Walther von der Vogelweide

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Walther von der Vogelweide (* um 1170, Geburtsort unbekannt; † um 1230, möglicherweise in Würzburg), gilt als der bedeutendste deutschsprachige Lyriker des Mittelalters. Von ihm sind 500 Strophen in über 110 Tönen bzw. – inhaltlich gruppiert – 90 Lieder (Minnelieder) und 150 Sangsprüche überliefert; außerdem ein religiöser Leich (der, je nachdem welche Fassung man der Interpretation zugrunde legt, ein Dreifaltigkeits- oder ein Marienleich ist). Walthers Werküberlieferung ist damit neben der Neidharts und Frauenlobs die umfangreichste des deutschen Mittelalters.

Walther von der Vogelweide (Große Heidelberger Liederhandschrift, um 1300)

Schon im 13. Jahrhundert gehört er zu den allerersten Vorbildern, später zu den zwölf alten Meistern der Meistersinger. Die erste moderne Ausgabe seiner Werke stammt von Karl Lachmann (1827). Verweise auf Walthers Gedichte erfolgen immer auf Seite und Zeile dieser Ausgabe;[1] neuere Ausgaben beziehen sich darauf.

Quellen für Walthers Leben

Trotz seiner Berühmtheit findet sich Walthers Name nicht in zeitgenössischen Aufzeichnungen außerhalb der Nennungen bei Dichterkollegen; Ausnahme ist die einzelne Erwähnung bei den Reisekosten des Passauer Bischofs Wolfger von Erla für den 12. November 1203, in Zeiselmauer (zwischen Tulln und Klosterneuburg): Walthero cantori de Vogelweide pro pellicio v solidos longos (‚Walther, dem Sänger aus Vogelweide, für einen Pelzmantel fünf Schilling‘ [wörtlich: ‚lange Solidi‘]).[2] Kleriker aus der Umgebung des Bischofs erhielten in diesen Tagen (Anfang November) Pelzmäntel um etwa denselben Wert oder knapp darunter; das zeigt, dass Walther sich etwa so gut kleiden durfte wie die engeren Mitarbeiter („Beamte“) des Bischofs. Das zeigt seine soziale Stellung.[3]

Einzige urkundliche Erwähnung Walthers, 1203

Ansonsten stammen alle Informationen über Walthers Leben aus seinen eigenen Liedern und aus Erwähnungen bei zeitgenössischen Dichtern. Positiv erwähnt wird Walther von:

Negativ wird Walther beurteilt von:

Negative Kritik wird in der Literatur meistens nicht durch eine namentliche Nennung, sondern nur durch eine Anspielung auf den Gegner gebracht, die gebildetes Publikum erkennen lässt, wer gemeint ist. Man weiß heute oft nicht genug, um einen persönlichen Angriff eindeutig identifizieren zu können. Deshalb wird zum Teil bezweifelt, dass sich einige Attacken Reinmars von Hagenau und Neidharts von Reuental gegen Walther richten. Die meisten Forscher halten aber neben der Fehde Walthers mit Reinmar auch die zwischen ihm und Neidhart für nachweisbar.

Wenig Wert haben spätere Erwähnungen, z. B. in der Brennenberger-Klage über das Dahinscheiden der großen alten Sänger (Wol mich des tages). Nicht sicher beurteilbar ist die Glaubwürdigkeit der Angaben Michaels de Leone über Walthers Grab.

Walther wurde von anderen Dichtern Herr genannt, was aber nicht beweist, dass er adliger Abstammung war. Die Herkunftsangabe Vogelweide weist jedenfalls darauf hin, dass er nicht zum höheren Adel gehörte, der seine Namen von Burgen oder Dörfern nahm, sondern bestenfalls zum unfreien Dienstadel (Ministerialen). Gegen adlige Herkunft spricht, dass Walther nie als Zeuge auf Urkunden auftritt, also anscheinend nicht als zeugenfähig galt.

Überlieferung

Die bei weitem umfangreichste Sammlung von Walthers Gedichten befindet sich in der so genannten „Großen Heidelberger Liederhandschrift“, einer Prachthandschrift, die um 1300 (von manchen etwas später datiert) verfertigt wurde; möglicherweise für den Zürcher Bürger und Ratsherrn Rüdiger Manesse. In den kritischen Ausgaben wird sie immer mit der Sigle C bezeichnet.

Sie enthält Gedichte von über 100 Autoren des 12. und 13. Jahrhunderts; mehrere Schreiber haben an ihr gearbeitet. In ihr befindet sich auch das berühmte Bild Walthers, das dem ‚ersten Reichsspruch‘ nachempfunden ist: Walther, wie er ûf eime steine sitzt (ein ähnliches, aber nicht so sorgfältig ausgeführtes Bild findet sich in B). Sie enthält 440 Strophen Walthers und den Leich. C hat für Walther mehrere kleinere, inzwischen verlorene ältere schriftliche Liedersammlungen benutzt; darunter sowohl solche, die auch A benutzt hat, als auch eine, die auch B benutzt hat, als auch eine, die auch E benutzt hat, sowie manches aus verstreuter Einzelüberlieferung. Stellenweise hat C Platz gelassen für Nachträge einzelner Strophen oder Lieder, die man noch zu erhalten hoffte; manche Nachträge erfolgten dann tatsächlich, manche Lücken blieben leer. Anscheinend wollte C alles sammeln, was man um 1300 an Werken Walthers noch kannte.

Trotz dieses Sammeleifers ist C nicht ganz zuverlässig: ‚unbedeutende‘ Wörter, die anscheinend für den Sinn nicht wesentlich sind, sind oft durch andere ersetzt. Ein ‚nun‘ oder ‚da‘ mehr oder weniger in einer Zeile oder ein ‚schön‘ statt ‚gut‘ oder umgekehrt war bei mündlichem Vortrag der Lieder durch Sänger schon zur Zeit Walthers nicht konstant zu halten, und in die Sammelhandschriften scheinen altbekannte Strophen oft nicht so gekommen zu sein, wie der jeweilige Schreiber sie auf der schriftlichen Vorlage vor sich liegen, sondern wie er sie in seiner Erinnerung hatte.

Weitere wichtige Handschriften, die Strophen Walthers enthalten, sind:

  • Die Kleine Heidelberger Liederhandschrift, Sigle A, enthält ca. 180 Strophen Walthers (einige davon unter den Namen anderer Autoren). Sie stammt noch aus dem 13. Jahrhundert.
  • Die Weingartner Liederhandschrift, B. Sie entstand um 1300, enthält 112 Strophen Walthers und steht in Text und Abbildungen C am nächsten.
  • Eine andere, wie C in Heidelberg aufbewahrte Handschrift, D, enthält nur 12 Sprüche und 6 Liedstrophen Walthers, ist aber alt (spätes 13. Jahrhundert; vielleicht etwas älter als A) und vor allem sorgfältig und aus einer erstklassigen Quelle abgeschrieben.
  • Zwar erst aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, aber umfangreich und mit einigen Strophen, die in den älteren Handschriften fehlen, ist E, das ‚Hausbuch‘ des Würzburgers Michael de Leone (212 Strophen Walthers erhalten; jedoch ist es defekt: mitten in der ‚Elegie‘ beginnt eine größere Lücke, die bis über das Ende von Walthers Oeuvre hinausreicht).
  • Noch aus der Zeit um 1230, wahrscheinlich knapp nach Walthers Tod, stammt die Handschrift der Carmina Burana, M, die nur drei Strophen Walthers enthält. Dennoch ist sie lehrreich: Zwar steht sie Walther zeitlich nahe, dennoch ist ihr Text nicht besser als der von A oder C. Ähnlich ist es mit den Anfangsversen von Walthers Preislied, mit denen Ulrich von Liechtenstein im Jahre 1227 von seinem Boten begrüßt worden sein will (so schreibt er im 1255 verfassten „Frauendienst“). Darin befindet sich nur ein Wort (ir frâget mich in der 4. Zeile statt nû frâget mich in der Walther-Überlieferung der Liederhandschriften), das in keiner der Liederhandschriften steht. Ulrich ist durch seine Nähe zum österreichischen Hof (er war Ministeriale des Herzogs) ein so guter Zeuge und die Handschrift des Frauendienstes so sorgfältig, dass der Wert seines Zitates die Walther-Überlieferung aufwiegt, aber der Erfolg der Vergleichung ist unbedeutend. Die Sammler der Zeit gegen 1300 hatten also gute alte Vorlagen; die meisten Fehler scheinen schon zwischen den ‚Originalen‘ und den ersten sorgfältigen Sammlungen entstanden zu sein. Ob Walther selbst Niederschriften seiner Lieder veranlasst oder gar überwacht hat, wissen wir nicht. Die Tradition zur Entstehungszeit war zu einem guten Teil mündlich und daher notwendigerweise ungenau.
Walther von der Vogelweide (Weingartner Liederhandschrift, um 1300)

Leben und Werk

Das meiste weiß man über Walther aus seinen Werken. Fragen zu seiner Biographie sind vor allem dann wichtig, wenn sie die Dichtungen verstehen helfen. Dazu gehören nicht die Diskussionen, wo Walther geboren wurde oder wo er begraben liegt. Lokalpatrioten interessieren sich dennoch dafür, um Walther vielleicht in ihrer Heimat ansiedeln zu können.

Das „Ich“ einer Dichtung ist sehr oft nicht mit dem Dichter identisch. In der Lyrik wird dieses „Ich“ meist als „lyrisches Ich“ bezeichnet, wenn es sich um Stimmungslyrik, beispielsweise Liebeslyrik, handelt. Es berichtet dem Publikum von einem Liebeserlebnis. Wenn eine erzählende (kurzepische) Haltung vorwiegt, spricht man vom Sänger. Jedenfalls ist es eine fiktive literarische Figur, keine autobiographische Äußerung des Dichters.

In politischer Dichtung und Auseinandersetzungen mit literarischen und sonstigen Feinden des Autors hat das ‚Ich‘ große autobiographische Anteile, ist aber trotzdem literarisch stilisiert. Für heutige Leser ist noch schwerer erkennbar als für die Zeitgenossen, wo die Grenzen zwischen autobiographischen Anteilen und Fiktion liegen. Da es außer den oben genannten und seinen eigenen Gedichten keine Quellen über Walther gibt, hat das Walther-Bild notgedrungen unhistorische Anteile. Trotzdem besitzt dieses „poetische“ Walther-Bild einigen Wert, weil es das moderne Verständnis seiner Dichtungen nachzeichnet.

Insbesondere die Chronologie der Werke steht nur dort auf sicherem Boden, wo politische Ereignisse eindeutig angesprochen werden (zum Beispiel die Krönung oder der Tod eines bestimmten Fürsten; identifizierbare Reichstage). Lieder, die die Stimmung eines alten Mannes wiedergeben, reiht man üblicherweise unter Walthers Altersdichtung ein, obwohl auch ein jüngerer Dichter in die „Maske“ eines alten Mannes schlüpfen könnte, usw. Eine derartige Aussage ist als – wertvolle – Aussage über die Stimmung, die das Lied im Publikum erweckt, zu verstehen; kaum ist sie Hilfsmittel zu absoluter Datierung. Allerdings zeigt die datierbare politische Altersdichtung Walthers einige Stilzüge, die auch in nicht datierbaren Liedern auftreten, die man gerne seiner Altersdichtung zuordnen würde, so dass vieles der unten gewählten zeitlichen Strukturierung auch der Minnelyrik zwar unbeweisbar und im Detail umstritten, aber nicht unsinnig ist.

Walthers Leben nach seinen Dichtungen

Aussagen in Walthers Gedichten, aus denen Rückschlüsse auf seine Biographie gezogen werden dürfen, sind: Zu seiner Jugendzeit äußert er sich im Alter mit: ze Ôsterrîche lernt ich singen unde sagen. Bis zum Tod des Babenbergers Herzog Friedrich I. von Österreich (Frühjahr 1198) wirkte er an dessen Hof in Wien. Es scheint ein glücklicher Lebensabschnitt gewesen zu sein.

Danach erhielt er ein ehrenvolles Engagement am Hof des staufischen Thronkandidaten Philipp von Schwaben und machte wirkungsvolle Propaganda für ihn bzw. gegen den welfischen Gegenkandidaten Otto (den späteren Otto IV.). Ungefähr zur Zeit von Philipps Krönung (September 1198 in Mainz) entstanden Sprüche, die auf die Krönung Bezug nehmen, ebenso vermutlich zwei seiner drei Reichssprüche (Lachmann 8,4 ff.), deren erster (ich saz ûf eime steine) als Vorlage für das Walther-Bild der Weingartner und der Manesseschen Liederhandschrift diente. Walther besang auch das Weihnachtsfest, das Philipp 1199 in Magdeburg beging. Schon im Spießbratenspruch (Lachmann 17,11), der auf Ereignisse in Griechenland von (wahrscheinlich) Mai 1204 Bezug nimmt, wird jedoch Kritik an Philipp greifbar, was ihm dieser, nach einer Bemerkung Wolframs im Willehalm zu schließen, anscheinend übel nahm.[7]

Schon zuvor war Walther nicht ständig im Gefolge Philipps gewesen. 1200 verfasste er anlässlich der Schwertleite Herzog Leopolds VI., des Nachfolgers Friedrichs I., ein Huldigungsgedicht. Er war also (zumindest für kurze Zeit) nach Wien zurückgekehrt. In seinem Preislied, das um diese Zeit entstanden sein könnte, weist er darauf hin, dass er schon weite Teile Europas bereist hat. Er scheint also an verschiedenen Höfen meist kurzfristige Engagements erhalten zu haben.

Am meisten weiß man über den Verlauf seines Aufenthalts am Hof von Landgraf Hermann I. von Thüringen. Dieser Aufenthalt spiegelt sich nicht nur in Sprüchen Walthers, sondern auch in ironischen Bemerkungen Wolframs von Eschenbach über Walther, sowohl im Parzival als auch im Willehalm: Wolfram verfasste große Teile seiner beiden Romane für Hermann von Thüringen und lernte daher Walther persönlich kennen. Walther scheint in Thüringen auf Schwierigkeiten gestoßen und unfähig gewesen zu sein, sich in die thüringische Hofgesellschaft zu integrieren. Er beklagt sich über den Lärm betrunkener Ritter, die am Vortrag von Lyrik nicht interessiert seien.

Außerdem verlor er trotz Appells an den Landgrafen einen Rechtsstreit gegen einen Gerhart Atze aus Eisenach, der ein Pferd Walthers erschossen hatte, vielleicht in der irrigen Meinung, dieses sei das Pferd gewesen, das ihm einen Finger abgebissen hatte. Den genauen Tathergang kennt man allerdings nicht, denn die Darstellung in Walthers Atze-Sprüchen – „Atze behauptet, mein Pferd sei mit dem Gaul, der ihm den Finger abbiss, verwandt gewesen; ich schwöre, dass die beiden Pferde einander nicht einmal kannten“ – ist satirisch. Walther forderte darin finanzielle Entschädigung für das Pferd, erhielt sie aber nicht.

Weiters bezeugen Walthers eigene Aussagen Bindungen an folgende Fürsten:

Man vermutet auch Beziehungen zu Herzog Ludwig I. von Bayern, und zu einem Grafen von Bogen. In all diesen Fällen handelt es sich um Einzelpersonen. Eine Ausnahme ist der Hof zu Wien, dieser wird auch kollektiv als der wünneclîche hof ze Wiene (der wonnige Hof zu Wien) als Hofgesellschaft (und nicht nur in der Person des Herzogs) angesprochen.

Spätestens nach der Ermordung König Philipps (1208) scheint sich Walther dem Welfen Otto IV. angeschlossen zu haben, der 1209 von Papst Innozenz III. zum Kaiser gekrönt wurde. Das bedeutendste dichterische Zeugnis der Verbindung mit Otto sind die drei „Herr Kaiser“-Sprüche im Ottenton anlässlich des Frankfurter Reichstages von 1212. Walther schalt den Geiz Ottos; dadurch wurde das Verhältnis beendet. Dies markiert den Übergang Walthers zu dessen Gegner, dem Staufer Friedrich II. Obwohl Friedrich schon am 9. Dezember 1212 auf Betreiben des Papstes in Mainz ebenfalls zum deutschen König gewählt wurde, scheint Walther sich erst später von Otto ab- und Friedrich II. zugewandt zu haben. Trotzdem zeigte sich Friedrich für Walthers propagandistischen Einsatz erkenntlich.

Erst von Friedrich, aber noch vor dessen Kaiserkrönung (1220) erhielt Walther ein Lehen, das ihn vom Zwang befreite, kurzfristig wechselnde Engagements suchen und das Leben eines fahrenden Sängers führen zu müssen (Lachmann 28,31; „jetzt fürchte ich nicht mehr den Februar an den Zehen“). Walther sagt nicht, wo sich das Lehen befand, und ob es sich dabei überhaupt um die Vergabe von Land oder vielleicht ein nicht mit Landbesitz verbundenes, sogenanntes 'Zinslehen' handelte.

Man hält es für möglich, dass das Lehen in oder um Würzburg gewesen sein könnte, weil der Würzburger Michael de Leone um 1350 berichtet, Walthers Grab sei in Würzburg in der Neumünsterkirche, und dabei eine Grabinschrift mitteilt, die er dort gesehen haben will. Ob diese Nachricht vertrauenerweckend ist, oder Michael de Leone in seinem Lokalpatriotismus nur aus dem Vorkommen eines Vogelweidhofes in Würzburg erschlossen hat, dass Walther hier gelebt haben müsse, und den Rest, einschließlich Grabinschrift, erfunden hat, ist umstritten.

Das Lehen gab Walther endlich das Heim und die feste Position, die er sich sein Leben lang gewünscht hatte. Er beklagte sich jedoch darüber, dass es nur einen geringen Wert hatte; allerdings nicht in Form eines Vorwurfs gegen Friedrich, sondern als Abwehr der Forderungen von pfaffen, davon Abgaben an den Klerus zu leisten (Lachmann 27,7). Dass Friedrich ihm darüber hinaus noch mehr Wohlwollen erzeigte, indem er ihn zum Lehrer seines Sohns (des späteren Königs Heinrich [VII.]) machte, darf bezweifelt werden, da diese Vermutung auf einem Gedicht beruht, das auch anders interpretiert werden kann.

Zwischendurch war Walther bei verschiedenen Anlässen wieder in Wien; eine Strophe bezieht sich auf die Rückkehr Leopolds VI. von einem „heiligen“ Kriegszug; das kann der Albigenserkreuzzug in Südwestfrankreich (1212) oder, wahrscheinlicher,[8] der Kreuzzug von Damiette von 1217 bis 1219 gewesen sein. Auf einem Nürnberger Reichstag (vielleicht dem von 1224) scheint Walther im Gefolge Leopolds gewesen zu sein. 1225 betrauert er die Ermordung Erzbischof Engelberts von Köln.

Das letzte datierbare Lied Walthers, die so genannte Elegie, enthält einen Aufruf an die Ritterschaft, am Kreuzzug Friedrichs II. von 1228/1229 teilzunehmen, der vom Herbst 1227 stammen muss. Walther wird daher bald danach gestorben sein (vermutlich spätestens 1230, weil er sonst wohl ein Lied über die Erfolge dieses Kreuzzuges gedichtet hätte) und wurde, falls wir der Angabe Michaels de Leone vertrauen, in Würzburg begraben.

Zentrale Themen von Walthers politischer Dichtung

Ein Hauptthema von Walthers politischer Dichtung ist die Reichspolitik. Auffällig daran ist, dass er in allen Streitfragen, vom Streit zwischen Philipp und Otto um die Krone ab 1198 bis zum Kreuzzugsappell vom Herbst 1227, meist auf der anderen Seite stand als der jeweilige Papst. Scharfe Aussprüche gegen den Papst trug er zunächst gegen Innozenz III. (1198–1216) im 2. Reichsspruch vor (wahrscheinlich auf Ereignisse von 1201 während des Kampfes zwischen Philipp und Otto Bezug nehmend).

Unter Otto polemisierte er im Unmutston gegen die Kollekte von Geldern durch Innozenz III.: Diese seien nicht, wie angegeben, für einen Kreuzzug bestimmt, sondern würden bestimmungswidrig zum Ausbau des Laterans (zur Vorbereitung der Lateransynode von 1215) verwendet werden. Im Kreuzzugsappell vom Herbst 1227 betonte Walther, dass der Kreuzzug eine Sache der Ritter sei und der Kaiser der Anführer des Kreuzzuges. Das bezieht sich darauf, dass Friedrich II. von sich aus den Termin zum Aufbruch neu festsetzte, weil eine Seuche das Kreuzfahrerheer beim ersten Aufbruchsversuch dezimiert hatte und Friedrich selbst daran schwer erkrankt war, während Papst Gregor IX. (1227–1241) die Oberhoheit des Papstes über den Kaiser durchsetzen wollte und Friedrich deswegen bannte: Gregor forderte, dass der Kreuzzug vom Kaiser im Auftrag des Papstes durchzuführen sei und daher auch der Aufbruchstermin vom Papst bestimmt werden müsse.

Walther blieb bis ans Ende seiner Tage ein erbitterter Gegner der Forderung der Päpste, dass der Kaiser sich dem Papst zu unterstellen habe. In seinen religiösen Gedichten zeigt sich die auch sonst unter den deutschen Dichtern dieser Zeit häufige Haltung, dass für das Wohlergehen der Christenheit vor allem die richterliche Funktion des Königs und die kriegerische Leistung des Rittertums maßgeblich seien, und sie in diesen Dingen daher nicht dem Papst unterstellt seien. Die Meinung, dass unter den Ständen der Kirche der Laienstand dem Klerus nicht untergeordnet sei und der Klerus keine besonderen Vorrechte besitze, kommt etwa auch in den Werken Wolframs von Eschenbach deutlich zum Ausdruck.

Ein anderes mehrfach wiederkehrendes Thema ist die Schelte geiziger Gönner, die Walther nicht entsprechend seinem Wert entlohnten. Besonders scharf fielen seine Spottstrophen gegen Markgraf Dietrich von Meißen, Kaiser Otto IV. und Herzog Bernhard von Kärnten aus. Es ist nicht feststellbar, ob in allen diesen Fällen wirklich das zu geringe Honorar Ursache für den Bruch war oder in einigen Fällen nur stellvertretend für einen politisch motivierten Bruch stand.

Zentrale Themen von Walthers Minnesang

Wilhelm von Kaulbach: „Unter der Linden“

Anders als bei der politischen Dichtung ist es unmöglich, Walthers Minnesang der Zeit nach zu ordnen, denn diese Lieder spielen nicht auf historische Ereignisse an. Bei einigen Liedern vermutet man allerdings, dass sie aus Walthers Jugend stammen, weil sie noch nicht die volle Meisterschaft zeigen und sich an anderen Minnesängern orientieren. Unter ihnen überwiegen Lieder der „Hohen Minne“ im Stil Reinmars von Hagenau.

Eines von Reinmars Liedern, das einzige lokalisierbare Lied Reinmars, ist nachweisbar 1195 für den Wiener Hof entstanden; viele vermuten daher, dass Reinmar zur Zeit von Walthers Jugend in Wien als Hofdichter engagiert gewesen sein könnte, und Walther sein Schüler gewesen sei.[9] Die Annahme eines länger dauernden Lehrer-Schüler-Verhältnisses in Wien ist dafür allerdings nicht nötig.

Später trug Walther mit Reinmar eine scharfe Fehde aus, die sich noch in Walthers Nachruf auf den Tod Reinmars spiegelt, obwohl Walther dort die künstlerische Leistung des Konkurrenten bewundert und ehrend seiner gedenkt. Die Fehde scheint sowohl eine künstlerische Seite gehabt zu haben – den Streit um die „richtige“ Minnekonzeption –, als auch eine menschliche, die persönlichen Hass zeigt.

Eine wichtige Gruppe von Liedern zeigt Walthers neues, Reinmar entgegengesetztes Konzept, das Ideal der „ebenen Minne“, das eine nicht standesbezogene, wechselseitige und erfüllte Liebe als Ideal ansieht. Die populärsten seiner Lieder thematisieren die erfüllte Liebe zu einem Mädchen, dessen Stand meist nicht ausgesprochen wird, das aber nicht als adelig zu denken ist. Je nach Blickwinkel der Interpreten werden diese Lieder meist als „Niedere Minne“ oder „Mädchenlieder“ bezeichnet.

Insbesondere wurde die Gattungszugehörigkeit an dem Lied Under der linden (L. 39,11) diskutiert; vor allem, inwieweit es Merkmale der Gattung Pastorelle besitzt.[10] Dieses thematisiert das Liebeserlebnis eines anscheinend einfachen Mädchens mit ihrem höfischen Geliebten in der freien Natur. Es zeigt die Abkehr vom Ideal der unerfüllt bleibenden „Hohen Minne“ des Ritters zur höher gestellten Dame. Walther hat selbst in verschiedenen Liedern das Wesen von Hoher, Niederer und schließlich „ebener“ Minne, der erfüllten Liebe von gleich zu gleich, entwickelt und charakterisiert.

Walthers „Mädchenlieder“ lösen zeitlich wahrscheinlich die Frühphase, die stark vom klassischen Minnesang geprägt ist, ab. Eine scharfe Abgrenzung zu den Liedern der „Hohen Minne“ ist aber nicht möglich: die Übergänge sind fließend. Einige Lieder der „Hohen Minne“, die den Eindruck erwecken, die Wiederaufnahme einer älteren Thematik zu sein, fasste Carl von Kraus als eine Gruppe „Neue Hohe Minne“ zusammen. Dass er die Gruppeneinteilung Hohe Minne – Niedere Minne – Neue Hohe Minne – als eine chronologische Gliederung verstand, zog ihm scharfe Kritik zu, vor allem durch Günther Schweikle.

Zuordnung zu literarischen Gattungen

Mittelalterliche Dichter scheinen sich an Gattungskonventionen gehalten zu haben, bzw. die Schöpfung einer neuen Gattung wurde bewusst vorgenommen und von den Zeitgenossen auch als solche wahrgenommen. Doch entspricht dem nicht die Schaffung einer entsprechend ausgefeilten Terminologie; im Vergleich zu späteren Zeiten war man an terminologischer Unterscheidung der Unterarten von Gedichten nicht interessiert. Daher ist die Kategorisierung in heutiger Forschungsliteratur je nach Blickwinkel des Interpreten unterschiedlich.

Seit Emil Staiger betrachtet die Literaturwissenschaft die Haltung eines Gedichtes, ob eher Gefühle übermittelnd (lyrisch) oder erzählend (episch) oder handlungsbetont (dramatisch); danach wäre nur Weniges an Walthers Gedichten als „lyrisch“ zu kategorisieren. Fasst man „Lyrik“ als Hinweis auf die Aufführungspraxis, als mit musikalischem Vortrag unter Begleitung mit einem Saiteninstrument vorgetragen, so gehört auch die gesamte Spruchdichtung Walthers, weil Sangversdichtung, zur Lyrik.

Ob Walther selbst eine strenge gattungsmäßige Trennung zwischen den beiden Gattungen Lied und Spruch im Auge hatte, hängt an der Interpretation einer Zeile in seinem Alterston und ist daher umstritten. In Walthers Altersdichtung verschwimmt jedenfalls die formale Trennung zwischen einerseits mehrstrophigem (mindestens zweistrophigem) Lied und anderseits einzeln verstehbaren Spruchstrophen (auch wenn einige von Walthers Spruchtönen bestimmten Themen gewidmet sind). Auch sind schon von den Liedern der „Hohen Minne“ einige besser als allegorisch verkleidete inhaltliche Auseinandersetzungen mit politischen oder künstlerischen Gegnern zu verstehen, also nicht reine Stimmungslyrik.

Herkunft und Geburtsort

Walthers Geburtsort ist unbekannt. Es gab im Mittelalter viele sogenannte Vogelweiden bei Städten und Burgen, wo man Falken für die beliebte Falkenjagd hielt. Daraus kann man vermuten, dass dem Dichter sein Name zunächst nicht in der überregionalen Kommunikation beigelegt wurde, denn dort hätte er keine eindeutige Zuordnung leisten können. Hochadelige Personen nannten sich eindeutig nach ihrem Besitz oder ihrem Herkunftsort.

Demnach war der Name zunächst wohl nur in einem engen regionalen Umfeld sinnvoll (weil es in der jeweiligen Umgebung nur eine einzige Vogelweide gab), oder er wurde immer schon vor allem als metaphorischer Sänger-Übername verstanden. („Künstlernamen“ sind bei den Spruchdichtern des 12. und 13. Jahrhunderts das Übliche, Minnesänger dagegen waren – natürlich nur sofern sie tatsächlich Adelige waren – grundsätzlich unter ihrem Adelsnamen bekannt, mit dem auch Urkunden unterzeichnet wurden). Diese Vermutung wird durch eine andere Überlegung ergänzt, die davon ausgeht, 1. dass Walthers Beiname von Zeitgenossen so selbstverständlich wie ein die Herkunft bezeichnender Name benützt wird (z.B. von Gottfried von Strassburg: die [nahtegal] von der vogelweide, in Bischof Wolfgers Reiserechnungen [walthero cantori de vogelweide], aber auch – fast wie ein geläufiger, vom Herkunftsort abgeleiteter Eigenname – von Wolfram von Eschenbach [im Willehalm Vers 286,19, her vogelweid]), und 2. dass die örtliche Zuordnung des Namens der Gesellschaft, in der sich Walther bewegte, nicht unbekannt war. Demnach ist der Frage nachzugehen, welche von den vielen Vogelweiden in Frage kommen kann und welcher überhaupt eine überregionale Bekanntheit zugeschrieben werden kann, auf die sich Walther berufen konnte, wenn er sich den Beinamen „von der Vogelweide“ gab.

Mehrere Orte erheben den Anspruch, die Heimat des Sängers zu sein; beispielsweise Lajen (Südtirol), Frankfurt am Main, Feuchtwangen, Würzburg oder Dux (Böhmen). Unter diesen Orten bietet Lajen die Begründung einer möglichen überregionalen Bekanntheit seiner Vogelweiden aus der historischen Gegebenheit, dass das Lajener Ried, wo sich die Vogelweiden befinden, in unmittelbarer landschaftlicher Nähe und Verbindung zu Waidbruck steht. Waidbruck aber war bis zur Eröffnung des Kuntersweges durch die Eisackschlucht um 1314 eine Schlüsselstelle an der so genannten Kaiserstraße.[11] Ein Großteil der Reisenden, Kaufleute, Pilger, Unterhändler, und ungezählte geistliche und weltliche Herren kamen hier durch. Auch die Besitzungen des Hochstiftes Augsburg und des Bistums Freising in Lajen selbst gaben sicher Anlass für eine frequente Mobilität. Es sei hier erwähnt, dass unter all den Reisenden kein Geringerer als Bischof Wolfger, Walthers Förderer, seine Durchreise auf dieser Strecke sogar dokumentiert hat. Der Name der Ortschaft Waidbruck geht auf die Verbindung zu den angrenzenden Weiden zurück und legt aus der topografischen Besonderheit der Gegend einen Zusammenhang mit den Vogelweiden nahe. Das Bestimmungswort des Ortsnamens Waidbruck bezeichnet im Mittelhochdeutschen ja nicht nur Weide, sondern gleichrangig auch Jagd. Dieses Indiz dafür, dass „von der Vogelweide“ klar als eine Herkunftsbezeichnung gelesen werden kann, unterstützt die vielen anderen Indizien, die das Lajener Ried als Herkunftsort favorisieren und die These von der Südtiroler Herkunft gegenüber anderen Vermutungen behaupten.

Als Indiz für eine Herkunft aus dem Herzogtum Österreich, und damit wohl von der Vogelweide des Herzogs, von der man aber nicht weiß, wo sie lag, wird die sogenannte Alterselegie (eigentlich keine Elegie, sondern ein Aufruf zur Teilnahme am Kreuzzug von 1227/28) herangezogen. Hier nimmt Walther Bezug auf das Land seiner Jugend und wählt für diesen rückblickenden Text Langzeilen, wie sie für den „Donauländischen Minnesang“ kennzeichnend sind. Die Annahme, dass er von der Vogelweide des österreichischen Herzogs stammt, könnte erklären, dass er, trotz offensichtlicher Meinungsverschiedenheiten mit Herzog Leopold VI., immer wieder am Hof zu Wien Fuß zu fassen suchte und anscheinend so etwas wie ein „Heimatrecht“ geltend zu machen suchte (Ze Ôsterrîche lernt ich singen unde sagen; Lachmann 32,14), und gleichzeitig die Gönnerschaft des Bischofs von Passau in Anspruch nahm, zu dessen Diözese Wien gehörte. Auch die Sprache Walthers weist Eigenheiten auf, die für den österreichischen Donauraum kennzeichnend sind.

Alois Plesser (1911) und genauer Helmut Hörner[12] lokalisierten einen 1556 im Urbar der Herrschaft Rappottenstein (niederösterreichisches Waldviertel) angeführten Vogelweidhof, jetzt Gemeinde Schönbach.[13] Vorsichtige Unterstützung für diese Theorie – die eine Herkunft Walthers aus dem Waldviertel vermutet – lieferte der Mediävist Bernd Thum (Karlsruhe) 1977 und 1981: In der „Alterselegie“ klagt der Sänger Bereitet ist daz velt, verhouwen ist der walt; daraus schloss Thum, dass Walthers Heimat in einem Gebiet lag, wo zu dieser Zeit noch gerodet wurde, was auf das Waldviertel zutreffe.[14]

Walter Klomfar schloss sich dieser Meinung an und verwies zusätzlich auf eine historische Karte, die von Mönchen des Stiftes Zwettl im 17. Jahrhundert im Rahmen einer juristischen Auseinandersetzung angefertigt worden war. Darauf ist östlich eines Dorfes namens Walthers eine Flur als Vogelwaidt mit zugehörigem Hof eingezeichnet. Der Name Walther ist allerdings so häufig, dass es sich sicherlich um Zufall handelt und kaum auf die Familie Walthers von der Vogelweide zu beziehen ist.

Es gibt keine Quellen über die Jagdgewohnheiten der Babenberger, jedoch ist als sicher anzunehmen, dass sie auf die Beizjagd gingen, und daher in ihrem Herrschaftsbereich eine „Vogelweide“ besaßen. Obwohl man eher annehmen wird, dass diese näher bei Klosterneuburg lag, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie schon am Ort der oben genannten, erst 1556 belegten Vogelweide gewesen sein könnte; die „Waldviertel-Hypothese“ ist daher eine, wenn auch vage, Möglichkeit, auch wenn ihre oben beschriebene detaillierte Ausgestaltung durch Heimatforscher phantasievoll ist.

Verbreiteter ist die Annahme, dass Walther vom Vogelweider Hof bei Lajen in Südtirol stammt. Neben verschiedenen lokalhistorischen Anhaltspunkten, die in Betracht gezogen werden, wird den in Wolframs Willhalm und im Tegernsee-Spruch Walthers entdeckten literarischen Anspielungen und Indizien Aufmerksamkeit geschenkt. Die verbreitete Vermutung, Walther stamme aus dem damaligen Österreich, stützt sich im Wesentlichen auf das Zitat „ze Ôsterrîche lernt ich singen unde sagen“. Diese Aussage betont ausdrücklich den Ausbildungsort. Ob sie auch auf den explizit nicht genannten Herkunftsort bezogen werden kann, ist fraglich.

Eine Herkunft Walthers aus Südtirol wird wegen der von den politischen Zeitumständen im 19. Jahrhundert beeinflussten Argumentation dieser These von vielen für eher unwahrscheinlich gehalten. Neuere Forschungsergebnisse aber begründen sie mit plausiblen Indizien.[15] In der Biographie Walthers steht nun allerdings insgesamt eine Vielzahl von offenen Fragen wenigen und lückenhaften Anhaltspunkten gegenüber. Daraus ist ein stichhaltiges Kriterium der Unwahrscheinlichkeit oder Wahrscheinlichkeit seiner Herkunft nicht zu gewinnen.

Walther-Denkmal in Bozen von 1889
Denkmal für Walther von der Vogelweide auf dem Marktplatz von Weißensee (Thüringen)

Grab

Über den Ort des Grabes und die lateinische Inschrift gibt es nur die Angaben des Würzburger Protonotars Michael de Leone († 1355), Auftraggeber für die Liederkompilation der Handschrift E. Er gibt das Epitaph wieder (Pascua. qui volucrum. vivus. walthere. fuisti / Qui flos eloquij. qui palladis os. obiisti. / Ergo quod aureolum probitas tua possit habere. / Qui legit. Hic. dicat. deus iustus miserere „Der du eine Weide für die Vögel, Walther, im Leben bist gewesen, eine Blume des Ausdrucks, ein Mund der Paläste, bist nun tot. Wer’s liest, was Herrliches Deine Redlichkeit enthalten kann, der sprich: Gerechter Gott, erbarme Dich!“), was von der Teilübersetzung im Münchener 2° Cod. ms. 731 (Würzburger Liederhandschrift [E]), fol. 191v ergänzt wird: Her walter uon der uogelweide. begraben ze wirzeburg. zv dem Nuwemunster in dem grasehoue. Auch im Manuale des Michel de Leone (Universitätsbibliothek Würzburg M.p.misc.f.6, fol. 31vb) findet sich ein entsprechender Eintrag in lateinischer Sprache (Sepultus in ambitu novomonasterii herbipolensis). Manche Forscher bezweifeln allerdings die Vertrauenswürdigkeit Michaels de Leone. Eine Legende besagt, Walther habe verfügt, dass an seinem Grab täglich die Vögel gefüttert werden sollen, um seinen Lehrmeistern auf ewig zu danken und so auch andere Menschen zu inspirieren.

Grabmal im Kreuzgang des ehemaligen Kollegiatstiftes Neumünster in Würzburg

Monumente

An dem Ort im Grashof des Neumünster-Kreuzgangs, wo der Dichter vermutlich um 1230 auf dem damaligen Friedhof nördlich der Neumünsterkirche im Lusamgärtchen, bei der Stelle des ehemaligen Kreuzgangs (in dem grasehoue) beerdigt wurde (Sepulto in ambitu novimonasterii herbipolensis – ‚Begraben im Kreuzgang des Neumünsters zu Würzburg‘), steht seit 1930 ein Denkmal für ihn. Das Denkmal trägt die Hugo von Trimberg zugeschriebenen Verse: Her Walther von der Vogelweide, swer des vergaeze, der taet mir leide.[16] Das alte Grabmal wurde vermutlich Mitte des 18. Jahrhunderts bei Bauarbeiten entfernt. Der Kaiser hatte die ersten Pfründe des Stifts Neumünster sowie anderer bedeutender Reichsstifte nach der Thronbesteigung selbst vergeben. Dadurch ließe sich erklären, wodurch Walther an ein geistliches Lehen gekommen und im Kreuzgang des Stifts begraben worden sei, ohne Geistlicher oder Stiftsherr zu sein.

Eine Gedenktafel über ihn befindet sich in der Walhalla in Donaustauf. In Bozen steht auf dem zentralen Waltherplatz das Walther-Denkmal.

Bekannte Werke Walthers

Maßgebliche Textausgabe

  • Walther von der Vogelweide. Leich, Lieder, Sangsprüche. 15., veränderte und um Fassungseditionen erweiterte Auflage der Ausgabe Karl Lachmanns. Aufgrund der 14., von Christoph Cormeau bearbeiteten Ausgabe neu herausgegeben, mit Erschließungshilfen und textkritischen Kommentaren versehen von Thomas Bein. Edition der Melodien von Horst Brunner. de Gruyter, Berlin/Boston 2013. 843 Seiten. ISBN 978-3-11-017657-5. e-ISBN 978-3-11-029558-0.

Literatur

  • Thomas Bein: Walther von der Vogelweide. Reclam, Stuttgart 1997, ISBN 3-15-017601-8
  • Ingrid Bennewitz: „Vrouwe / maget“: Überlegungen zur Interpretation der sogen. „Mädchenlieder“ im Kontext von Walthers Minnesang-Konzeption. In: Walther von der Vogelweide. Hrsg. Hans-Dieter Mück, 1989, S. 237–252.
  • Karl Bertau: Deutsche Literatur im europäischen Mittelalter. 2 Bde. München 1972 f.
  • Helmut Birkhan (Hrsg.): Der 800jährige Pelzrock – Walther von der Vogelweide – Wolfger von Erla – Zeiselmauer. Verlag der Österr. Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3467-3
  • Horst Brunner (Hrsg.), mit Beiträgen von Helmut Lomnitzer u. Hans-Dieter Mück: Walther von der Vogelweide. Die gesamte Überlieferung der Texte und Melodien. (Litterae 7). Göppingen 1977, ISBN 3-87452-136-2
  • Konrad BurdachWalther von der Vogelweide. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 35–92.
  • Konrad Burdach: Der mythische und der geschichtliche Walther. In: Walther von der Vogelweide. Hrsg. Siegfried Beyschlag. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1971
  • Jean Firges: Walther von der Vogelweide. Dichter der Stauferzeit. Sonnenberg, Annweiler 2007 (Exemplarische Reihe Literatur und Philosophie, 22) Literaturverz. ISBN 3-933264-45-6
  • Gerhard Hahn: Walther von der Vogelweide. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Bd. X, Berlin 1999, Sp. 665–697.
  • Joachim Heinzle: Mädchendämmerung. Zu Walther 39, 11 und 74, 20. In: Verstehen durch Vernunft. FS für Werner Hoffmann. Hrsg. Burkhart Krause (Philologica Germanica 19), Wien 1997, S. 145–158.
  • Werner Hoffmann: Walthers Weggang aus Wien und der Beginn seiner politischen Lyrik. In: Expedition nach der Wahrheit, FS Theo Stemmler. Hrsg. Stefan Horlacher. Heidelberg 1996, S. 93–108.
  • L. Peter Johnson: Lyrische Allegorie bei Morungen und Walther. In: Poesie und Gebrauchsliteratur im deutschen Mittelalter, Würzburger Kolloquium 1978. Hrsg. Volker Honemann u.a. Tübingen 1979, S. 181–204.
  • Carl von Kraus: Walther von der Vogelweide. Untersuchungen. Berlin 1935.
  • Volker Ladenthin: Walthers Kreuzlied 76, 22 vor dem Hintergrund mittelalterlicher Kreuzpredigten. In: Euphorion 77 (1983), S. 40–71.
  • Volker Ladenthin: Schelte, Vision und Belehrung. Walther von der Vogelweide 13,5. In: Zeitschrift für Deutsche Philologie 102 (1983), S. 84–111.
  • Volker Mertens (Hrsg.): Walther lesen. Interpretationen und Überlegungen zu Walther von der Vogelweide; Festschrift für Ursula Schulze zum 65. Geburtstag. (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 692). Göppingen 2001.
  • Wolfgang Mohr: Die ‚vrouwe‘ Walthers von der Vogelweide. In: Zeitschrift für Deutsche Philologie 86 (1967).
  • Hans Dieter Mück (Hrsg.): Walther von der Vogelweide, Beiträge zu Leben und Werk. Günther Schweikle zum 60. Geburtstag (Kulturwissenschaftliche Bibliothek 1). Stuttgart 1989.
  • Jan-Dirk Müller, Franz Josef Worstbrock (Hrsg.): Walther von der Vogelweide. Hamburger Kolloquium 1988 zum 65. Geburtstag von Karl-Heinz Borck. Stuttgart 1989.
  • Hermann Reichert: Walther von der Vogelweide für Anfänger 3., überarbeitete Auflage. facultas.wuv, Wien 2009, ISBN 978-3-7089-0548-8
  • Hermann Reichert: Walther von der Vogelweide. In: Theologische Realenzyklopädie 35 (2003), S. 435–439.
  • Hermann Reichert: Walther: Schaf im Wolfspelz oder Wolf im Schafspelz? In: Der achthundertjährige Pelzrock. Walther von der Vogelweide – Wolfger von Erla – Zeiselmauer. Hrsg. Helmut Birkhan und Ann Cotten, Wien 2005, S. 449–506.
  • Hans-Uwe Rump: Walther von der Vogelweide. (rororo Monographien Nr. 50209). 8. Auflage. Rowohlt, Reinbek 1995, ISBN 3-499-50209-7
  • Manfred Günter Scholz: Walther von der Vogelweide. 2., korr. u. bibliogr. erg. Aufl. (Sammlung Metzler 316), Metzler, Stuttgart u. a. 2005, ISBN 3-476-12316-2
  • Meinolf Schumacher: Die Welt im Dialog mit dem 'alternden Sänger'? Walthers Absagelied 'Frô Welt, ir sult dem wirte sagen' (L. 100,24), In: Wirkendes Wort 50 (2000), S. 169–188.
  • Günther Schweikle: Walther von der Vogelweide. Werke. 2 Bände. Reclam, Stuttgart 1998
    Bd. 1 ISBN 3-15-000819-0, Bd. 2, ISBN 3-15-000820-4
  • Günther Schweikle: War Reinmar ‚von Hagenau‘ Hofsänger in Wien? In: Gestaltungsgeschichte und Gesellschaftsgeschichte. Festschr. für F. Martini. Hrsg. H. Kreuzer – K. Hamburger. Stuttgart 1969.
  • Peter Wapnewski: Waz ist Minne. München 1975.
  • Wilhelm Wilmanns, Victor Michels: Walther von der Vogelweide. 2 Bde., 4. Aufl. Halle 1916/1924.
  • Jan-Dirk Müller: Walther von der Vogelweide. In: Katharina Weigand (Hrsg.):Große Gestalten der bayerischen Geschichte. Herbert Utz Verlag, München 2011, ISBN 978-3-8316-0949-9

Weblinks

 Wikisource: Under der linden – Quellen und Volltexte
 Wikisource: Walther von der Vogelweide – Quellen und Volltexte
 Commons: Walther von der Vogelweide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Hörbeispiele

interpretiert vom Salzburger Ensemble für Alte Musik Dulamans Vröudenton

Belege

  1. Zum Beispiel: L 3,1 = das in Lachmanns Ausgabe auf Seite 3, Zeile 1 beginnende Gedicht; das wäre der Leich
  2. Hedwig Heger: Das Lebenszeugnis Walthers von der Vogelweide. Wien 1970, S. 85 ff.
  3. Reichert 2005 S. 475.
  4. Wolfram, Parzival 297,24
  5. Wolfram, Willehalm 136,8 und 286,19; vermutlich auch 417,25
  6. Gottfried, Tristan, v. 8400 ff.
  7. Wolfram, Willehalm 286,19 ff.
  8. Reichert 2005 S. 480.
  9. Gegen die Annahme, dass Reinmar Hofdichter in Wien war, sprach sich vor allem Schweikle (1969) aus.
  10. Peter Wapnewski, Walthers Lied von der Traumliebe (74,20) und die deutschsprachige Pastourelle, zuletzt mit Nachträgen in: P. W., Waz ist minne. Studien zur mittelhochdeutschen Lyrik, München 1975, S. 109–154. Dagegen: Bennewitz 1989; Heinzle 1997, 150 ff. Vermittelnd: Reichert 2005, 492 ff.
  11. Georg Mühlberger: Waidbruck oder Weidbruck? In: Der Schlern 87, 2013, S. 23-28.
  12. Helmut Hörner: 800 Jahre Traunstein. 1974.
  13. Helmut Hörner: Stammt Walther von der Vogelweide wirklich aus dem Waldviertel? In: Das Waldviertel, 55. Jg. 1/2006, S. 13–21.
  14. Bernd Thum: Die sogenannte „Alterselegie“ Walthers von der Vogelweide und die Krise des Landesausbaus im 13. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung des Donauraums. In: Beiträge zur älteren deutschen Literaturgeschichte. (Bern 1977) S. 229 ff. und Bernd Thum: Walther von der Vogelweide und das werdende Land Österreich. In: Die Kuenringer. Das Werden des Landes Österreich. Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums NF Nr. 110. Stift Zwettl. 16. Mai – 26. Oktober 1981. Wien 1981, S. 487–495.
  15. Georg Mühlberger: Stammt Walther von der Vogelweide aus Südtirol? In: Der Schlern 81 (2007) H. 2, S. 25.
  16. Vgl. Klabund: Deutsche Literaturgeschichte in einer Stunde – Urzeit.