Wangerooger Friesisch

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Das Wangerooger Friesisch war ein Dialekt der Ostfriesischen Sprache, der bis etwa 1930 noch auf Wangerooge gesprochen wurde. Das Wangerooger Friesisch gehörte zur weserfriesischen Dialektgruppe des Ostfriesischen. Diese Mundart war durch das Beibehalten der th-Reibelaute in z. B. thrê "drei" und der betonten Endlaute wie in schüpu "Schiffe" gekennzeichnet.

Das Wangeroogische war neben dem Saterfriesisch eine der wenigen ostfriesischen Varianten der friesischen Sprache, die sich hier als Sprachinsel erhalten hatte. Durch die Umsiedlung des größten Teils der Wangerooger Bevölkerung aufgrund der Sturmflutkatastrophe des Winters 1854/55 nach Varel in die heutige Siedlung "Neu-Wangerooge" wurde die Wangerooger Sprachgemeinschaft auseinandergerissen. Bei der Neubesiedlung der Insel wenige Jahre später wurden die alten Bewohner nicht berücksichtigt. Das verursachte einen Bruch in der Sprachüberlieferung. Jedoch konnte sich das Wangerooger Friesisch anschließend auch an Orten auf dem Festland eine Weile behaupten. Doch die geteilte Sprachgemeinschaft war langfristig nicht mehr überlebensfähig. Auf der Insel verstarb der letzte Sprecher um 1930, in Varel starben 1950 schließlich die beiden letzten Muttersprachler des Wangerooger Friesisch. Damit gilt die Sprache als ausgestorben.

Es existieren verschiedene Aufzeichnungen von Erzählungen in dieser Sprache. In den 1990er Jahren fand der westfriesische Forscher Pyt Kramer im Nachlass Heinrich Georg Ehrentrauts (1798-1866) mehr als tausend Seiten mit Wangeroogischen Texten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Georg Ehrentraut: "Mittheilungen aus der Sprache der Wangeroger": der Nachlaß von H. G. Ehrentraut, betreffend den ostfriesischen Dialekt der Insel Wangerooge; aus dem Archiv des Mariengymnasiums Jever; Nachtrag und Ergänzung der "Mittheilungen" von H. G. Ehrentraut im "Friesischen Archiv" von 1847/49 und 1854. Bearbeitet und herausgegeben von Arjen P. Versloot. Ljouwert, Fryske Akademy und Aurich, Ostfriesische Landschaft, 1996, ISBN 90-6171-834-1.
  • Horst H. Munske (Hrsg.): Handbuch des Friesischen. Niemeyer, Tübingen 2001

Weblinks[Bearbeiten]