Wappen Baden-Württembergs

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Das Wappen Baden-Württembergs wird in zwei Varianten geführt, einem Großen und einem Kleinen Landeswappen.

Geschichte und gesetzliche Grundlagen[Bearbeiten]

Die Gründung des Landes Baden-Württemberg 1952 war nicht ohne Kontroversen abgelaufen, so dass eine Einigung über die Symbole, ja sogar den Namen des Landes selbst schwer fiel. So bestimmte die im November 1953 verkündete Verfassung zunächst nur die Landesfarben Schwarz-Gold, aber kein Wappen. Dieses wurde erst durch das Gesetz über das Wappen des Landes Baden-Württemberg vom 3. Mai 1954 bestimmt. Seine Verwendung wird zudem durch die Verordnung der Landesregierung über die Führung des Landeswappens vom 2. August 1954 geregelt. Die Gestaltung stammt von dem Grafiker Fritz Meinhard.

Paragraph 1, Absatz 1 des o.g. Gesetzes beschreibt das Wappen wie folgt:

In goldenem Schild drei schreitende schwarze Löwen mit roten Zungen.

Absätze 2 und 3 beschreiben das Große und Kleine Landeswappen (siehe unten). Inhaltlich greift das Wappen auf die Tradition des alten Herzogtums Schwaben zurück, dessen letzte Herzöge, die Staufer, dieses Wappen geführt hatten. Der Name Schwaben war für das neue Bundesland lange Zeit im Gespräch gewesen, scheiterte jedoch an Widerstand aus Teilen Badens.

Die Benutzung des Landeswappens ist genehmigungspflichtig und grundsätzlich nur den Behörden gestattet. Für den allgemeinen Gebrauch gibt es das sogenannte Baden-Württemberg-Signet (die drei Stauferlöwen in einem goldenen Oval)[1]. Dabei handelt es sich um ein Wappenzeichen, das von jedermann genehmigungsfrei verwendet werden kann.

Großes Landeswappen[Bearbeiten]

Großes Landeswappen Baden-Württembergs
Kleines Landeswappen mit den drei „Stauferlöwen“
Baden-Württemberg-Signet

Im Großen Landeswappen ruht auf dem Schild eine Krone mit Plaketten, die die wichtigsten historischen Bestandteile des Landes widerspiegeln. Dies sind (von heraldisch rechts nach links)

  • Franken mit dem fränkischen Rechen, der die fränkischen Gebiete im Nordosten des Landes repräsentiert; das ehemalige Herzogtum Ostfranken hatte seinen Schwerpunkt im Nordosten des heutigen Landes,
  • Hohenzollern (geviert von Silber und Schwarz) für die (zuletzt preußischen) hohenzollerischen Lande; bis 1849 existierte Hohenzollern als selbständiges Fürstentum und bis 1945 blieb es preußische Enklave in Württemberg,
  • Baden (in Gold ein roter Schrägbalken),
  • Württemberg (in Gold drei schwarze Hirschstangen),
  • der Pfälzer Löwe (in Schwarz ein goldener Löwe) erinnert an die Kurpfalz, deren Gebiet im Nordwesten rund um Heidelberg und Mannheim einen Großteil des späteren Großherzogtums Baden ausmachte und
  • (Vorder-)Österreich (Bindenschild), der Schild erinnert an den Breisgau und zahlreiche Kleinstgebiete am Neckar, an der oberen Donau in Oberschwaben und im Allgäu, die alle unter der Bezeichnung Vorderösterreich von der habsburgischen Krone abhingen.

Die Wappen der beiden großen namengebenden Territorien Baden und Württemberg sind im Vergleich zu den Wappen der kleineren Besitztümer etwas vergrößert ausgeführt.

Als Schildhalter stehen heraldisch rechts der Hirsch, der Württemberg repräsentiert, links der Greif für Baden. Greif bzw. Hirsch waren die Schildhalter in den Wappen der vor dem Krieg existierenden Länder Baden und Württemberg gewesen. Allerdings hat der Greif seinen Kopf nicht mehr wie im alten badischen Wappen nach außen gewendet. Ferner sind die Schildhalter gold-silbern gesprenkelt, da der badische Greif ursprünglich silbern und der württembergische Hirsch ursprünglich golden war. Schließlich stehen die Schildhalter auf einem Postament in den Landesfarben Schwarz-Gold, das im Gesetzestext nicht explizit erwähnt ist.

Das Große Landeswappen wird nur von bestimmten Behörden und Institutionen des Landes geführt. Laut Paragraph 1 der o.g. Verordnung sind dies: die Regierung, der Ministerpräsident, die Ministerien, die Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund und in europäischen Angelegenheiten, der Staatsgerichtshof und die obersten Gerichte des Landes, der Rechnungshof und die Regierungspräsidien.

Kleines Landeswappen[Bearbeiten]

Im kleinen Landeswappen ruht auf dem Schild eine Blattkrone, die als Volkskrone die Volkssouveränität nach dem Ende der Monarchie anzeigt. Das kleine Landeswappen wird geführt von allen Landesbehörden und -institutionen, die nicht das große Landeswappen führen, sowie von den Notaren.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Das Drei-Löwen-Wappen tritt erstmals um 1220 im Siegel des Staufers König Heinrich (VII.) auf,[2][3] der Herzog von Schwaben war. Nach dem Untergang der Staufer blieb das Herzogtum vakant, doch der Schwäbische Reichskreis und die schwäbische Reichsritterschaft verwendeten das Wappen. Im 15. Jahrhundert beanspruchten die Habsburger als Inhaber der deutschen Königskrone den an das Reich gefallenen Titel eines Fürsten in Schwaben und verwendeten das Wappen. Besondere Verbreitung fand es durch den Quaternionenadler. Auch an Monumenten für hochmittelalterliche Herzöge von Schwaben und Mitgliedern der Stauferfamilie brachte man im 15. und 16. Jahrhundert oft das Drei-Löwen-Wappen an. Das 1805/6 zum Königreich aufgestiegene Württemberg verwendete bis 1918 das Drei-Löwen-Wappen und der König nannte sich zeitweise "souveräner Herzog in Schwaben".

Ähnliche Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen des Hauses Waldburg zeigt in Gold drei schwarze Leoparden (d.h. schreitende, hersehende Löwen) übereinander, unterscheidet sich vom Landeswappen also nur durch die Blickrichtung der Wappentiere. Die Ähnlichkeit dieses Wappens zu dem der Staufer erklärt sich möglicherweise dadurch, dass die Waldburger zeitweise Ministeriale in staufischen Diensten waren. Die Waldburger legten vergeblichen Protest gegen die Annahme des baden-württembergischen Landeswappens ein, da es ihrer Auffassung nach ihrem eigenen Wappen zu ähnlich sah. Vom waldburgischen Wappen ist dasjenige der heutigen Gemeinde Waldburg abgeleitet.

Das Motiv der drei schreitenden Löwen findet sich heute auch im Wappen Kärntens, wo es von den mit den Staufern verwandten Babenbergern abgeleitet wird.

Das Wappen des Freistaates Bayern zeigt seit 1923 die drei Löwen als Symbol des schwäbischen Landesteils.

Das Wappen Dänemarks zeigt in goldenem, mit roten Herzen bestreutem Feld drei blaue schreitende Löwen, und das Wappen Englands zeigt in Rot drei goldene, hersehende schreitende Löwen (Leoparden) übereinander. Diese Wappen haben jedoch eine vom staufischen Wappen unabhängige Entstehungsgeschichte und zeigen die Löwen außerdem in anderer Tinktur.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesportal Baden-Württemberg: Baden-Württemberg-Signet
  2. Dieter Mertens: Spätmittelalterliches Landesbewusstsein im Gebiet des alten Schwaben, in: Matthias Werner (Hrsg.): Spätmittelalterliches Landesbewusstsein in Deutschland. Ostfildern 2005, S.93-m, hier S. 111-117 Online; siehe Abb. (Landesarchiv Baden-Württemberg)
  3. Peter Koblank: Stauferwappen. Das Wappen von Baden-Württemberg mit den drei Löwen geht auf die Staufer zurück. auf stauferstelen.net. Abgerufen am 25. März 2014.

Weblinks, Literatur[Bearbeiten]