem dreijährigen Kind wegen seiner jüdischer Abstammung emigrieren (sein älterer Bruder Albert Pagel kam im Holocaust um). Er lebte erst in Paris und später in Cambridge, wo er an einer Tuberkulose-Klinik arbeitete, und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur Medizingeschichte, obwohl er hauptberuflich als Pathologe an verschiedenen Londoner Krankenhäusern arbeitete. Pagel starb 1983 in London. [2][3]

Pagel beschäftigte sich vor allem mit Forschung zur Tuberkulose, der er sich zuwandte, als er selbst daran erkrankte und an dem Spezialkrankenhaus für Tuberkulose Sommerfeld im Havelland war, dessen Chefarzt Helmuth Ulrici ihm während der Genesung experimentelle Arbeiten im Krankenhaus erlaubte. Später kehrte er auch als Pathologe an das Krankenhaus zurück.

Als Medizinhistoriker befasste sich insbesondere mit Paracelsus, Johan Baptista van Helmont (dessen Aufgang zur Artzney-Kunst er neu herausgab[4]) und William Harvey.

Die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg verlieh Pagel 1966 die Ehrendoktorwürde. 1970 wurde er mit der George-Sarton-Medaille ausgezeichnet, dem höchst renommierten Preis für Wissenschaftsgeschichte der von George Sarton und Lawrence Joseph Henderson gegründeten History of Science Society (HSS). 1969 erhielt er den Dexter Award für seine Beiträge zur Medizingeschichte. Für seine Tuberkuloseforschung erhielt er 1982 die Robert-Koch-Medaille.

Schriften[Bearbeiten]

Medizingeschichte[Bearbeiten]

  • Paracelsus. An introduction to philosophical medicine in the era of renaissance, New York, Karger 1958, 2. Auflage 1982 (deutsche Übersetzung Das medizinische Weltbild des Paracelsus. Seine Zusammenhänge mit Neoplatonismus und Gnosis, Steiner 1962)
  • William Harvey´s biological ideas. Selected aspects and historical background, New York, Karger 1967
  • The religious and philosophical aspects of van Helmont’s science and medicine, Baltimore, The Johns Hopkins Press, 1944
  • New light on William Harvey, Karger 1976
  • Johann Baptist van Helmont. Einführung in die philosophische Medizin des Barock, Berlin, Springer Verlag 1930
  • From Paracelsus to Van Helmont: studies in Renaissance medicine and science, London 1986 (Herausgeber Marianne Winder)
  • Religion and neoplatonism in Renaissance medicine, London 1985 (Herausgeber Marianne Winder)
  • Herausgeber mit Joseph Needham Background to Modern Science: ten lectures at Cambridge arranged by the history of Science Committee 1936, Cambridge University Press 1938 (Vorlesungen unter anderem von Arthur Eddington)

Medizin[Bearbeiten]

  • Die allgemeinen pathomorphologischen Grundlagen der Tuberkulose, Berlin, Springer Verlag 1927

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang U. Eckart u.a. (Hrsg.), Die Universität Heidelberg im Nationalsozialismus, Heidelberg 2006, S. 980 ff.
  2. M Winder, R Burgess: Walter Pagel (12 November 1898 to 25 March 1983). In: Med Hist. 1983 July; 27(3): 310–311. PMC 1139339 (freier Volltext)
  3. Die Medizinhistoriographie in Heidelberg: Das frühe 20. Jahrhundert: Walter Pagel, abgerufen am 11. Juni 2013.
  4. Mit Friedhelm Kemp und anderen. München, Kösel Verlag 1972

Weblinks[Bearbeiten]