Wangerland

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wangerland
Wangerland
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wangerland hervorgehoben
53.657.952Koordinaten: 53° 39′ N, 7° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Friesland
Höhe: 2 m ü. NHN
Fläche: 176 km²
Einwohner: 9127 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 52 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 26434,
26441 (Groß Hauskreuz)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 04463, 04464, 04461, 04425, 04426
Kfz-Kennzeichen: FRI
Gemeindeschlüssel: 03 4 55 020
Gemeindegliederung: 14 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Helmsteder Straße 1
26434 Wangerland
Webpräsenz: www.wangerland-online.de
Bürgermeister: Björn Mühlena (parteilos)
Lage der Gemeinde Wangerland im Landkreis Friesland
Bockhorn (Friesland) Varel Zetel Sande (Friesland) Schortens Jever Wilhelmshaven Landkreis Friesland Wangerland Minsener Oog (zu Gemeinde Wangerooge) Mellum Wangerooge Landkreis Leer Landkreis Ammerland Landkreis Aurich Landkreis Wittmund Landkreis Wesermarsch Landkreis WittmundKarte
Über dieses Bild

Wangerland ist eine Gemeinde im Landkreis Friesland in Niedersachsen. Die Gemeinde mit 9127 Einwohnern erstreckt sich auf einer Fläche von 176 Quadratkilometern und ist damit die flächenmäßig größte Gemeinde des Landkreises Friesland. Verwaltungssitz der Gemeinde ist Hohenkirchen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Wangerland liegt im Nordosten der ostfriesischen Halbinsel direkt an der Nordsee. Im Norden und im Osten der Gemeinde verläuft die 27 Kilometer lange Nordseeküste mit ihren Sielorten. Das vorgelagerte Watt gehört zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Blick über das Wangerland in Richtung Nordwesten; im Hintergrund die Insel Wangerooge und Schiffsverkehr im Fahrwasser der Außenjade

Die Gemeinde Wangerland besteht aus den Ortsteilen[2] Altgarmssiel, Förrien, Friederikensiel, Hohenkirchen, Hooksiel, Horumersiel, Middoge, Minsen, Neugarmssiel, Oldorf, Schillig, Tettens, Waddewarden und Wiarden. Der Verwaltungssitz der Gemeinde ist Hohenkirchen. Dort befindet sich das Rathaus mit der Gemeindeverwaltung.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Aufgrund ihrer Lage an der Nordsee hat die Gemeinde Wangerland auf dem Festland nur im Westen und im Süden Nachbarn. Im Westen grenzt sie an die Stadt Wittmund, im Süden an die Stadt Jever, an die Stadt Schortens sowie an die Stadt Wilhelmshaven. Nördlich des Wangerlandes liegt die Insel Wangerooge, die eine eigene Gemeinde bildet.

Flächennutzung[Bearbeiten]

Die Gemeinde hat überwiegend ländlichen Charakter. Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt 15.124 Hektar. Davon sind etwa ein Drittel Ackerland und zwei Drittel Grünland.

Gewässer[Bearbeiten]

Im Bereich der Gemeinde Wangerland gibt es zahlreiche Tiefs. Sie dienen vor allem zur Entwässerung des Binnenlandes. In früheren Zeiten wurden sie zudem als Verkehrswege genutzt, heute auch für die Freizeitsportarten Paddeln und Angeln. Folgende Tiefs sind zu nennen: Bübbenser Tief, Crildumer Tief, Hohenstief, Hooksieler Binnentief, Hooksieler Tief, Horumer Tief, Kopperburger Leide, Poggenburger Leide, Südliches Verbindungstief, Tettenser Tief, Wangertief und Wüppelser Tief.

Nördlich von Hohenkirchen liegt das Wangermeer, ein rund 100 Hektar großer künstlich angelegter Freizeitsee.

Geschichte[Bearbeiten]

Zufluss des Wangertiefs zum Wangersiel bei Horumersiel

Das Gau „Wanga“ wird bereits zu Zeiten Karls des Großen erwähnt, als dieser Willehad zum Bischof in dem Gau machte. Siedlungsfunde deuten auf kleinere Ansiedlungen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. hin. Das Wangerland war durch das Hooks Tief im Süden von Östringen und durch die Harlebucht im Westen von Harlingen getrennt. Zum Wangerland gehörten die Dörfer bzw. Kirchspiele Hohenkirchen, Oldorf, Pakens, Tettens, Middoge, Minsen, Waddewarden, Westrum, Wiarden, Wiefels, St. Joost, Wüppels und die Insel Wangerooge.

Im 13./14. Jahrhundert kam es zu einem immer engeren Zusammengehen von Wangerland, Östringen und Rüstringen. Aus dem Wangerland und Teilen Östringens und Rüstingens bildete sich schließlich die Herrschaft Jever.

Hooksiel war zu frühen Zeiten (1583–1870) Vorhafen der Stadt Jever. In Schillig waren bereits während des deutsch-französischen Krieges 1870/1871 (Napoleonschanze) Truppen stationiert. Während des Ersten Weltkriegs und Zweiten Weltkriegs waren in Schillig Teile der Marine stationiert. Zu diesen Zeiten gab es sogar eine Bahnlinie nach Schillig, die aber ausschließlich der Marine und ihren Kanonenstellungen diente.

Im 19. Jahrhundert gab es im Wangerland zwei Ämter. Das Amt Tettens war zuständig für die Kirchspiele bzw. Ortschaften Hohenkirchen (bis 1845), Middoge, Tettens, Wangerooge und Wiefels, das Amt Minsen (Sitz Hooksiel) für Minsen, Oldorf, Pakens, Waddewarden, Westrum, Wiarden, Wüppels, St. Joost. Beide Ämter fielen 1858 an das Amt Jever (siehe auch Herrschaft Jever).

Durch Gesetz, betreffend die Vereinfachung und Verbilligung der öffentlichen Verwaltung (Vereinfachungsgesetz) vom 27. April 1933 wurde aus den bisherigen Gemeinden Oldorf, Hohenkirchen, Middoge, Tettens, Wiefels und Westrum eine neue Großgemeinde gebildet, die die Bezeichnung Wangerland erhielt und 1933 4.215 Einwohner hatte.[3][4] 1948 wurde die Gemeinde Wangerland durch Gesetz über die Neubildung von Gemeinden im Niedersächsischen Verwaltungsbezirk Oldenburg vom 26. April 1948 aufgelöst, Es wurden neu gebildet die Gemeinden Hohenkirchen, bestehend aus den Bezirken der alten Gemeinden Hohenkirchen und Oldorf, Tettens, bestehend aus den Bezirken der alten Gemeinden Middoge, Tettens und Wiefels, und Waddewarden, bestehend aus den Bezirken der alten Gemeinden Waddewarden und Westrum.[5]

Um die regionale Identität zu pflegen, gründete sich 1990 die Geschichtswerkstatt Wangerland. Der Verein hat seither zahlreiche Chroniken publiziert.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die Gemeinde Wangerland besteht seit dem 1. Februar 1971. Die Großgemeinde wurde im Zuge der Gebietsreform des Landes Niedersachsen aus den bisherigen selbstständigen Gemeinden Hohenkirchen (Oldenburg), Minsen und Tettens als Einheitsgemeinde gebildet. Da diese Region nördlich von Jever seit Jahrhunderten als das Wangerland bezeichnet wurde, erhielt das Gemeindegebilde diesen Namen. Am 1. Juli 1972 wurden Hooksiel und Waddewarden eingegliedert.[7]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Rathaus der Gemeinde Wangerland in Hohenkirchen
Landtagsabgeordneter Olaf Lies

Der Gemeinderat der Gemeinde Wangerland besteht seit der Amtszeit 2011–2016 aus 22 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies sind vier Sitze weniger als die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 10.001 und 11.000.[8] Der Beschluss zur Reduzierung der Ratsmitglieder erfolgte im April 2010 und wurde mit dem Willen zum allgemeinen Sparen begründet.[9] Der Gemeinderat wird durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011 und endet am 30. Oktober 2016.

Stimmberechtigt im Rat der Stadt ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Björn Mühlena.

Die letzte Kommunalwahl am 11. September 2011 ergab das folgende Ergebnis:[10]

Partei  Anteilige Stimmen  Anzahl Sitze  Veränderung Stimmen  Veränderung Sitze
SPD 40,88 % 9 -1,86 % -2
CDU 28,91 % 6 -3,11 % -2
Bündnis 90/Die Grünen 12,52 % 3 +8,66 % +2
UWW 8,77 % 2 -0,46 % -1
FDP 4,71 % 1 -2,31 % -1
BfB 2,56 % 1 -1,01 % 0
Die Linke[11] 1,6 % 0 +0,07 % 0

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2011 lag mit 50,71 %[10] unter dem niedersächsischen Durchschnitt von 52,5 %.[12] Zum Vergleich – bei der vorherigen Kommunalwahl vom 10. September 2006 lag die Wahlbeteiligung bei 49,08 %. [13]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Wangerland ist Björn Mühlena. Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 erhielt der parteilose, von der SPD unterstützte Mühlena im ersten Wahlgang 55,24 % der Stimmen und konnte sich gegen seine Mitbewerber Rainer Hinrichs (25,74 %) und Reiner Tammen (19,01 %) durchsetzten. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,26 %. Mühlena trat sein Amt zum 1. November 2014 an.[14]

Vertreter in Land- und Bundestag[Bearbeiten]

Bei den Wahlen zum Niedersächsischen Landtag gehört die Gemeinde Wangerland zum Landtagswahlkreis 070 Friesland, der den gesamten Landkreis Friesland umfasst. Das Direktmandat wurde im Januar 2013 durch Olaf Lies von der SPD gewonnen. Am 19. Februar 2013 wurde Lies zum niedersächsischen Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr gewählt.[15] Die Wahlperiode endet 2018.

Bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag gehört die Gemeinde zum Bundestagswahlkreis 026 Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund. Er umfasst die Landkreise Friesland und Wittmund sowie die Stadt Wilhelmshaven.[16] Bei der Bundestagswahl 2013 wurde Karin Evers-Meyer von der SPD direkt gewählt. Ihr Gegenkandidat Hans-Werner Kammer von den Christdemokraten zog über die niedersächsische Landesliste der CDU in den Bundestag ein.[17]

Wappen[Bearbeiten]

Nixe Dat Minsener Seewief (Seeweib) im Ortsteil Minsen, links Bodentafel dazu

Das Wappenbild der Gemeinde Wangerland zeigt auf blauem Grund eine Nixe, das Seewiefken (friesische Koseform von Seewief für Seeweib). Ihr Oberkörper ist unbekleidet und das blonde Haar ist zu einem Zopf geflochten. Die rechte Hand hält sie mit drohendem Zeigefinger hoch. Der silberne, schuppenbedeckte Unterkörper endet als Schwanzflosse.

Die Wappenfigur beruht auf einer alten Sage, die im 16. Jahrhundert aufgeschrieben wurde. Danach haben Fischer aus Minsen, das demnach früher auf der Insel Minsener Oog gelegen haben soll, eine Nixe mit Fischunterleib eingefangen. Sie konnte wieder in die Nordsee entfliehen und habe aus Rache die Dorfsiedlung durch eine Sturmflut vernichtet. Historisch ist allerdings zweifelhaft, dass ein früheres Minsen auf einer Insel lag. Dieser Erzählung ist eine Bronzeskulptur gewidmet, die im Ortsteil Norderaltendeich bei Minsen in Deichnähe aufgestellt ist. Die Bildhauerin und Malerin Karin Mennen aus dem benachbarten Horum schuf 1992 die überlebensgroße Figur der Nixe.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Künstlerhaus Hooksiel, früher Rathaus
St. Sixtus und Sinicius in Hohenkirchen
Stumpenser Windmühle

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In Hooksiel unterhält die Gemeinde im ehemaligen Hooksieler Rathaus das Künstlerhaus Hooksiel, in dem bildende Künstler durch Stipendiatsaufenthalte gefördert werden. Nahe Hooksiel steht die Burg Fischhausen, ein ehemaliger Häuptlingssitz, mit einigen Teilen aus der Renaissance (Treppenturm, Renaissance-Kamin im Rittersaal). Im Ortsteil Horumersiel steht die Stumpenser Windmühle, ein 1816 errichteter Galerieholländer. In Minsen befindet sich das Nationalpark-Haus Wangerland, das Nationalparkhaus der Gemeinde, das eine Ausstellung zum Nationalpark und Weltnaturerbe Wattenmeer sowie Informationen zur Windenergienutzung an der Nordseeküste beherbergt.[18] Das Wahrzeichen von Hohenkirchen ist der rund 30 Meter hohe und weithin sichtbare Wasserturm Hohenkirchen. Der Wasserturm wurde 1934 nach Plänen des Hamburger Architekten Fritz Höger als Klinkerbau errichtet.

Evangelische Sakralbauten[Bearbeiten]

Im Wangerland gibt es mehrere, teilweise bedeutende mittelalterliche Kirchen, die alle auf Warften errichtet wurden. Die evangelische Kirche St. Sixtus und Sinicius in Hohenkirchen ist ein spätromanischer Granitquaderbau aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit zwei hervorragenden Werken von Ludwig Münstermann, dem Altarretabel und der Kanzel. Die evangelische Kirche in Oldorf ist ein Backsteinbau mit einem Granitquadersockel aus dem 13. Jahrhundert. Der Kreuzigungsaltar und der Taufstein sind aus den Jahren um 1500. In Pakens steht die evangelische Kirche zum Heiligen Kreuz. Sie ist ein romanischer Granitquaderbau, der um das Jahr 1270 erbaut wurde. Die für Hooksiel und Pakens zuständige Kirche befindet sich nicht im alten Ortskern von Hooksiel, sondern in der rund zwei Kilometer entfernten und wesentlich älteren Ortschaft Pakens. Die Orgel der Kirche wurde 1664 von Joachim Richborn aus Hamburg geschaffen. Die evangelische Kirche zu Wüppels liegt etwas abseits der Straße zwischen Hooksiel und Horumersiel. Sie ist ein Granitquaderbau aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. In der Ortschaft St. Joost steht die kleine evangelische Kirche St. Jodocus aus dem 15. Jahrhundert. Der Bausteinbau wurde nach dem Heiligen Jodocus, dem Schutzpatron der Reisenden und Seefahrer benannt. Die evangelische Kirche St. Cosmas und Damian in Wiarden soll bereits 1164 bestanden haben. Der Chorraum des romanischen Granitquaderbaus enthält Reste von spätgotischen Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert, die die Apostel Petrus, Jacobus und Johannes sowie die Schutzheiligen der Kirche, St. Cosmas und Damian darstellen. Die evangelische Kirche St. Martin in Tettens besitzt ebenfalls ein Granitmauerwerk, das aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammt. Die 36 Meter lange Saalkirche besitzt eine bedeutende Ausstattung. Im Innern ist u. a. ein turmartiges Sakramentshaus aus der Zeit um 1525 zu sehen. Der Flügelaltar der Kirche stammt von 1520 und zeigt in der Mitte die Kreuzigung Christi, auf den Flügeln werden Szenen aus dem Leben des Heiligen Martin und des Heiligen Thomas dargestellt. Die evangelische Kirche in Middoge stammt aus dem späten 15. Jahrhundert und ist ein einschiffiger Backsteinbau. In Waddewarden steht die evangelische Kirche St. Johannes. Sie ist ein mittelgroßer Saalbau aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, 41,3 Meter lang, mit Granitquadern bis zu 2 Meter Höhe. In der ganz aus Granitquadern gebauten Apsis befinden sich spätgotische Wandmalereien. In der Ortschaft Westrum steht die Kirche St. Elisabeth aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, die schon 1420 als stark zerstört erwähnt wurde. Es ist ein Backsteinbau, die Kirche wurde 1912 gründlich renoviert. Auch die evangelische Kirche in Wiefels wurde 1420 als stark zerstört beschrieben. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und hat im unteren Teil ein Granitquaderwerk, darüber Backstein. Fast alle Kirchen enthalten Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten. Die Glockentürme oder Glockenstühle stehen wie bei fast allen Kirchen auf der ostfriesischen Halbinsel separat jeweils neben den Kirchen.

Römisch-katholische Sakralbauten[Bearbeiten]

In Schillig wurde 1967 die St.-Marien-Kirche errichtet. Nach Abriss entstand an alter Stelle ein Kirchenneubau, der 2012 geweiht wurde.

Ein weiteres katholisches Gotteshaus, die St.-Ansgar-Kirche, befindet sich Ortsteil Hooksiel. Sie wurde 1966 erbaut und Anfang der 1980er Jahre erheblich erweitert. Sie verfügt seit 2009 über eine Pfeifenorgel mit sechs Registern, die aus der Werkstatt Martin ter Haseborg (Uplengen) stammt.[19]

Ein drittes katholisches Gemeindezentrum, die St.-Hedwig-Kirche, hatte ihren Standort in Hohenkirchen. Sie war 1975 erbaut worden und diente auch als Garnisonskirche den katholischen Bundeswehrangehörigen der Wangerland-Kaserne. Nach Schließung der Kaserne nahm die Zahl der Gemeindemitglieder erheblich ab. Sie wurde deshalb am 30. Mai 2007 profaniert und, da sich kein Käufer fand, Ende 2009 abgerissen.[20] Heute befindet sich auf dem Kirchengrundstück ein Privathaus.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Wangermeer
Nordsee Spielstadt Wangerland

Durch die unmittelbare Lage an der Nordsee gibt es einen erheblichen Fremdenverkehr in der Gemeinde. Dessen wirtschaftliche Bedeutung zeigt sich anhand der Übernachtungszahlen. Sie lagen 2012 bei 299.664 Übernachtungsgästen mit insgesamt 1.949.654 Übernachtungen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei 6,51 Tagen. Dabei sind mehr als die Hälfte der Urlauber zum wiederholten Male im Wangerland.[21]

1992 wurde die kommunale Kurverwaltung in die „Wangerland Touristik GmbH“ umgewandelt. Alle Ortsteile sind Erholungsorte, Horumersiel-Schillig ist ein Nordseeheilbad, Hooksiel und Minsen haben den Status von Küstenbadeorten.

Nördlich von Hohenkirchen befindet sich die Hotel- und Freizeitanlage „Dorf Wangerland“. Die Anlage entstand ab 2006 auf dem Gelände einer ehemaligen stillgelegten Bundeswehrkaserne. Die Teileröffnung fand im Frühjahr 2008 statt. Zum „Dorf Wangerland“ gehören acht Hotelgebäude mit 600 Betten in 231 Zimmern, Gaststätten mit 660 Sitzplätzen, ein Veranstaltungshaus für bis zu 300 Besucher, ein Kegel- und Bowlingcenter sowie die „Nordsee-Spielstadt Wangerland“ auf etwa 5700 Quadratmetern Fläche in drei Hallen.[22] Die Anlage grenzt an das rund 100 Hektar große, künstlich geschaffene Wangermeer, das im Rahmen von Deicherhöhungsmaßnahmen bei Minsen entstand.

Seit 2004 gibt es den Wangerländischen Pilgerweg, der 14 zum Teil bedeutende mittelalterliche Kirchen der Gemeinde verbindet. Im Gegensatz zu den klassischen Pilgerrouten wird der Wangerländische Pilgerweg allerdings bevorzugt mit dem Fahrrad abgefahren. Außerdem lässt sich die Route weitestgehend selbst bestimmen, da der Pilgerweg keine feste Strecke mit Start- bzw. Endepunkt vorgibt. Mit dem Rad lässt er sich innerhalb von ein oder zwei Tagen erkunden.[23][24]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist über die Landesstraße L 810 an die Bundesautobahn A 29 (Anschlussstelle Fedderwarden) angebunden. Die Landesstraßen L 808 und L 812 führen zu Anschlussstellen der Bundesstraße 210, die in Ost-West-Richtung die ostfriesische Halbinsel durchquert.

Die Gemeinde Wangerland ist durch Buslinien des Weser-Ems Bus mit Wilhelmshaven sowie Jever verbunden. In den Sommer- und Herbstferien verkehrt zusätzlich eine Urlauberbuslinie. Die Gemeinde Wangerland liegt im Gebiet des Verkehrsverbundes Ems-Jade.

Bis 1988 war das Wangerland über die Bahnstrecke Jever–Harle an das Schienennetz angebunden. Sie war eine 20 Kilometer lange Nebenbahn, die überwiegend dem Verkehr von und zu den Fährschiffen nach Wangerooge diente. Da der Schiffsverkehr nach Wangerooge abhängig von den Gezeiten ist, hatten viele Zugpaare einen täglich wechselnden Fahrplan, weshalb diese Fahrten als Tidezug und die Strecke als Tidebahn bezeichnet wurden. Seit der Einstellung der Bahn wird die Strecke von Bussen bedient.

Windenergie[Bearbeiten]

Windpark Bassens

Seit 1996 gibt es auf Acker- und Grünlandflächen zwischen den Ortsteilen Bassens, Funnens und Grimmens den Windpark Bassens. Die als Bürgerwindpark betriebene Anlage befindet sich etwa 500 m weit vom Nordseedeich entfernt und besteht aus 34 Windkraftanlagen von AN Bonus mit jeweils 600 kW Nennleistung. 21 Anlagen gehören den dort wohnhaften Landwirten und Bürgern. Mit rund 45 Millionen Kilowattstunden (kWh) im Jahr entspricht der Ertrag der Anlage etwa der Stromversorgungsmenge für rund 10.000 Haushalte. 2006 wurde der Windpark um 3 Anlagen mit zusammen 4 MW erweitert, die Gesamtleistung betrug damit 24,4 MW.

2013 wurde ein Repowering beschlossen. Die 34 Altanlagen werden abgebaut und durch 10 moderne Windkraftanlagen des Typs Siemens SWT-3.0-113 mit jeweils drei MW Nennleistung und einem Rotordurchmesser von 113 Metern ersetzt. Mit einer Leistung von zukünftig 34 MW soll der Windpark elektrische Energie für ca. 20.000 Haushalte liefern.[25]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Johann Heinrich von Thünen (*1783 in Canarienhausen)

Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde verbunden sind[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Erhard Ahlrichs: Horumersiel – Vom Sielort zum Nordseeheilbad, Hrsg.: Gemeinde Wangerland, Isensee-Verlag, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-130-4.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Bremen, Niedersachsen, Deutscher Kunstverlag, 2. Auflage, Berlin/München 1992, ISBN 3-422-03022-0.
  • Hermann Lübbing: Oldenburg, Historische Konturen. Heinz Holzberg Verlag, Oldenburg 1971, ISBN 3-87358-045-4
  • Almuth Salomon: Burgen und Häuptlinge im Wangerland. In: Emder Jahrbuch, 67. Band 1987, S. 38-54
  • Almuth Salomon (Bearb.): Erläuterungsheft zu Historisch-landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen. Blatt Wangerland/Hooksiel-West. (= Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen; 2, Teil 10), Hrsg.: Ehrhard Kühlhorn und Gerhard Streich, Hildesheim 1986, ISBN 3-7848-3630-5
  • Georg Sello: Die territoriale Entwicklung des Herzogtums Oldenburg. Oldenburg 1917
  • Georg Sello: Östringen und Rüstringen: Studien zur Geschichte von Land und Volk. Nach dem Tode des Verfassers hrsg. von seinem Sohn, Verlag Ad. Littmann, Oldenburg 1928, (Digitalisat).
  • Carl Woebcken: Jeverland. Gewesenes und Gebliebenes. In: Heft 8 der Mitteilungen des Jeverländischen Altertums- und Heimatvereins Jever, Verlag C. L. Mettcker & Söhne, Jever 1961, DNB 455728933.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wangerland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. in Übereinstimmung mit Albrecht Eckhardt: Oldenburgisches Ortslexikon, Band 2, Isensee Oldenburg 2011, ISBN 978-3-89995-757-0, Seite 1064
  3. Abschnitt I, Kapitel 1, §§ 1, 2. Nr. 7 Vereinfachungsgesetz vom 27. April 1933 (Gesetzblatt für den Freistaat Oldenburg – Oldb.Ges.Bl. – S. 176 f.)
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMichael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 25. März 2014.
  5. §§ 4 und 5 Nrn. 8, 22 und 23 Gesetz über die Neubildung von Gemeinden im Niedersächsischen Verwaltungsbezirk Oldenburg vom 26. April 1948 (Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt – Nds. GVBl. – S. 50 f.)
  6. Geschichtswerkstatt Wangerland e.V., abgerufen am 8. September 2012
  7.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 275.
  8. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 8. November 2011
  9. Rat hat künftig vier Mitglieder weniger, abgerufen am 8. November 2011
  10. a b Gemeinde Wangerland - Gemeinderatswahl 2011, abgerufen am 8. November 2011
  11. In 2006 noch als Das Linksbündnis angetreten
  12. Abwärtstrend bei Wahlbeteiligung gestoppt. In: ndr.de. 12. September 2011, archiviert vom Original am 25. August 2013, abgerufen am 2. Dezember 2014.
  13. Gemeinde Wangerland - Gemeinderatswahl 2006, abgerufen am 8. November 2011
  14. Gemeinde Wangerland - Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014, abgerufen am 22. Oktober 2014
  15. Olaf Lies: Über mich, abgerufen am 20. Juni 2013
  16. Wahlkreiseinteilung beim Bundeswahlleiter, abgerufen am 5. November 2011
  17. Jeversches Wochenblatt: Karin Evers-Meyer nicht zu schlagen, abgerufen am 23. September 2013
  18. Nationalpark-Haus Wangerland, abgerufen am 9. Februar 2014
  19. Katholische Kirche Wangerland: St. Ansgar Hooksiel; eingesehen am 9. Februar 2014
  20. Katholische Kirche Wangerland: Hooksiel und Hohenkirchen; eingesehen am 9. Februar 2014
  21. Dickes Plus bei den Tagesgästen – Wangerland Touristik meldet Zuwächse. Wilhelmshavener Zeitung vom 12. Januar 2013, Seite 12
  22. Dorf Wangerland – Chronik, abgerufen am 9. Februar 2014
  23. Wangerländischer Pilgerpfad – Kirchen im Wangerland − Im Schutz der Warfen und Deiche, abgerufen am 9. Februar 2014
  24. Altar birgt auf Rückseite ein Schätzchen, abgerufen am 9. Februar 2014
  25. 34 MW: Siemens liefert zehn Anlagen für Bürgerwindpark. In: IWR, 19. Juli 2013. Abgerufen am 19. Juli 2013.
  26. Klaus A. Zugermeier: Leben und Werk des Großherzoglich-Oldenburgischen Oberbaurats Hero Diedrich Hillerns (1807 - 1885), Heinz Holzberg Verlag, Oldenburg 1983, ISBN 3-87358-172-8
  27.  Carl Woebcken: Wanderfahrten durch das Friesenland. Oldenburg und Westerstede 1952, S. 54.
  28. Landkarten und Pläne aus der Bibliothek des Schlossmuseums, abgerufen am 22. Februar 2013
  29. Rudolf Wyrsch, Albrecht Eckhardt: 155 Oldenburger Köpfe - das Fotoalbum für den Oberdeichgräfen Hans Christoph Peters von 1867, Isensee Verlag, Oldenburg 2010, ISBN 978-3-89995-699-3
  30. Heinrich Schütte: Der geologische Aufbau des Jever- und Harlingerlandes und die erste Marschbesiedlung, in Oldenburger Jahrbuch 37 (1933), Stalling Oldenburg 1934