Waratah (Schiff)

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Waratah
Waratah1909.jpg
p1
Schiffsdaten
Flagge Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich (Handelsflagge) Vereinigtes Königreich
Schiffstyp Kombischiff
Reederei Blue Anchor Line
Indienststellung 1908
Verbleib Ende Juli 1909 verschollen
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
140 m (Lüa)
Breite 18 m
Vermessung 9.340 BRT
Maschine
Maschine 2 × 4-Zyl.-Dampfmaschine
Geschwindigkeit max. 13,5 kn (25 km/h)

Die Waratah war ein Dampfschiff, das im Juli 1909 auf der Reise von Durban nach Kapstadt vor der südafrikanischen Küste verschwand. Das Schicksal des Schiffes ist bis heute ungeklärt. Es wird vermutet, dass die Waratah in einem Sturm unterging. Es wurden bis heute keinerlei Überreste gefunden.

Es gab mehrfach Versuche, das Wrack zu lokalisieren. Die südafrikanische NUMA (South-Africa National Underwater and Marine Agency) berichtete 1987, das Schiff 10 km vor der Küste entdeckt zu haben,[1] 2001 stellte sich aber heraus, dass es sich um ein anderes Schiff handelte, die Nailsea Meadow, gesunken im Zweiten Weltkrieg.[2] Der Südafrikaner Emlyn Brown, der Leiter der NUMA, der jahrzehntelang nach dem Wrack suchte, gab 2004 auf.

Die Fakten[Bearbeiten]

Die Waratah, ein 140 Meter langes, 18 Meter breites und 9.340 BRT großes Dampfschiff, war 1908 von einer Werft in Glasgow (Schottland) gebaut worden und sollte das Flaggschiff der bekannten Blue Anchor Line werden. Die Waratah sollte als Passagier- und Frachtschiff nach Australien dienen. Das Schiff konnte mit seinen beiden Vierzylinder-Dampfmaschinen eine Höchstgeschwindigkeit von 13,5 Knoten (25 km/h) erreichen. Sein Name leitete sich von der Blume Waratah ab, die das Symbol des australischen Bundesstaats New South Wales ist.

Das Schiff fuhr 1908 in seiner Jungfernfahrt von London nach Australien. Die Fahrt verlief problemlos. Anschließend sollte die Waratah 1909 von Australien über Südafrika wieder nach London zurückfahren. Sie verließ Durban am 26. Juli 1909 mit 92 Passagieren, 119 Mannschaftsmitgliedern und über 10.000 Tonnen diverser Fracht. Ihr Kapitän, Joshua E. Ilbery, hielt sie für ein seetüchtiges Schiff, vielleicht etwas topplastig und mit einem Hang zum „Schlingern und Steckenbleiben“. Einer der Zeugen für eine nicht korrekte Trimmung des Schiffes auf der Jungfernfahrt nach Australien ist der Nobelpreisträger William Henry Bragg, ein Passagier. Die Berichte über die Instabilität des Schiffes sind allerdings widersprüchlich, wie sich in der offiziellen Untersuchung ergab. Eine leichte Topplastigkeit war damals bei Passagierschiffen nicht ungewöhnlich wegen des langsameren Rollens.

Die Waratah wurde am 27. Juli morgens um 9.30 von der Clan McIntyre gesehen,[3] bei im Laufe des Tages sich drastisch verschlechterndem Wetter mit Windgeschwindigkeiten um die 50 Knoten und Wellen bis 9 m Höhe. Bei schlechter Sicht wurde das Schiff nochmals am Abend von der Guelph gesehen (allerdings konnte der 3. Offizier nur die Endbuchstaben TAH des Namens beim Austausch von Lichtsignalen erkennen) und möglicherweise von der Harlow. Diese sah einen Dampfer,[4] der unter starker Rauchentwicklung 10 Seemeilen hinter der Harlow gegen die Wellen ankämpfte, schließlich um 20 Uhr zweimaliges Aufblitzen nahe der Position des Schiffs, dessen Lichter danach nicht mehr zu sehen waren. Das Aufblitzen hielt der Kapitän der Harlow zunächst für Feuerstellen an der Küste und schenkte ihm keine weitere Aufmerksamkeit und trug auch nichts ins Logbuch ein.[5] Bei seiner Ankunft auf den Philippinen sprach der Kapitän gegenüber einem Lloyd´s-Agenten allerdings von einer Explosion und hielt die Rauchentwicklung für Feuer.[6]

Als die Waratah nach ihrer nur dreitägigen Überfahrt am 29. Juli 1909 nicht in Kapstadt eintraf, hielt es zunächst niemand für möglich, dass dieses moderne Schiff untergegangen sein könnte. Es hatte zwar ein Unwetter gegeben, aber andere Schiffe hatten die gleiche Route gemeistert. Wrackteile und Leichen wurden nicht gesichtet und auch keine Rettungsboote an Land getrieben. Man ging deshalb davon aus, dass die Waratah einen Maschinenschaden erlitten hatte und nun umherdriftete. Der Schiffsfunk steckte noch in seinen Kinderschuhen, und die Waratah war noch nicht mit dieser modernen Technik ausgerüstet, um eventuell Hilfe anzufordern.

Am 31. Juli 1909 nahmen zwei Kreuzer der Royal Navy die Suche auf, kehrten aber zehn Tage später unverrichteter Dinge zurück. Die australische Regierung charterte einen Monat lang das Suchschiff Severn, das nach 4.345 Kilometern ebenfalls ohne Ergebnis aufgab. Der Dampfer Sabine suchte vom 11. September bis 7. Dezember 1909, legte in diesen 88 Tagen 22.500 Kilometer zurück und streifte sogar die Ausläufer der Antarktis. Als noch immer jedes Lebenszeichen fehlte, wurde die Waratah am 15. Dezember 1909 bei Lloyd's schließlich als vermisst gemeldet.

Die Küste zwischen Durban und Kapstadt ist wegen ihres stürmischen, unvorhersehbaren Wetters und der ungestümen See bekannt. Wenn ein Südweststurm die Strömung am Nadelkap aufpeitscht, sind 18 Meter hohe Wellen durchaus keine Seltenheit. Viele Schiffe sind in diesen Gewässern bereits verlorengegangen oder beschädigt worden.

Gerüchte und Falschmeldungen[Bearbeiten]

Recht bald schossen Gerüchte und Falschmeldungen aus dem Boden. Sie reichten von in Australien angespülter Flaschenpost über angeblich von afrikanischen Stämmen nahe der Küste aufgezogene weiße Kinder bis hin zu Männern, die sich als Überlebende ausgaben und ihre Geschichte an die Presse verkaufen wollten. Außerdem gaben Hellseher vor, die Position des Wracks ausmachen zu können. In jedem Fall blieb bzw. bleibt die Waratah eines der ungelösten Rätsel der Schifffahrtsgeschichte. Ihr Schicksal ist bis zum heutigen Tag nicht geklärt. Es gilt als nahezu sicher, dass das Schiff bei schlechtem Wetter unterging. Ob die Ursache letztlich in mangelnder Stabilität, baulichen Mängeln oder einer sogenannten Monsterwelle liegt, wird wahrscheinlich nie geklärt werden.

Offizielle Verlautbarung[Bearbeiten]

Eine Kommission befand 1910/11 in London, die Waratah sei zwar seetüchtig gewesen, aber bei stürmischer See plötzlich gekentert und verschollen. Die Kommission empfahl weitere Untersuchungen zur Stabilität von Ozeanschiffen.

Literatur[Bearbeiten]

  • John Harris: Without trace – the last voyage of eight Ships. Mandarin, 1989, ISBN 0-7493-0043-4.
  • Geoffrey Jenkins: Das Logbuch der Waratah. Goldmann, München 1971, ISBN 3-442-24058-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. NUMA-Bericht Waratah
  2. NUMA-Bericht 2001
  3. Bei 32 Grad, 17 Minuten Süd, 29 Grad, 17 Minuten Ost. Vgl. Evening Standard vom 24. September 1909.
  4. Etwa 180 Seemeilen von Durban entfernt, 51 Seemeilen von der Sichtung der Clan McIntyre entfernt, etwa bei 31 Grad, 18 Minuten Süd, 29 Grad, 45 Minuten Ost. Evening Standard, loc. cit.
  5. Mysterious Ship Disappearance
  6. Evening Standard, loc. cit.