Waltham Automobile Company

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Die Waltham Automobile Company ist ein ehemaliger und kurzlebiger US-amerikanischer Hersteller von Dampfwagen. Verbindungen sind weder zur American Waltham Automobile Company (Dampfwagen der Marken American Waltham Steam) noch zur Waltham Watch Company (Uhren der Marke Waltham Watch) bekannt.

George M. Tinker und John W. Piper waren Angestellte der Waltham Manufacturing Company in Waltham (Massachusetts); Tinker hatte zuvor für den Konkurrenten Comet ein Kugellager entwickelt.[1] Der Geschäftsführer des Unternehmens, Charles Herman Metz, stellte ihnen 1898 Raum zur Verfügung damit sie einen leichten Dampf-Buggy bauen konnten. Dieser wurde im gleichen Jahr fertiggestellt und Waltham Steam genannt. Das Fahrzeug hatte eine 3 bhp (2.24 kW) Zweikolben-Dampfmaschine die vorwärts oder rückwärts laufen konnte. Sie wog nur 50 lbs (22.68 kg), der Kondensator aus Kupfer 110 lbs (49.9 kg). Das komplette Fahrzeug war mit 600 lbs (272 kg) sehr leicht. Gelenkt wurde mittels senkrecht stehendem Hebel. Das Fahrzeug hatte Drahtspeichenräder. Tinker und Piper stellten ihren Dampf-Buggy 1898 an der Boston Automobile Show aus.[2]

Zwei weitere Dampfwagen folgten unter der Marke Tinker & Piper. Auf Wunsch des größten Kapitalgebers der Waltham Manufacturing bauten sie außerdem einen leichtes Elektroauto mit einem General Electric Motor und einem Radstand von 1524 mm (60 Zoll). Dieser Prototyp wurde als Orient Electric an der New York Cycle & Automobile Show 1899 gezeigt aber weder von Waltham Manufacturing noch von den beiden Erbauern weiterverfolgt.[2]

Anfang 1900 verließen Tinker und Piper im Einvernehmen mit Metz die Waltham Manufacturing Company und machten sich an der Newton Street 130-136[3] am Ort selbständig. Ihre Waltham Automobile Company produzierte hier bis 1902 (nach anderer Quelle: 1903[3]) eine unbekannte Stückzahl des Waltham Steam Stanhope[2] mit "Victoria"-Verdeck[3] (heute bekannter als "Kinderwagen"-Verdeck). Dies war eine Weiterentwicklung des Buggy. Der Verkaufspreis betrug moderate US$ 750.[2] Eine Quelle nennt zudem eine viersitzige Vis-à-vis Version bei welcher die Passagiere mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzen.[3]

Am 6. Februar 1901 erschien ein Bericht in der Waltham Free Press Tribune über eine Fahrt, welche ein Reporter in einem Tinker & Piper Dampfwagen mitmachen durfte. Zuvor hatte es heftig geschneit und das Fahrzeug musste durch 15-30 cm starken Schnee um einen liegen gebliebenen Transportkarren herum fahren. Es sei eine Geschwindigkeit um 15 km/h (9 MPH) erreicht worden.[4] Sofern zutreffend, war das unter diesen Verhältnissen eine beachtliche Leistung.

Der Waltham Steam war für kurze Zeit auch als American Steam bekannt.[5][2][3]

Ein Exemplar existiert noch.[3]

Anmerkung[Bearbeiten]

In Waltham waren um die Wende zum 20. Jahrhundert nicht weniger als vier Hersteller mit dem Bau von Dampfwagen beschäftigt. Einer von ihnen war die hier beschriebene Waltham Automobile Company. Ferner gab es die New England Motor Carriage Company, die Stanton Manufacturing Company und die American Waltham Manufacturing Company. Die unterschiedlichen Bezeichnungen der Waltham Automobile Company führen gelegentlich zu Verwechslungen mit den Fahrzeugen des letztgenannten Unternehmens, die als American Waltham Steam bekanntb waren. Im unten erwähnten Werk von G. N. Georgano (Hrsg.): Complete Encyclopedia of Motorcars, 1885 to the Present, ist es offenbar zu einer solchen Verwechslung gekommen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Waltham Museum: Families
  2. a b c d e Kimes (1985), S. 1463.
  3. a b c d e f Waltham Museum: The Waltham Steam Cars of Piper and Tinker
  4. Waltham Museum: Timeline
  5. Kimes (1985), S. 45.

Literatur[Bearbeiten]

  • Beverly Rae Kimes (Hrsg.), Henry Austin Clark, jr.: The Standard Catalogue of American Cars 1805–1942. 2. Auflage. Krause Publications, Iola WI 1985, ISBN 0-87341-111-0. (englisch)
  • G. N. Georgano (Hrsg.): Complete Encyclopedia of Motorcars, 1885 to the Present. 2. Auflage. Dutton Press, New York 1973, ISBN 0-525-08351-0. (englisch)
  • Beverly Rae Kimes: Pioneers, Engineers, and Scoundrels: The Dawn of the Automobile in America. Herausgeber SAE (Society of Automotive Engineers). Permissions, Warrendale PA 2005, ISBN 0-7680-1431-X. (englisch)
  • Richard J. Evans: Steam Cars (Shire Album), Shire Publications, 1985, ISBN 0-85263-774-8. (englisch)
  • Anthony Bird, Edward Douglas-Scott Montagu of Beaulieu: Steam Cars, 1770-1970. Littlehampton Book Services, 1971, ISBN 0-304-93707-X. (englisch)
  • Floyd Clymer, Harry W. Gahagan: Floyd Clymer's Steam Car Scrapbook. Literary Licensing, 2012, ISBN 978-1-258-42699-6. (englisch)
  • John Heafield Bacon: American Steam-Car Pioneers: A Scrapbook. Newcomen Society of the United States. 1. Auflage. 1984, ISBN 99940-65-90-4. (englisch) Anfänge; Sylvester A. Roper; George A. Long; George E. Whitney
  • H. Walter Staner: The early days of motors and motor-driving - steam cars. Lightning Source, Milton Keynes UK, ISBN 978-1-4455-2487-0. (undatierter Nachdruck einer Anleitung zum Betrieb von Dampfwagen vom Herausgeber der Fachzeitung Autocar, ca. 1900, englisch)
  • Anthony Bird: De Dion Bouton - First automobile Giant. (Ballantine's Illustrated History of the Car marque book No 6). Ballantine Books, New York 1971, ISBN 0-345-02322-6. (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]