Walter von Molo

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Walter von Molo

Walter Reichsritter von Molo (* 14. Juni 1880 in Sternberg, Mähren; † 27. Oktober 1958 in Hechendorf bei Murnau am Staffelsee) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Walter von Molo wurde am 14. Juni 1880 in Sternberg geboren und wuchs in Wien auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er dort Maschinenbau und Elektrotechnik und arbeitete bis 1913 als Ingenieur im Wiener Patentamt. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs übersiedelte Walter von Molo nach Berlin, da er sich, durch seine bayerischen Eltern geprägt, mehr als Deutscher fühlte. In Berlin war er ausschließlich als Schriftsteller tätig und wurde während des Ersten Weltkrieges, an dem er als kriegsdienstuntauglich nicht teilnahm, landesweit bekannt. Mit Unterstützung seines Freundes Gustav Stresemann erhielt von Molo 1920 die preußische und damit die deutsche Staatsbürgerschaft. In den zwanziger Jahren trat Walter von Molo zum protestantischen Glauben über. Er war seit 1930 in zweiter Ehe mit Anneliese geb. Mummenhoff verheiratet.[1]

Werk und Berufstätigkeit[Bearbeiten]

Walter von Molo, 1930

Walter von Molos während und kurz nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichten Werke erzielten Rekordauflagen und machten ihn zu einem der populärsten deutschsprachigen Autoren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wozu seine Biographien über Friedrich Schiller (1912-1916), Friedrich II. von Preußen ("Fridericus") und Prinz Eugen beitrugen. Daneben schrieb Molo aber auch reine Romane, wie: Ein Volk wacht auf (1918-1921). Alle seine Werke zeigten eine deutschnationale Einstellung, die sich auch durch die Niederlage Deutschlands und den Zusammenbruch der Donaumonarchie erklären lässt. Wirtschaftspolitisch und gesellschaftlich betonte Walter von Molo die Individualrechte und sprach sich gegen staatliche Beschränkungen der Meinungsfreiheit aus ("Friedrich Staps" 1918, "Ein Deutscher ohne Deutschland" 1931). Ebenso entschieden wie gegen die Rheinlandbesetzung durch französische Truppen trat von Molo jedoch für die Schriftsteller Remarque und Heinrich Mann ein.[2] Entgegen antisemitischer Äußerungen hatte von Molo keine jüdischen Vorfahren, als bekennender Kriegsgegner, Verteidiger der Juden und ihrer Gleichberechtigung in der deutschen Gesellschaft zog er jedoch wiederholt den Ärger der organisierten Antisemiten auf sich.[3]

Molo war Mitbegründer des deutschen PEN-Clubs und seit dem Gründungsjahr 1926 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Seit 1928 war er Vorsitzender der Sektion Dichtung innerhalb der Preußischen Akademie der Künste,[4] der auch Thomas Mann und Heinrich Mann angehörten; das unbezahlte Ehrenamt begriff er als gesellschaftliche, kulturelle und soziale Aufgabe.[5] Eine im engeren Sinne politische Position bezog von Molo nicht, verkehrte allerdings freundschaftlich mit den führenden Politikern seiner Zeit wie Gustav Stresemann, Paul Löbe, Friedrich Ebert und Otto Braun.[2]

Verhältnis zum Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten drohte Walter von Molo trotz bereitwilliger Unterzeichnung einer Ergebenheitsadresse am 15. März 1933 der Ausschluss aus der Sektion Dichtung der Preußischen Akademie der Künste. Diesen Ausschluss verhinderte nur ein persönliches Einschreiten über das preußische Kultusministerium.[6] Eine Emigration lehnte Molo - auch als seine beiden Kinder das Land verlassen hatten - ab und zog sich mit seiner Ehefrau nach Murnau am Staffelsee auf ein einige Jahre zuvor erworbenes Gehöft zurück. Molo legte sämtliche Ehrenämter nieder und blieb lediglich gemeinsam mit unter anderem Max Planck, Eduard Spranger und Carl Jacob Burckhardt im parteipolitisch unbeachteten Vorstand der Weimarer Goethe-Gesellschaft.[1]

Obgleich sich Walter von Molo nicht öffentlich gegen die nationalsozialistische Regierung äußerte und im Oktober 1933 zum Nachweis seiner Staatstreue ein Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler[4] mitunterzeichnete, ließen Angriffe des Kulturpolitikers und Schriftstellers Arnolt Bronnen und verschiedener NS-Propagandaorgane gegen ihn nicht nach[7], von Molos Theaterstücke wurden nicht mehr gespielt, seine Bücher kaum noch besprochen, sein Luther-Roman und einige Schriften über Friedrich den Großen galten als unerwünscht. Er fand nur schwer Verleger und musste sich wirtschaftlich deutlich einschränken.[1] Politisch äußerte er sich lediglich noch 1938, als er den „Anschluss Österreichs“ und seiner böhmischen Geburtslande bejubelte.[2]

In den folgenden Jahren, insbesondere während des Krieges, empfand sich Walter von Molo als ausgegrenzt und beobachtet. Da seine Werke nicht als bedeutend galten, wurden sie aus Papiermangel nicht mehr gedruckt, und Molos Schaffen beschränkte sich auf kulturgeschichtliche Zeitungsbeiträge. Aus Angst vor Hausdurchsuchungen versenkte er einen großen Teil der Werke seiner inzwischen ausgewanderten oder inhaftierten Kollegen und seinen Briefwechsel mit Stefan Zweig im Gartenteich.[2]

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Walter von Molo und andere Schriftsteller, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland geblieben waren, prägten in der Nachkriegszeit den Begriff der „inneren Emigration“. Nach Kriegsende forderte von Molo alle deutschen Exilschriftsteller auf, nach Deutschland zurückzukommen und sich dem herrschenden Elend wieder zu stellen; er löste damit eine heftige öffentliche Debatte über die Bewertung der Emigrationsliteratur und der ausgewanderten Schriftsteller aus.[8]

Am 4. August 1945 schrieb Molo in der Hessischen Post einen Offenen Brief an Thomas Mann: „Ihr Volk, das nunmehr seit einem Dritteljahrhundert hungert und leidet, hat im innersten Kern nichts gemein mit den Missetaten und Verbrechen.“[9] Thomas Mann antwortete darauf, dass Bücher, „die von 1933 bis 1945 in Deutschland überhaupt gedruckt werden konnten, weniger als wertlos“ seien.[9]

Molo löste damit eine heftige Kontroverse unter den „inneren Emigranten“ und den „Exil-Schriftstellern“ aus. Molo behauptete, dass Schriftsteller, die jahrelang nicht in Deutschland gelebt haben, das Recht verwirkt hätten, sich zum Schicksal Deutschlands zu äußern.

Anlässlich seines siebzigsten Geburtstages wurde Walter von Molo noch einmal in der Öffentlichkeit gewürdigt, unter anderem durch die zurückgekehrten Emigranten Alfred Döblin und Alfred Kantorowicz. Von Molo konnte allerdings nicht mehr an seine früheren schriftstellerischen Erfolge anknüpfen. Als Ehrenvorsitzender der deutschen Schriftstellerverbände[4] setzte er sich für eine Verbesserung der sozialen Lage freischaffender Künstler ein.[2] Molo starb am 27. Oktober 1958, seine Urne wurde auf seinem Grundstück, dem heutigen Molo-Park in Murnau, beigesetzt, wo ein Grabstein an ihn erinnert.

Werke (in Auswahl)[Bearbeiten]

Erzählungen und Romane[Bearbeiten]

  • Wie sie das Leben zwangen, Roman, Vita Berlin 1906, Neuauflage 1926
  • Klaus Tiedmann der Kaufmann, 1909.
  • Im Titanenkampf. Ein Schillerroman, 1913
  • Der Hochzeitsjunker. Ein Rennroman, 1913
  • Die Freiheit. Ein Schillerroman, 1914
  • Der Große Fritz im Krieg, 1917
  • Schiller in Leipzig, 1917
  • Die ewige Tragikomödie. Novellistische Studien 1906-1912, 1917
  • Fridericus, Erster Roman der Trilogie Ein Volk wacht auf, 1918
  • Luise, Zweiter Roman der Trilogie Ein Volk wacht auf, 1919
  • Das Volk wacht auf, Dritter Roman der Trilogie Ein Volk wacht auf, 1921
  • Auf der rollenden Erde, Roman, 1923
  • Vom alten Fritz. 4 Erzählungen aus dem Leben des großen Königs, 1924
  • Bodenmatz, Roman, 1925
  • Im ewigen Licht, Roman, 1926
  • Die Legende vom Herrn, 1927
  • Hans Amrung und seine Frau und andere Novellen, 1927
  • Mensch Luther, Roman, 1928
  • Die Scheidung. Ein Roman unserer Zeit, 1929
  • Ein Deutscher ohne Deutschland. Ein Friedrich-List-Roman, 1931
  • Holunder in Polen, Roman, 1933
  • Der kleine Held, Roman, 1934
  • Eugenio von Savoy. Heimlicher Kaiser des Reichs, Roman, 1936
  • Geschichte einer Seele, 1938
  • Das kluge Mädchen, Roman, 1940
  • Der Feldmarschall, 1940
  • Sie sollen nur des Gesetzes spotten, Erzählungen, 1943
  • Im Sommer. Eine Lebenssonate, 2 Erzählungen, 1943
  • Der Menschenfreund, Roman, 1948
  • Die Affen Gottes. Roman der Zeit, 1950

Bühnenstücke[Bearbeiten]

  • Das gelebte Leben, Drama in 4 Akten, 1911
  • Die Mutter, Drama in 4 Akten, 1914
  • Der Infant der Menschheit, Drama in 3 Akten, 1916
  • Die Erlösung der Ethel, Tragödie in 4 Aufzügen, 1917
  • Friedrich Staps. Ein deutsches Volksstück in 4 Aufzügen, 1918
  • Der Hauch im All, Tragödie in 3 Aufzügen, 1918
  • Die helle Nacht, Schauspiel in 3 Aufzügen, 1920
  • Till Lausebums, Romantisches Lustspiel in 3 Aufzügen, 1921
  • Lebensballade, Ein Schauspiel in 12 Szenen, 1924
  • Ordnung im Chaos, Schauspiel in 8 Bildern, 1928
  • Friedrich List. Ein deutsches Prophetenleben in 3 Aufzügen, 1934

Drehbücher und Vorlagen[Bearbeiten]

Sonstige Schriften[Bearbeiten]

  • Deutsches Volk. Ein Flugblatt in jedes Haus, 1914
  • Als ich die bunte Mütze trug. Deutsch-österreichische Studenten-Erinnerungen, 1914
  • An unsere Seelen. Drei Flugblätter auf das Kriegsjahr 1914-1915, 1915
  • Deutschland und Oesterreich. Kriegsaufsätze, 1915
  • Deutsch sein heißt Mensch sein! Notschrei aus deutscher Seele, 1915
  • An Frederik van Eeden und Romain Rolland. Offener Brief, 1915
  • Sprüche der Seele, 1916
  • Im Schritt der Jahrhunderte. Geschichtliche Bilder, 1917
  • Italien. Erlebnisse Deutscher in Italien, 1921
  • Im Zwielicht der Zeit. Bilder aus unseren Tagen, 1922
  • Der deutschen Jugend gesagt, 1929
  • Zwischen Tag und Traum. Gesammelte Reden und Aufsätze, 1930
  • Deutsche Volksgemeinschaft. Ansprache am 22. März 1932 in Weimar, 1932
  • Wie ich Deutschland möchte. Eine Rede über Friedrich List, 1932
  • Lob des Leides, 1947
  • Zu neuem Tag. Ein Lebensbericht, 1950
  • So wunderbar ist das Leben. Erinnerungen und Begegnungen, 1957
  • Wo ich Frieden fand. Erlebnisse und Erinnerungen, 1959

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner von Bergen: Der lange Weg aus dem Exil. Die Diskussion um die Heimkehr aus dem Exil am Beispiel Thomas Manns und des Streites zwischen "innerer" und "äußerer" Emigration. 1945-1949. Mag.-Arb., Universität Frankfurt am Main 1984.
  • Babette Dietrich: "Ein Auftrag von höherer Macht ...". Walter von Molo und die Mainzer Literaturklasse 1949-1956. (= Edition Wissenschaft; Reihe Germanistik; 7). Tectum-Verlag, Marburg 1995. ISBN 3-89608-877-7
  • Hanns Martin Elster: Walter von Molo und sein Schaffen. Langen, München 1920
  • Rudolf Gnauk: Molo, Walter Ritter v.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 7–9 (Digitalisat).
  • Franz Camillo Munck: Walter von Molo. Der Dichter und das Leben. (= Vom Herzschlag meines Volkes; 2). Koch, Leipzig 1924.
  • Gustav Christian Rassy: Walter von Molo. Ein Dichter des deutschen Menschen. Bohn, Leipzig 1936.
  • Karl O. Vitense: Walter von Molo. Das Wesen des Schriftstellers. Diss., Universität Leipzig 1936.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Rudolf Gnauk: Molo, Walter Ritter v. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, ISBN 3-428-00199-0, S. 8 f. (Digitalisat).
  2. a b c d e Carsten Wurm: Zur Biographie eines Vertreters der "inneren Emigration". Walter von Molos autobiographische Texte, in: Hania Siebenpfeiffer / Ute Wölfel (Hrsg.), Krieg und Nachkrieg. Konfigurationen der deutschsprachigen Literatur, 2004 Berlin S. 81-89.
  3. Arndt Kremer: Deutsche Juden, deutsche Sprache. Jüdische und judenfeindliche Sprachkonzepte und -konflikte 1893-1933, 2007 Berlin S.105.
  4. a b c Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 415.
  5. Staat und Kunst. Ein Gespräch zwischen Hermann Kasack und Walter von Molo im Berliner Rundfunk (1928), 1996 in: Herbert Heckmann / Bernhard Zeller: Hermann Kasack zu Ehren. Eine Präsidentschaft in schwerer Zeit, 1996 Göttingen S.73-84.
  6. Joachim Dyck: Der Zeitzeuge. Gottfried Benn 1929-1949, 2006 Göttingen S.115f.
  7. beispielhaft zur propagandistischen Darstellung des Autors: Nationalsozialistische Monatshefte Bd.7 Nr.77 (1936) S. 52-54.
  8. Stephen Brockmann: Inner Emigration. The term and its Origins in Postwar Debates, in: Neil H. Donahue / Doris Kirchner (Hrsg.), Flight of Fantasy. New perspectives on inner emigration in german literature 1933-1945, 2003 S.11-26.
  9. a b Zitat bei Ernst Klee, Kulturlexikon, S. 415.