Wandlitzer See

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Wandlitzer See
Wandlitzer See mit Blick auf das Dorf Wandlitz
Wandlitzer See mit Blick auf das Dorf Wandlitz
Geographische Lage Mitteleuropa, Deutschland, Wandlitz
Zuflüsse u. a. vom Igelsee
Abfluss Briese
Städte am Ufer Wandlitz
Daten
Koordinaten 52° 45′ 33″ N, 13° 27′ 22″ O52.75922999512313.45610618591348.6Koordinaten: 52° 45′ 33″ N, 13° 27′ 22″ O
Wandlitzer See (Brandenburg)
Wandlitzer See
Höhe über Meeresspiegel 48,6 m
Fläche 2,15 km²f5
Maximale Tiefe 24 mf10
Besonderheiten

Quellsee der Briese

Der Wandlitzer See (umgangssprachlich auch Wandlitzsee) ist ein in der Weichsel-Eiszeit entstandenes Gewässer nördlich von Berlin, an dessen Süd- und Ostufer sich der Ort Wandlitz entwickelt hat. Er gehört landschaftlich zum Wandlitzer Seengebiet.

Wissenswertes[Bearbeiten]

Der 48,6 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Wandlitzer See ist der flächenmäßig größte See des Seengebietes. Seine Fläche beträgt 2,15 km², die tiefste Stelle wird mit 24 Metern angegeben.

Umgebung des Wandlitzer Sees um 1903

Die im Süden des Sees befindliche Halbinsel ist das zuerst besiedelte Gebiet, es führte zur Entwicklung des heutigen Ortskerns Wandlitz. Nur das historische Dorf Wandlitz und der Ortsteil Wandlitzsee liegen direkt am Wasser, wodurch keine durchgängige Uferbebauung erfolgte. Über lange Strecken hat sich die natürliche Flora und Fauna erhalten, sodass auch noch Seerosen, Laichkräuter, Frösche, Schwäne hier heimisch sind.

Die als edle Speisefische bekannten Maränen machten den See bei Anglern schon frühzeitig bekannt. Weil die Wissenschaft das Vorhandensein dieser Fische nicht erklären kann, gibt es die Sage „Wie die Maränen in den Wandlitzsee kamen“, bei dem wieder einmal der Teufel eine wichtige Rolle spielt. Ein im Jahr 2000 vor dem Strandrestaurant aufgestellter Brunnen veranschaulicht diese Geschichte, die in verkürzter Form auf einer im Boden davor eingelassenen Bronzeplatte nachzulesen ist.

Text der Maränensage

Geschichte[Bearbeiten]

Eigentumsverhältnisse bis 1945[Bearbeiten]

Der See wurde um 1830 aus dem Besitz der preußischen Adligen an Privatkäufer veräußert. Diese nutzten seinen Fischreichtum und das Schilf des Sees, ansonsten konnte lange Zeit unentgeltlich gefischt und geangelt werden. Vom Fischfang ernährten sich auch zahlreiche Familien des Dorfes. Außerdem war jede Art von Sport wie Schwimmen, Tauchen, Rudern oder Segeln möglich. Mit dem Wachstum des Ausflugsverkehrs aus der Großstadt Berlin verkehrten sogar motorisierte Ausflugsschiffe auf dem See, wie eine historische Ansichtskarten von 1910 beweist. Am Nordostufer des Sees entstand durch die ab 1900 einsetzende rege Bautätigkeit der neue Ortsteil Wandlitzsee. Eine Seepromenade lud die Berliner zur Erholung ein, auch ein Seebad wurde 1923 eröffnet. Zu dieser Zeit wurde Wandlitz Kurort.

Unmittelbar im Bereich des alten Dorfkerns entstand am Ufer des Sees eine kleine nicht bewirtschaftete Badestelle, um die sich der eigens gegründete Verein Illvera 1929 kümmert.

Wandlitzer See im Volkseigentum bis 2003[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Seebesitzer enteignet und das Gewässer kam in den Besitz der Berliner Forsten, wo es bis zu seinem Verkauf im Jahr 2003 verblieb. Bei Gründung der DDR war der See damit Volkseigentum.

Die Wende brachte auch für den Wandlitzer See einen großen Umbruch: das alte Strandbad mit dem angeschlossenen ehemaligen Strandcasino wurde für 2,5 Millionen Euro total umgebaut – unter anderem erhielt die Badeanstalt 1998/99 einen neuen Steg und einen modernen Sprungturm – und das Strandcasino wurde verpachtet. Unter dem alten Namen Strandrestaurant erwartet es nun wie eh und je die Ausflügler.

Der Wandlitzer See in Wandlitz

Privatisierung des Sees und deren Folgen[Bearbeiten]

Der Einigungsvertrag sah für volkseigene Seen einen Eigentumsübergang an den Bund vor. Und dieser wurde zur Privatisierung der unter anderem rund 300 Seen in Brandenburg verpflichtet.

So führte die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) deutschlandweite Verkaufsausschreibungen durch und ein Mindestgebot wurde festgelegt (420.000 Euro). Die Immobilienfirma Teutonia mit dem Düsseldorfer Rechtsanwalt Werner Becker erwarb den Wandlitzer See daraufhin im Jahr 2003. Der Gemeinde Wandlitz (damals nur der heutige Ortsteil Wandlitz) hatte man zwar ein Vorkaufsrecht eingeräumt, das Eigenkapital und Privatspenden erbrachten jedoch nicht die geforderte Mindestsumme. Weil die weitere öffentliche Nutzung des Sees durch das Strandbad, durch freie Uferwege und durch den nichtmotorisierten Wassersport im Verkaufsvertrag festgeschrieben wurden, unterstützte auch das Land die Kaufbemühungen der Gemeinde nicht.[1] Becker versprach die weiteren Nutzungen unter Einhaltung des Brandenburgischen Wassergesetzes.[2]

„Eingriffe in die derzeitige Nutzung des Sees sind nicht beabsichtigt.“

Allerdings kamen die neuen Besitzer auf ein einträgliches Geschäft, nachdem sie eigens die Wandlitzsee-Aktiengesellschaft gegründet hatten: Jeder Besitzer eines Bade- oder Bootssteges am See sollte Aktien kaufen oder eine jährliche Miete zahlen (z. B. für den Steg der Badeanstalt wurde eine Jahrespacht von 10.000 Euro gefordert, für einen normalen Steg bis zu 30 m Länge sollten bis zu 100 sogenannte Vorzugsaktien zu je 7.500 € erworben werden). Im Jahr 2004 gab es rund 120 Stegbesitzer am Wandlitzer See. Sechs Grundstücksbesitzer machten von diesem Angebot Gebrauch. Für die Stege der Badeanstalt kam es nach einem Rechtsstreit im Jahr 2005 zu einem Vergleich: Gegen Einmalzahlung von 50.000 Euro und einer Nutzungsentschädigung für zweimal 10.000 Euro wurde die Dauernutzung im Grundbuch fixiert.[1] Nach Auskunft von Anwohnern ist auch bei Entnahme von Wasser aus dem See eine Zahlung an den Eigentümer fällig. Die früher häufig benutzten Hauswasserwerke, die Wasser aus dem See pumpten und filtrierten, sind damit unwirtschaftlich und stillgelegt worden.[3] Darüber hinaus erhebt die Wandlitzsee AG Anspruch auf einen etwa 30 Meter breiten Uferstreifen, der aus der rückläufigen Wasserfläche des Sees resultiert. Als Verkaufsgrundlage dienten die Vermessungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts.[2] Ausführlicher wird die Privatisierung des Wandlitzer Sees auf Zeit online vom Juni 2011 dargestellt.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Dobberkau: Der Schatz vom Wandlitzsee (Kinderbuch). Creativ-Druckerei Bernau, 2006
  • Walter Blankenburg, Christine Papendieck: Kleine Wandlitzer Geschichte. Agrarmuseum Wandlitz, 1990, 32 Seiten
  • Bernhard Thieme, Marita und Uwe Friedrich: Wandlitz. bebra verlag, 2000, ISBN 3-930863-79-0
  • Wer einen Steg hat, soll Aktien kaufen. In: Berliner Zeitung, 30. März 2004

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wandlitzer See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Der Verkauf des Wandlitzsees – die Fakten. Betreibung des Strandbades per Grundbucheintrag für alle Zeit gesichert. In: Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz Nr. 8/2011, S. 13 ff
  2. a b Teurer Seeblick. Besitzer des Wandlitzsees kassiert bei Anliegern, weil sie unerlaubt seinen Uferstreifen nutzen. In: Berliner Zeitung, 15. Mai 2007
  3. siehe Diskussion:Wandlitzer See
  4. Die Seeschlacht. Artikel in: Zeit online, Juni 2011; abgerufen 19. Juli 2014