Wang Laboratories

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Wang Laboratories
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1951
Auflösung 1992
Auflösungsgrund Insolvenz
Sitz Tewksbury und Lowell, Massachusetts
Leitung An Wang
Branche Tischrechner, Minicomputer, Textverarbeitungsrechner

Die Wang Laboratories waren eine Computer-Firma, gegründet im Jahre 1951 von An Wang. Sitze der Firma waren Cambridge, Massachusetts (1954 bis 1963), Tewksbury, Massachusetts (1963 bis 1976) und Lowell, Massachusetts (1976 bis 1992). Auf ihrem Höchststand in den achtziger Jahren verbuchte das Unternehmen Jahreseinnahmen in der Höhe von drei Milliarden Dollar und beschäftigte über 30.000 Angestellte.

Geschichte[Bearbeiten]

Cross Point Towers, ehemaliger Sitz von Wang Laboratories in Lowell

Das Unternehmen wurde stets durch Wang geführt, der direkten Einfluss auf die Geschäfts- und Produktstrategie nahm. Daher müssen sowohl Erfolge als auch Fehlschläge der Firma ihm zugerechnet werden. 1992 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Die durchaus imposanten Wang Towers befinden sich unmittelbar am Lowell Connector, dem Abzweig von der Route 3 Richtung Lowell, Massachusetts. Diese waren der Firmensitz bis zur Insolvenz. Danach wurden sie zu einem relativ geringen Preis von 500.000 US-$ versteigert.

Wang stellte sicher, dass seine Familie die Kontrolle über seine Firma auch nach dem Börsengang behalten würde. Er gab Vorzugsaktien (Class B stocks) mit höheren Dividenden, dafür aber nur mit einem Zehntel des Stimmrechts heraus. Während die Öffentlichkeit mehrheitlich diese Vorzugsaktien bezog, behielt die Familie Wang die Stammaktien. Die Wang-Aktien wurden zunächst an der New York Stock Exchange gehandelt, da jedoch das Vorgehen mit Aufteilung der Aktien in zwei Klassen nicht die dortigen Regeln erfüllte, musste Wang zur American Stock Exchange wechseln.

Unter der Führung Wangs wechselten die Erzeugnisse der Firma mehrmals.

Elektronischer Schriftsetzer[Bearbeiten]

Das erste größere Projekt war ein elektronischer Bleisatz-Schriftsetzer mit Namen Linasec und wurde 1964 vorgestellt. Er entstand im Auftrag der Compugraphic, die aber das Recht der Herstellung ohne Zahlung eines Gewinnanteils an Wang behielt.

Rechner[Bearbeiten]

Modell Wang 2200 von 1973

Die Wang LOCI-2 (es gab auch eine LOCI-1, diese war aber kein richtiges Produkt) wurde im Jahre 1965 vorgestellt. Sie war der wahrscheinlich erste Tischrechner, der Logarithmen berechnen konnte. Dies war durchaus eine Errungenschaft angesichts der Tatsache, dass der Rechner ohne integrierte Schaltkreise auskam, da er mit 1275 einzelnen Transistoren arbeitete. Tatsächlich wurden Multiplikationen durch Addition von Logarithmen berechnet. Dies führte zu auffälligen Rundungsfehlern – als Ergebnis von Zwei mal Zwei zum Beispiel errechnete die Maschine 3,999999999.

Wang war eine angesehene Rechnerfirma von 1965 bis 1971. Die Wang-Rechner benutzten Nixie-Röhren zur Darstellung der Zahlen, konnten verschiedentlich programmiert werden und nutzten die Technologie der Kernspeicher. Der Preis eines Wang-Rechners bewegte sich im mittleren vierstelligen Bereich. Konkurrenz-Firmen waren Hewlett-Packard, die das Modell HP-9100A im Jahre 1968 vorstellten, und traditionelle Rechnerfirmen wie Monroe und Marchant.

Wang-Rechner wurden zunächst von Wissenschaftlern und Ingenieuren benutzt. Später kamen sie auch verstärkt im Finanz-Sektor zum Einsatz, da früher Hypotheken und Rentenpapiere mit komplizierten Tabellen berechnet wurden. Eine zweifelhafte Geschichte berichtet von einem Bankier, der die Ergebnisse der Wang-Rechner mit den Tabellen verglich und die Unkorrektheit letzterer feststellte, womit der Ruf von Wang gesichert wurde.

In den frühen Siebzigern verließ Wang das Rechnergeschäft, da er glaubte, es würde zu wenig Gewinn abwerfen.

Textverarbeitungsrechner[Bearbeiten]

Der Textverarbeitungsrechner Wang WPS (Wang Word Processor System) wurde im Jahre 1976 vorgestellt und war sogleich, wie auch der Nachfolger, die Wang OIS (Wang Office Information System) im Jahre 1977, ein Erfolg.

Diese Rechner waren ein technologischer Durchbruch ihrer Zeit. Sie waren Mehrbenutzersysteme, jede Arbeitsstation besaß einen Zilog Z80-Mikroprozessor und 64 KiB Arbeitsspeicher. Der Plattenspeicher wurde zentral von einer Master-Station verwaltet. Untereinander vernetzt wurden die Stationen mit Hochgeschwindigkeits-Koaxialkabeln. Mehrere Master konnten zusammengeschlossen werden, was das Arbeiten mit denselben Dateien von einigen hundert Anwendern ermöglichte.

Jegliche Software für die Systeme wurden von Wang Laboratories geschrieben. Die Spezifikationen des Betriebssystems, der Dateiformate und der Schnittstelle waren Firmengeheimnis. Wang wollte keine Drittfirmen, die Produkte zum Anschluss an sein System entwickelten. Diese Praxis wurde jedoch in den späten Achtzigern gelockert.

Minicomputersystem[Bearbeiten]

In den 80er Jahren vermarktete Wang Minicomputersysteme der Familie VS (Virtual System), die als Mehrplatzsysteme im Bürobereich ebenfalls ein Erfolg wurden.

Weblinks[Bearbeiten]