Wanda Wasilewska

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Wanda Wasilewska

Wanda Wasilewska (* 21. Januar 1905 in Krakau; † 29. Juli 1964 in Kiew) war eine polnische und sowjetische Politikerin und Schriftstellerin.

Sie war Tochter eines der bekanntesten polnischen Linkspolitiker (PPS), des ehemaligen Außenministers Leon Wasilewski (1918–19).

Wanda Wasilewska studierte an der Universität Krakau Polonistik und habilitierte sich im Jahre 1927. Bevor sie ihre Arbeit als Polonistiklehrerin und Redakteurin der Blätter Robotnik (Der Arbeiter), Naprzód (Vorwärts) und Dziennik Popularny (Populäres Tagblatt) aufnahm, war sie in sozialistischen Jugendorganisationen tätig gewesen. Aus dem Bündnis der Polnischen Lehrer wurde sie 1937 wegen ihrer kommunistischen Ansichten ausgeschlossen.

In der PPS, in der sie ein Mitglied im Rat war, setzte sie sich für Zusammenarbeit mit den Kommunisten und der Sowjetunion ein. Diese Linie war umstritten, weil die Mehrheit der PPS-Mitglieder und -Sympathisanten jede Form der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion und der KPP ablehnten. Außer in der PPS engagierte sich Wasilewska zusammen mit dem Linken Wacław Barcikowski und Teodor Duracz in der Liga für Verteidigung der Menschen- und Bürgerrechte.

1936 organisierte sie den Kongress der Polnischen Intellektuellen in Lemberg, der sich schnell zu einer Demonstration gegen die Politik der „Sanacja“ wandelte. Wegen der großen Sympathie, die ihr Vater bei der Regierung genoss, wurde sie nicht verhaftet, obwohl sie selbst mit ihrem Vater auf Kriegsfuß stand.

Im September 1939 floh sie vor dem deutschen Polenfeldzug in die Sowjetunion. Nach dem 17. September erhielt sie die sowjetische Staatsbürgerschaft und ließ sich allein in Lemberg nieder, während ihre Mutter im deutsch besetzten Warschau blieb.

In Lemberg arbeitete sie bei der Zeitschrift Czerwony Sztandar (Rote Fahne) und gewann rasch die Sympathie von Stalin, der sie als Tochter eines ehemaligen polnischen Staatsmanns schätzte. 1940 wurde Wasilewska zur Leiterin des Dramatischen Theaters in Lemberg und zugleich Abgeordnete für Ostgalizien im Obersten Sowjet der UdSSR. Sie selbst sprach damals über sich als „bywszaja Polka“ (die ehemalige Polin), wodurch sie sich den besonderen Hass der unter sowjetischer Okkupation lebenden Polen zuzog. In Moskau kursierten viele Gerüchte über ihre Romanze mit Stalin, diese wurden aber nie bestätigt.

Nach dem Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges setzte sich Wasilewska für die Bildung einer polnischen Sowjetrepublik im Rahmen der UdSSR ein; diese Idee wurde jedoch von Stalin nach dem Warschauer Aufstand aufgegeben. Zusammen mit Jerzy Putrament gründete sie eine neue Zeitschrift (Nowe Widnokręgi), in der sie gegen die polnische Exilregierung in London und für den Aufbau des Kommunismus in Polen agitierte. Außerdem war sie in der Roten Armee als Kriegskorrespondentin tätig und arbeitete an der Aufstellung der von London unabhängigen polnischen Streitkräfte (der bekannten 1. Kościuszko-Division) mit.

1943 wurde sie Vorsitzende des Bundes der Polnischen Patrioten (ZPP) in der UdSSR, das nicht nur polnische Kommunisten, sondern auch aus den Sibirien-Lagern befreite Zentrumspolitiker, die sich Stalin unterworfen hatten, umfasste. 1944 wurde sie als Vizepremier der von den Sowjetunion abhängigen polnischen Quasi-Regierung (Polnisches Komitee der Nationalen Befreiung) vereidigt, ist aber niemals nach Polen zurückgekehrt.

Nach dem Krieg blieb Wasilewska in der UdSSR, setzte ihre Arbeit als Abgeordnete in Moskau fort und schrieb auch einige Bücher zum Thema Sozialismus.

Sie starb 1964 in Kiew und wurde auf dem Baikowe-Friedhof beigesetzt. Von den Polen für ihre Kollaboration mit der Sowjetunion verhasst, genoss sie unter Ukrainern große Popularität.

In der polnischer Literatur war Wasilewska schon vor dem Krieg eine Vorläuferin des sogenannten Sozialistischen Realismus.

Wichtigste Bücher: Ojczyzna (Vaterland), Pieśń nad wodami (Lied über den Wassern), Po prostu miłość (Einfach Liebe).

Werke[Bearbeiten]

  • Magda (1935)
  • Regenbogen über dem Dnjepr (1942)
  • Lied über den Wassern (1952, Trilogie)

Weblinks[Bearbeiten]