Wappenschwindel

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Unter Wappenschwindel versteht man die bewusste Täuschung des Käufers eines Wappens über das Alter, den Umfang der Führungsberechtigung oder die Quelle.

Bei einer Täuschung über das Alter wird entweder ein selbst entworfenes Wappen als überkommenes verkauft oder ein neues Wappen mit einer erfundenen Genealogie. Der Umfang der Führungsberechtigung ist nicht richtig wiedergegeben, wenn der Wappenschwindler ein existentes Wappen einer Familie mit gleichem oder ähnlichem Namen verkauft und behauptet, alle Träger des gleichen Namens seinen berechtigt, das Wappen ebenfalls zu führen. Über die Quelle des vermeintlich alten Wappens wird getäuscht, wenn eine nicht existente Fundstelle des Wappens angegeben wird oder eine existierende Quelle angegeben wird, in der es nicht enthalten ist.

Die Wappenschwindelunternehmen waren vor allem von 1806 bis 1932 aktiv. Ein Grund dafür war, dass die deutschen Fürstenhöfe seit Ende des Alten Reiches (1806) die Ausstellung von Wappenbriefen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, einstellten, da die Hofpfalzgrafen, die dies bis dahin durchgeführt haben, mit seinem Ende verschwunden waren. Erst 1912 gründete König Friedrich August III. von Sachsen eine „Sächsische Stiftung für Familienforschung“, die in seinem Namen Wappenbriefe für Bürgerliche ausstellte.

Bekannte Wappenschwindler[Bearbeiten]

  • Max Asten (nannte sich selbst „von Asten“; * 1828; †1897), etwa 1850 bis 1895 in Neustadt an der Saale
  • Hugo Bieler (* 1827) 1856 bis 1890 in Berlin
  • Karl Fleischmann (* 1849; † 1913) in München
  • Gebhard Gartenschild (* 1773) in Wien
  • Berthold Großkopf (* 1874; † 1915) in Karlsruhe. Nach seinem Tod übernahm sein Bruder Emil die Werkstatt
  • Paul Gründel (* 1857; † 1931) in Dresden
  • Raimund Günther (* 1860; † 1935) in Salzburg
  • Adolph Hebensperger (* 1864; † 1897) in München
  • Hermann Hermann (* 1874; † 1952) in Wien
  • Levi Herschbach (auch Leopold bzw. Hirschbach; * 1805; † 1893) in Köln

Literatur[Bearbeiten]

  • Arndt, Jürgen (Bearb.): Der Wappenschwindel, seine Werkstätten und ihre Inhaber - Ein Blick in die heraldische Subkultur. Verlag Degener & Co., 1997, Neustadt an der Aisch. ISBN 3-7686-7013-9