Ware

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ware (Begriffsklärung) aufgeführt.

Eine Ware im Sinne der Wirtschaftswissenschaften ist ein materielles Wirtschaftsgut, welches Gegenstand des Handelsverkehrs ist oder als Gegenstand des Warenumsatzes in Betracht kommen könnte. Im Unterschied zur Dienstleistung steht bei einer Ware die materielle Produktion oder der materielle Wert im Vordergrund. In speziellen Teilbereichen der Volkswirtschaftslehre (Wirtschaftstheorie) kann Ware allgemein für alle Güter stehen, die auf einem Markt angeboten und nachgefragt werden. Im Zollrecht werden alle körperlichen Gegenstände als Ware bezeichnet.[1]

Herkunft und Bedeutung[Bearbeiten]

Die „Ware“ als Wort (sprachliches Symbol) hat als ökonomischer Begriff (Bedeutung des Wortes) eine indogermanische Wurzel.

Der Wortstamm „war“ bezieht sich zunächst auf das Rind, sodann auf gehandelte Sklaven („waru“) und verpackte Sachen (lateinisch vasa), insgesamt Werkzeug im weitesten Sinn. Das Kapital (lateinisch caput/capitalis, „was den Kopf/das Leben angeht“) geht auf den Viehbestand zurück. Das Verlangen nach Vieh (lateinisch pecus/pecunia: Vermögen) ist der etymologische Hintergrund des englischen Wortes „war“ für Krieg. Die Bedeutung von „Ware“ im Deutschen hat als Begriff im Englischen keine Entsprechung.

„Ware“ als die begriffliche Abstraktion dessen, was nachhaltig unter Gewahrsam genommen wird, trifft nicht die ursprüngliche Wortbedeutung, sondern ist ein in der sprachlichen Entwicklung begrifflich nachgeordneter Schritt im Mittelhochdeutschen. Für Vertrauensangelegenheiten wie „wahr“, „Ware“, „Wert“, „Wart“, „Wirt“, „Wirtschaft“ verbindet eine begrifflich gemeinsame Etymologie zur Wortfamilie. Die Bedeutung der Verwaltung eines Hauswesens als „Wirtschaft“ kommt im 17. Jh. auf.

Die Kategorie „Ware“ ist nach Artur Kutzelnigg (1904–1984) ein Oberbegriff zur Realökonomie – in allgemeinster Bestimmungsweise oder Seinsbereich der Gegenstand des Wirtschaftens. Kutzelnigg geht vom physischen Verhältnis aus, das zwischen dem Menschen und seiner Umwelt besteht. Dieser bioökonomischen Grundbedeutung von „Ware“ als Mittel zur Lebenserhaltung kommt unter dem Paradigma der Nachhaltigkeit in der Warenlehre Priorität zu.

Die sozialwissenschaftliche Sichtweise in den Wirtschaftswissenschaften fasst den Begriff „Gut“, weil darunter auch Dienstleistungen verstanden werden, weiter als „Ware“. Die Unterscheidung von Dienstleistungen (durch Personen) und Sachen geht auf das römische Recht zurück. Tatsächlich aber stellt der Gebrauchswert der Ware eine Sach-Dienstleistung dar.

Als Mittel zur Bedarfsdeckung, Träger des monetären Gewinns im Tauschwert, ist in der Betriebswirtschaft der Begriff „Produkt“ üblich. Markenwaren sind standardisierbare Erzeugnisse und in der Regel als Warenzeichen eingetragene Marken (auf einer Ware angebrachte Zeichen: französisch marqueMarke“ = Beziehung zwischen einer Idee und einem Problem und seiner Lösung), Träger der Botschaft ist dabei die Verpackung (als Werbeträger).

Als Träger von Tauschwerten ist die Ware Gegenstand des Handels (kommerzielles Objekt: englisch "commodity"). Die ordentliche Kenntnis der Ware ist der Anfang der Warenkunde, als dessen Vater der Kameralist Johann Beckmann (1739–1811) gilt. Seither ist die Warenkunde für die Ausbildung der Einkäufer und Verkäufer eine Schlüsselqualifikation.

Wirtschaftstheorie des Marxismus[Bearbeiten]

In vorkapitalistischen Gesellschaften bestand der überwiegende Teil der Gesellschaft aus Bauern. Diese produzierten fast ausschließlich für den Eigenbedarf und betrieben noch keinen nennenswerten Handel. Die hergestellten Güter hatten für die Bauern somit einen individuellen Gebrauchswert. Im Kapitalismus werden die hergestellten Arbeitsprodukte über Märkte getauscht und dadurch werden alle Arbeitsprodukte zu Waren (Anmerkung: Im Kapitalismus zählte Marx auch die menschliche Arbeitskraft zu den Waren[2]). Für ein Tauschgeschäft benötigt man einen Maßstab und deswegen wird den Waren ein Tauschwert zugesprochen, der vom Gebrauchswert stark abweichen kann. Marx bezeichnete diese lediglich zugesprochene Wirklichkeit als Warenfetisch. Der Doppelcharakter von Gebrauchswert und Tauschwert ist Ausgangspunkt der Marxistischen Ökonomie. [3]

Wirtschaftstheorie der Marktwirtschaft[Bearbeiten]

Zwischen den Unternehmen (Produktion) und den Haushalten (Konsum) bewegt sich ein Strom von Gütern. Der Güterstrom umfasst sowohl Waren (materiell) als auch Dienstleistungen (immateriell). Der Marktpreis dieser Güter ergibt sich grundsätzlich aus dem Ausgleich von Angebot und Nachfrage. Die Marktpreise werden auf Seite der Haushalte beeinflusst durch Einkommensveränderungen, Einkommenssteuersätze und Erwartungen (Konjunkturlage und damit verbundenen Optimismus und Pessimismus). Auf Seiten der Unternehmer werden die Marktpreise beeinflusst durch Veränderung der Materialkosten, der Steuern, der Produktivität und der Löhne. Die frei handelnden Unternehmer sollen durch Gewinnmaximierung und Wettbewerb für eine effiziente Versorgung der Konsumenten mit Ware sorgen.[4] Auf den Warenkauf oder den Tausch von Waren werden in Deutschland die Vorschriften des Handelsgesetzbuches, des Bürgerlichen Gesetzbuches oder des UN-Kaufrechts.[5] angewendet.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wiktionary: Ware – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Ware – Zitate

Literatur[Bearbeiten]

  • Artur Kutzelnigg: Terminologie der Warenkategorien., Franz Nowack Verlag, Frankfurt am Main 1965.
  • Artur Kutzelnigg: Wort und Begriff „Ware“. In: Die Ware im Weltbild der Wirtschaft. Festschrift für Edmund Grünsteidl zum 70. Geburtstag, Österreichischer Gewerbeverlag, Wien 1970, S. 24–32.
  • Leo Weisgerber: Wort und Ware. In: Die Ware in Wirtschaft und Technik. Festschrift zum 65. Geburtstag von Artur Kutzelnigg. Verlag Neue Wirtschafts-Briefe, Herne/ Berlin 1969, S. 187 – 195.
  • Richard Kiridus-Göller: Die Warenwissenschaft in ihrer Tradition und Bedeutung. In: Reinhard Löbbert (Hrsg.), Helmut Lungershausen (Red.): Der Ware Sein und Schein. Zwölf Texte über die Warenwelt, in der wir leben. Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten 2002, S. 179 - 200.- ISBN 3-8085-9857-3
  • Eberhard K. Seifert: Zur nachhaltigen Rehabilitierung der ‚Ware’.- In: Reinhard Löbbert (Hrsg.), Helmut Lungershausen (Red.): Der Ware Sein und Schein. Zwölf Texte über die Warenwelt, in der wir leben. Verlag Europa Lehrmittel, Haan-Gruiten 2002, S. 201 - 211.- ISBN 3-8085-9857-3
  • Richard Kiridus-Göller / Eberhard K. Seifert (Hrsg.): Evolution – Ware – Ökonomie. Bioökonomische Grundlagen zur Warenlehre. oekom Verlag, München 2012.- ISBN 978-3-86581-317-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gablers Wirtschaftslexikon, 12. Auflage, S. 2599
  2. Gablers Wirtschaftslexikon, 12. Auflage, Gabler, S. 2599
  3. Karl Marx, Das Kapital. Band I, Ernstes Kapitel
  4. Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Helmut Schuster, 4. Auflage, Linde, S. 13–53
  5. UN-Kaufrecht, Kapitel I., Artikel 1 Anwendungsbereich.